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Aus der Neuen Solidarität Nr. 18/2008

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Die Frage des Prinzips: Das Projekt „Genesis“

Von Lyndon LaRouche
- 2. Teil -

Die folgende Schrift erschien im englischen Original am 14. März 2008; wir veröffentlichen sie in mehreren Teilen.

1. Der Trugschluß der Sinnesgewißheit

Der entscheidende Unterschied zwischen dem menschlichen und dem tierischen Verhalten liegt darin, daß das menschliche Verhalten sich mit den konzeptionellen Methoden sämtlicher heute feilgebotener statistisch-ökologischer Modelle nicht erfassen läßt. Auch das tierische Verhalten ist nicht völlig unabhängig von Veränderungen im höheren, menschlichen Bereich der Noosphäre. Man könnte auch ohne Übertreibung sagen: Die „Entscheidungsmöglichkeiten“ tierischen Verhaltens sind eher „ereignisgesteuert“, die höheren, von der Erkenntnis gesteuerten Funktionen tatsächlich intelligenten Verhaltens des Menschen - im Gegensatz zu den verbreiteten „Bauchreaktionen“ - dagegen sind „ideengesteuert“.7

Wenn jemand daher den Köder für ein Tier oder auch für einen dümmlichen Wähler auslegen will, um sie in den eigenen Untergang zu treiben, zielt er auf das „ereignisgesteuerte“ (oder auch „faktengesteuerte“) Verhalten des anvisierten Opfers - beispielsweise auf die armselige Leichtgläubigkeit all jener, die an „malthusianische“ Modelle wie den Schwindel von der „globalen Erwärmung“ glauben. Intelligentes menschliches Verhalten, besonders schöpferisches Verhalten in der Wissenschaft oder in der klassischen Kunst, zeichnet sich durch „teleologisch“ bestimmte schöpferische Erkenntnis im Sinne einer klassischen (d.h. platonischen) Hypothese aus.

Manchmal wird behauptet, das ökologische Potential der menschlichen Bevölkerung sei weitgehend unveränderlich (in der „Tradition“ befangen), wie man es Populationen im Tierreich zuschreiben könnte - etwa bei unüberlegten Vorschlägen für die betrügerische malthusianische Politik des früheren US-Vizepräsidenten Al Gore und anderen. Diese Entartung der Malthusianer mit ihrem heutigen Schwindel der „globalen Erwärmung“ ist schon an sich Beweis genug, daß die damit verbundene kulturelle Matrix einer grundsätzlich stagnierenden Gesellschaft, die in Gores Betrug zum Ausdruck kommt, an sich ein abnormes (d.h. pathologisches) Modell ist, was hier in den schwachsinnigen Tendenzen im betreffenden Teil der Bevölkerung zum Ausdruck kommt.8 Eine gesunde Gesellschaft ist hingegen kein fixes System, sondern sie ist aufwärts evolutionär (d.h. mit steigender potentieller relativer Bevölkerungsdichte) und damit auf Fortschritt in Wissenschaft, Technik und klassischer Kultur ausgerichtet.

Nachdem ich hier bereits betont habe, daß die Biosphäre systemisch durch die Noosphäre begrenzt ist, sei nebenbei noch angemerkt: Indem durch die Evolution der Noosphäre ein bestimmtes Umfeld geschaffen wird, wird auch der Weg für die Regulierung der äußeren Grenzen und der inneren Entwicklung der Biosphäre gewählt (die Veränderungen in den Regeln werden definiert). Die dynamischen „Evolutionskräfte“ innerhalb der Biosphäre sind nicht unabhängig von der Noosphäre, sondern werden durch deren Entwicklung beeinflußt.9 Deswegen ist es eigentlich ein Fehler, wenn man versucht, ein bloß biologisches Modell der Biosphäre als solcher zu entwickeln - selbst wenn es ein dynamisches Modell ist. Man geht dann nämlich fälschlich davon aus, die höhere, steuernde Kraft der Noosphäre sei gar keine immer wichtigere Quelle der Bedingungen, denen die evolutionäre (Riemannsche) Dynamik der physikalischen Geometrie der Biosphäre unterworfen ist.

Betrachten wir zum Beispiel einen wichtigen Geschichtsabschnitt:

Das dekadente olympische Modell

In der Geschichte antiker bis moderner Kulturen, die sich um das Mittelmeer angesiedelt haben, ist das Modell der „Nullwachstumspolitik“, die der olympische Zeus in Aischylos’ Der gefesselte Prometheus vertritt, typisch für viele Fälle stagnierender oder verfallender Kulturen. Unter Zeus’ unmenschlicher, tyrannischer Politik des technischen Nullwachstums ist den einfachen Menschen - wie den Heloten im Sparta Lykurgs oder den neumalthusianischen Banausen in den USA und Europa nach 1968 - ideologisch verboten, Wissen über universelle Naturprinzipien (wie z.B. „Feuer“, Kernspaltung usw.) zu erlangen. Die Wirkung einer solchen neumalthusianischen Kulturpathologie, die sich ideologisch anhand der „68er“ und ihrer Nachbeter in jüngeren Generationen definieren läßt, kann man beispielhaft an Aischylos’ urbildlicher Darstellung des Bösen im olympischen Zeus darstellen. Dieser Olymp wird damit zum Musterfall, um zu verstehen, welche charakteristischen systemisch-kulturellen Probleme die Zivilisation der neuzeitlichen transatlantischen Kultur gefährden und wo die Ursachen dieser Probleme liegen.

