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Aus der Neuen Solidarität Nr. 24-25/2004

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NATO und Europäische Union aus amerikanischer Sicht

von Lyndon LaRouche

Stellungnahme. Der amerikanische Präsidentschaftskandidat LaRouche veröffentlichte vm Vorfeld der D-Day-Feiern und des G-8-Gipfels die folgende Erklärung zum Stand der transatlantischen Beziehungen.


Eine Lehrstunde in politischer Geometrie

Die einzig konpentente Sichtweise der derzeitigen strategischen Rolle Europas in führenden Kreisen in den USA ist folgende.

Die Weltlage wird derzeit von zwei Hauptfaktoren einer unmittelbar drohenden Weltkatastrophe bestimmt:

Erstens, dem Ansturm des bereits ablaufenden allgemeinen Zusammenbruchs des gegenwärtigen Weltwährungs- und Finanzsystems und

zweitens, den anglo-amerikanischen Plänen des britischen Premiers Tony Blair und Vizepräsident Cheneys für fortwährenden Krieg, auch unter Einbeziehung von Kernwaffen, wofür der asymmetrische Morast im Irak nur ein Beispiel ist.

Einige Regierungen auf dem europäischen Kontinent leisten zwar beträchtlichen und nützlichen, wenn auch schwankenden, Widerstand gegen den Irakkrieg, aber bisher haben ganz West- und Mitteleuropa das Wesen des derzeitigen Weltwährungs- und Finanzzusammenbruch und dessen notwendige Lösungsmöglichkeiten noch nicht in angemessener Weise zur Kenntnis genommen. Der britische Druck auf die Regierungen des Kontinents, besonders seit dem in vieler Hinsicht bedauernswerten Hutton-Bericht, war und ist eine der offensichtlichen Ursachen dafür, daß diese Regierungen zum Wankelmut neigen.

Mit Ausnahme der Unterstützung einiger führender Politiker in Italien für eine allgemeine Währungsreform in Anlehnung an Bretton Woods gibt es bei den wichtigen Regierungen West- und Mitteleuropas so gut wie kein Anzeichen für irgendwelche tatsächlich wirksamen Änderungen der Wirtschaftspolitik. Sich weiterhin den anglo-amerikanischen imperialistischen Dogmen "fiskalische Sparpolitik" und "Globalisierung" zu unterwerfen, bedeutete, daß eine schlimmere Weltwirtschaftskrise als 1928-33 in naher Zukunft unausweichlich wäre, und damit wäre auch sehr unwahrscheinlich, daß man den Trend zur weltweiten Ausbreitung allgemeiner asymmetrischer Kriege bis hin zum Kernwaffeneinsatz beenden kann.

Schlimmer noch, die stillschweigende Ausdehnung des Zugriffs der NATO durch die derzeitige politische Ausrichtung der EU-Osterweiterung beschleunigt nicht nur das Taumeln in immer weitergehendere Globalisierung, sondern erzeugt auch Konfliktstoff zwischen Westeuropa und Rußland, der mit den Auswirkungen des jeden Anstand zuwiderlaufenden Verhältnisses der USA zu ihren südlichen Nachbaren vergleichbar ist.

Wenn es im November zun überfälligen Wechsel der amerikanischen Regierung käme, würden diese beiden Schwierigkeiten, die durch die jetzigen Trends in Europa entstehen, handhabbar werden. Deshalb besteht jetzt ein ganz entscheidendes Problem in der Inkompetenz von Senator John Kerry. Seit den Vorwahlen vom "Superdienstag" im März gleitet Kerry in seinem Präsidentschaftswahlkampf immer mehr von Unvermögen in Stümperei ab. Wegen Kerrys immer häufigerer Zurschaustellung von Unfähigkeit droht nun die sonst unwahrscheinliche Wiederwahl von Vizepräsident Cheneys Marionette, Präsident George Bush. Oder als die andere Möglichkeit ein Präsident Kerry, der so wie in der letzten Zeit nur ein opportunistischer Gefangener der anglo-amerikanischen Finanzinteressen ist, die fest entschlossen sind, Hoover-artige Sparmaßnahmen durchzusetzen, die sich an der Politik von Montagu Normans Marionette Hjalmar Schacht orientieren.

