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Neue Solidarität
Nr. 19-20, 7. Mai 2026

Prinzipien statt Parteien

In den USA wollen unabhängige Kandidaten
das Abgleiten in einen Dritten Weltkrieg stoppen

Von Alexandra Bellea-Noury

Dieser Bericht über das Engagement von Diane Sare zusammen mit anderen unabhängigen Kandidaten und Veteranen gegen einen Absturz in den Dritten Weltkrieg, den unsere rumänische Korrespondentin Alexandra Bellea-Noury auf ihr Blog veröffentlichte, wurde von zwei weiteren Nachrichtenportalen aufgegriffen. Das eine ist der Blog des erfahrenen Journalisten Ion Cristoiu, das andere ist ein traditionsreiches Magazin der rumänischen Diaspora in New York.

Der Bericht beschreibt einen politischen Prozeß, der in der europäischen Öffentlichkeit bislang wenig Beachtung gefunden hat: die Zusammenarbeit zwischen unabhängigen Kandidaten bei den US-Kongreßwahlen, Diane Sares Präsidentschaftskampagne und Militärveteranen mit dem Ziel, das Abgleiten in einen Dritten Weltkrieg aufzuhalten.

Diane Sare ist eine Aktivistin, die seit mehreren Jahrzehnten mit Lyndon LaRouches Bewegung verbunden ist. 2007 brachte Sare gemeinsam mit ihm die Notwendigkeit in die öffentliche Debatte, Spekulationsbanken von Geschäftsbanken zu trennen, ganz im Sinne des Glass-Steagall-Gesetzes.

2024 war sie die einzige unabhängige Kandidatin im US-Bundesstaat New York, die sich zur Teilnahme an der Wahl zum US-Senat qualifizierte, nachdem sie innerhalb von sechs Wochen etwa 70.000 Unterschriften gesammelt hatte. Ihr Wirtschaftsprogramm sieht eine Nationalbank nach dem Vorbild Hamiltons vor, deren Kredite auf Industrie, Landwirtschaft und Infrastruktur ausgerichtet sind. Auf internationaler Ebene setzt sich Sare für eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur ein, die eine Zusammenarbeit zwischen den USA, China und Rußland ermöglicht und die Souveränität sowie das Recht auf Entwicklung jeder Nation garantiert.

Ein politischer Raum jenseits von Etiketten

Obwohl das Zweiparteiensystem in den USA unabhängigen Kandidaten wenig Raum läßt, gewinnen diese Kandidaturen zunehmend an Legitimität. Gallup-Daten zeigen, daß sich rekordverdächtige 45% der Wähler als Unabhängige bezeichnen, ohne Zugehörigkeit zur Demokratischen oder Republikanischen Partei.1 Nach der Veröffentlichung der „Epstein-Akten“ glauben immer mehr Wähler: „Egal, wie wir wählen, am Ende gewinnt doch immer Epstein.“

Darüber hinaus ist in den letzten Jahren ein alternatives System aus Podcasts, Medienplattformen und unabhängigen Organisationen entstanden, das sich für Frieden einsetzt, Veranstaltungen organisiert und die Zusammenarbeit über politische Grenzen hinweg fördert. Beispiele hierfür sind Veranstaltungen wie „Rage against the War Machine“, „Humanity for Peace“ und „Occupy Peace & Freedom“ sowie Online-Konferenzen, die vom Schiller-Institut, der Internationalen Friedenskoalition und dem Eisenhower Media Network veranstaltet werden und Persönlichkeiten mit unterschiedlichem Hintergrund zusammenbringen. Um unabhängige Kandidaten zu vereinen, organisierte Sares Wahlkampfteam mehrere Veranstaltungen. Am 17. März veröffentlichte Sare eine gemeinsame Erklärung, die von 12 weiteren unabhängigen Kandidaten für den US-Kongreß unterzeichnet wurde.2

© Sareforcongress.com
Die Erstunterzeichner der Erklärung: Diane Sare, Jose Vega, Brian McGinnis, Anthony Aguilar, Rob „Rush“ Ruszkowski, Frankie Lozada.

