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Neue Solidarität
Nr. 15-16, 9. April 2026

Mörderbanden treiben „Großisrael“-Projekt voran

Von Harley Schlanger

Der Iran und seine sog. „Stellvertreter“ sind die Hauptziele der „fortdauernden Nakba“.

Das arabische Wort Nakba, wörtlich übersetzt „die Katastrophe“, ruft tiefe Emotionen hervor, weit über die Ereignisse hinaus, die es ursprünglich beschreiben sollte: die Tragödie der Niederlage der palästinensischen Muslime und Christen gegen die Zionisten im israelischen Unabhängigkeitskrieg von 1948. Es bezieht sich auf die Vertreibung von mehr als 700.000 Palästinensern aus ihren Häusern auf der Flucht vor Massakern und der Zerstörung ihrer Dörfer. Hinzu kommt der bis heute anhaltende Schock über die Enteignung ihrer Heimat, weil ihnen ihr Rückkehrrecht verweigert wird – trotz der vielen Resolutionen der Vereinten Nationen, angefangen mit Resolution 194 vom Dezember 1948, die das Rückkehrrecht für Flüchtlinge bestätigte, die durch Krieg und Konflikte ihre Heimat verloren hatten.

Bis heute ist es bei der Entscheidung der Regierung des neuen israelischen Staates von 1948 geblieben, diese Vorgabe der UN-Resolution 194 zu ignorieren. Dies ist Teil einer hartnäckigen administrativen Anstrengung, die Demütigung der Niederlage für die Palästinenser zum Dauerzustand zu machen. Hanan Aschrawi, eine langjährige Verfechterin palästinensischer Rechte, prägte dafür den Begriff „fortdauernde Nakba“, um Israels Absicht zu beschreiben, die gesamte palästinensische Bevölkerung aus dem Land zu entfernen, das die Zionisten als „Israel“ beanspruchen. So rechtfertigte beispielsweise Premierministerin Golda Meir 1972 diese Politik damit, man dürfe „keinen Präzedenzfall schaffen“.

Eine hebräische Landkarte zeichnen

Einer der perversen, ach so cleveren Versuche, die zionistische Übernahme des Landes zu rechtfertigen, wurde in einem Buch des ehemaligen Vizebürgermeisters von Jerusalem Meron Benvenisti aufgedeckt (Sacred Landscape: The Buried History of the Holy Land Since 1948). Er beschreibt, wie nach dem Krieg ein Spezialteam unter der Leitung seines Vaters David Benvenisti von der Regierung eingesetzt wurde, um „eine hebräische Landkarte zu zeichnen“, die als „erneuerte Eigentumsurkunde“ für den jüdischen Besitz Palästinas dienen sollte.

Auf den neuen Landkarten erhielten die arabischen Dörfer, die durch den Krieg von 1948 entvölkert und dem Erdboden gleichgemacht worden waren, hebräische Namen. Wie Benvenisti schreibt, bestand die Wirkung dieser Operation darin, „die alte Landschaft, die von mehr als 200 arabischen Dörfern übersät gewesen war, erfolgreich auszulöschen“. Die Briten hatten diese Methode als eine spezielle Waffe entwickelt, um koloniale Herrschaft durchzusetzen.

Benvenisti schreibt weiter, diese Taktik, durch Kartografie die Beweise für die frühere Verbindung der Palästinenser mit dem Land zu tilgen, mache deutlich, „wie nahe wir dem Punkt sind, an dem die verschwundene arabische Landschaft nur noch als arabische Propaganda betrachtet wird, als eine Erfindung, die auf die Zerstörung Israels durch die Anstiftung zur ‚Rückkehr‘ abzielt“.

Neben der Ausblendung der realen Geschichte der palästinensischen Präsenz in den besetzten Gebieten habe das Ziel darin bestanden, „seinen Kindern und unzähligen anderen jungen Israelis das zionistische Ethos von Moledet – Heimat – einzuflößen: das Wissen um ihre glorreiche jüdische Vergangenheit, die innige Verbindung mit ihrer Natur und das persönliche Engagement für Pionierarbeit in kollektiven landwirtschaftlichen Siedlungen“. (Zitate aus einer Rezension von Harley Schlanger in Executive Intelligence Review, 1. Januar 2001).