So konnten beispielsweise unter dem sogenannten „Kodex“ des Kaisers Diokletian, der das politische System des Byzantinischen Reiches festlegte, die Reichen und Mächtigen ungehindert ihren Lüsten frönen, während die Masse der entrechteten Bevölkerung geknebelt wurde und sich einem quasi „malthusianischen“ Gesellschaftssystem mit „technischem Nullwachstum“ unterwarf. Der Weg in die Knechtschaft oder schlimmeres als System war damit vorgezeichnet, die Entwicklung des organisierten Verhaltens dieser Gesellschaft war festgelegt. Das mußte eine bestimmte Wirkung hervorrufen, die wiederum bestimmte, faktisch offensichtliche Regeln für die dynamische „Kanalisierung“ der Selbstevolution der Biosphäre in jener Lebensphase des Planeten mit sich brachte.

Das Modell des Diokletian und seiner Nachfolger war eine Variante des delphischen Modells von Lykurgs Sparta. Es war und blieb eine Variante des „oligarchischen Modells“, wie man es nannte - ein delphisches Modell, das von Alexander dem Großen vorübergehend besiegt wurde, aber unter der Hegemonie der ptolemäischen Nachfolger des ermordeten Alexanders wiedererstand, bis hin zur Entwicklung des späteren Römischen Reiches ab etwa 200 v.Chr;10 dies setzte sich in Europa und den angrenzenden Regionen Westasiens fort, erst unter dem Byzantinischen System und dann unter dem noch schlimmeren System der venezianischen Finanzoligarchie und ihrem Werkzeug, den normannischen Rittern und Kreuzfahrern.11

Als wichtigste Ausnahme von dieser Unterdrückung ist die Herrschaft Karls des Großen anzusehen; der Tod Karls des Großen ebnete den Weg für die Hegemonie eines Herrschaftssystems (zunächst) eines dekadenten Byzanz und dann später der imperialen venezianischen Finanzoligarchie mit ihren ewigen normannischen Kreuzzügen.

Schaut man tiefer in diese chronischen Probleme der bis heute anhaltenden europäischen Spielart des oligarchischen Modells, dem die meisten Regierungen im Mittelmeerraum und dessen Umgebung folgten, so stößt man auf die folgenden wichtigen Punkte, die hinsichtlich der äußeren Bedingungen für die Evolution der menschlichen Parameter der Biosphäre zu betonen sind.

Himmelsnavigation

Was wir heute als europäische Kultur kennen, wurzelte in einer weithin verbreiteten Seefahrerkultur, die bis tief in die bisher letzte große Eiszeit auf der nördlichen Erdhalbkugel zurückreicht. Die wichtigsten Kulturen, die sich seit dieser Zeit im historischen Mittelmeerraum entwickelten, waren Seefahrerkulturen, Kulturen, deren mehr oder weniger ferne Ahnen sich (offenbar jahreszeitlich bedingt) über sehr große Entfernungen fortbewegten, und das beständig über viele Tausende von Jahren. Die Navigation mittels des Studiums der unterschiedlichen Stellungen von Sonne, Mond, Planeten und Sternen - nach den Sternen segeln - bildete offensichtlich den Ursprung des Begriffs „universal“ im richtig verwendeten Sinn. Das ist die einzig gültige Bedeutung von „Wissenschaft“, besonders in Hinblick auf die Naturwissenschaften, so wie dies für die Neuzeit durch die vielfältigen Tätigkeiten des Kardinals Nikolaus von Kues definiert wurde, der in der Renaissance des 15. Jahrhunderts die Geschichte der modernen Zivilisation begründete und der auch in seinem Vermächtnis den Anstoß zu Christoph Kolumbus’ berühmter erster transatlantischer Entdeckungsfahrt gab.12

Vieles aus dem Leben in dieser langen Periode der Eiszeit und den frühen Abschnitten danach muß noch ergründet werden. Dennoch wird zunehmend deutlich, daß die von der Eisschmelze ausgehenden großen Fluten und Urströme auf eine Periode seit etwa 17.000 v.Chr. zurückgehen, und seitdem ist der Meeresspiegel der Ozeane bis etwa zum Jahr 2000 v.Chr. um etwa 150 Meter gestiegen. Von diesen Veränderungen sieht man noch heute Zeugnisse dafür, wie Seefahrerkulturen Gegenden besiedelten und häufig gegen die benachbarte Bevölkerung aus dem Landesinnern befestigten. Um es hier kurz zu halten, während des 7. Jahrhunderts v.Chr. begann eine Periode, in der sich die Etrusker, die Ionier und Ägypten (d.h. die Cyrenaica) gegen die Tyrannei von Tyros zusammenschlossen. Mit dieser Entwicklung, die hauptsächlich auf einer Renaissance im damaligen Ägypten beruhte, begann ein Prozeß der Synthese, der die Wurzel der europäischen Seefahrerkultur und der späteren Entwicklung der europäischen Zivilisation darstellt.

