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E.I.R. Nachrichten, 19.10. 2026 – Angesichts der Ausschreitungen, die jüngst in Frankreich, Italien (Mailand) und Albanien wüteten, ist es sinnvoll, noch einmal nachzulesen, was Francesco Cossiga, ehemaliger italienischer Innenminister (Polizeiminister), Ministerpräsident und Präsident der Republik, in der jüngeren Vergangenheit zu der Frage gesagt hat, wie Protestdemonstrationen durch die Inszenierung von Gewalt und Gegengewalt niedergeschlagen werden können. In einem Interview mit der Tageszeitung Quotidiano Nazionale am 23. Oktober 2008 schlug Cossiga dem damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und Polizeiminister Roberto Maroni Folgendes vor:
Cossiga: Zieht die Polizeikräfte von den Straßen und aus den Universitäten ab, infiltriert die Bewegung mit Provokateuren, die zu allem bereit sind, und laßt die Demonstranten etwa zehn Tage lang Geschäfte verwüsten, Autos in Brand setzen und die Städte mit Feuer und Schwert überziehen… Danach, gestützt auf den Konsens der Bevölkerung, muß der Klang der Krankenwagensirenen den der Polizei- und Carabinieri-Fahrzeuge übertönen.
QN: Das heißt also, daß…
Cossiga: Das bedeutet, die Ordnungskräfte sollten keine Gnade zeigen und sie alle ins Krankenhaus schicken. Nicht verhaften, denn das Gericht würde sie ohnehin sofort wieder freilassen, sondern sie verprügeln – und auch die Lehrer, die sie anstacheln.
QN: Auch die Lehrer?
Cossiga: Vor allem die Lehrer.1
Cossiga beschreibt, was er von Brigadier Frank Kitsons „Gang-Countergang“-Taktik zur Aufstandsbekämpfung lernte, die Kitson an mehreren Schauplätzen für das Britische Empire umsetzte, am bekanntesten im Rahmen des Mau-Mau-Aufstands in Kenia von 1953 bis 1955.
Cossiga selbst war einer der pro-britischsten italienischen Politiker, ein Bewunderer des MI6 und ein Anhänger von Kardinal John Henry Newman, dem Begründer des modernen britischen liberalen Katholizismus. (Newman „löste“ den scheinbaren Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft, indem er behauptete, diese wirkten in getrennten Universen).
Cossigas Rolle während der Entführung und Ermordung Aldo Moros, als er als Innenminister die Polizei und die Geheimdienste beaufsichtigte, hat ihn als wissenden oder unwissenden Komplizen der Attentäter gebrandmarkt. Mehr darüber erfahren Sie in der vierteiligen Serie „Strategie der Spannung in Italien“ (Neue Solidarität Nr. 13-18/2004).2
Anmerkungen
1. Francesco Cossiga: „Voglio sentire il suono delle ambulanze”
(„Francesco Cossiga: ,Ich möchte den Klang der Krankenwagen hören”), Website der Zeitschrift MicroMega, 31.10.2008.
2. „Kernthema: Terror – Cui bono?”, aus dem Archiv der Neuen Solidarität.
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