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Neue Solidarität
Nr. 4, 24. Januar 2019

Die britische Rolle im Putschversuch gegen Präsident Trump

Von Barbara Boyd
– Teil 1 –

Das LaRouche-Aktionskomitee in den Vereinigten Staaten veröffentlichte Mitte Januar ein umfangreiches Dossier über die britischen Machenschaften zur Beeinflussung der Politik im Ausland und insbesondere in den Vereinigten Staaten, das wir in dieser und den kommenden Ausgaben in drei Teilen abdrucken. Der erste Teil befaßt sich mit den Zielen der britischen Politik, die erst kürzlich in einem Bericht des Oberhauses dargelegt wurden.

So manch einer, der zu verstehen versucht, warum Donald Trump und die amerikanische Verfassung dermaßen heftig attackiert werden, wird sich ratlos am Kopf kratzen. Stimmt das Mem, das der rechte Sender Fox News verbreitet, daß dahinter nur Parteigänger Barack Obamas und Hillary Clintons an der Spitze des Justizministeriums stecken, die sich mit einem Haufen unwissender, hitzköpfiger, politisch korrekter „Millennials“ und verbitterter Apparatschiks des „Staats im Staat“ in den Nachrichtenmedien verschworen haben? Wenn ja, warum wird der Präsident dann nicht effektiver verteidigt? Ist der „Staat im Staat“ („Tiefe Staat“) einfach nur die permanente Bürokratie der amerikanischen Regierung, die wie ein Schleimpilz im Sumpf der Hauptstadt weiterexistiert, egal, wen die Wähler wählen? Oder sind ganz Washington und der größte Teil von New York City, Massachusetts und Kalifornien komplett verrückt geworden, weil dort Außerirdische gelandet sind, die ihre Gehirne auffressen? Insekten aus dem All, die zur Waffe gemacht werden – natürlich, von wem sonst, von Wladimir Putin, der in irgendeinem Geheimlabor in Sibirien alles zur Waffe macht, sogar – Achtung, Trommelwirbel – Witze, wie die BBC behauptet?1

Zum Glück ermöglichen es uns zwei Absonderungen von den Britischen Inseln aus jüngster Zeit – die eine gestohlen, die andere selbstverräterisch –, der Wirklichkeit ein gutes Stück näherzukommen. Am 23. November 2018 begann jemand, gestohlene Dokumente der „Integrity Initiative“ des britischen Militärs zu veröffentlichen,2 einem internationalen Netzwerk von Politikern, Journalisten, Akademikern, Stiftungen und Militäroffizieren, das unter dem Deckmantel einer schottischen gemeinnützigen Organisation eine schmutzige Kampagne Schwarzer Propaganda betreibt, finanziert vom britischen Außen- und Commonwealthamt, der NATO, Facebook und verschiedenen „Quangos“3 der Geheimdienste wie der amerikanischen Smith-Richardson-Stiftung. Am 18. Dezember veröffentlichte dann das britische Oberhaus einen Bericht über die „Erfordernisse“ der britischen Politik4 – Erfordernisse, für welche die Informationskrieger der „Integritäts-Initiative“ und ein ganzer Schwarm ähnlicher Einrichtungen Unterstützung in der Bevölkerung wecken sollen.

Die Integrity Initiative behauptet, sie kämpfe gegen „russische Hybrid-Kriegsführung“, eine Form des Kleinkrieges, den Rußland angeblich führt. Ihre eigenen entwendeten Papiere stellen aber nicht Putin, sondern die Integrity Initiative selbst als Meister der Propaganda bloß, die alles und jeden bekämpfen und verleumden, den sie für „subversiv“ halten, wie den Vorsitzenden der britischen Labour-Partei Jeremy Corbyn, Bernie Sanders, andere prominente Kriegsgegner und Donald Trump.