Das Dokument vereint Stimmen aus dem gesamten politischen Spektrum, darunter LaRouche-Anhänger, Unabhängige, Mitglieder der Grünen und Demokraten. Sie verurteilen die Aggression gegen den Iran und warnen vor der Gefahr eines US-Atomangriffs. Gleichzeitig fordern sie eine Untersuchung der mit Epstein verbunde­nen Einflußnetzwerke als Teil einer Stra­tegie zur Entschärfung der kriegsbefür­wortenden Politik. Der Text wurde an­schließend in Washington von einer Dele­gation von Aktivisten an Kongreßabge­ordnete verteilt.

Die Friedensmobilisierung von Veteranen

Veteranen aus dem Militär und den Ge­heimdiensten spielen eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung für den Frieden. In den letzten Jahren haben Organisationen wie „Veterans for Peace“ eine Verdrei­fachung der Zahl von Veteranen verzeich­net, die sich an Anti-Kriegs-Aktionen be­teiligen wollen.3 Gleichzeitig kursieren in den sozialen Medien immer häufiger Bilder von Veteranen, die politische Versammlungen stören, und in der Presse häufen sich Rücktritte und kritische Stellungnahmen.

Die Mobilisierung von Veteranen läßt sich nicht ohne weiteres in traditionelle politische Muster einordnen. Ein Beispiel ist die Organisation „Veteran Intelligence Professionals for Sanity“ (VIPS), deren Mitglieder sowohl demokratische Regierungen (die „Russiagate“-Kampagne, Anti-Trump) als auch republikanische Regierungen (den Krieg im Iran) kritisiert haben. Gleichzeitig hat die Öffentlichkeit den jüngsten Rücktritt des Leiters des Anti-Terror-Dienstes, Joe Kent, zur Kenntnis genommen – ein ehemaliger Anhänger der MAGA-Bewegung, der nun die Kraft findet, sich ihr zu widersetzen und den Krieg im Iran anzuprangern.

Wir haben es vielmehr mit einem Prozeß zu tun, der sich in einem Bereich abspielt, der über Parteiinteressen hinausgeht und das Gewissen sowie das Engagement jedes einzelnen für das Gemeinwohl betrifft.

Für Militärangehörige, die zu Friedensaktivisten geworden sind, liegt das Motiv für ihr Engagement im politischen Leben in einer wahrgenommenen Diskrepanz zwischen den Werten, für die sie zum Militär gegangen sind, und den Realitäten der aktuellen Politik. Es ist ein moralischer Maßstab, an dem manche Menschen festhalten, einer, der sie angesichts entsetzlicher Vorgänge dazu bringt, ihre Karrieren, ihren Ruf, ihre Familien und ihr Leben zu riskieren, um Lügen und Verbrechen zu bekämpfen.

© Brian McGinnis via TikTok

Brian McGinnis bei seinem Protest im Senat.



Wahlkampfveranstaltung Diane Sares mit anderen unabhängigen Kandidaten und Veteranen [unten].
© Sareforcongress.com

Diese moralische Integrität durchdringt nun den politischen Prozeß. Einige dieser Aktivisten aus den Reihen der Veteranen finden sich als Kandidaten bei den Kongreßwahlen und auf der Liste der Unter­zeichner von Sares Erklärung. Einer der Unterzeichner ist Anthony Aguilar, ein Kandidat der Grünen für das Repräsentantenhaus, bekannt als Whistleblower, der die Beteiligung der Gaza Humanitarian Foundation am Völkermord in Gaza aufdeckte und dazu beitrug, daß die Aktivitäten der Organisation eingestellt wurden. Ein weiterer Unterzeichner ist Brian McGinnis, Kandidat der Grünen für den Senat. Bilder von McGinnis in Militäruniform mit einer gebrochenen Hand während seines Protests im Senat gegen den Krieg im Iran gingen viral. McGinnis ist ebenfalls ein ehemaliger Soldat.4

 

Auch andere Veteranen und Whistle­blower nehmen an Sares Wahlkampf­veranstaltungen teil, wie beispielsweise Scott Ritter,5 ein ehemaliger Offizier der US-Marines und UN-Inspektor für Ab­rüstung, Ray McGovern, ein ehemaliger CIA-Analyst und Mitbegründer von VIPS, Douglas MacGregor, ein Oberst der Reserve und ehemaliger Berater in der Trump-Regierung, Coleen Rowley, eine ehemalige FBI-Agentin und Whistle­blow­erin in Bezug auf den 11. September, sowie Josephine Guilbeau, eine ehe­malige US-Militäranalystin und Expertin für Cybersicherheit.