Die „fortdauernde Nakba“

Während Menschen in aller Welt gebannt auf den amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran blicken, eskaliert das Netanjahu-Regime die ethnische Säuberung der Palästinenser an mehreren Fronten.

Im Südlibanon drängen die israelischen Streitkräfte (IDF) die Hisbollah nach Norden bis zum Litani-Fluß zurück und hinterlassen dabei eine Spur von Tod und Verwüstung, während Finanzminister Bezalel Smotrich offen eine israelische Annexion des Südlibanon fordert. Gleichzeitig führt die IDF gegen heftigen Widerstand der Hamas eine Säuberungsaktion im Gazastreifen durch, setzt ihre Vorstöße nach Syrien fort und greift die Huthis im Jemen an.

Das kurzfristige Ziel aller dieser Operationen ist es, alle Kräfte zu dezimieren, die die Palästinenser verteidigen. Die US-israelische Allianz bezeichnet diese angegriffenen Kräfte als „Stellvertreter des Iran“, in Wirklichkeit sind es vor allem lokale Milizen, die zur Verteidigung der Palästinenser organisiert wurden und vom Iran nur logistische und finanzielle Unterstützung sowie Ausbildung zur Erhöhung ihrer Schlagkraft erhalten. Viele dieser Kämpfer sind Flüchtlinge früherer „Säuberungsoffensiven“ zionistischer Kräfte, die seit drei oder vier Generationen in Flüchtlingslagern leben.

Einige Analysten erklären, Netanjahus fanatischer Haß auf den Iran sei darauf zurückzuführen, daß das Land sich strikt weigert, die Palästinenser im Stich zu lassen. Die meisten arabischen und islamischen Nationen geben nur Lippenbekenntnisse für Gerechtigkeit für die Palästinenser ab, bieten aber nichts Konkretes an, um die Gründung eines palästinensischen Staates tatsächlich zu unterstützen – was ein minimales Engagement für die Verteidigung der legitimen Rechte der Palästinenser wäre.

Karte: gis.unocha.org
Große Teile des Westjordanlandes werden unmittelbar von Israel kontrolliert (blau) und sind für die palästinensische Bevölkerung nur eingeschränkt oder überhaupt nicht zugänglich. 1948 lebten knapp 3000 jüdische Siedler in den palästinensischen Gebieten, heute sind es 700.000, allein in den letzten drei Jahren kamen rund 70 neue jüdische Siedlungen hinzu.

Zu den brutalsten Angriffen gegen die palästinensische Bevölkerung gehören gegenwärtig jene im Westjordanland, wo Banden von „Siedlern“ auf die Bewohner des im Krieg von 1967 besetzten Gebiets losgelassen werden und eine Welle der Gewalt gegen alle Palästinenser ent­fesselt haben, die sich weigern, das Gebiet zu verlassen. Täglich kommt es zu Zusammenstößen, wenn Siedler – oft in IDF-Uniformen – durch die schrumpfen­den Gebiete fahren, die noch in palästi­nensischer Hand sind, Hirten und Bauern verprügeln, deren Herden und Erzeug­nisse stehlen und diejenigen ermorden, die sich wehren. Einige dieser Schläger­banden ziehen als „informelle“ Miliz, die sich „Hilltop Youth“ (Bergkuppenjugend) nennt, durch die Dörfer des Westjordan­lands. Sie sind immer besser organisiert und mörderischer und scheinen über dem Gesetz zu stehen.

