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Neue Solidarität
Nr. 31-32, 30. Juli 2026

– Gastkommentar –

Alan Greenspan ist tot,
doch seine Sünden überdauern ihn bis heute

Von Harley Schlanger

Der frühere US-Zentralbankchef Alan Greenspan, der vier Jahrzehnte lang eine führende Rolle in der Finanzwelt spielte, ist am 22. Juni 2026 im Alter von 100 Jahren gestorben. Er stand an der Spitze der neoliberalen Revolution mit ihren Boom-Bust-Zyklen, die heute eine neue verheerende globale Implosion der Finanzmärkte auszulösen drohen.

Nachdem er in den 1950er Jahren die Autorin Ayn Rand – bekannt als „Philosophin des Turbokapitalismus“ – kennengelernt hatte, wurde er zu einem Verfechter des Goldstandards und verfaßte 1966 den Aufsatz „Gold and Economic Freedom“ („Gold und wirtschaftliche Freiheit“), in dem er behauptete: „Ohne den Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, Ersparnisse vor einer Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt keinen sicheren Wertspeicher.“ Fünf Jahre später, am 15. August 1971, als Präsident Nixon dazu gedrängt wurde, das Bretton-Woods-System samt seiner Goldreserve aufzugeben, änderte Greenspan seine Ansicht und machte den Monetarismus zu seinem Steckenpferd.

1974 wurde Greenspan zum Vorsitzenden des Rates der Wirtschaftsberater ernannt; von dieser Position aus setzte er sich für Zinszielvorgaben und deflationäre Sparmaßnahmen ein, um der Inflation entgegenzuwirken. Er wurde zu einem führenden Verfechter des Dogmas des freien Marktes und paßte sich der „Big-Bang“-Agenda der Thatcher-Ära an, die Sparmaßnahmen, Haushalts- und Steuersenkungen mit Privatisierung und Deregulierung verband – was den Boom-Bust-Zyklus der letzten vierzig Jahre hervorbrachte: Billige Kredite und gelockerte Vorschriften befeuerten den Spekulationsboom, während den Spekulanten bei den unvermeidlichen Einbrüchen Rettungsmaßnahmen gewährt wurden, was zu einer Schrumpfung der realen, produktiven Wirtschaft führte.

Während dieser gesamten Zeit war Greenspan ein führender Befürworter der Abschaffung des Rooseveltschen Glass-Steagall-Trennbankengesetzes, das Greenspans Verbündete im US-Kongress Stück für Stück aushöhlten, bis es 1999 vollständig aufgehoben wurde.

Greenspans Einfältigkeit war für jeden erkennbar, der sich in Wirtschaftswissenschaften auskannte. Als ein Beispiel mögen seine Überlegungen über Finanzblasen dienen. Als Anhänger der von Adam Smith abgeleiteten Hypothese des Effizienten Marktes erklärte Greenspan in einer berühmten Äußerung, es sei schwer, den Unterschied zwischen einer Anlageblase und realem Wirtschaftswachstum zu erkennen. In einer Rede im Jahr 1999 fragte er tatsächlich, woran man erkennen könne, „wann Anlageblasen durch ‚irrationalen Überschwang‘ über die Gebühr angeheizt werden“. Lyndon LaRouche, der ihn manchmal als „Bubbles Greenspan“ bezeichnete, erklärte, Greenspans ganzes Denken beweise, daß er dies ganz offensichtlich nicht wußte. In Greenspans oft schwer verständlichen Äußerungen und seinem wirren Geschwafel sahen viele Zeitgenossen eine Art Genie, dessen Äußerungen aber erst ins Englische übersetzt werden müßten.

Leider droht der Schaden, den er im Laufe seiner Karriere zusammen mit seinen Mitstreitern aus der Londoner City und der Wall Street, wie Henry Kissinger und Paul Volcker, angerichtet hat, weiterhin einen wirtschaftlichen Zusammenbruch auszulösen. Es wäre gut für die Menschheit, wenn seine Wirtschaftstheorien zusammen mit seinen Gebeinen beigesetzt würden.

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