Vom Imperium zurück zur Republik

Die Kongreßwahlen finden im November 2026 statt, die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2028, doch Sare und die mit ihr verbundenen Kandidaten betonen, daß es nicht erst im November, sondern schon jetzt um alles geht. In diesem Jubiläums­jahr, in dem sich die Gründung der ameri­kanischen Republik zum 250. Mal jährt, rufen sie die Wähler dazu auf, aus der Passivität auszubrechen und Bürger im wahrsten Sinne des Wortes zu werden, weil nur ein massiver Prozeß der Selbstermächtigung die Republik von ihrem Weg in die Selbst­zerstörung abbringen kann.

Im Geiste von LaRouche übernimmt Diane Sare die Aufgabe, Aktivisten mit den intellektuellen Werkzeugen auszustatten, die für den Erfolg dieser Mission notwendig sind. Eines davon ist die Unterscheidung zwischen einerseits dem Imperium – das auf finanzieller Ausbeutung und Krieg beruht – und andererseits der Republik – die auf der Entwicklung der Produktivkräfte der Bevölkerung und auf Frieden beruht. Sare erinnert daran, daß die Mission der amerikanischen Republik, wie sie von den Gründervätern vorgegeben wurde, nicht darin besteht, die Welt zu beherrschen, sondern die Welt vom britischen Imperialismus zu befreien.

Sare schlägt ein umfassendes Wirtschaftsprogramm vor,6 doch die ersten Schritte bestünden darin, Spekulationsblasen zu entschärfen und das Bankensystem so umzugestalten, daß es nicht mehr dem Finanzimperium mit Sitz an der Wall Street und in London dient, sondern dem Wiederaufbau der Wirtschaft.

Am 15. April fand in Frankreich eine Veranstaltung statt, „Widerstand auf beiden Seiten des Atlantiks: unsere Kandidaten in Frankreich und den USA“, an der Diane Sare und ihr Kollege Jose Vega aus den USA sowie fünf unabhängige Kandidaten aus Frankreich teilgenommen haben.7


Anmerkungen

1. „New High of 45% in U.S. Identify as Political Independents”, Gallup-Umfrage, 12.01.2026.

2. „Is the Epstein class planning a new 9/11 to justify dropping a nuclear bomb?”, gemeinsame Erklärung von 17.03.2026, Website von Diane Sare.

3. „Jeden Monat erhalten wir drei- bis viermal so viele Anrufe von Veteranen, die sich uns anschließen wollen, wie in den Vorjahren“, sagte 2025 der Vizepräsident von Veterans for Peace (The Guardian, 16.01.2025.).

4. Wahlkampf-Websites von Oberstleutnant, A.D., Anthony Aguilar und Brian McGinnis, ehemaliger Soldat der US-Marines.

5. Scott Ritter erläuterte seine Position in einem Youtube Video wie folgt: „Wir sind eine konstitutionelle Republik, eine Nation der Gesetze. Diane hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Werte zu verteidigen, und sie hat sich mehrfach erfolglos um einen Sitz im Senat der Vereinigten Staaten beworben. Das bedeutet jedoch keineswegs, daß dies eine vergebliche Aktion war, denn durch ihre Kandidatur brachte Diane ein gewisses Maß an Integrität in einen Prozeß ein, der durch und durch korrupt war, und sie brachte Prinzipien und Werte ein, die darin fehlten. Diane ist also eine Person, über die die Amerikaner nachdenken sollten, Menschen wie Diane, denn wir leben in einer Zeit, in der unsere konstitutionelle Republik so gut wie tot ist.“

6. Wirtschaftsprogramm von Diane Sare.

7. „Widerstand auf beiden Seiten des Atlantiks: unsere Kandidaten in Frankreich und den USA“, gemeinsame Veranstaltung von Diane Sare und ihrem Kollege Jose Vega aus den USA sowie fünf unabhängigen Kandidaten aus Frankreich.

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