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Neue Solidarität
Nr. 21-22, 21. Mai 2026

Diplomatie siegt vorübergehend über Krieg:
Das Ende der unipolaren Weltordnung naht

Von Harley Schlanger

In der zweiten Maiwoche gab es zwei dramatische Ultimaten, die ohne eine kurzfristige Lösung zu einer Wiederaufnahme mörderischer Kampfhandlungen hätten führen können. Das eine betraf „Project Freedom“, Präsident Trumps Drohung, die Straße von Hormus für iranische Schiffe militärisch zu sperren, wenn der Iran seine Kapitulationsbedingungen nicht akzeptiert; das andere stammte vom ukrainischen Usurpator-Präsidenten Selenskyj, der drohte, Moskau mit einem Schwarm Drohnen anzugreifen, um die Parade des „Unsterblichen Regiments“ am Tag des Sieges am 9. Mai zu stören.

Dank diplomatischer Initiativen und politischen Drucks verstrichen beide Fristen jedoch ohne militärische Eskalation. Die Abfolge der Ereignisse, die den Ausbruch neuer Kampfhandlungen verhinderte, verrät viel über das Ende der „regelbasierten Ordnung“ anglo-amerikanischer militärischer und wirtschaftlicher Hegemonie.

Trumps Entscheidung vom 5. Mai, sein „Projekt Freiheit“ zu stoppen, war zumindest teilweise auf zwei Telefonanrufe zurückzuführen, die er erhielt: einen vom russischen Präsidenten Putin am 29. April, den anderen vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. In der russischen Zusammenfassung des anderthalbstündigen Gesprächs zwischen Putin und Trump wird betont, daß das Hauptthema des Gesprächs der Umgang mit Selenskyjs Drohung war, doch man sollte anmerken, daß Putin auch in eine diplomatische Offensive zur Beendigung des Iran-Krieges einbezogen war.

Daß Präsident Trump das „Project Freedom“ am 5. Mai auf Eis legte, war zum Teil auch auf die intensiven Bemühungen des iranischen Außenministers Aragtschi zurückzuführen, der die letzten Wochen überwiegend im Flugzeug verbracht hatte und von einer Hauptstadt zur nächsten pendelte. Sein Reiseplan umfaßte drei Besuche in Pakistan, wo seit dem 25. April eine Vermittlungsrunde zwischen US-amerikanischen und iranischen Diplomaten stattfand. Nachdem er Islamabad am nächsten Tag verlassen hatte, reiste Aragtschi nach Oman, um sich dort mit Außenminister Badr bin Hamad Al Busaidi zu treffen, der als Vermittler in den Gesprächen fungiert; anschließend ging es nach St. Petersburg, um sich mit dem russischen Präsidenten Putin zu treffen. Nach seinen Gesprächen mit Putin dankte Aragtschi dem russischen Staatschef und seinem Land „für Ihre Haltung und Unterstützung“ und lobte ihre „strategische Partnerschaft“; anschließend kehrte er nach Pakistan zurück, um Premierminister Shebaz Sharif Bericht zu erstatten. Am 6. Mai war Aragtschi dann in China, wo er sich mit Außenminister Wang Yi traf.

Während Aragtschi diese diplomatische Offensive unternahm, teilte das Königreich Saudi-Arabien der Trump-Regierung mit, es widerrufe die Erlaubnis für die USA, den saudischen Luftraum sowie Stützpunkte für logistische Unterstützung bei den Bombenangriffen gegen den Iran zu nutzen. Trump sprach nach dieser Ankündigung Riads mit Bin Salman, konnte aber den Kronprinzen nicht umstimmen.

Trump erwähnte dies nicht, als er den „Stopp“ von Project Freedom ankündigte, doch es wurde allgemein davon ausgegangen, daß es ein wesentlicher Faktor für seine Entscheidung war, weil gute Beziehungen zu den Saudis für seine Pläne hinsichtlich der umfassenderen Friedensgeometrie der Abraham-Abkommen von entscheidender Bedeutung sind.

