» » » Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche « « «
Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 15/2003

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

Physische Geometrie als Strategie

Von Lyndon LaRouche

Wir berichteten vergangene Woche über die Jahreskonferenz des Schiller-Instituts vom 21.-23. März in Bad Schwalbach. Lyndon LaRouche hielt am ersten Abend die folgende Hauptrede. Wir haben sie etwas gekürzt.


Moralischer Niedergang
Ein historischer Vergleich: 1928-33

Mobilisierung für eine neue Weltwirtschaftsordnung

Die Geldmauer

Das Wahrheitsprinzip

Vernunft oder Sinneswahrnehmung

Wer regiert George Bush?

In Washington läuft eine Mischung aus Tragödie und Farce ab - eine Art Shakespearesche Farce, mit dem Präsidenten als König Lear und dem Vizepräsidenten als Lady Macbeth. Aber die Angelegenheit ist sehr ernst. Manchmal sucht sich jemand, der ein großes Verbrechen vorhat, einen Narren, der es für ihn ausführt, weil er es nicht besser weiß - so wie dieser arme Präsident, der wirklich nicht weiß, was er tut. Er hat keine Ahnung von der wirklichen Welt, in der er sich bewegt.

Bei dieser Tragödie, wie bei allen klassischen Tragödien der Geschichte, muß man verstehen: Die Wurzel der Katastrophe liegt nicht in den führenden Personen oder Institutionen. Das Volk selbst bringt die Katastrophe über sich, indem es eine Führung wählt oder unterstützt, die es in diese Katastrophe hineinführt. Das lehren uns die griechische Tragödie, Shakespeare und Schiller.

Deshalb müssen die Menschen in einer Krisenzeit bei sich selbst anfangen. Statt bloß nach den Fehlern der Führung zu suchen, müssen sie in sich selbst hineinschauen und herausfinden, welcher Irrtum sie zum Komplizen der bösen Taten der Führung werden läßt.

Was jetzt in der Welt geschieht, kommt für mich nicht überraschend. Ich verfolge die Entwicklung seit über 40 Jahren. Ich habe erlebt, was nach dem Weltkrieg geschah. Ich war selbst Soldat gewesen, und ich sah, die sich die Leute, die mit mir zusammen gedient hatten, nach dem Krieg veränderten. Ich erlebte die Ära Truman - eine böse Zeit nach einer großen Zeit unter Franklin Roosevelt. Ich mußte mitansehen, wie Menschen, die im Krieg tapfere Soldaten gewesen waren, nach der Heimkehr in die Vereinigten Staaten schon nach ein bis zwei Jahren Opfer ihrer eigenen Angst wurden. Sie gaben ihren Ehefrauen klein bei. Sie kapitulierten vor der Angst, fertiggemacht zu werden, wenn sie in dieser Zeit des "amerikanisch-sowjetischen Konflikts" ein falsches Wort sagten. Sie würden ihren Job verlieren, ihre Familien müßten darunter leiden. Sie würden die Ziele, die sie sich mit ihrer Familie gesetzt hatten, nicht erreichen. Deshalb wurden mindestens neun von zehn von ihnen erbärmliche Kriecher.

So war es in den späten 40er und in den 50er Jahren: Sie gewöhnten sich ans Kriechen, sie erniedrigten sich selbst. Sie brachten ihren Kindern bei, sich vorzusehen und zu lernen, wie man sich "anpaßt": wie man sich entwürdigt. Schließlich hatten wir es überstanden, denn auf Truman folgte Eisenhower. Das war wichtig, es war eine Verbesserung. Truman war zwar kleingeistig und dumm, aber bösartig. Wir mußten ihn loswerden, um das Land zu befreien von dem, was er vertrat. Weil Eisenhower als General die amerikanische Militärtradition verkörperte - wogegen die Anhänger Churchills und Trumans eine neue, üble Tradition vertraten - , war die Zeit unter Eisenhower stabil, und das amerikanische Volk konnte sich wieder neu orientieren.

Aber sobald Eisenhower aus dem Amt geschieden war, brach die Hölle los. Die Schweinebucht-Invasion, die Kubakrise, der Mord an Präsident Kennedy, das alles waren Elemente davon. Kennedy wurde nicht von Oswald ermordet, sondern von Leuten aus dem Bereich der Spezialeinheiten in unserem Land, die für solche Dinge eingesetzt werden. Dann folgte unter Johnson der Vietnamkrieg. Johnson selbst war nicht dafür verantwortlich, sondern nur ein Element dabei. Und seit dieser Zeit ging es immer weiter und schneller bergab in die Katastrophe. Es kamen der Vietnamkrieg und die Rock-Drogen-Sex-Gegenkultur, die damals viele Studenten erfaßte, wovon sie sich bis heute nicht erholt haben. Der Niedergang war vorprogrammiert.

Moralischer Niedergang

Die USA verwandelten sich schrittweise von der wirtschaftlich produktivsten Gesellschaft der Erde ist eine parasitäre Verbrauchergesellschaft, die davon lebte, daß sie mächtig genug war, anderen Teilen der Welt Zugeständnisse abzuzwingen. Wir Amerikaner plünderten die ganze Welt aus, um uns zu versorgen, und wir fanden das gut, weil wir eine Konsumgesellschaft geworden waren.