Der entscheidende Punkt, um den es mir bei diesen geschichtlichen Verweisen geht, ist der, daß diese transozeanischen maritimen Kulturen, die in den großen Entdeckungen Johannes Keplers nachhallen, zwar die Geheimnisse der Himmelsnavigation entschlüsselten, aber zunehmend zu einer oligarchischen Form der Herrschaft über die inländischen Bevölkerungen degenerierten.

Zwei Hauptstränge oligarchischer Kultur haben seit historischen Zeiten auf den Mittelmeerraum eingewirkt. Eine davon war ausgesprochen landgebunden und hauptsächlich ein Ausdruck emporstrebender Kulturen im Inneren Asiens, die andere war die maritime Kultur des Mittelmeerraums. In der Zeit nach dem Peloponnesischen Krieg - während der Jugend und des Erwachsenenlebens Alexanders des Großen - verschmolzen die beiden oligarchischen Herrschaftssysteme, das mediterrane und das asiatische, zur Urform des oligarchischen Kulturmodells im Europa des Mittelalters und der Neuzeit, wie es die finanzoligarchische Herrschaft des britischen Empire noch heute verkörpert.

Mit dem Triumph der neuen Fraktion Paolo Sarpis und seiner Anhänger über die alte aristotelische Fraktion in Venedig im späten 16. und im 17. Jahrhundert sowie mit der Niederwerfung der kontinentaleuropäischen Mächte in den Kriegen Ludwigs XIV. bis zum Frieden von Paris 1763 wurde in Europa die anglo-holländische liberale Fraktion, Sarpis Erbe, zur vorherrschenden oligarchischen Form imperialer maritimer Kultur; seither hat der anglo-holländische liberale Finanzimperialismus Europa und große Teile der Welt fast ständig beherrscht. Die Entstehung der Vereinigten Staaten als Bundesrepublik sollte als das Hauptelement eines erfolgreichen Kampfes gegen den globalen anglo-holländischen Imperialismus betrachtet werden - so wie das Menschen aus vielen Nationen in Bewunderung für US-Präsident Franklin D. Roosevelt gesehen haben.

Das ontologische Infinitesimal

Für den Gegenstand dieses Aufsatzes, der im wesentlichen mehr die Naturwissenschaft als die Politik an sich betrifft, läßt sich das entscheidende Argument für die klassische Seite nutzbringend an- und übernehmen, wenn man von der Unterscheidung zwischen „natürlichen“ und von der Gesellschaft verursachten Katastrophen ausgeht, wie Platon sie in seinem Timaios bietet. Für unsere Diskussion verweise ich auf die Katastrophen, die ausgelöst werden, wenn die Gesellschaft nicht so fortschreitet, daß zumindest der Verschleiß, der in jedem wissenschaftlichen System des „technologischen Nullwachstums“ steckt, ausgeglichen wird; der Widerstand einer Gesellschaft gegen den Verfall hängt immer von qualitativen Fortschritten in der wissenschaftlich-technischen Praxis ab.

Seit den Entwicklungen um die revolutionären Arbeiten Wernadskijs und Einsteins bis etwa zur Zeit ihres Todes und in den unmittelbaren Jahren nach Ende des „Weltkriegs“ von 1939-4513 sollten wir eigentlich erkannt haben, daß das „physische Universum“ aus drei unterschiedlichen, aber dennoch untrennbaren Qualitäten von Phasenräumen besteht: 1. das „gewöhnliche“ Unbelebte, 2. die Biosphäre und 3. die Noosphäre. Im Gefolge der Arbeit des Akademiemitglieds W.I. Wernadskij lassen sich die wichtigen physikalischen Unterschiede zwischen diesen drei Phasenräumen systemisch (experimentell) in ihrem gemeinsamen Bereich lokalisieren, nämlich der physikalischen Chemie im Verständnis von Forschern wie Louis Pasteur, D.I. Mendelejew, William Draper Harkins und Wernadskij.14 Die drei genannten Phasenräume interagieren aber auch und entwickeln sich dynamisch als Reihe: Einer prägt die Bedingungen, welche die sich entfaltende Existenz des jeweils anderen prägen.