Die der Geheimniskrämerei entrissenen Dokumente zeigen, daß Sir Andrew Wood und der Führungsoffizier von Sergej Skripal beim MI-6, Pablo Miller – die beide mit Christopher Steeles Firma Orbis Business Intelligence zusammenhängen –, auch enge Beziehungen zur Integrity Initiative pflegen. Auf Skripal und dessen Tochter gab es 2018 in Salisbury einen Giftanschlag, eine der bekannteren Schwindeloperationen der britischen Geheimdienste gegen Rußland. Steele wiederum ist bekanntlich der Verfasser des widerlichen, offensichtlich frei erfundenen Dossiers über Donald Trump und Wladimir Putin, das jetzt schon seit über zwei Jahren den Russiagate-Skandal in den Vereinigten Staaten in Gang hält und das ganze Land in eine Hysterie stürzt wie zuletzt bei McCarthys Hexenjagd. Menschen, die früher die Verfassung verteidigten, gehen jetzt plötzlich für das FBI und für die CIA auf die Straße und verlangen, daß ein Sonderermittler faktisch zur vierten Gewalt im Staat erhoben wird.

Unser Bericht besteht aus drei Teilen. Zunächst untersuchen wir, was das House of Lords, das britische Oberhaus, zu Geboten und Zielen der heutigen britischen Außenpolitik erklärt hat. Dann untersuchen wir die Propagandaoperationen der Integrity Initiative zur Förderung dieser Ziele, mit ihren Ursprüngen in der erneuerten britischen Kampagne für einen Regimewechsel und Krieg gegen Rußland nach dem Putsch in der Ukraine 2014. Zuletzt stellen wir den Russiagate-Schwindel in Amerika in diesen strategischen Kontext und zeigen, wie es möglich war, daß ein so offensichtlicher Geheimdienstschwindel wie das dem MI-6-Agenten Christopher Steele zugeschriebene „Schmuddeldossier“ über Trump mehr als zwei Jahre lang die politische Debatte in den Vereinigten Staaten beherrschen, weitverbreitete Wahnvorstellungen über Rußland und China erzeugen und unsere Regierung lähmen konnte.

Nach der Lektüre dieses Berichts werden Sie hoffentlich zu dem Schluß gelangen, daß 2019 das Jahr sein muß, in dem wir dem dekadenten, verzweifelten, scheiternden anglo-holländischen Empire den Garaus machen können und müssen. Lyndon LaRouche hat dargelegt, daß es vier Länder gibt, die zusammen über das dafür nötige wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Potential verfügen, auch in einer Zeit, in der die riesige Finanzblase, die die Londoner City und die Wall Street zum zweitenmal geschaffen haben, wieder kurz vor dem Platzen steht. Diese Nationen sind die Vereinigten Staaten, Rußland, China und Indien. Wenn diese vier Mächte sich darauf einigen, ein neues Weltfinanzsystem mit festen Wechselkursen zu schaffen, und ihren Kredit und die Energien ihrer Völker für eine umfassende Entwicklung der Welt, fundamentale Durchbrüche in der Wissenschaft und das großartige Abenteuer der Erforschung und Besiedelung des Weltraums einsetzen, dann können wir eine neue Renaissance erschaffen.

Die britischen Lords haben diese Herausforderung offensichtlich voll und ganz verstanden. Ihre Feinde und Opfer in ihrem Bericht sind genau diese vier Länder. Gegenüber Rußland wollen sie die Strategie der Eindämmung, wirtschaftlichen Isolation und politischen Destabilisierung fortsetzen. Sie haben Pläne, Indien und China geistig zu unterwandern und möglichst ganz in ihre globalistischen Institutionen und Machenschaften einzubinden. Und in den Vereinigten Staaten haben sie ein unmittelbares Ziel, nämlich, den „Betriebsunfall“ der Wahl Donald Trumps ungeschehen zu machen, indem man Trump auf die eine oder andere Art loswird.

I. Die oberste Priorität des Oberhauses: keine zweite Amtszeit von Donald Trump

Der Bericht des House of Lords, mit mehreren Dokumentationen und Anhängen, trägt den Titel: „Britische Außenpolitik in einer sich ändernden Welt“4

Die folgenden Darlegungen stützen sich auf den Bericht selbst, auf dessen Dokumentationen und Anhänge sowie auf weitere Erklärungen wesentlicher Beteiligter, die an der Formulierung der Schlußfolgerungen des Berichtes mitgewirkt haben.