Wir zerstörten in unseren Menschen das Gefühl für ehrliche Arbeit. Alle wollten nur Geld haben - und sei es auf Pump mit der Kreditkarte - , anstatt es sich zu verdienen. Die Schulden erdrückten die Menschen, sie wurden korrupt. Die ganze Gesellschaft wurde korrupt. Die heutigen Unterhaltungsmedien sind unmoralisch, die Geschäftspraktiken sind unmoralisch. Die Universitäten sind kaum noch als Lehranstalten wiederzuerkennen. In unseren Schulen lernt man kaum noch etwas. Wir bringen den Kindern nur noch bei, auf Fragebögen die richtigen Kästchen anzukreuzen, und das wird dann mit dem Computer ausgewertet. Die Schüler wissen nichts! Sie haben nur gelernt, die Prüfung zu bestehen. Sie selbst werden dafür nicht belohnt, aber die Schulen, die Bundesstaaten, die Politiker werden für diese Unmoral auch noch belohnt. Es gibt Leute, die Universitäten absolvieren und einen Titel tragen, aber absolut nichts wissen. Sie sind für keinen Beruf zu gebrauchen.

Und jetzt haben wir George Bush. Es ist recht interessant, wie es dazu kam. Man entschied, daß bei der Präsidentschaftswahl 2000 kein Kandidat, der für das Präsidentenamt fähig gewesen wäre, den Hauch einer Chance bekommen sollte. Daneben gab es nur noch Al Gore, der noch gefährlicher als George Bush ist. Unter einem Präsidenten Gore hätte der Krieg schon vor einem halben oder ganzen Jahr angefangen. Er ist ein Gefangener derselben Leute, die George Bush in ihren Fängen haben. George Bush ist ein Mann mit begrenzten Fähigkeiten - nicht nur seine Kenntnis der Geographie ist mehr als beschränkt. Er hat wirklich ernste Probleme.

Aber wir hievten diesen Mann trotzdem ins Amt, und die Alternative war ebenso unfähig. Wir brachten einen völlig unfähigen Mann in das höchste Amt der amerikanischen Regierung, während die Welt gerade in die schlimmste Krise der neueren Geschichte stürzte. "Er, Bush, trifft die Entscheidungen." Natürlich trifft er nicht die Entscheidungen, denn er ist eine Marionette! Eine Marionette voller Emotionen und mit vielen Fäden, an denen Leute ziehen, damit er ausführt, was sie wollen. Ich komme später noch darauf zurück.

Ich möchte aber auch klarmachen, daß eine Zeit der Tragödie auch eine Zeit ist, in der man nach dem Erhabenen strebt. Wenn ein Volk entdeckt, daß es sich schon seit langer Zeit völlig närrisch aufführt und sich mit seinen närrischen Vorstellungen seinen eigenen Untergang bereitet, dann stehen die Menschen vor einer großen Krise. Wenn die Gefahr groß genug ist, werden sie sich vielleicht fragen: "Was haben wir bloß falsch gemacht?" Solange sie nur den Politikern die Schuld geben, werden sie keine Antwort finden. Erst wenn sie sich selbst die Schuld geben, gibt es eine Lösung. Sie müssen herausfinden, warum sie den Weg in den Niedergang wählten.

So ist es in der Geschichte immer gewesen. Die Menschheit wurde nie wirklich erwachsen. In allen großen Kulturen gab es große Unternehmungen wie Staatsgründungen. Einige davon sind denkwürdige Errungenschaften. Aber dann folgte stets ein Niedergang. Solon beschrieb das gegen Ende seines Lebens in dem Gedicht, worin er den Athenern vorhielt, wie unmoralisch sie wurden, nachdem er sie Jahre zuvor in die Freiheit geführt hatte.

Das ist die Menschheitsgeschichte. Große Unternehmungen von Staaten entstehen, und dann zerfallen sie wieder. Und das Volk findet Gefallen an der Unmoral, es gewöhnt sich daran, sie wird zu seiner Lebensweise. Und dann kommt eine Zeit der Krise. Die Frage ist dann: Können die Menschen ihre Würde wiederfinden, entdecken sie die Wahrheit? Können sie ihr Denken verändern, um ihr Handeln zu ändern?

Oft hat sich die Menschheit auf diese Weise durch das "Erhabene" erneuert. Man erkennt nicht nur, daß man etwas falsch macht, sondern auch, daß Lösungen greifbar sind. Oft sind es einzelne Lehrer oder Staatsmänner, die diese Antworten oder Anweisungen anbieten. So haben sich Nationen selbst gerettet.

Ein historischer Vergleich: 1928-33

Der französische Präsident, der deutsche Bundeskanzler und der russische Präsident sind durch das Zusammenwirken der weltweiten Wirtschaftsdepression und dem weltweit drohenden Krieg so aufgeschreckt worden, daß sie das sog. "europäische Dreieck" des Widerstands gegen die Politik der USA bildeten. Sie erkannten - wie der französische Außenminister vor der UNO sagte - , daß dieser Krieg mehr ist als ein Krieg gegen den Irak, nämlich ein Krieg gegen die Zivilisation. Der Krieg ist der Ausdruck einer amerikanischen Politik, die die gesamte Zivilisation bedroht.

Betrachten wir das etwas näher.

Am 3. Januar 2001, kurz vor Präsident Bushs Amtseinführung, hielt ich eine Rede, die im Internet übertragen wurde, und ich legte dar, was meiner Einschätzung nach unter einem Präsidenten G.W. Bush geschehen würde. Ich habe recht genau vorhergesagt, was seither geschehen ist. Von einem 11. September 2001 wußte ich nichts, aber ich habe vorhergesagt, daß etwas in der Art geschehen könnte - aus folgenden Gründen.