Zur Unterscheidung zwischen diesen Phasenräumen bedient man sich am besten der Methode der modernen europäischen Wissenschaft, die im Erbe des Nikolaus von Kues und Johannes Keplers zusammengefaßt ist. In dieser Methode ist die Vorstellung der Existenz universeller physikalischer Prinzipien zwar nur bedingt enthalten, wie sich das im Gemeinsamen der Methode von Nikolaus von Kues, Johannes Kepler, Fermat, Leibniz, Riemann u.a. äußert, dennoch ist sie entscheidend. Die Besonderheit, die ich verschiedentlich als Prinzip des ontologisch infinitesimalen Charakters des Infinitesimals von Leibniz’ Kalkulus definiert habe,15 liefert eine Musterdefinition für sämtliche wahren universellen Naturprinzipien, Prinzipien wie Keplers ureigenste Entdeckung der universellen Gravitation und Albert Einsteins verwandte Erklärung eines unbegrenzten, aber endlichen Universums universeller Naturprinzipien.

Ganz wie Kepler das Prinzip der Gravitation definierte, drücken sich alle gültigen universellen Prinzipien im Detail experimentell charakteristisch als „ontologisch infinitesimal“ aus.

Cusas Entdeckung, die später als Leibniz’ Prinzip des „ontologisch Infinitesimalen“ bekannt wurde, bedeutet auch die Geburtsstunde der eigentlichen modernen Wissenschaft, eingeschlossen die Wissenschaft, die man benutzen muß, um die Prinzipien der Biosphäre und des unbelebten Bereichs zu definieren.

Diese von Cusa vorgestellte Entdeckung bedeutet die Wiedergeburt des Prinzips, das schon im Werk der Pythagoräer und Platons unausgesprochen enthalten war. Nikolaus von Kues, der den systemischen Fehler in Archimedes’ Quadratur von Kreis und Parabel erkannte,16 führte als erster das von der antiken Sphärik bekannte „Prinzip des Kommas“ in die Praxis der neuzeitlichen europäischen Zivilisation ein. Auf diesem cusanischen Begriff gründete die Entwicklung der kompetenten modernen Wissenschaft, wie etwa die Entdeckung des Gravitationsprinzips durch Kepler, der Begriff eines Prinzips der geringsten Wirkung im Zusammenhang mit einer Entdeckung Fermats und die erste Entwicklung eines Kalkulus durch Leibniz auf der Grundlage des ontologisch infinitesimalen Ausdrucks universeller physikalischer Prinzipien, die richtig auf das zuvor von Kepler in diesem Zusammenhang geäußerten Prinzip aufbaut.

Betrachten wir kurz die wesentlichen historischen Implikationen der letzteren Aussagen.

Zum Beispiel: Die entscheidende experimentelle Grundlage für Einsteins berühmten Satz, daß das Universum als ganzes konzeptionell endlich ist, hat sehr alte Wurzeln, die bis in die Zeit vor der Sphärik der Pythagoräer zurückreichen.

Die Sphärik ist ein Erbe der sehr alten Praxis der Navigation nach den Sternen bei den Seefahrerkulturen, die unter den Bedingungen weitverbreiteter Vereisung der Erdoberfläche existierten (wie sie dem Planeten längerfristig wieder drohen). Sie ist offensichtlich ein Erbe der saisonal und anderweitig wiederholten Sternennavigation über Entfernungen von Tausenden von Meilen. Nur unter diesen Bedingungen konnte die Menschheit die qualitativen Veränderungen entdecken, die der Vorstellung scheinbarer einfacher (zyklischer) Wiederholung widersprachen. So entdeckte man ein Prinzip progressiver qualitativer Änderungen in der Komposition des Sternenhimmels der Seefahrer und Kalendermacher.17 Die Astrophysik war notwendigerweise der Beginn wahrer wissenschaftlicher Erkenntnis - der Kenntnis eines Konzepts des tatsächlich Universellen und somit der Sphärik, welche die Pythagoräer und andere von Ägypten und der Cyrenaika übernahmen. Dies steht beispielhaft für die tiefen Wurzeln der Aneignung universeller Kenntnisse durch den Menschen - der einzigen Praxis, die den Namen Wissenschaft verdient.

Nach den klassischen Griechen der Antike, wofür die Pythagoräer und Platon hervorragende Beispiele sind, setzte Nikolaus von Kues mit einer Reihe von Werken, für die sein De Docta Ignorantia typisch ist, den modernen europäischen Maßstab für die Definition von Wissenschaft. Eine kompetente Form universeller neuzeitlicher Wissenschaft gründete dann der erklärte Cusa-Anhänger Johannes Kepler mit seinen entscheidenden Prinzipien-Entdeckungen. Wie Einstein in dieser Hinsicht betonte, ruht die gesamte moderne Naturwissenschaft in entwickelter Form im Werk Bernhard Riemanns, wurzelt aber als Körper der naturwissenschaftlichen Praxis in den Leistungen Keplers. Mit diesem Argument Einsteins kehrte die Vorstellung von Naturwissenschaft zur Entwicklung der Astronomie der antiken Himmels-Navigatoren zurück, wie Bal Gangadhar Tilak in seinem Überblick über eine relevante Auswahl alter wie moderner Quellen betont.18

Der Unterschied liegt hier zwischen der naiven, falschen Sicht von Wissenschaft als bloßes Anlegen wiederholbarer Experimente, wie bei dem Schwindel von Clausius, Grassmann u.a., und Wissenschaft als Entdeckung von Mustern progressiver (d.h. antientropischer statt bloß zyklischer) Änderungen der Bedingungen des Experiments unter dem Einfluß der Entdeckung relevanter, weitreichender universeller Naturprinzipien.