Der Fall Kerry sollte nachdenkliche Europäer daran erinnern, wie die Opposition der deutschen Sozialdemokraten gegen Hitlers Gegner, Reichskanzler Kurt von Schleicher, unmittelbar den Weg dafür freimachte, daß auf Anweisung Londons Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Viele unserer amerikanischen Gewerkschaftsführer, deren Handeln den Interessen ihrer Mitglieder völlig zuwiderläuft, haben offensichtlich nichts daraus gelernt, was ihre deutschen Kollegen mit ihrem Verhalten vom Januar 1933 angerichtet haben.

Zum Glück für diesen Planeten gibt es immer noch Chancen für eine drastische Verbesserung der amerikanischen Politik. Man sollte dazu die folgenden Bestandteile der Analyse, warum diese Verbesserung möglich ist, sorgfältig und vollständig berücksichtigen.

Eine Lehrstunde in politischer Geometrie

Die heranstürmende Weltkrise hat hauptsächlich zwei Ursachen. Die erste ist der abrupte Wechsel zur Politik des "präventiven Atomkriegs" unter Präsident Harry Truman unmittelbar nach Präsident Franklin Roosevelts Tod. Die zweite betrifft die Veränderung der anglo-amerikanischen Politik nach dem Tode Präsident John F. Kennedys, hin zum offiziellen Krieg der USA in Indochina und gleichzeitig hin zum kulturellen Wertewandel in den Vereinigten Staaten und Großbritannien. Es erfolgte die Transformation Amerikas als größter produzierender Nation der Welt zu einer heruntergekommenen "nachindustriellen" Utopie, die u.a. durch das Wirken des "Kongresses für kulturelle Freiheit" herbeigeführt wurde.

Trumans Plan, durch vorbeugende Atomkriege eine "Weltregierung" zu schaffen, wie Bertrand Russell dies entworfen hatte, und der kulturelle Wertewandel der letzten 40 Jahre bewirkten zusammengenommen einen Wandel im Verhalten der Regierungen und ihrer Bevölkerungen: Insbesondere die Baby Boomer- oder 68er-Generation, die in den 60er Jahren ins Erwachsenenleben eintrat, verfiel wirtschaftlich-kultureller Degeneration. Und es entstand ein neuer Imperialismus namens "Globalisierung". Die Bemühungen der letzten 14 Jahre, diese wirtschaftlich-kulturellen Dekadenzbedingungen mit den - hyperinflationären - Finanz- und Währungsmechanismen der Finanzderivate aufrechtzuerhalten - z.B. unter Führung des Federal-Reserve-Vorsitzenden Alan Greenspan - , bescherten uns die Doppelkrise von Krieg und Finanzkollaps, von der jetzt die Welt ergriffen wird.

Weil West- und Mitteleuropa bis heute vom Erbe des anglo-holländischen Liberalismus beherrscht werden - der Unterordnung der Politik unter die Vorgaben sogenannter "unabhängiger Zentralbanken" - , sind die Institutionen in diesen Teilen Europas in ihrer Handlungsfähigkeit so sehr eingeschränkt, daß die gegenwärtigen Regierungen unfähig sind, angemessen einzugreifen, um diese beiden - wirtschaftlichen und kulturellen - Wertewandel und ihre Auswirkungen rückgängig zu machen. Der Anstoß muß aus den Vereinigten Staaten kommen, sonst wird er nicht mehr rechtzeitig geschehen. Wenn diese Veränderung nicht sehr bald geschieht, wird die Welt in ein langes, neues finsteres Zeitalter stürzen, das noch viel schlimmer wäre als das im 14. Jahrhundert in Europa.

Einige bedeutende Persönlichkeiten in Europa - insbesondere aus Italien - haben diese Tatsache so weit erkannt, daß sie die Forderung nach einer Rückkehr zur Franklin-Roosevelt-Tradition des Bretton-Woods-Systems der Nachkriegszeit mit langfristig festen Wechselkursen einschließlich einer Goldreservebasis unterstützen und selbst dafür eingetreten sind. Eine solche plötzliche und umfassende Reform der derzeit führenden Währungseinrichtungen ist das einzig mögliche Mittel, heute einen echten Wirtschaftsaufschwung in Gang zu setzen.