Denken wir an Deutschland in den Jahren 1928-33. 1928 wurde Hermann Müller Reichskanzler und wurde nach zwei Jahren gestürzt, weil die Weltwirtschaftskrise Deutschland besonders hart traf - vor allem wegen der ausländischen Vorherrschaft durch die Siegermächte von Versailles. Das Problem wurde nicht gelöst. 1931 konnte man sich zwar darüber verständigen, wie die Lösung aussehen müßte, aber sie wurde nicht in die Praxis umgesetzt.

Dann kam 1932-33. Der Reichskanzler von Schleicher hätte ein guter Regierungschef sein können, und der Krieg wäre verhindert worden. Warum? Im November 1932 wurde in Amerika Franklin Roosevelt zum Präsidenten gewählt, im Dezember wurde von Schleicher zum Reichskanzler ernannt. Leider wurde er im Januar 1933 wieder gestürzt, sonst wäre er noch Kanzler gewesen, als Roosevelt im März 1933 sein Amt als Präsident der USA antrat. Dann hätten Deutschland und Amerika ihre Politik international abstimmen können. Es wäre nicht zum Weltkrieg gekommen.

Aber da intervenierte eine Machtgruppe um den ehemaligen Chef der Bank von England (Montagu Norman) und seinen Partner von der Familie Harriman sowie den Großvater des heutigen amerikanischen Präsidenten, Prescott Bush. Sie sorgten dafür, daß unter britischer Anleitung Geld aus den USA nach Deutschland floß, damit die NSDAP und Hitler nicht in der verdienten Versenkung verschwanden - was zu dem Zeitpunkt kurz bevorstand. Es stand damals für die Nazis so schlecht, daß Hitler an Selbstmord dachte. So aber wurde nicht nur die Nazi-Partei gerettet, sondern am 28. Januar 1933 wurde Schleicher auf Druck Hindenburgs gestürzt, und Hitler wurde am 30. Januar Reichskanzler.

Kurz danach inszenierten die Nazis den "Reichstagsbrand" (27. Februar 1933). Anschließend wurde das berüchtigte Ermächtigungsgesetz durch das Parlament gepeitscht, das maßgeblich auf Carl Schmitt zurückgeht. Schmitt war auch der geistige Urheber der entsprechenden Notverordnungen. Als man Schmitts Konzepte nach dem Reichstagsbrand umsetzte, wurde Hitler zum Diktator, und wenn man noch die Welle politischer Morde in Deutschland im Sommer 1934 hinzunimmt, war von da an der Zweite Weltkrieg unausweichlich. Keine Macht der Welt konnte ihn mehr aufhalten. Alles was man tun konnte war, sich darauf vorzubereiten. So schlimm ist es heute nicht, aber damals war es so.

In meiner Sendung am 3. Januar 2001 sagte ich folgendes. Spätestens ab dem Jahr 2000 rutschten die Vereinigten Staaten in eine Hyperinflation - d.h. um bankrotte Finanzpapiere zu refinanzieren, mußte man so viel Geld drucken bzw. ausgeben, daß eine hyperinflationäre Spirale in Gang gesetzt wurde. Dies bedeutete, daß das System der freien Wechselkurse, das 1971 begonnen hatte, in sein Endstadium eintrat. Es war dem Untergang geweiht. Nichts konnte es mehr retten, nichts kann es heute mehr retten. Der IWF in seiner heutigen Form kann nicht überleben. Wenn er überlebt, wird die Menschheit nicht überleben.

Ich erklärte weiter, angesichts der Kräfte in und um die Bush-Administration müßten wir nicht nur mit einer Beschleunigung der Wirtschaftsdepression rechnen. Wir müßten uns auch vor einem dem "Reichstagsbrand" ähnlichen Terroranschlag vorsehen, der als Vorwand benutzt werde, um in den Vereinigten Staaten eine Notstandsregierung an die Macht zu bringen, die versuchen würde, die politische Lage durch weltweite Kriege zu kontrollieren, anstatt etwas Ernsthaftes gegen die Wirtschaftskrise zu tun.

Manche Leute glauben, dieser Krieg sei ein Krieg gegen den Irak. Es ist aber kein "Irakkrieg", denn der Irak ist nur der Vorwand, um einen Weltkrieg zu beginnen! Das Ziel ist kein Irakkrieg, sondern ein Weltkrieg. Deshalb gibt es auch keine Zeit "nach dem Irakkrieg". Der Krieg wird nie aufhören. Es kann zwar sein, daß der Irak in den nächsten Wochen und Monaten zerstört wird, doch der Krieg wird nicht aufhören. Es wird gleich der nächste Krieg kommen, weil die Regierung zu einem weltweiten faschistischen Imperialismus fest entschlossen ist.

Deshalb müssen wir den Krieg beenden. Es ist nicht unausweichlich, daß dieser Krieg immer weitergeht. Wir müssen erzwingen, daß er aufhört! Wer sich jetzt auf den Standpunkt stellt, man müsse den Krieg eben hinnehmen und versuchen, hinterher so gut es geht die Scherben aufzusammeln, ist ein erbärmlicher Narr. Es gibt kein "hinterher"! Der Krieg wird immer weitergehen.

Wenn der Krieg nicht gestoppt wird, ist fast schon automatisch damit zu rechnen, daß Nordkorea bombardiert wird. Damit wäre nicht Schluß. Der Iran steht schon auf der Liste der Angriffsziele. Selbst der gegenwärtige Krieg kann schon auf den Iran übergreifen. Er würde den ganzen Nahen Osten in Flammen setzen, wenn er weitergeht. Das kann man nur verhindern, wenn man dem Krieg insgesamt jetzt Einhalt gebietet.