Der Haaretz-Kolumnist Gideon Levy berichtet über die Ausschreitungen der Siedler und wirft den Behörden vor, sie zu schützen. Typisch ist sein Bericht über den jüngsten Mord an vier Mitgliedern der Familie Bani Odeh: Vater, Mutter und zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren wurden einfach erschossen. Im Haaretz-Leitartikel vom 23. März wird verurteilt, daß es keine Ermittlungen zu diesem Mord gab. Schuld daran sei der „Geist des Kommandanten der Nationalen Sicherheit“, Minister Itamar Ben-Gvir. Für Menschen mit dieser Geisteshaltung „ist das Töten von Arabern, jedes Töten eines Arabers, kein Verbrechen und rechtfertigt keine Ermittlungen“.

Laut UN-Statistiken wurden seit dem Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 bis November 2025 1017 Palästinenser im Westjordanland getötet, darunter 221 Kinder. Gleichzeitig wurde der Bau von elf neuen Siedlungen genehmigt und acht weitere illegale Siedlungen wurden legitimiert – obwohl neue Siedlungen sowohl gegen das Völkerrecht als auch gegen israelisches Recht verstoßen. Parallel dazu findet im Westjordanland eine großangelegte Räumung von Flüchtlingslagern statt, Berichte sprechen von Zehntausenden, die aus den Flüchtlingszentren vertrieben wurden. Ein Sprecher der Palästinensischen Autonomiebehörde warf der Regierung vor, sie wolle damit „die geographische und demographische Realität“ des Gebiets verändern.

Geleitet werden alle diese Kampagnen von Finanzminister Bezalel Smotrich, er koordiniert die Vertreibung von Palästinensern aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen. In Bezug auf den Gazastreifen arbeitet er mit der extremistischen Siedlerin Daniella Weiss zusammen, die sich gemeinsam mit der Regierung dafür einsetzt, daß „kein Araber im Gazastreifen übrigbleibt“. Gideon Levy und Alex Levac schrieben am 1. März, Smotrichs Ziel sei die „Gazafizierung des Westjordanlands“. Zitat Smotrich: „Wir müssen den Gazastreifen besetzen, dort eine militärische Präsenz aufrechterhalten und Siedlungen errichten.“

Smotrich, der selbst in einer Siedlung lebt und einer der eifrigsten Verfechter eines Großisraels ist, betreibt die Annexion immer größerer Teile des Westjordanlands, um die Gründung eines palästinensischen Staates unmöglich zu machen. Bei einer Kundgebung am 14. August 2025 zur Förderung des Baus einer großen illegalen Siedlung, Maale Adumim, die eine direkte Landverbindung zwischen den Städten Ramallah und Bethlehem unmöglich machen wird, erklärte er: „Wer auch immer in der Welt heute versucht, einen palästinensischen Staat anzuerkennen, wird vor Ort unsere Antwort erhalten.“

Das ist seit 1948 ein beständiges zionistisches Thema, durch die Neubesiedlung des einst von Palästinensern bewohnten Landes „Tatsachen vor Ort“ zu schaffen. In einer Erklärung mit der Überschrift „Die Idee eines palästinensischen Staates begraben“ kündigte Smotrichs Sprecher an, der Minister habe einen Plan zum Bau von 3401 Häusern für israelische Siedler genehmigt, um eine Verbindung zu einer bestehenden Siedlung im Westjordanland zu schaffen.

Ben-Gvir behauptete auf einer Konferenz im Dezember 2023 zur Organisation von „Israels Sieg“ mit der Selbstgefälligkeit eines Fanatikers einer messianischen Falschauslegung der Bibel: „Wir sind die Eigentümer dieses Landes“, woraufhin Daniella Weiss versprach, die Palästinenser würden „verschwinden“.

Solche dreisten Äußerungen, gestützt durch große Kriege der IDF und straffreie Ausschreitungen von Siedlern, sind ein prägendes Merkmal der seit 78 Jahren andauernden „Nakba“. Diejenigen wie Netanjahu, Smotrich und Ben-Gvir, die heute für die Fortsetzung dieser Kriegsverbrechen verantwortlich sind, und ihre Komplizen im Westen, besonders in den USA, müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

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