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Neue Solidarität
Nr. 47, 18. November 2009

Dänischer Wahlkampf und
Friedrich Schillers 250. Geburtstag

Dänemark. Feride Istogu-Gillesberg berichtet über den Wahlkampf der „Freunde des Schiller-Instituts” in Dänemark, der in der vergangenen Woche ganz im Zeichen des 250. Geburtstages von Friedrich Schiller stand.

Nach nur zwei Wochen nähert sich der Kommunalwahlkampf in Dänemark schon wieder seinem Ende. Die „Freunde des Schiller-Instituts” nehmen an den Wahlen in Kopenhagen, Århus und Halsnæs Teil. Wir haben mit Unterstützung von Mitgliedern der LaRouche-Jugendbewegung aus Deutschland noch mehr Leute auf der Fußgängerzone mitten in Kopenhagen und in den S-Bahnen auf unsere Kampagne aufmerksam machen können. Höhepunkt des Wahlkampfs war in den letzten zehn Tagen die Vereinigung von Politik und Kultur - indem wir Friedrich Schillers 250. Geburtstag feierten.

Der deutsche Dichter Friedrich Schiller, auch Freiheitsdichter aller Nationen genannt, hat eine besondere Verbindung zu unserer Nation. Seine Ideen waren ein fruchtbarer Samen, der das kulturelle Aufblühen der dänischen Renaissance bewirkte und auf ewig seine Spuren hinterlassen hat.

Schillers Ideen leben in Dänemark nicht nur im Schiller-Institut weiter, sondern auch in anderen Kreisen. Repräsentanten der Abendschule in Helsingør veranstalteten ein historisches Symposium zu Ehren von Schillers 250. Geburtstag im historischen Haus „Hellebækgaard“, in dem bereits zu Schillers Zeit eine Trauerfeier für den Dichter stattgefunden hatte (Mehr folgt unten!).

Tom Gillesberg, Vorsitzender des Schiller-Instituts in Dänemark und Spitzenkandidat für die Wahlliste der Freunde des Schiller-Instituts, und eine dänische Schiller-Expertin waren eingeladen, um über Schiller zu sprechen. Außerdem standen Vorträge über Jens Baggesen und Schimmelmann an, um einen Überblick zu bekommen, wer die Menschen in Dänemark waren, die Friedrich Schiller zu Hilfe kamen. Der Chor des Schiller-Instituts eröffnete das Symposium mit Christian Gottfried Körners Musikkomposition zu Schillers Ode an die Freude („Freude schöner Götterfunken“), eine Variation von Beethovens Vertonung des gleichen Gedichtes und Schuberts Kanon „Undendliche Freude“ über einem anderen Text Schillers. Wir hatten auch die Ehre, das Symposium mit Beethovens Version abzuschließen.

Tom Gillesberg hielt einen begeisternden Vortrag über den Zusammenhang der Freiheitsideen der amerikanischen Revolution mit Schillers Ideen, der alle Teilnehmer dazu bewegte, unsere Zeitung mit Toms Schiller-Artikel mitzunehmen.

An Friedrich Schillers 250. Geburtstag, dem 10. November, veranstalteten wir, das dänische Schiller-Institut, dann eine Feier an der historischen Schiller-Statue im Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen. Das Museum wurde zu Ehren des weltberühmten dänischen Bildhauers gebaut und beheimatet viele seiner Originalwerke, wie seine berühmte Schillerstatue, von der eine Bronzekopie heute in Schillers Geburtsort Marbach steht. An dieser ca. drei Meter hohen Statue legten wir zu Ehren Schillers einen Blumenstrauß nieder.

Tom Gillesberg sprach hier über die Bedeutung von Schillers Ideen im historischen Kontext und in der heutigen Weltlage. Auch wurde Freude schöner Götterfunken in verschieden Versionen gesungen, es wurden Gedichte rezitiert, und zuguterletzt erzählte Tom die bewegende Geschichte, wie der große Dichter zu einem kritischen Zeitpunkt Hilfe aus Dänemark erhielt. Zum Dank widmete Friedrich Schiller seine Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen dem dänischen Prinz Christian.

Nach der Lektüre von Schillers Don Carlos 1790 war Baggesen so begeistert, daß für ihn der Dichter einen der größten Shakespeare-Nachfolger darstellte. Er war von Schillers Ideen so sehr bewegt, daß er sich bemühte, jeden mit dessen Werken bekannt zu machen. Wohin auch immer Baggesen kam, las er den Gesellschaften laut aus Schillers Werken vor. Durch Reinhold, einem engen Freund Schillers, erfuhr Baggesen, daß der große Dichter sich in einer sehr kümmerlichen Lage befand: Er war nicht nur sehr arm, sondern auch krank, was sich mit der Zeit verschlimmerte. Baggesen nahm sich vor, Schiller mit allen Mitteln zu helfen. Er mobilisierte den dänischen Prinzen Friedrich Christian von Augustenburg, Schillers Don Carlos zu lesen, was den Prinzen schnell von der Größe Schillers überzeugte. Doch die Hilfe des Prinzen reichte allein nicht. Sie fanden in Finanzminister Ernst Schimmelmann einen gutmütigen Mann, den man für universelle Ideen entzünden konnte.

Baggesen und Christian bewegten die Schimmelmanns zu einem Ausflug in ihre Sommerresidenz Hellebækgaard, wo sie gemeinsam die Werke Schillers lesen wollten, als die traurige Botschaft über das Ableben des verehrten Dichters sie erreichte. Diese Nachricht führte dazu, daß aus dem Ausflug eine Trauerfeier für Schiller wurde. Drei Tage lang wurde Schiller gelesen und studiert und Körners Musik zu dem Gedicht „Freude schöner Götterfunken“ mit einer zusätzlichen Strophe von Baggesen aufgeführt. Diese Strophe lautet folgendermaßen:

Nach dem Trauerfest verfaßte Baggesen einen Brief an Schillers engen Freund Reinhold, in dem er ausführlich über die Trauerfeier berichtete. Reinhold war entsetzt über diese Nachricht, weil der verehrte Dichter zwar sehr krank, aber zum Glück noch am Leben war. Sobald Baggesen dies erfuhr, ging er daran, alles zu tun, um Schiller zu retten, um der Menschheit einen großen Lehrer zu erhalten. So kam die Hilfe aus Dänemark doch noch rechtzeitig, und sie ermöglichte es Schiller, sich eine Zeit lang ganz seinen philosophischen Gedanken zu widmen und in diesem Bereich historisch wichtige Beiträge zu leisten. (siehe Neue Solidarität Nr. 8/2004, „Wie ein dänischer Marquis de Posa und ein dänischer Don Carlos Schiller retteten”).

Diese wunderbare Geschichte zeigt, daß selbst hochstehende Menschen für große Ideen zu gewinnen sind. Mit dem jetzigen weltweiten wirtschaftlichen Kollaps, der alle Nationen trifft, stellt sich die Frage, ob ein großer Augenblick diesmal auf ein großes Geschlecht trifft - in den Institutionen und in der Bevölkerung, sei es in Deutschland, Dänemark oder vor allem in den USA, da die USA heute wieder ein Leuchtfeuer der Hoffnung und ein Tempel der Freiheit werden müssen, wie sie es zu Schillers Zeiten waren.

Feride Istogu-Gillesberg

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