Eine der Nationen, gegen die sich dieser Weltkrieg richtet, ist China. Das zeigt, was die Dimension ist, mit der wir es zu tun haben. Wir müssen diesen Krieg beenden.

Mobilisierung für eine neue Weltwirtschaftsordnung

Die Lage hat auch ihr Gutes. Ich habe schon das "europäische Dreieck" erwähnt. Die Angst in Europa und die vielversprechende Reaktion von Chirac, seinem Außenminister, von Bundeskanzler Schröder und der russischen Regierung - ein sehr erfreulicher Wandel der russischen Haltung - bedeuten: Die Welt erkennt, daß diese Gefahr beseitigt werden muß.

Die Erkenntnis der Krisen und Probleme wächst auch in Ost-, Süd- und Südostasien bei den Nationen um das Strategische Dreieck Rußland-China-Indien. Wenn diese drei Nationen sich auf eine entsprechende Zusammenarbeit einigen, wird dies ein Dreh- und Angelpunkt der Stabilität für Wirtschaft und Sicherheit in ganz Asien. Das schließt auch Nordasien mit den beiden koreanischen Staaten ein, die auf die eine oder andere Art wiedervereint werden sollten. Es umfaßt auch in Japan die Kräfte in der Industrie, die gegen die kriegsfreundliche Politik des jetzigen Regierungschefs sind.

Alle diese Kräfte wissen, daß nur ein Programm für einen Wirtschaftsaufschwung und Zusammenarbeit verhindern kann, daß der Krieg immer weiter um sich greift. Es gibt Leute in Europa und in Asien, die erkannt haben, wie wichtig engere Beziehungen sind - vor allem bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit Westeuropas mit Asien bezüglich der Lieferung moderner Technik.

Dies ist potentiell eine Kraft des Guten. Wie aber sorgen wir dafür, daß sie zum Zuge kommt? Als erstes müssen wir dafür sorgen, daß es ein bewußter Faktor in den Köpfen der Menschen in aller Welt wird. Einige Leute in Rußland, Deutschland, Frankreich wissen es, und auch einige in China, Korea, Japan, Indien wissen, was diese Chance bedeutet. Aber das reicht nicht.

Die "öffentliche Meinung" oder die "Stimmung in der Bevölkerung", selbst wenn sie etwas Gutes will, wird niemals ein Problem lösen oder eine schreckliche Lage wie die jetzige beenden. Jemand muß an den Strippen der Macht ziehen, damit das ganze bewußt betrieben und durchgesetzt wird. Und ich bin fest entschlossen, genau das zu tun - nicht nur gute Meinungen oder gute Informationen verbreiten, sondern Leute im Zentrum der Macht und in einflußreichen Positionen dazu zu bewegen, so zu handeln, wie es notwendig ist. Denn wenn eine Nation eine Führung hat, die richtig handelt, wird die Bevölkerung mitziehen.

Die Bevölkerung, die Menschen haben ihre Meinung. Schauen Sie sich die vielen Meinungsäußerungen gegen den Krieg rund um die Welt an. Beenden sie den Krieg? Nein. Sind sie nützlich? Ja. Aber sie werden den Krieg nicht beenden. Keine Friedensbewegung, und wenn sie noch so nützlich ist, kann jemals einen Krieg aufhalten. Jemand muß in den Institutionen der Macht entsprechende Handlungen in Gang setzen, um die sich die öffentliche Meinung sammeln und wachsen kann.

Wofür wird die öffentliche Meinung mobilisiert? Für positive Handlungen! Nicht gegen, sondern für etwas. Und in unserem Fall bedeutet das natürlich, ein neues Weltwährungs- und Finanzsystem zu schaffen. Man bringt Nationen zusammen, um den IWF einem Bankrottverfahren zu unterziehen. Man errichtet eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung, indem man sich auf ein neues Währungssystem einigt, das auf bestimmten, für alle beteiligten Nationen annehmbaren Prinzipien der Zusammenarbeit gründet. Nicht eine oder zwei Nationen schreiben der Welt etwas vor, sondern eine Versammlung wichtiger Nationen einigt sich auf Prinzipien eines neuen Währungssystems, dessen unmittelbare Zielsetzung darin besteht, die Welt aus der jetzigen Depression herauszuführen.

Die Menschheit mit der Hoffnung auf einen Ausweg aus dieser schrecklichen Lage zu mobilisieren, das ist das einzige, was diesen Krieg aufhalten kann.

Dazu müssen wir nicht nur die Grundannahmen von Nationen und Regierungen in Frage stellen. Jeder einzelne muß seine eigenen Annahmen hinterfragen und einen Augenblick innehalten, bevor er seine Schlußfolgerungen über das Problem oder über die Lösungen zieht. Denn diese Schlußfolgerung wird wahrscheinlich falsch sein, solange Sie nicht die falschen Grundannahmen überprüfen, die Ihre Denkweise und damit Ihre vermeintlich "eigene unabhängige Meinung" bisher bestimmt haben.

Damit sind wir bei der Frage der Axiome angelangt.

Ich möchte einmal zeigen, von was für einer Narrheit die meisten Menschen in Nordamerika und Europa ihr sogenanntes unabhängiges Denken in den letzten Jahrzehnten regieren ließen.