Diese letztere Sicht zwingt sich kompetenten heutigen Beobachtern durch die Art und Weise auf, wie die menschliche Gattung als einzige ihr relatives Bevölkerungsdichtepotential beeinflußt. Die Menschheit schreitet in ihrer Praxis willentlich zu immer höheren Ebenen potentieller relativer Bevölkerungsdichte voran, indem sie höhere Prinzipien der Veränderung entdeckt und umsetzt - was ihr der olympische Zeus des Aischylos verbieten wollte. Wie ich hier bereits betont habe: Diese Entwicklung innerhalb der Noosphäre verändert ständig die physische Geometrie der Biosphäre; die Änderungen werden im übergeordneten Bereich, der Noosphäre, bewirkt und strahlen von dort aus.19

In der Spanne der bekannten Geschichte uns bekannter Kulturen, besonders im Mittelmeerraum, wird die Gesellschaftsform, die dieser Politik des olympischen Zeus folgte, von Fachleuten als das „oligarchische Modell“ bezeichnet. In diesem System werden die meisten Menschen auf etwas ähnliches wie Vieh reduziert, weil Regeln „Nicht-Veränderung“ („Nullwachstum“) vorschreiben, wie sich das heutzutage typisch in malthusianischen Moden und faschistischen politischen Systemen widerspiegelt. Dieses oligarchische Modell ist in der bekannten Geschichte der Menschheit immer wieder die Ursache von Verfallskrisen wie der gegenwärtigen gewesen.

Riemann und das Prinzip der Hypothese

Der revolutionäre Fortschritt, den Bernhard Riemann erstmals in seiner Habilitationsschrift von 1854 in der Naturwissenschaft einführte, mußte die Erkenntnis nach sich ziehen, daß wir das Universum als endlich betrachten müssen, und zwar in dem besonderen Sinne von „endlich, aber unbegrenzt“ - „selbstbegrenzt“. Diese Eigenschaft der Endlichkeit äußert sich darin, daß die Menschheit immer mehr Gruppen entdeckter universeller Naturprinzipien kennt, wobei Keplers Entdeckung der Gravitation immer als Modellfall solcher Prinzipien zu betrachten ist.

Ein echtes universelles Prinzip ist niemals selbst ein Objekt der Sinne, sondern ein Prinzip, das experimentell belegbar der physischen Geometrie der entsprechenden Klasse universeller Wirkung zugrunde liegt - so wie Kepler dies in seiner Neuen Astronomie und Weltharmonik für den Fall der Gravitation zeigt.

Aus diesem Grunde weiß man: Das Universum ist in dem Sinne endlich, daß jedes solche universelle Naturprinzip selbstbegrenzt (also nicht von außen begrenzt) auf die relative Größe „1“ ist und daß daher sein lokaler Ausdruck als wirkendes universelles Naturprinzip eine ontologisch infinitesimale Wirkung auf das ihm Unterworfene ist, wie Kepler dies in der Weltharmonik zeigt. Daher ist Leibniz’ ontologisch infinitesimaler Kalkulus gegen die Empiristen und Positivisten aus Keplers Entdeckung der universellen Gravitation abgeleitet.20

Seit der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, seit der Zeit Wernadskijs und Einsteins, definieren Forschungsergebnisse der physikalischen Chemie drei klar abgegrenzte Bereiche: erstens den untersten, abiotischen Bereich, zweitens die Biosphäre und drittens die umfassende Kraft der Noosphäre. Wir sind mit diesen Bereichen vertraut durch die bekannten Muster der Zunahme der beiden letzten Bereiche, Biosphäre und Noosphäre, gegenüber dem Anteil der Erdkruste, der vermutlich nicht durch lebende Prozesse physisch und chemisch verändert wurde. Allgemein wachsen die Biosphäre und ihre Überreste im Verhältnis zur Masse der Erdkruste, und die Masse der Noosphäre (der menschlichen Aktivität und ihrer spezifischen Produkte) wächst im Verhältnis zur Biosphäre.