Im Haupttext des Berichts ereifern sich die Lords, Donald Trump gefährde die globalistische, „auf die Regeln der Nachkriegszeit gestützte internationale Ordnung“ und die „Sonderbeziehung“ zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Gleichzeitig feiern sie ihre Erfolge beim Infiltrieren und Steuern der Vereinigten Staaten seit dem Zweiten Weltkrieg. Die aus dieser Sonderbeziehung hervorgegangene verdeckte Zusammenarbeit zwischen dem Militär und den Geheimdiensten beider Länder sei stark genug, um eine Amtszeit Donald Trumps zu überleben – aber nicht zwei. Gleichzeitig sind sie entsetzt über die eigenmächtigen Entscheidungen des Volkes beim Brexit-Votum in Großbritannien und bei der Präsidentschaftswahl 2016 in den Vereinigten Staaten. Im freien Zugang der Bevölkerung zu Informationen sehen sie eine zentrale Bedrohung für ihre Fähigkeit zur Herrschaft. Als Reaktion darauf wollen sie ein Zensur- und Propagandaregime schaffen, gegenüber dem das „Wahrheitsministerium“ aus George Orwells Roman 1984 wie ein Kinderspiel erscheint.

Einige Leser mit besserem Gedächtnis werden sich vielleicht noch daran erinnern, daß Senator John McCain und andere auf die Wahl Trumps mit dem Ruf nach Krieg reagierten, indem sie die Aktivierung von Artikel 5 des NATO-Vertrages forderten; sie behaupteten, die „russische Einmischung“ in die Präsidentschaftswahl 2016 sei ein kriegerischer Akt und Donald Trump wolle die auch von den Lords zitierte „regelbasierte internationale Ordnung“ kaputtmachen. Dann berichtete CIA-Chef John Brennan, die Briten und ihre NATO-Satrapen wie Estland hätten ihm schon seit Ende 2015 Hinweise auf ein Komplott Trumps mit Rußland geliefert, weil sie fürchteten, Trump könne die Sonderbeziehung beenden. Christopher Steele vom MI-6 griff dies auf und erzählte seinem Kollaborateur im US-Justizministerium, Bruce Ohr, er bemühe sich verzweifelt, Trumps Wahl zu verhindern, und sei bereit, dafür „fast alles“ zu tun. Nach der Wahl begann dann der Geheimdienstausschuß des US-Senats seine absurden Ermittlungen über „russische schmutzige Tricks“, denen Trump angeblich seinen Wahlsieg verdankte. Bei der ersten öffentlichen Anhörung beeindruckte eine Parade von britischen Experten und Amerikanern wie Roy Godson, die dem Empire die Füsse küssen, die bis zur Idiotie leichtgläubigen Senatoren mit Ammenmärchen von geradezu überirdisch wirksamen russischen „aktiven Maßnahmen“, mit denen Amerikaner aus der Unterschicht u.a. durch rassistische Facebook-Mems und Spottkarikaturen über Hillary Clinton zur Wahl Donald Trumps verleitet worden seien. Wer auch nur ein Mindestmaß an Intelligenz besitzt, konnte bei diesem Spektakel nur tiefe Beschämung für die Vereinigten Staaten empfinden.

Nachkriegsordnung und Sonderbeziehung

Um all dies in die richtige Perspektive zu setzen, ist es nützlich, sich die Geschichte der „regelbasierten internationalen Ordnung“, von der im Bericht der Lords ständig die Rede ist, einmal genauer anzuschauen. Diese Ordnung, die am Ende des Zweiten Weltkriegs von der US-Regierung Truman und von Winston Churchill verkündet wurde, hielt am Kolonialismus fest, allerdings in einer modernisierten, institutionellen Form der Schuldensklaverei und vorsätzlicher mörderischer Unterentwicklung für die große Masse der Weltbevölkerung.