In der Zeit von etwa 1966 bis 2000 erfolgte ein langfristiger Niedergang des Weltwährungs- und Finanzsystems, den meine Typische Kollapsunfktion pädagogisch veranschaulicht. Eine Kurve veranschaulicht den Anstieg der sog. "Finanzwerte" pro Kopf und Flächeneinheit. Die zweite Kurve betrifft die Entwicklung der Geldmenge, die benötigt wird, um die Märkte aufzupumpen. Die Börsen sind nicht etwa gestiegen, weil die Produktivität der Wirtschaft zugenommen hatte - ganz im Gegenteil! Sie stiegen deshalb, weil immer mehr Geld in die Finanzmärkte gelenkt wurde, was dann durch eine Vervielfachung durch sog. "Hebelwirkung" zu einem Anstieg der "Finanzwerte" führte. In Wirklichkeit ist der Wert der Aktien etc. überhaupt nicht gestiegen.

Die dritte Kurve markiert den Rückgang der Produktion realer, physischer Werte, gemessen pro Kopf und Quadratmeter. Darin eingeschlossen ist die vorhandene und verfügbare Infrastruktur. Dieser Niedergang in Nord- und Südamerika und Europa wirkte sich auch auf Afrika und Asien aus. Die japanische Volkswirtschaft wird durch einen ganz ähnlichen Prozeß zerstört.

Im Jahr 2000 trat das System in eine neue Phase ein. 1998 platzte die weltweite Finanzblase, die großenteils auf der Ausplünderung der ehemaligen Comecon-Volkswirtschaften beruhte. Diese Ausplünderung hatte schon Ende der 80er Jahre, teilweise unter Beteiligung von Freunden Andropows, begonnen. Mit dem Sturz der Sowjetmacht beschleunigte sich das rasch und ging unter Jelzin mit einer neuen Generation von Dieben weiter bis 1998. Daran waren Leute in dem Spekulationsfonds Long Term Capital Management (LTCM) beteiligt, die den wertlosen Papieren, die unter Jelzin in Rußland ausgegeben wurden, mit Hilfe langfristiger Finanzderivate einen Anschein von Wert gaben. Im August 1998 platzte diese Blase. Die Federal Reserve und andere griffen massiv ein, um das amerikanische Finanzsystem vor einem Zusammenbruch der an diesem Geschäft beteiligten Spekulationsfonds zu bewahren.

An dem Punkt entschieden Leute um Präsident Bill Clinton und - ich glaube, ich kann das jetzt öffentlich sagen - auch Clinton persönlich: "LaRouche hatte recht, und die anderen hatten unrecht." Im September 1998 ging Clinton an die Öffentlichkeit und verkündete vor einer Versammlung des Council on Foreign Relations in New York, er sei zu einer Reform des Weltwährungssystems entschlossen. Der Vorschlag dazu war von mir gekommen. Clinton und sein Finanzminister Robert Rubin dachten, sie kämen damit durch. Doch sie mußten bald feststellen, warum eine gewisse Monica Lewinsky im Keller lauerte, denn man inszenierte einen riesigen Skandal und ein Absetzungsverfahren gegen Clinton. Dieser Skandal und Absetzungsversuch verhinderte, daß Clinton tatsächlich mit Verhandlungen über die Währungsreform begann.

Die Geldmauer

Die Leute in der New Yorker Finanzwelt - u.a. der Großspekulant und Rauschgiftbefürworter George Soros - hatten Angst, weil sich gleichzeitig auch noch die Brasilien-Krise vom Februar 1999 abzeichnete, und sie einigten sich auf die folgende Lösung: "Wir brauchen eine Geldmauer. Druckt Geld, schafft Geld heran, neues Geld aller Art, egal wie. Schnell. Überschwemmt die Welt mit Geld." So oder ähnlich meinten Soros und die anderen. Wenn man die Geldmenge immer mehr vergrößere, könne man den finanziellen Kollaps verhindern.

Genau das tat man dann auch. Damit begann der Weg in die Hyperinflation.

Als Folge dieser Entwicklung der letzten Jahrzehnte erhielten in den USA die ärmeren 80% der Haushalte einen immer geringeren Anteil am nationalen Einkommen. Gleichzeitig ist das durchschnittliche Einkommen, gemessen an den realen Dingen, die man sich davon leisten kann, immer mehr gesunken. Die amerikanische Volkswirtschaft wurde also zunehmend zerstört, und die Lebensbedingungen der ärmeren 80% der Amerikaner haben sich zusehends verschlechtert.

Hat jemand von Ihnen schon einmal an einer Universität oder anderswo Unterricht in Wirtschaftswissenschaft genommen? Oder die Wirtschaftskolumne der Zeitung verfolgt? Dort wird einem gesagt, wichtig an der Wirtschaft seien vor allem die Börsen, die Finanzmärkte. Ein Anstieg der Aktien, Anleihen und sonstigen Wertpapiere sei ein Maßstab für eine gesunde Wirtschaft. Die Geldmenge sei ein Maßstab für wirtschaftliche Gesundheit. In der jüngeren Zeit hat man in den meisten Teilen der Welt geglaubt, die USA und Europa seien in einer ausgezeichneten Verfassung, weil die Geldmenge stieg und große Gewinne an den Börsen gemeldet wurden, nicht wahr?

Das war alles ein großer Betrug! Es war niemals etwas Wahres dran! Denn der physische Wert der Volkswirtschaften pro Kopf und Quadratkilometer brach immer mehr ein. Und dieser Einbruch war kein Zufall, es war ein Zusammenbruch des Systems.

