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Aus der Neuen Solidarität Nr. 35/2008

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Nicht nur Sozialisten wurden getäuscht

Der Betrug des „Freihandels“

Von Lyndon LaRouche - 1. Teil

Der folgende wirtschaftspolitische Aufsatz erschien im englischen Original am 10. Juli 2008.

Anlaß des folgenden Aufsatzes ist das unmittelbare Näherrücken der extrem akuten Phase der internationalen Finanzkrise im Vorfeld der Parteitage zur Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten in den USA [Demokraten Ende August, Republikaner Anfang September]. Eine längerfristige Bedeutung des Aufsatzes liegt auch darin, in die wenig bekannten Grundlagen einer kompetenten Wirtschaftswissenschaft einzuführen. Er dient somit der dringend erforderlichen Umerziehung der vermeintlich maßgeblichen Ökonomen, deren Einfluß auf die politischen Entscheidungen von Regierungen sowie internationalen privaten und öffentlichen Institutionen von 1971 bis heute so verheerend gewesen ist.

Mit Blick auf diese doppelte, d.h. unmittelbare bzw. langfristige Aufgabenstellung, beginnen wir nun wie folgt.

Fannie Mae, ade!

Der seit etwa November 2007 im Gang befindliche steile Absturz der US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die unter dem früheren Notenbankchef Alan Greenspan massiv geplündert wurden, muß in Verbindung mit den verheerenden Folgen des Maastrichter Vertrages in Europa betrachtet werden. Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher und ihr Kumpan, der französische Präsident Mitterrand, hatten diesen Vertrag dem nachsowjetischen Europa diktiert, und die Menschen in Kontinentaleuropa und auf den Britischen Inseln, die entweder bewußt mitspielten oder schlicht hintergangen wurden, leiden darunter bis heute.

Wenn man die kombinierte Wirkung dieser Entwicklungen seit Anfang der neunziger Jahre erwägt, ist es von entscheidender Bedeutung für die ganze Welt, daß sich die meisten führenden amerikanischen Kongreßabgeordneten bisher hartnäckig und töricht weigern, das von mir vorgeschlagene Gesetz zum Schutz der Banken und Eigenheimbesitzer (HBPA) in Kraft zu setzen, denn damit hätten die schlimmsten der jüngsten Entwicklungen im Finanzbereich und das heutige Leid vieler Amerikaner verhindert werden können.

Im Oktober 1987 schleppte Alan Greenspan seine Politik herein wie die Katze einen toten Vogel und setzte die Maßnahmen durch, die seither die Währungssysteme auf beiden Seiten des Atlantiks beherrschen. So ist die jetzige Krise des Währungs- und Finanzsystems im Lichte dieser doppelten Wirkung zu sehen: auf der einen Seite des Atlantiks Greenspans Mißbrauch an Fannie Mae und Freddie Mac, und auf der anderen Seite die wirtschaftliche Unterminierung Europas durch den Maastricht-Vertrag. Aus der transatlantischen Wechselwirkung dieser beiden Krisenaspekte entstand die neue, weitaus schlimmere Phase des Finanzkrachs, die im Juli einsetzte. Der Crash hat jetzt ein solches Ausmaß erreicht, daß uns politisch und anderweitig eine verheerende Weltfinanzlage droht, und das vielleicht noch vor dem Ende der Parteitage von Demokraten und Republikanern zur Nominierung ihrer Präsidentschaftskandidaten.

Greenspans beinahe sexueller Mißbrauch von Fannie Mae und Freddie Mac und die systemischen monetären Folgen des Maastricht-Vertrages, wie diese sich seit dessen Inkrafttreten entwickelten, bilden heute einen wesentlichen Bestandteil der Grundlagen der Währungs- und Finanzstrukturen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Die beiden Systeme - das Federal-Reserve-System unter Greenspan und Bernanke einerseits und die europäischen Strukturen des Maastricht-Vertrages andererseits - sind keine parallelen, sondern von einander abhängige Prozesse. Zusammen bilden sie weitgehend den weichen Unterleib des transatlantischen Kernstücks des Weltwährungs- und -finanzsystems, das jetzt zusehends zerfällt. Wenn eines von beiden zusammenbricht, könnte das in dem extrem angespannten, hyperinflationären Umfeld ausreichen, um schon in naher Zukunft das gesamte Weltwährungs- und -finanzsystem wie in einer Kettenreaktion auseinanderfliegen zu lassen.