Dies widersprach den Absichten des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und eines großen Teils der damaligen amerikanischen Bevölkerung. Der Weltwährungsfonds (IWF) und die Weltbank, Institutionen des Bretton-Woods-Systems, die Franklin Roosevelt nutzen wollte, um die ganze Welt wirtschaftlich zu entwickeln und den britischen Kolonialismus zu beenden, wurden stattdessen zur Obrigkeit eines imperialen Finanzsystems, das weltweit malthusianische Bevölkerungskontrolle und Unterentwicklung durchsetzte und gleichzeitig dem Empire den Zugriff auf wichtige Mineralien und andere Rohstoffe sicherte. Dieses vorherrschende „Bündnis“ baute ein weltweites Netz von Militärstützpunkten auf, um die imperiale Macht „zu projizieren“, wie es die Lords formulieren – auf der Grundlage der Methoden der britischen Kolonialpolitik und geopolitischer Ränke.

Nach dem Zweiten Weltkrieg genossen die USA und andere Nationen des entwickelten Sektors eine Zeitlang wirtschaftlichen Wohlstand. Das ist die Periode, die Präsident Trump als die Ära der amerikanischen „Größe“ bezeichnet. Sie war das Resultat bestehender und neuer kapitalintensiver Investitionen in den Aufbau der Infrastruktur in den Vereinigten Staaten, in neue Fabriken und Ausrüstungen und den weiteren Ausbau der Kapazitäten des Maschinen- und Anlagenbaus, die in der Kriegsmobilisierung eine so wichtige Rolle gespielt hatten. Dazu gehörten auch großartige wissenschaftliche und technische Pionierprogramme wie Kennedys Mondmission. Aber solche Programme, in denen sich das Erbe des Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie von Hamilton, Lincoln und Roosevelt widerspiegelte, wurden 1967 praktisch eingestellt, als London in die Offensive ging, um die Kontrolle über die Finanzströme der Welt zurückzugewinnen. Die Briten wählten als Zeitpunkt für diese Offensive genau den Moment, in dem die Vereinigten Staaten unten den finanziellen und kulturellen Folgen des mörderischen Vietnamkriegs litten. Nach einer Reihe vorbereitender Schritte gelang es ihnen am 15. August 1971, das Bretton-Woods-System mit seinen festen Wechselkursen zu zerstören.

Mit dem Ende von Bretton Woods wurden schwankende Wechselkurse, Währungskriege und spekulative Wettgeschäfte zur Regel. Vorschläge für große Entwicklungsprojekte wurden als zu teuer oder finanziell unvorhersehbar aufgegeben. In den Volkswirtschaften der entwickelten Länder wurde systematisch die Industrie abgebaut und alles auf das Finanzgeschäft ausgerichtet, die früheren Industrieregionen wurden stillgelegt. Arbeitsplätze wurden auf der Suche nach den billigsten Arbeitskräften in die ganze Welt ausgelagert. Nahrungsmittelkartelle traten an die Stelle der Familienbetriebe in der Landwirtschaft, und das Eisenbahnnetz der USA wurde immer weiter verkleinert und großenteils aufgegeben, die Bevölkerung wurde auf der Suche nach einem Lebensunterhalt immer mehr in die Ballungsräume an den Küsten gedrängt. Als Ersatz für produktive Arbeitsplätze und eine nationale Mission, wie es Kennedys Weltraumprogramm gewesen war, bot man der Bevölkerungsmehrheit Gelegenheits- und Dienstleistungsjobs, Drogen, Pornographie, Sport und Unterhaltung à la Hollywood, um ihnen die Zeit zu vertreiben.