Das Wahrheitsprinzip

1799 verfaßte Carl Friedrich Gauß eine Schrift über das Fundamentaltheorem der Algebra. Es war ein Angriff auf Leonhard Euler und Joseph Louis de Lagrange, die man im 18. Jahrhundert für die führenden Mathematiker hielt. Gauß deckte auf, daß die beiden sich geirrt hatten. Trotzdem halten heute immer noch Leute an diesem Irrtum fest und lehren immer noch die Vorstellungen Lagranges und Eulers. Ihre "unabhängige Meinung" entsteht aus falschen Definitionen, Axiomen und Postulaten. Deshalb ist ihre Meinung unnütz, ja sogar gefährlich.

Als unsere Jugendbewegung entstand, fragte ich mich: Wie kann man am besten die Entwicklung dieser jungen Menschen fördern? Die Frage tauchte auf einer Konferenz auf, und ich kam auf Gauß. Denn Gauß steht für ein Wahrheitsprinzip: daß es im Universum eine wißbare Wahrheit gibt. Wir können eine unabhängige Meinung haben, aber nur, wenn sie vom Wahrheitsprinzip abgeleitet ist.

Gauß machte es ähnlich wie die Griechen zur Zeit des Platon und Pythagoras bei der Frage der Verdoppelung des Quadrats und des Würfels. Wie einige andere vor ihm - wie etwa Nikolaus von Kues, Brunelleschi, Leonardo, Kepler, Huygens - hat Gauß das Wissen und die Prinzipien der klassischen Griechen wiederbelebt. Dazwischen lag eine lange Zeit des Verfalls, denn seit dem Aufstieg Roms waren die klassischen Ideen, die bis etwa 200 v.Chr. und teilweise noch etwas länger vorgeherrscht hatten, durch die Einführung der römischen Denkweise erstickt worden. Und das ist bis heute ein Problem unserer Zivilisation geblieben.

Im 15. Jahrhundert kam dann die "Renaissance", die Wiedergeburt dieses klassischen Wissens der alten Griechen. Und Gauß hat in dem genannten und anderen Werken mit modernen wissenschaftlichen Methoden und in modernen Begriffen die Grundlage für die Wiederherstellung des klassischen Wissens nach dem platonischen Wahrheitsprinzip neu geschaffen.

Ich sagte mir deshalb: "Da sind viele junge Menschen, die etwas erreichen möchten. Sie wollen, daß ich ihnen eine Art Wegweiser anbiete, damit sie die richtige Richtung finden." Nun, als erstes brauchen sie das Wahrheitsprinzip, damit sie den vielen Unsinn, der heute die Runde macht, aussortieren können und einen Maßstab haben, um zu verstehen, was ich sage. Wie komme ich zu einer begründeten unabhängigen Meinung? Sie sollen wissen, wie man beurteilt, was "Wahrheit" ist. Denn die meisten Menschen auf der Welt heute wissen das nicht - selbst die meisten Professoren an den meisten Universitäten wissen es nicht, ganz zu schweigen von Politikern und Zeitungsleuten.

Wenn man ein Wahrheitsprinzip erkannt hat und weiß, was "universelle Wahrheit" ist, dann kann man für jedes Problem einen platonischen oder sokratischen Dialog entwickeln, der eine Einsicht darin gewährt, was wahr sein kann. Mit der Hilfe eines solchen echten, kraftvollen Dialogs kann man bei Fragen aller Art anfangen, Wahrheit und Unsinn voneinander zu trennen. Wenn man selbst und der Gesprächspartner zu einem solchen Dialog bereit ist, kann man über fast alles mit Selbstvertrauen reden.

Wir brauchen auf diesem Planeten einen Maßstab für Wahrheit, damit sich Führungspersönlichkeiten mit einem stärkeren persönlichen Charakter entwickeln und unsere Institutionen beeinflussen können. Besonders in Amerika und Westeuropa gibt in den Institutionen heute die Generation der sog. "Babyboomer" oder "68er" den Ton an. Das ist die Generation, die ab etwa 1964 einem scheußlichen kulturellen Wandel unterworfen wurde - der "Rock-Drogen-Sex-Gegenkultur" und ähnlichen Umtrieben. Daraus wurde die "Jetzt-Generation", die nur kurzfristiges Vergnügen suchte und die Idee der Wahrheit aufgab.

Früher bedeutete Wahrheit für verantwortungsvolle Menschen, daß das, was man heute tut, Gutes für die beiden nächsten Generationen schaffen soll. Man blickte auf die Zukunft, indem man seine Kinder und Enkel als Bezugspunkt für die Errungenschaften im eigenen Leben nahm. Aber das ging verloren.

Deshalb muß man in einer Krisenzeit, wenn die "Babyboomer" merken, daß ihre Weltsicht, ihre Meinung, ihr Verhalten falsch war, diese Menschen damit konfrontieren, daß es eine Wahrheit gibt. Schließlich weiß jeder mit etwas Hirn und Empfindung, daß die Generation der Enkel - wofür unsere Jugendbewegung steht - unsere Zukunft ist. Der Sinn dessen, was ich tue, liegt in dem, was ihre Generation in der Zukunft einmal vollbringen wird.

Vernunft oder Sinneswahrnehmung

Der Mensch ist anders als alle anderen Lebewesen. Er allein ist fähig zur Vernunft. Wie gelangt der Mensch zur Vernunft, zur Erkenntnis? Indem er feststellt, daß seine Sinne ihn täuschen. Ein Mensch, der erklärt "Ich glaube nur, was meine Sinne mir sagen", ist ein Narr.