Wernadskij gewann diese Unterscheidungen durch Methoden einer Riemannschen Praxis der physikalischen Chemie. Diese Methoden, um passende Ergänzungen bereichert, sind als die Autorität zu betrachten, auf die ich mich in diesem Bericht implizit beziehe.21

Die Unterscheidungen setzen voraus, daß es 1. ohne das Prinzip des Lebens keine Entwicklung der Biosphäre auf der Erde gäbe und 2. ohne die kognitive Aktivität (Erkenntnis) des Menschen keine Weiterentwicklung der Noosphäre innerhalb der Biosphäre gäbe. Aus der Sicht der physikalischen Chemie verdeutlicht dieser Unterschied die Vorstellung vom Menschen als Ebenbild des Schöpfers, bezogen auf sein Verhältnis zur Biosphäre.

Daher der „teleologische“ Aspekt des so definierten Universums. Ohne ein universelles Prinzip des Lebens gibt es keine Biologie; ohne ein universelles Prinzip der menschlichen schöpferischen Vernunft, die allen niederen Lebensformen mangelt, gibt es keine Noosphäre. Somit ist zwar das abiotische Sonnensystem (und das, was jenseits davon liegt) notwendig, damit sich das Leben ausdrücken kann, und lebende Wesen sind eine notwendige Vorbedingung dafür, daß sich die Besonderheit des menschlichen Lebens ausdrücken kann, aber das Prinzip der Noosphäre umfaßt alles. Wir müssen diese Prinzipien als universelle Naturprinzipien betrachten, im selben Sinne wie Keplers einzigartige Entdeckung der universellen Gravitation, aber als jeweils eigenes universelles Prinzip. Alle drei Prinzipien, einschließlich der Gravitation, sind gleichermaßen unsterblich (als Prinzipien).

„Sinnes-Ungewißheit“

Der Ursprung der Verrücktheiten bei der Praxis, die man Reduktionismus nennt, liegt in der vermeintlichen „Sinnesgewißheit“: die Vorstellung, wir müßten bestimmte, der Phantasie entsprungene falsche Grundannahmen über Raum, Materie und Zeit - wie Definitionen, Axiome und Postulate - ohne nähere Überprüfung akzeptieren, nur aufgrund der Prämisse, daß man damit ständig wiederkehrende Wahrnehmungen unseres Sinnesapparats a priori anerkennt. Auf diesen systematischen Fehler stößt man in der antiken und der modernen Tradition als Grundlage jener Spielart der sophistischen Methode, die mit der Lehre des Aristoteles verbunden ist und ihr Echo bei dessen Nachfolgern wie den bekannten Elementen des Euklid fand.22

Wir kennen nicht den Zeitpunkt und den Ort des wichtigen Durchbruchs in der Erfahrung der Menschheit, an dem wirkliche Wissenschaft an die Stelle armseliger Verehrung der „Sinnesgewißheit“ trat. Aber wir wissen, was aus heutiger Sicht als Geschichte der Wissenschaft zu betrachten ist, und diese begann mit der Entdeckung der Astrophysik durch den Menschen, wann immer das genau war. Es war, als die Meister der Navigation nach den Sternen erkannten, daß der Sternenhimmel über ihnen kein System sich ewig wiederholender Zyklen war, sondern zum Ausdruck brachte, daß das Universum in endloser qualitativer Entwicklung besteht - von relativ einfacheren hin zu immer komplexeren, höheren Ordnungen (einer antientropischen Entwicklung) des Universums als ganzem. Das wird jedem von uns klar, der bei seiner Arbeit die Bedeutung der fundamentalen Revolution Bernhard Riemanns in der Naturwissenschaft ernsthaft berücksichtigt, wofür heute die Grundsätze des Werks von Akademiemitglied W.I. Wernadskij und von Albert Einstein das beste Beispiel sind. Deshalb kann Wissenschaft heute nicht mehr als kompetent gelten, wenn sie bei der Interpretation von experimentellen Ergebnissen davon ausgeht, daß diese abgeschlossen nur im abiotischen Bereich liegen. Echte Wissenschaft blickt immer von der Spitze der Evolution der Veränderungen im Universum herab auf die niedrigeren Formen der Ordnung dieses Universums. Kompetente Wissenschaft beruht heute auf Einsteins Vorstellung eines Riemannschen Universums auf der Grundlage Keplers und seiner Vorgänger; dabei ist immer davon auszugehen, daß sich die Grundlage der Wissenschaft einzig und allein in der Erkenntniskraft des individuellen menschlichen Geistes findet, dessen typische Leistungen sich in diesem Riemannschen Universum ansammeln, wie Wernadskij und Einstein das in exemplarischer Weise definiert haben.

Der große Fluch der herrschenden Lehre in der modernen Wissenschaft ist, daß sie vom Wesen her empiristisch ist - in den noch schlimmer degenerierten Formen sogar positivistisch oder gar existentialistisch.