Die neue Religion der „Umweltschützer“ und ihr Ableger, der Kult des anthropogenen Klimawandels, dienten der Rechtfertigung von Massenmord durch Unterentwicklung der Welt, um den Wunsch von Leuten wie Prinz Philip und Prinz Bernhard von den Niederlanden zu erfüllen, die die Weltbevölkerung am liebsten auf ein bis zwei Milliarden Menschen reduzieren wollen. „Wissenschaft“ reduzierte sich auf Statistik und Informationstechnik anstelle der wahren Wissenschaft, die früher die eigentliche Quelle amerikanischer Größe war: große Ideen, mutige Experimente und ständige Entdeckungen und die Kreativität, wie es typisch für die Entwicklung der Kernkraft und die bemannte Raumfahrt ist. Stattdessen wurde die Londoner City, dieses private Konglomerat, gegen das die Amerikaner einst eine Revolution erkämpften, wieder zum Zentrum der globalen Finanzwelt. Ihre Mantras „Freihandel, freies Unternehmertum und ,schlanker’ Staat“ wurden ständig von allen nachgebetet, die reich und berühmt werden wollten.

Ein großer Teil des Erfolgs dieser Infiltration kann darauf zurückgeführt werden, daß die Briten die schlichte Tatsache erkannten, daß der wichtigste Kampfschauplatz der strategischen Kriegführung und der Strategie überhaupt die Denkweise der Menschen betrifft, und die Frage, ob das kulturelle Umfeld die Kreativität der Menschen fördert oder zerstört. Deshalb beginnt Lyndon LaRouche fast alle seine strategischen Analysen damit, daß er demonstriert, daß Männer und Frauen keine Tiere sind. Die entgegengesetzte Behauptung, der Mensch sei ein Tier und unfähig, universelle Wahrheiten zu erkennen, ist eine der zentralen Überzeugungen des britischen Liberalismus. Es ist kein Zufall, daß die britischen Universitäten im Oberhausbericht als eine wesentliche Ressource der „sanften Macht“ bezeichnet und die Ausweitung der Marshall-Stipendien als ebenso wichtig wie die Beziehungen zu den wichtigsten ausländischen Mächten dargestellt werden.

Nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges wurde diese „Weltordnung“ durch George H.W. Bush und Margaret Thatcher mit Unterstützung des französischen Präsidenten Mitterrand dem Stand der Dinge angepaßt: Die frühere Sowjetunion wurde geplündert, ihre Wirtschaft und die Lebenserwartung ihrer Bürger brutal dezimiert, wobei ein Großteil der Beute in britischen Offshore-Banken landete. Es begannen mörderische regionale Kriege und Regimewechsel gegen jede Regierung, die sich den Bedingungen der „Neuen Weltordnung“ widersetzte. Seiner Tradition entsprechend beteiligte Großbritannien sich zwar auch mit einigen Soldaten an diesen Unternehmungen, konzentrierte sich aber darauf, die Strategien und Ziele zu diktieren und seine Militärstützpunkte zur Verfügung zu stellen. Die Hauptlast der Kriege trugen die US-Streitkräfte. Der Balkan, der Nahe Osten und große Teile Afrikas wurden in Brand gesteckt, Millionen Menschen starben. Amerikanische Soldaten kehrten geistig und körperlich ruiniert aus diesen Kriegen zurück. Abertausende von Kriegsflüchtlingen strömten nach Europa.

Präsident Trump bezeichnet die Vertreter dieser Weltordnung als „Globalisten“. Lyndon LaRouche bevorzugt einen Ausdruck, der die Krankheit sehr viel präziser bezeichnet, er spricht vom „anglo-holländischen liberalen System“ oder vom „Neuen Britischen Empire“. Dessen Gestank durchzieht heute die wichtigsten Regierungsinstitutionen in den Vereinigten Staaten, auf beiden Seiten des Parteienspektrums. Das Oberhaus prahlt in seinem Bericht mit dieser Tatsache, es verweist auf sein „dichtes und komplexes Beziehungsgeflecht in vielen Bereichen der Politik, der Gesellschaft und des wirtschaftlichen und individuellen Lebens“. Die Sonderbeziehung sei wie ein „Eisberg“, der größte Teil der Aktivitäten vollziehe sich außerhalb des Blickfelds der Öffentlichkeit. Mit Hilfe dieses „Eisbergs“, dessen Mittelpunkt unter der Oberfläche die Beziehungen im Militär- und Geheimdienstsektor darstellen, habe man bisher die erklärten Pläne des ordentlich gewählten amerikanischen Präsidenten Donald Trump untergraben können.