Es erinnert an die Geschichte von den malaysischen Affen. Wenn ein malaysischer Bauer Affenfleisch zum Abendbrot essen wollte, hatte er dafür eine schlaue Methode. Er nahm eine Flasche und steckte eine Nuß hinein, wie sie Affen gerne fressen. Dann band er die Flasche fest und wartete. Der Affe kommt und greift nach der Nuß - aber jetzt kriegt er die Hand nicht mehr aus der Flasche. Dazu müßte er die Nuß loslassen, aber er will nicht, er ist zu gierig! So fängt der Bauer den Affen und bekommt sein Abendessen.

So sind Tiere. Sie haben tierische Einsicht, aber das Problem der Affenfalle können sie nicht lösen. Auf ähnliche Weise werden alle Tiere gefangen, und leider lassen sich auch allzuviele Menschen so fangen, weil sie sich wie Tiere verhalten!

Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist folgender: Das Tier hält die Sinneseindrücke für die Wirklichkeit. Menschen dagegen wissen, daß diese Eindrücke täuschen. Sie stellen irgendwann fest, daß das, was die Sinne uns zeigen, nicht das wirkliche Universum ist. Sie zeigen uns nur die Reaktion bestimmter biologischer Prozesse in uns - die "Sinneswahrnehmungen" - auf die Anregungen durch die Welt außerhalb unserer Sinne. Diese äußere Welt wird man nie sehen können. Man muß entdecken, was dort draußen wirklich ist, was diese Sinneseindrücke hervorruft, und wie man es beeinflussen kann. Das kann kein Tier, nur der Mensch.

Der Mensch entdeckt beispielsweise "physikalische Prinzipien" - Prinzipien unseres Universums, die unsichtbar sind. Ein Prinzip läßt sich nicht riechen, nicht sehen, fühlen oder schmecken. Man erkennt es nicht mit den Sinnen, sondern nur im Geist. Wir erkennen es, indem wir feststellen, worin die Sinne falsch liegen, und lernen, wie wir dieses Prinzip anwenden können, um auf das unsichtbare Universum so einzuwirken, wie wir es wünschen.

Das ist das Problem mit einer kartesischen oder euklidischen Geometrie: Man kann zwar etwas daraus lernen, aber man darf sie nicht einfach als gegeben hinnehmen - vor allem nicht die kartesische. Denn es gibt keine Definitionen, Axiome oder Postulate, die a priori in der wirklichen Welt gültig sind. Die einzigen Prinzipien, die wir kennen, sind diejenigen, die als gültige universelle Prinzipien entdeckt werden, und das sind physikalische Prinzipien.

Das Ergebnis zeigt sich an der Frage: Wie kann der Mensch die relative potentielle Bevölkerungsdichte der Menschheit willentlich erhöhen? Wären die Menschen nur Menschenaffen, dann hätte es unter den Bedingungen, wie sie auf der Erde in den letzten zwei Millionen Jahren oder während des uns bekannten Eiszeitzyklus herrschten, niemals mehr als ein paar Millionen von ihnen geben können. Heute leben sechs Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Wir könnten jetzt schon 25 Milliarden Menschen mit einem guten Lebensstandard versorgen, wenn wir die verfügbare Technik nutzen. Und auch danach gibt es keine Grenze.

Es ist der schöpferische Wille - die Fähigkeit, universelle Prinzipien zu entdecken und anzuwenden - , was dem Menschen erlaubt, sein Verhältnis zum Universum zu verändern und seine Macht über es zu steigern.

Das ist das Prinzip der physikalischen Wirtschaft. Dazu braucht man ein gewisses allgemeines Bildungsniveau, man braucht Lebensbedingungen, in denen die Geisteskräfte der jungen Menschen gefördert werden, und Arbeitsbedingungen, in denen sie diese Geisteskräfte ins Spiel bringen können. Man muß die Prinzipien weitervermitteln, d.h. wiederentdecken. Das wollen wir fördern. Wir haben jetzt auf diesem Planeten eine Lage, in der wir - wenn wir die Wissenschaft als Motor benutzen - mit Hilfe dieser Prinzipien eine ganz neue Lage für die Menschheit schaffen können.

Die Verbesserungen, die wir für die Menschheit schaffen, sind immer mindestens das Werk einer Generation. Die grundlegende Kapitalinvestition ist das, was die Gesellschaft, eingeschlossen die Familie, in einen jungen Menschen hineinsteckt - von der Geburt bis zum jungen Erwachsenen, der in der Wirtschaft und sonst seinen Beitrag leisten kann. Das sind in der heutigen modernen Gesellschaft ungefähr 25 Jahre. Mit anderen Worten, sich um diesen Menschen so zu kümmern und ihn so auszubilden, daß er schließlich qualifiziert ins Berufsleben einsteigen kann, das ist heutzutage eine Investition der Gesellschaft über den Zeitraum eines Vierteljahrhunderts.

Wer regiert George Bush?

Noch einmal zurück zur heutigen Lage. Die Menschen grübeln darüber nach, was George Bush ist oder tut. Die Antwort ist schlicht: George Bush ist ein Nichts. Ich glaube, er weiß selbst nicht, wer er ist. Er reagiert nur. Er ist ein typischer ungeheilter Trinker - er trinkt zwar nicht mehr, ist aber nicht wirklich geheilt. Und das ist schlecht. Er hat immer noch das Verlangen, zu trinken, aber er zwingt sich, es nicht zu tun. Vielleicht wäre es sogar das Beste, wenn er sich einmal ordentlich betränke!