Jeder wirtschaftlich einigermaßen gebildete Mensch, der nicht das Opfer einer Gehirnwäsche wie der seitens des "Kongresses für Kulturelle Freiheit" wurde, wird sofort erkennen, daß diese Veränderung unverzüglich umgesetzt werden muß. Leider ist die kulturelle Konditionierung - einige würden es "Gehirnwäsche" nennen - in den führenden Schichten der Gesellschaft inzwischen tief verwurzelt und hat auf die Denkgewohnheiten der breiten Bevölkerung übergegriffen. Diese Massengehirnwäsche in den zur Gewohnheit gewordenen, axiomartigen Bedingungen des kulturellen Massenverhaltens ist gemeint, wenn wir von der 68er- oder Baby Boomer-Generation sprechen: Gemeint sind die systemischen Eigenschaften des Verhaltens der Menschen im Alter zwischen 40 und 63 Jahren in führenden politischen und vergleichbar einflußreichen Institutionen heute. Diese Gewöhnung an die existentialistischen Gebote, wie man sie mit dem "Kongreß für Kulturelle Freiheit" verbindet, beherrscht das Massenverhalten, selbst bei Menschen, die den Verhaltensregeln, an die sie sich gewöhnen mußten, feindselig gegenüberstehen.

Das lebende Gewebe der heutigen Weltkrise zeigt sich am deutlichsten in den Auswirkungen der Konditionierung dieses Teils der Bevölkerung in Europa und Nord- und Südamerika - und diese kulturelle Orientierungslosigkeit greift von den relativ vorherrschenden Regionen Nordamerika und Westeuropa auf andere Teile der Welt über, die kulturelle Werte von ihnen übernehmen.

Ich beschreibe die Wirkung dieses Wandels der strategischen und anderen kulturellen Werte oft als den Geisteszustand des Fisches, der nie etwas anderes als das Leben im Aquarium kennengelernt hat. Die anerzogenen Grundsätze des kulturell akzeptierten Verhaltens bilden die Grenzen des Geisteslebens dieser armen Fische. Sie erkennen vielleicht, daß es eine Welt jenseits dieser Grenzen gibt, aber sie gehen davon aus, daß sie selbst niemals in diesen freieren Dimensionen handeln können. Die kulturelle Konditionierung durch das "Aquarium", beispielsweise bezogen auf die utopische Vorstellung eines atomaren Präemptivkrieges, und die entsprechende Gehirnwäsche des "Kongresses für Kulturelle Freiheit", lassen sich verstehen. Man muß die in diesem geistigen Gefängnis eingeübten Denkgewohnheiten mit Verhaltensregeln vergleichen, die deduktiv durch den anerzogenen Glauben an die a priori-Definitionen, Axiome und Postulate der geistestötenden kartesischen Geometrie bestimmt werden. Diese wirken als axiomatische Bestandteile angewöhnter sozialer Reflexe wie geistige Fesseln, die ein körperliches Fesseln des Opfers mehr oder weniger überflüssig machen.

Ein solcher Zustand entspricht der Absicht der gemeinsamen utopischen Pläne bösartiger Figuren H.G. Wells und Bertrand Russell und ihrer Kopien Aldous Huxley, George Orwell, Norbert Wiener, John v. Neumann, Noam Chomsky u.a. ebenso wie der führenden Köpfe des wahrheitshassenden "Kongresses für Kulturelle Freiheit": Horkheimer, Jaspers, Heidegger, Brecht, Sartre, Adorno und Arendt.

Manchmal - daran erinnert uns die Geschichte - gibt es nur einen Weg, die Mehrzahl der Opfer einer solchen Massengehirnwäsche zu befreien: indem man "das Aquarium zerschlägt". So geschehen zum Guten, als Franklin Roosevelt amerikanischer Präsident wurde, so geschehen zum Schlechten, als eine Bande um Londons Montagu Norman Adolf Hitler zum Reichskanzler machte. Die Befreiung der Fische durch solche schockierenden Entwicklungen kann gut oder schlecht ausgehen. Wie uns der Vergleich zwischen dem Sturz Kurt von Schleichers und der Wahl Franklin Roosevelts in Erinnerung rufen sollte, gibt es bei der Entscheidung, welche Richtung die Geschichte einer Kultur nimmt, wenn das Aquarium zu Bruch geht, ein klar bestimmbares voluntaristisches Element.

Das Aquarium wird demnächst zu Bruch gehen. So oder so wird ein Weiterleben in dem heutigen kulturellen Aquarium in naher Zukunft nicht mehr möglich sein. Die Entscheidung sollte nicht zufällig, sondern bewußt fallen. Deshalb ist es dringend notwendig, daß die Menschen nicht nur so klar wie möglich erkennen, daß die heute an der Macht befindliche Generation in dieser Weise gehirngewaschen wurde, sondern daß sie auch erkennen, welcher Weg zur Vernunft sich ihnen damit jetzt eröffnet. Das ist es, was ich Amerikanern und Europäern heute zu sagen habe.

 

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