Kompetente Wissenschaft geht heute demnach von einem Ursprung aus, der in der spezifischen Schöpferkraft des menschlichen Geistes liegt. Wissenschaft muß sich selbst definieren als Wissen über das Universum im Sinne des Fortschritts der Fähigkeit des Menschen, sein Universum zu beherrschen und zu entwickeln. Dies zeigt uns, was das Universum von uns verlangt und welches Handeln es von uns toleriert, damit sich die Macht des Menschen im und über das Universum äußert - eine wachsende Macht, ausgedrückt in Begriffen wie dem systematischen Wachstum des potentiellen Bevölkerungsdichtepotentials der menschlichen Gattung.

Fortsetzung folgt


Anmerkungen

7. „Ideengesteuert“ im Sinne von Erkenntnis eines wichtigen Naturprinzips oder laufender sozialer Prozesse. D.h. Denken, das den Fußstapfen von Keplers Entdeckung der universellen Gravitation, Fermats Entdeckung des Prinzips der geringsten Wirkung, Leibniz’ eigener, ursprünglicher Entdeckung des Kalkulus-Prinzips (1676) oder Riemanns Habilitationsschrift von 1854 folgt.

8. Es ist angebracht und notwendig zu sagen, daß Gores Schwindel von der „globalen Erwärmung“ im Grunde ein faschistisches Wirtschaftsmodell in den Fußstapfen von Thomas Malthus’ Haileybury-Gesellschaft, Mussolini und Hitler bzw. von dem olympischen Zeus aus Aischylos’ Der gefesselte Prometheus oder Friedrich Nietzsches Lehre ist, denn ein solches Modell ließe sich außer mit leicht durchschaubaren faschistischen politischen Mitteln nicht als nationales oder weltweites System durchsetzen. Ähnlich wie H.G. Wells, der seine faschistische Überzeugung offen äußerte, war auch sein Komplize Bertrand Russell noch offener und radikaler faschistisch als Mussolini oder Hitler.

9. Man vergleiche hierzu die Verdrängung der Beuteltiere durch auftauchende Säugetiere, wie an dem australischen „historischen“ Modell sichtbar wird. Während beispielsweise die Känguruhs erhalten blieben, wurden die meisten anderen Beuteltiere in einer Nische nach der anderen durch Säugetierarten ersetzt, welche die Beuteltierarten karikieren. Übrig geblieben sind Merkwürdigkeiten wie das australische Schnabeltier (Platypus) und ein gewisser bekannter Verleger „mit großem Beutel“, die als Überreste eierlegender Arten ihr Leben fristen.

10. Der Tod der berühmten Korrespondenten Eratosthenes und Archimedes markierten den Beginn eines deutlichen Niedergangs in der europäischen Kultur in der Zeit seit dem römischen Sieg im zweiten Punischen Krieg.

11. Es ist aufschlußreich, daß das antike griechische Modell späterer europäischer imperialistischer Ausprägung auch heute noch an der Stätte des delphischen Kults von Apollo-Dionysos gesehen werden kann. In einer Anordnung um den Tempel selbst gibt es „Gotteshäuser“, die den Reichtum der antiken griechischen Städte repräsentierten. Folgt man dem Weg bergab bis zum Ort des nahegelegenen Hafens, erkannt man, daß das antike delphische Modell nicht nur Vorbild für die Lombard-Liga war, die mit dem „neuen dunklen Zeitalter“ Europas traurige Berühmtheit erlangte. Es war auch für den heute erneut vorgelegten Vorschlag eines Wucher-Weltreichs von Stadtstaaten Vorbild, das jene errichten wollen, die wie das selbsternannte 40-Mrd.-Dollar-Fossil, der New Yorker Bürgermeister Bloomberg, eine Form der Globalisierung fordern.

12. Der Idee des Nikolaus von Kues für den Aufbau europäischer Kontakte über den Atlantik und bis in den Indischen Ozean war der ausdrückliche Leitfaden für Kolumbus’ wissenschaftliche Kenntnisse über die Möglichkeit einer Atlantiküberquerung. Kolumbus gelangte zu dieser Kenntnis, als er das Testament des Cusaners las, das dessen Testamentsvollstrecker in Verwahrung hatte, der damals in Portugal lebte. Etwa zwei Jahrzehnte später gelang es Kolumbus, die Pläne umzusetzen, die Nikolaus von Kues vorschwebten.

13. Wernadskij starb im Januar 1945, Einstein im April 1955.

14. Und implizit auch im Werk Max Plancks, das in der Kriegszeit 1914-17 so vehement von den deutschen und österreichischen Anhängern des Radikalreduktionisten Ernst Mach angegriffen wurde.

15. Entgegen dem gewöhnlichen, empiristischen Sophismus von de Moivre, D’Alembert, Leonhard Euler, Joseph Lagrange, Laplace, Cauchy, Clausius, Grassmann u.a.

16. Siehe Cusas Aufdeckung des systemischen Fehlers in Archimedes’ Quadratur des Kreises.

17. Man vergleiche die Verurteilung der Philosophie hinter der Methode des Aristoteles durch Philon von Alexandria und das Echo dieser Verurteilung des Aristoteles bezüglich der Astrophysik bei Kepler, und beachte vor allem Keplers Aufdeckung des aristotelischen Betrugs hinter dem fixen System des Claudius Ptolemäus.