Aber Scherz beseite. George ist nicht derjenige, der die Lage beherrscht. Er ist nicht der Ursprung des Problems. Er hat gar nicht das Gehirn dazu, sich solche Dinge auszudenken. Er reagiert nur. Er regiert nicht, er reagiert.

Wer regiert dann George Bush? Nun, da sind einmal Cheney und Rumsfeld. Das ist offensichtlich. Aber wer steckt hinter ihnen? Dahinter steckt eine sehr interessante Erscheinung: die Schule von Leo Strauss, der aus Deutschland kam. Er war in Marburg in Sozialwissenschaften ausgebildet unter Castlereagh. Seine internationale Karriere verdankte er Carl Schmitt, der die Gesetze entworfen hatte, durch die Hitler an die Macht kam. Schmitt war durch und durch ein Faschist.

Strauss war auch ein Bewunderer Nietzsches. Er stand der Frankfurter Schule sehr nahe, besonders dem Nazi-Apologeten Martin Heidegger. Es gab in Deutschland eine ganze Reihe von Leuten, darunter die Frankfurter Schule ganz allgemein, die ganz ähnlich wie Hitler Anhänger von Nietzsche oder anderen Vertretern der existentialistischen Schule waren, die aber kein Mitglied der NSDAP werden konnten, weil sie Juden waren. So schickte man diese Leute nach Amerika.

Auf diese Weise wurde auch Leo Strauss auf Anregung Carl Schmitts von den Rockefellers nach Amerika geholt und dort von den Kreisen um Bertrand Russell und Hutchins in Beschlag genommen. Hutchins machte Straus an der Universität Chikago zum Professor, wo er sozusagen Bosheit lehrte.

Der ganze harte Kern der faschistischen Bande um Vizepräsident Cheney, die hinter diesem Krieg steckt, waren Schüler oder Enkelschüler von Leo Strauss. Wenn man sich Strauss anschaut, ist man also gleich bei dem engsten Kreis von Lakaien, wie früher den Lakaien an einem korrupten feudalen Fürstenhof. Diese Lakaien beherrschen den Staat mit Rückendeckung aus der Finanzwelt. Ähnlich ist es mit Ariel Scharon: Hinter ihm steht dasselbe "Große Geld" aus den USA wie hinter diesen Lakaien.

Sind diese Straussianer die Urheber des Krieges? Nein. Sie sind ja nur Lakaien. Nehmen wir als Beispiel Israel: Wenn Israel seinen gegenwärtigen Kurs unter Scharon weiterfährt, wird es zerstört werden. Wenn Israel im Nahen Osten einen Krieg führt, wird es zerstört werden. Es wäre wie eine Handgranate, die geworfen wird: Wenn sie ihr Ziel erreicht, explodiert sie - dann hat sie ihren Zweck erfüllt, doch sie selbst ist in tausend Stücke zersplittert, es gibt sie nicht mehr.

Israel steckt also nicht hinter der Kriegspolitik. Israel ist nur die "Handgranate", die auf die arabische Welt geworfen wird. George Bush ist auch nicht der Urheber, er hat nicht den Grips dazu. Wer also steckt dann dahinter? Es ist die Gruppe, die ich damals im Januar 2001 beschrieben habe: die Leute um die unabhängigen Zentralbanken. Die Finanzinteressen, die ich als "Schleimpilz" bezeichnet habe [weil es eine unförmige Masse ist, die immer wieder andere Institutionen und Repräsentanten hervorbringt]. Es sind die Nachkommen der Interessen, die hinter dem "Hitler-Projekt" standen, als der Chef der Bank von England mit dem Geld der Harrimans und mit Hilfe des Großvaters des heutigen amerikanischen Präsidenten Geld und politischen Druck organisierte, so daß Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht kam. Das gleiche wird heute versucht.

Die Lage hat also zwei Seiten. Die eine ist die Tragödie. Wir als europäische Zivilisation sind so tief gesunken, wir haben es so weit kommen lassen. Aber auf der anderen Seite sind wir - wie in vielen Tragödien - an einem Punkt angelangt, wo sich das Erhabene anbietet. Wir sehen es: die entstehende Einheit in Europa gegen den faschistischen Vorstoß aus den USA, das Bestreben Asiens, sich zu Sicherheit und gemeinsamem Nutzen zu verteidigen, und die Zusammenarbeit zwischen Westeuropa und Asien zum langfristigen Technologieaustausch als Grundlage für ihre wirtschaftliche Erholung und zukünftigen Wohlstand - das ist das Positive.

Was wir dazu brauchen, haben ich schon gesagt: wir müssen aktiv als Führung eingreifen, um diesem Potential die Richtung zu geben und es in Bewegung zu setzen. Man muß der Welt klarmachen, daß dieser positive Gegenentwurf für die Zusammenarbeit souveräner Nationalstaaten vorhanden ist und daß wir damit die großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Erde lösen können. Wenn sich das mit der allgemeinen Stimmung gegen den Krieg überschneidet, kann diese Stimmung auch etwas bewirken und die entsprechenden Leute in und außerhalb von Regierungen anspornen, den faschistischen Putschversuch auszuschalten.

Das ist wahre Führung, im Gegensatz zu bloßer öffentlicher Meinung oder Volksmeinung. Das Vorbild dafür sind Menschen wie Johanna von Orleans, die bereit sind, ihr Leben einzusetzen, um die Aufgabe zu bewältigen.

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum