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Aus der Neuen Solidarität Nr. 18/2006

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Hyperinflation wie in Weimar 1923

Von Lyndon LaRouche

Lyndon LaRouche veröffentlichte am 20. April die folgende Stellungnahme zur hyperinflationären Entwicklung der Rohstoffpreise.

Vor zehn Jahren führte der amerikanische Demokrat und Wirtschaftswissenschaftler Lyndon LaRouche seine "typische Kollapsfunktion" ein, um die Folgen der wundersamen Geldvermehrung unter Federal-Reserve-Chef Alan Greenspan zu veranschaulichen: beschleunigtes inflationäres Wachstum bei Finanztiteln (z.B. Preise von Wertpapieren, Rohstoffen usw.) und umlaufender Geldmenge, während die Realwirtschaft (physische Produktion, Infrastruktur, allgemeiner Lebensstandard) immer mehr verfällt bzw. schrumpft (Abb. 1).

Greenspan versicherte noch 2002 dem US-Kongreß: "Es gibt überhaupt keine angebbare Grenze für das Volumen dessen, was wir in das System hineinschießen können, sollte dies erforderlich sein." Greenspan ging nach 18-jähriger Amtszeit in Pension. Sein Nachfolger Ben Bernanke wurde für den Ausspruch berühmt, notfalls könne man auch "Geld aus Hubschraubern abwerfen". Entsprechend wuchs in den letzten Jahren in den USA die Geldmenge M3. Offenbar um dies zu vertuschen, veröffentlicht die Federal Reserve seit März 2006 keine Angaben zur Geldmenge M3 mehr.

Insider des Finanzgeschäfts wissen seit einiger Zeit, daß dieses inflationäre System unhaltbar geworden ist. Was tut ein Investor in diesem Fall? Er flüchtet in Sachwerte - Rohstoffe! Dies ist der Grund für die Explosion der Rohstoffpreise. Der mittlere Preis von 14 Rohstoffen (Rohöl, Propan, Benzin, Plastikrohstoff HDPE, Zink, Kupfer, Aluminium, Zinn, Blei, Nickel, Platin, Gold, Silber, Palladium) stieg im Laufe des Jahres 2005 um 27,3%, dann schon im ersten Quartal 2006 um weitere 22,2%, und in den ersten 19 Tagen des April noch einmal um 14,9%! (Abb. 2).

Abb. 2: Preissteigerung bei 14 Rohstoffen 2005-2006

Eine solche Kurve bedeutet Hyperinflation wie in der Weimarer Republik. Von Januar auf Februar 1923 stiegen die Großhandelspreise in Deutschland um 59%, von Februar auf März fielen sie noch einmal um 8%, von März auf April stiegen sie um 18%, von April auf Mai um 57%, von Mai auf Juni um 172% usw., wie in Abb. 3 gezeigt. Die derzeitige Preissteigerungsrate der 14 Rohstoffe entspricht also etwa der Steigerungsrate der deutschen Großhandelspreise in der ersten Aprilhälfte 1923, kurz bevor die Inflation vollends ins Galoppieren geriet.

Abb. 3: Großhandelspreise in Deutschland 1923 (1913=1)

Die Rohstoffpreisinflation ist zwar nur ein Ausschnitt des inflationären Geschehens im Weltfinanzsystem, dafür hat sie globale Auswirkungen, während die Inflation von 1923 auf Deutschland beschränkt blieb. Unterschiedlich sind auch die Ursachen der Inflation. Nach dem Ersten Weltkrieg war die deutsche Regierung und Reichsbank durch die unmöglichen Besatzungsbedingungen gezwungen, die Druckerpresse anzuwerfen; die heutige Inflation hingegen ist ganz und gar das Werk "unabhängiger Zentralbanken", die eine solche Geldvermehrung verfügten, um einer oligarchischen Finanzkaste immer neue Mittel für eine beispiellose Spekulationsorgie sowie für den Aufkauf der Weltrohstoffreserven und öffentlichen Eigentums in die Hand zu geben.

gal

Ohne rasches und effektives Handeln der Regierungen wird es spätestens bis September dieses Jahres zum allgemeinen Finanzzusammenbruch kommen.

Das Täuschungsmanöver der scheidenden Verwaltung von Federal-Reserve-Chef Alan Greenspan, Angaben zur Geldmenge M3 abzuschaffen, zielte eindeutig darauf ab, zu verbergen, daß der Anstieg der Steigungsrate der Weltmarktpreise für wichtige Rohstoffe die ganze Welt auf eine ähnliche Bahn der Hyperinflation gebracht hat wie die Weimarer Republik in der zweiten Jahreshälfte 1923.

Wenn man die Beschleunigung der Preissteigerung bei den wichtigsten Rohstoffen mit den Trends in Deutschland im Jahr 1923 vergleicht, gelangt man zu dem Schluß, daß das weltweite System unter der derzeitigen amerikanischen und europäischen Politik wahrscheinlich nicht viel später als September 2006 an den Punkt des Zusammenbruchs des Währungssystems gelangt - wenn nicht schon früher.

Beim gegenwärtigen Trend der politischen Entscheidungen der US-Regierung - der verrückten Wirtschafts- und Finanzpolitik der Regierung Bush, aber auch der "Alfred E. Newman"-haften Gleichgültigkeit und Fahrlässigkeit der Kongreßfraktion der Demokratischen Partei - ist es wahrscheinlich, daß das ganze Weltfinanzsystem noch vor dem Herbst in einer vom US-Dollar ausgelösten Zusammenbruchsphase stecken wird.

Es geht hier nicht darum, vorherzusagen, was bis zum Herbst passieren könnte - es geht darum, die wichtigen politischen Kreise in der Demokratischen Partei mit dem sprichwörtlichen großen Knüppel, der für störrische Esel reserviert ist, in Bewegung zu setzen, und sie hart, schnell und oft genug damit zu traktieren, damit sie Notreformen der amerikanischen Politik betreiben, die eine sonst hereinbrechende allgemeine Zusammenbruchskrise des amerikanischen und auch weltweiten Wirtschaftssystems verhindern können.

Es gibt nur sehr wenige Personen - etwa die Leute vom "Hamilton-Projekt" im Brookings-Institut - , die überhaupt in der Lage, dies zu verstehen, und auch die wesentlichen zu berücksichtigenden Fakten kennen. In anderen Teilen der Welt gibt es Fachleute, die es schnell begreifen können, wenn man sie entsprechend rüde wachrüttelt.

Die Welt steckt nun in der Endphase eines hyperinflationären Zusammenbruchs nicht nur des Dollarsystems, sondern des ganzen Weltsystems. Um dies ins rechte Licht zu rücken, betrachte man, wie die verrückte Politik des Federal-Reserve-Vorsitzenden Greenspan im Zeitraum 1987-2006 diesen hyperinflationären Zyklus in Gang gesetzt hat. Man behalte dabei drei Kurven im Auge, die das verdeutlichen: 1. Meine Typische Kollapsfunktion von Januar 1996, welche die allgemeine Charakteristik der voranschreitenden Kollapsfunktion in der Phase seit 1995-96 beschreibt, 2. die Kurve der Weimarer Hyperinflation von 1923, und 3. die gegenwärtige hyperinflationäre Rate des Anstiegs der Rohstoffpreise, besonders bei Rohöl und Metallen.

(Die Leute, die von "Angebot und Nachfrage" faseln, und andere Statistiker von der Insel Laputa aus Gullivers Reisen sollte man zum Spielen auf den Hof schicken, wo sie mit sich selbst glücklich werden können.)

Greenspan half mit seinem Vorgehen im wesentlichen den Banken, deren Kassen sich durch die Ereignisse des Oktober 1987 geleert hatten, aus der Klemme, indem die hypothekengesicherten Wertpapierpakete von Fannie Mae und Freddie Mac entsprechend umfunktioniert wurden. Aus dem gleichen Grund wurde die Immobilienblase bis zu ihren heutigen krebsartigen Ausmaßen aufgebauscht. Dies lieferte wiederum die Grundlage für die Ausgabe von Geld und davon abgeleiteten Wertpapieren, woraus dann eine hyperinflationäre Expansion bei gleichzeitig schrumpfender Realwirtschaft werden sollte (siehe Abb. 1, meine Typische Kollapsfunktion).

Letztendlich wurde dies zum Kern einer weltweiten Finanz- und Geldblase, vergleichbar mit der Finanzblase der Lombardischen Liga, die im Mittelalter in venezianischen Diensten stand. Als sie im 14. Jh. kollabierte, stürzte Europa in ein finsteres Zeitalter. In diesem Fall besteht das Endspiel des hyperinflationären Prozesses offenbar darin, den Weltmarkt für Primärrohstoffe zu monopolisieren.

Die geschickteren unter den Räubern, die schlau genug sind, zu erkennen, daß das derzeitige Weltfinanzsystem zum Untergang verurteilt ist, suchen einen Ort für eine "weiche Landung" außerhalb der Reichweite eines solchen allgemeinen Finanz- und Währungszusammenbruchs. Lebenswichtige Rohstoffe sind ein solcher Ort.

Deshalb bildet die Inflationsrate der Inflationsrate auf den wichtigen Rohstoffmärkten die charakteristischen Eigenschaften der Entwicklung des derzeitigen Weltwährungs- und -finanzsystems ab. Das Wachstum der Inflationsrate, wie sie sich in der geheimgehaltenen Entwicklung der Geldmenge M3 darstellt, entspricht der Kurve der hyperinflationären Entwicklung in der Weimarer Republik von Juni bis November 1923.

Zugrunde liegt alledem das Leibnizsche Prinzip der geringsten Wirkung - Stichwort Kettenlinie - , das Grundprinzip des Leibnizschen Infinitesimalkalkulus und die ursprünglich von Leibniz entdeckte Funktion des natürlichen Logarithmus, der vom Prinzip der kleinsten Wirkung der doppelten Kettenlinie abgeleitet ist. Das Rüstzeug, um solche Systeme im allgemeinen zu verstehen, findet man in Riemanns Arbeiten zu Hypergeometrien.


Lesen Sie hierzu bitte auch:
Finanzwelt in Panik: Hyperinflation wie 1923 - Neue Solidarität Nr. 17/2006
Das inflationäre Finanzsystem von Versailles - Neue Solidarität Nr. 27/2005
Was ist eine hyperinflationäre Stoßwelle? - Neue Solidarität Nr. 43/2005
LaRouches "typische Kollapsfunktion" - Neue Solidarität Nr. 50/2005

 

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