18. Siehe Orion, or Researches into the Antiquity of the Vedas („Orion, oder Forschungen über das Alter der Veden“, 1893) und The Arctic Home of the Vedas („Die arktische Heimat der Veden“, 1903).

19. Man bedenke die Wirkung der meistens „trans-uranischen“ Isotope von spezifisch biologischer Bedeutung; diese gegenwärtige Entwicklungslinie ist ein Echo der Wirkung Wernadskijs auf die Entwicklung der geologischen Wissenschaften in Rußland, die vom Besuch des Prinzen und späteren Zaren Peter des Großen bei der Freiberger Akademie nahe Dresden angestoßen wurde.

20. Wie bei der späteren authentischen Entdeckung eines Quantenprinzips durch Max Planck (dem Gegner der positivistischen Ideologie Machs) beruht Keplers Entdeckung des Organisationssystems der Gravitation des Sonnensystems darauf, eine rein visuelle („sinnesgewisse“) Vorstellung der Ordnung des Sonnensystems zu verwerfen, indem er die ontologisch paradoxe Gegenüberstellung der Vorstellungen der visuellen und akustischen Sinneswahrnehmungen („Sehen“ und „Hören“) macht. Es gibt keinen „leeren Raum“ in der Organisation der Natur im sehr kleinen oder sehr großen. Wenn ansonsten führende Wissenschaftler hysterisch ein kindisches blindes Vertrauen in die Sinnesgewißheit verteidigen, wenn es um die unverzichtbare Rolle der Harmonik bei der Definition der universellen Gravitation geht, ist das auch heute noch ein wesentliches Hindernis für den Fortschritt der Naturwissenschaften. Die wilden Angriffe der leichtgläubigen deutschen und österreichisch-ungarischen Parteigänger Ernst Machs und Bertrand Russells während und nach dem Ersten Weltkrieg sind mit dieser verbreiteten, meistens zutiefst verlogenen Hysterie gegen Kepler in dieser Frage der „Sinnesgewißheit“ vergleichbar. In beiden Fällen - Kepler wie Planck - ist die entscheidende Frage eine ontologische: Ihre Gegner wollen nicht wahrhaben, daß die Sinneswahrnehmungen des Menschen nur die Reaktionen von Instrumenten sind, die uns sozusagen nur die Schatten der Realität zeigen - mit der Folge, daß man die paradoxen Ergebnisse von Sehen und Hören zusammengenommen, statt nur einem dieser beiden Sinne, genau so behandeln muß, wie es Kepler bei dieser Definition der Harmonik der Gravitation sowie Planck bei seiner großartigen Entdeckung getan haben.

21. Wernadskijs Argument, auf das ich mich in Wernadskij und Dirichlets Prinzip, a.a.O., bezogen habe.

22. Der größte Teil des Inhalts der Elemente hat im wesentlichen die Form einer systematischen Vergegenständlichung von Hypothesen und Theoremen, die schon früher insbesondere von den Kreisen der Pythagoräer und Platons definiert worden waren. Die klassische griechische Naturwissenschaft, wie das Werk des Thales und des Heraklit, war ein Widerhall der ägyptisch-pythagoräischen Sphärik; das zeigt sich am besten darin, wie Archytas durch die rein konstruktive Demonstration der Verdoppelung des Würfels das entsprechende Prinzip klärte. Kennzeichnend für diese klassische Naturwissenschaft der Pythagoräer und Platons ist derselbe Begriff grundlegender Naturprinzipien, der in den experimentellen Methoden, die mit dem Konzept des ontologischen Infinitesimals verbunden sind, wesentlich zum Ausdruck kommt. Für dieses Konzept steht Keplers Entdeckung, daß die Ordnung des Sonnensystems harmonisch ist und sich nicht anhand naiv visuell-räumlicher Vorstellungen messen läßt. Unsere verschiedenen Sinne haben die Eigenschaft von Instrumenten unserer Erfahrung, die unserem Geist nur die Schatten dessen mitteilen, was diese Sinneseindrücke eigentlich verursacht. Der Kontrast zwischen zwei sich widersprechenden Eindrücken, etwa des Sehens und des Hörens, war unverzichtbar für Keplers Entdeckung des quantifizierbaren Prinzips der Gravitation. Aber obwohl dieses Prinzip der antieuklidischen Geometrie bereits Riemanns Vorgängern wie dem großen Mathematiker des 18. Jahrhunderts Abraham Kästner (und, wenn auch insgeheim, Carl Friedrich Gauß) klar war, rückte dieses Problem erst in den Brennpunkt der modernen Wissenschaft, als Bernhard Riemann ausdrücklich alle reduktionistischen Methoden aus der Naturwissenschaft verbannte.

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