Die diplomatische Offensive des Iran profitierte von mehreren Abkommen, die als Flankenschutz gegen die amerikanisch-israelische Kriegspolitik dienten. Dank geduldiger chinesischer Vermittlung hatte es im März 2023 eine Annäherung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien gegeben, wobei die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wiederhergestellt wurden. Und am 17. September 2025 gaben Pakistan und Saudi-Arabien ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit bekannt, das auch einen nuklearen Schutzschild beinhaltet.

Unterdessen stößt Trump auch innenpolitisch auf wachsenden Widerstand gegen eine Fortsetzung des Krieges und sucht Berichten zufolge nach einem Ausweg. Pakistans Regierungschef Sharif lobte in einem Tweet auf X am 6. Mai Trumps Entscheidung zur Aussetzung der Operation Freedom und dankte ihm „für seine mutige Führung“ und seine „großzügige Reaktion“ auf Pakistans Bitte, zusammen mit Pakistan und den Saudis „Frieden, Stabilität und Versöhnung voranzutreiben“. Sharif schloß, sie hofften, „daß die derzeitige Dynamik zu einem dauerhaften Abkommen führen wird, das dauerhaften Frieden und Stabilität für die Region und darüber hinaus sichert.“

Auch der plötzliche Schwenk Selenskyjs in der Frage einer Waffenruhe während der Moskauer Siegesparade zeigt die Wirkung diplomatischer Aktivitäten im Hintergrund. Nachdem Selenskyj angedeutet hatte, die Ukraine könnte „Schwärme von Drohnen“ einsetzen, um die Feierlichkeiten zum Sieg über den Faschismus zu stören, und ausländische Würdenträger davor gewarnt hatte, an den Veranstaltungen teilzunehmen, gaben Putin und das russische Verteidigungsministerium scharfe Warnungen heraus: Rußland werde „das Zentrum von Kiew“ angreifen, sollte es zu solchen Störungen kommen.

Am 7. Mai erklärte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, Trump habe Putins Aufruf zu einem Waffenstillstand unterstützt, als sie am 29. April miteinander sprachen. Am nächsten Tag gab Trump bekannt, Putin und Selenskyj hätten sich auf einen dreitägigen Waffenstillstand zwischen Rußland und der Ukraine während der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges geeinigt.

Änderungen in den globalen Kräfteverhältnissen

Helga Zepp-LaRouche vom Schiller-Institut äußerte sich in ihrem wöchentlichen Internetforum zur Rolle Chinas bei diesen Entwicklungen: „Ich bin sicher, daß China die entscheidende diplomatische Kraft hinter den pakistanischen Vermittlungs­bemühungen war. Zudem unterhält China seit langem direkte Beziehungen zum Iran.“ Und angesichts von Trumps bevorstehendem Besuch in China „bin ich mir zu 100% sicher, daß das für China ganz oben auf der Tagesordnung stand“.

In ihrem wöchentlichen Internetforum am 13. Mai verwies sie aber auch auf die Veränderung im globalen Machtgefüge als Folge der militärischen Entwicklungen am Golf. Sie erklärte:

Zwar gibt es keine Garantie dafür, daß diese jüngsten kleinen Schritte in Richtung Frieden von Dauer sein werden – Trump den neuesten iranischen Vorschlag zur Beendigung des Krieges verworfen –, doch es ist offensichtlich, daß der Globale Süden zu einem Faktor in strategischen Verhandlungen über Krieg und Frieden wird. Das zeigt das Potential für die Schaffung einer neuen Sicherheitsarchitektur und das Ende der Ära des „permanenten Krieges“, wie ihn die britische geopolitische Doktrin propagiert.

Um sicherzustellen, daß eine neue Sicherheitsarchitektur für die Welt aufgebaut werden kann, die die ständigen Provokationen des Imperiums für „ewigen Krieg“ dauerhaft beendet, müssen diese jüngsten Schritte durch das Bekenntnis zu einer neuen globalen Architektur für wirtschaftliche Entwicklung untermauert werden. Das ist die Absicht hinter der Arbeit der von Zepp-LaRouche inspirierten Internationalen Friedenskoalition.

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