Der wahnhaft-paranoiden Darstellung des Berichts der Lords zufolge besteht keinerlei Zusammenhang zwischen dem globalen Wirtschaftskollaps, der eine Folge ihrer Austeritäts- und Bankenstützungspolitik nach 2008 war, und der Revolte der Bevölkerung, die 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union stimmte. Der Kollaps habe lediglich die „wirtschaftlichen Ängste“ in der Bevölkerung verstärkt. Das eigentliche Problem, sagen die Lords, sei „der Zugang der Menschen zu Informationen, verstärkt durch eine unmittelbare Vernetzung von beispiellosem Ausmaß und Geschwindigkeit. Regierungen reagieren auf kurzfristige Forderungen ihrer Bürger, die durch den Zugang zu Informationen und Meinungen bestärkt sind.

Dies ist die imperiale Linie, die zuerst von Samuel Huntington formuliert wurde, dem Autor des mörderischen Traktats über den „Kampf der Kulturen“ und Erfinder des Begriffs des „Davos-Menschen“, mit dem die Globalisierung gefeiert wird. In seinem Bericht für die Trilaterale Kommission über „Die Krise der Demokratie“ verkündete Huntington, daß Demokratien nur „funktionieren“, wenn ein großer Teil der Bevölkerung politisch gleichgültig ist. So stelle die politische Emanzipation der Afroamerikaner durch die Bürgerrechtsbewegung eine klare, akute Gefahr für die politische Stabilität dar.

Die Lords zeigen sich beunruhigt darüber, daß viele Menschen an der „Basis“, also in der Bevölkerung, aufgrund ihres übermäßigen Zugangs zu Informationen statt den offiziellen Darstellungen der Regierungen zunehmend „Verschwörungstheorien“ glauben. Dieses Wort ist in den transatlantischen Eliten allgegenwärtig, Barack Obama verwendete es häufig. Zu den Verschwörungstheoretikern zählen sie all jene, die z.B. sagen:

Diese unangenehmen Wahrheiten, die die Lords und Obama als „Verschwörungstheorien“ bezeichnen, sind bisher im Internet frei zugänglich und unterstehen nicht der Kontrolle der großen Mainstream-Medien.

Der Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl und der Brexit-Abstimmung in Großbritannien 2016 ist die Folge einer breiten politischen Aktivierung der Menschen, die von den Eliten verachtet werden - Donald Trumps „vergessene Männer und Frauen“, die ironischerweise als Hauptwerkzeuge der politischen Aktivitäten gerade jene Technologien wie Facebook und Twitter nutzen, die zum Zweck der sozialen Kontrolle erfunden wurden. Die Lords und die Machenschaften ihrer Integrity Initiative machen deutlich, daß sie diese Aktivierung abwürgen wollen. Zensur und Gegenpropaganda – oder „kognitive Infiltration“, wie es Obamas Freund Cass Sunstein nannte –, werden nun in den USA, in Großbritannien und in ganz Europa massiv eingesetzt.

Es gibt experimentelle Studien über die Wirkung von Propaganda, die über Jahre durchgeführt wurden und zeigen, daß diese tatsächlich nur dann wirkt, wenn die Bevölkerung keine alternativen Informationsquellen hat und rund um die Uhr der ständigen Berieselung durch die Nachrichtenmedien ausgesetzt ist. Sie scheitert fast immer, sobald den Menschen eine Alternative angeboten wird – wie z.B. die Berichte über den schnellen wirtschaftlichen Aufschwung Chinas, die jetzt weltweit verbreitet sind, oder die schockierende Erkenntnis, daß jetzt China die erdabgewandte Seite des Mondes erforscht, u.a. ausdrücklich mit dem Ziel, das Helium-3 des Mondes für die Kernfusion zu nutzen. Das Wunderbare an der Natur der Menschen ist, daß unsere Vorstellungskraft und der Wunsch, neue Pioniergebiete und Abenteuer zu finden, jedes in jahrelanger mühseliger Arbeit geplante und aufgebaute System sozialer Kontrolle zunichte macht, sobald dies stimuliert wird – und daß dafür oft ein einziger Anstoß reicht.

Die heutige imperiale Politik

Die Lords begannen ihre Überprüfung der britischen Außenpolitik im Januar 2018, in der Vorausschau auf den erwarteten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union 2019 infolge der Brexit-Abstimmung. Sie schickten Delegationen in die Vereinigten Staaten, um dort mit Kongreßpolitikern, Denkfabriken und Regierungsvertretern zu sprechen, und beim Atlantik Council, der führenden Großbritannien-treuen Denkfabrik in den Vereinigten Staaten, wurde sogar eine offene Diskussion darüber anberaumt. Zu den Teilnehmern der Debatte beim Atlantic Council, der von der britischen Regierung und der NATO finanziert wird, gehörten:

Die Hauptsorge der Lords gilt dem „Störenfried“ Präsident Donald Trump. Sie behaupten, sie hätten festgestellt, daß die Sonderbeziehung in den US-Geheimdiensten und im Militärestablishment und ganz besonders in beiden Parteien im US-Kongreß weiterhin intakt und hochgeschätzt sei. Sie kommen zu dem Schluß, daß die Beziehung stark genug sei, um allem zu widerstehen, was der Präsident innerhalb einer Amtszeit tun kann. Aber wenn es dem Präsidenten gelinge, für eine zweite Amtszeit gewählt zu werden, sei alles möglich. Sir Richard Dearlove, dessen Henry Jackson Society maßgeblich an der Ausarbeitung des Berichts beteiligt war, ging in jüngsten Erklärungen sogar noch weiter. Dearlove, der frühere Kopf des MI-6 und Mentor Christopher Steeles, versichert Eingeweihten, man müsse Donald Trumps Handlungen nicht allzu ernst nehmen, denn der werde ohnehin nur eine Amtszeit haben.

Die Lords beschweren sich ganz besonders über Trumps Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen und aus dem Nuklearabkommen mit dem Iran, seine Unterstützung für den Nationalstaat und seine damit einhergehenden Angriffe auf die Institutionen der Globalisten und die Verhängung von Zöllen. Sie sagen aber auch, Trump sei es wegen seines eigenen Kabinetts und des Kongresses bisher nicht gelungen, alles umzusetzen, was er vorhat. Trump sei vielmehr „unter großem Protest“ gezwungen worden, sich „besser zu benehmen“, von wesentlichen Positionen Abstand zu nehmen und die britische Politik zu unterstützen. Die Lords betonen jedoch, ihre Netzwerke müßten nun alle mobilisieren, die ihnen darin zustimmen, daß Trump sowohl innerhalb der Vereinigten Staaten als auch international eingedämmt werden müsse.

Die zweite wesentliche Änderung des Umfeldes für die britische Außenpolitik sei „Chinas Aufstieg“. Die Lords geben bereitwillig zu, daß die Produktivität der chinesischen Wirtschaft die sämtlicher westlichen Volkswirtschaften immer schneller hinter sich läßt und daß die Infrastruktur-Initiative „Gürtel und Straße“ das größte Projekt dieser Art ist, das jemals von der Menschheit unternommen wurde. Typisch britisch haben sie Chinas Gürtel- und Straßen-Initiative (BRI) öffentlich begrüßt und sich auch an der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank beteiligt. Aber sie tun das, um diese Initiativen zu ihrem finanziellen und strategischen Vorteil zu beeinflussen. Dazu schreiben sie ausdrücklich: „Wir begrüßen das britische Engagement in neuen internationalen Institutionen wie der Asiatischen Infrastrukturbank. Das Vereinigte Königreich sollte seine Mitgliedschaft dazu nutzen, Einfluß auf die Kreditkonditionen und die Steuerung dieser Institutionen zu nehmen.“ Sie tönen weiter: „Das Vereinigte Königreich sollte ein lautstarker Vorkämpfer für Reformen der internationalen Institutionen sein. Es sollte sich für Reformen einsetzen, um diese Institutionen effizienter zu machen und den Schwellenländern – insbesondere China und Indien – eine gewichtigere Stimme zu geben, um deren Unterstützung für die regelbasierte internationale Ordnung aufzubauen.“

Gleichzeitig verbreiten britisch orientierte und unterstützte Institutionen in den USA wie das Hudson Institute in der Regierung Trump und im Kongreß ständig die Vorstellung, ein Krieg gegen China in näherer Zukunft sei unvermeidlich. Sie wollen das gewaltige Potential für eine Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und China, wie es die gute persönliche Beziehung zwischen den Präsidenten Trump und Xi Jinping verkörpert, zunichte machen, denn damit würden die britischen Eliten unvermeidlich auf dem Müllhaufen der Geschichte landen. Es ist kein Zufall, daß Michael Pillsbury, der chinafeindliche Berater von Vizepräsident Pence, Vollmitglied der britischen Denkfabrik International Institute of Strategic Affairs ist, dem Ursprung der gesamten britisch-imperialen Politik, und daß die Smith-Richardson-Stiftung die meisten der umlaufenden Fake News und Verleumdungen über Lyndon LaRouche finanziert hat.

Die Henry Jackson Society rät in ihrem Beitrag für die Lords, Großbritannien solle die „revisionistischen“ Tendenzen in den Vereinigten Staaten, Rußland und China bekämpfen, indem man einige Änderungen der strategischen Ausrichtung vornimmt. Nach dem Brexit müsse Großbritannien seine Rolle als strategischer Hegemon in der NATO aufrechterhalten und verhindern, daß Deutschland, Frankreich oder Rußland zu führenden Mächten auf dem eurasischen Kontinent aufsteigen. Diese von Halford Mackinder und A.J. Strykman geprägte Maxime, die im Beitrag der Henry Jackson Society zitiert wird, ist schon seit mehreren Jahrhunderten die Strategie des Empire, und sie hatte schon zwei Weltkriege zur Folge.

Zweitens, so die Henry Jackson Society, müsse Großbritannien seine Vorrangstellung im Nahen Osten erhalten – jenen Hahnenkampfplatz, den Großbritannien seit dem Sykes-Picot-Abkommen beherrscht.

Gegenüber Rußland empfehlen die Lords und die Henry Jackson Society, die Angriffe wegen dessen „bösartigen“ Aktivitäten (wie den angeblichen Giftanschlag auf die Skripals in Salisbury, auf den wir im folgenden noch näher eingehen) fortzusetzen, aber begrenzte Bereiche für Kooperation offen zu halten. Rußland wird durchgängig als eine scheiternde wirtschaftliche Macht dargestellt, die eingedämmt werden könne, solange die NATO nach britischen Vorgaben gestärkt wird, Rußland selbst strategisch an den Rand gedrängt und finanziell isoliert wird und das Bild von Putin als dem großen Buhmann der Welt (das einen Vorwand für einen Regimewechsel in Rußland schaffen soll) von der Bevölkerung des Westens akzeptiert wird.

Schließlich empfehlen die Lords, daß Großbritannien seine Beziehungen zu Indien erneuert und diesem Land eine Schlüsselrolle im Britischen Commonwealth verschafft, dem Gremium, durch das die Queen Oberhaupt eines Drittels der Weltbevölkerung ist. Die Lords wollen nun neben den schon bestehenden Beziehungen im Handel und Gewerbe die Sicherheitsbeziehungen zu Indien pflegen und ausbauen. Dabei erwähnen sie auch die historischen strategischen Spannungen zwischen China und Indien – die sie offensichtlich für ihre Ziele ausnutzen wollen.


Anmerkungen

1. https://www.moonofalabama.org/2018/12/how-putins-russia-turned-x-into-a-weapon.html

2. https://grayzoneproject.com/2018/12/17/inside-the-temple-of-covert-propaganda-the-integrity-initiative-and-the-uks-scandalous-information-war/

3. Quango = “Quasi-Nichtregierungsorganisation”

4. „UK foreign policy in a shifting world order“, https://publications.parliament.uk/pa/ld201719/ldselect/ldintrel/250/25002.htm