Es ist die Aufgabe aller vernünftigen und verantwortlichen Institutionen, die Zukunft der Nationen und Völker dieser Welt zu schützen, indem man das jetzige Weltwährungs- und -finanzsystem geeigneten radikalen Reformen unterzieht. Diese Reformen müssen mit den Grundmerkmalen des Weltwährungs- und -finanzsystems der Zeit vor 1968, wie es nach den Absichten von US-Präsident Franklin D. Roosevelt entworfen worden war, in Einklang stehen. Uns stehen Maßnahmen zur Verfügung, die diesen Anspruch erfüllen - darunter einige, die dem einen oder anderen höchst originell erscheinen mögen.

Kurz die Aufgabe

Es sei daran erinnert, daß die Absicht, die später in Greenspans Politik mit Fannie Mae und Freddie Mac und im Maastricht-System in Europa zum Ausdruck kam, schon in den siebziger Jahren bestand: Unter den chaotischen Bedingungen der internationalen Finanzwelt und Realwirtschaft nach Nixons Auflösung des Bretton-Woods-Systems wollte man die sogenannte „kontrollierte Desintegration der Weltwirtschaft“ herbeiführen, wie sich die Anhänger von David Rockefellers Trilateraler Kommission ausdrückten.

Präsident Nixons Auflösung des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse hat zusammen mit dem von den Briten und Saudis eingefädelten Ölschwindel der siebziger Jahre das damalige amerikanische Währungs- und Finanzsystem als System ruiniert.1

Der wachsende Einfluß britisch-saudischer Machenschaften seit dem Ölpreisschwindel 1973, die sich später auf das Umfeld des Rüstungskonzerns BAE konzentrierten, entfaltete sich im Zuge einer allgemeinen Richtungsänderung im Gang des Weltgeschehens, die durch die radikalen Maßnahmen der US-Regierungen Nixon, Ford und Carter in Gang gesetzt wurde. So wandelte sich die Nachkriegsordnung, die von den Vereinigten Staaten in ihrer Rolle im Bretton-Woods-System beherrscht wurde, hin zu dem Zustand heute, wo selbst in den internen Finanzangelegenheiten der USA - bis hin zur finanziellen Vereinnahmung von Präsidentschaftskandidaturen für die Wahl im November 2008 - immer mehr eine Tyrannei der Machenschaften des imperialen London herrscht. Ausgeführt wird dies von Leuten wie dem früheren Premier Tony Blair, dessen Lügen uns die sich inzwischen über ganz Südwestasien ausbreitende Krise beschert haben.

Im Verlauf der Amtszeiten der Regierungen Nixon, dann Ford und dann Carter wurde die Realwirtschaft in Amerika und Europa bewußt kaputt gemacht. Dies ist der traurige Zustand der transatlantischen Volkswirtschaften, wenn man die rauhe Wirklichkeit der Realwirtschaft und nicht den üblichen Kauderwelsch der Finanzwelt betrachtet. So nehmen die USA mehr und mehr die Merkmale einer Halbkolonie des britischen Weltreichs in seiner heutigen Form an. Wenn man die langfristigen realwirtschaftlichen Faktoren betrachtet, muß man zu dem Schluß gelangen, daß sich die Volkswirtschaften der transatlantischen Gemeinschaft physisch seit etwa 1967-68 bis heute in einem allgemeinen Abstieg befinden.2

In etwas jüngerer Zeit, 1989-91, unmittelbar nach dem Zusammenbruch der sowjetischen Comecon-Wirtschaft (den ich seit 1983 etwa für diesen Zeitraum vorausgesagt hatte), griff die bereits laufende Zerstörung der amerikanischen Realwirtschaft pro Kopf und Quadratkilometer auf ganz Kontinentaleuropa über.3

Es kam also eine Zeit, in der die meisten Überreste einer sinnvollen, tatsächlich produktiven Realwirtschaft systematisch ruiniert wurden, und das zunehmend nicht nur in den USA, sondern in der transatlantischen Gemeinschaft insgesamt. Während der nachsowjetischen neunziger Jahre wurde jegliche kompetente Nationalbankpolitik der transatlantischen Gemeinschaft zugrunde gerichtet und durch völlig verrückte Regelungen ersetzt. Da die Ausweitung der Geld- und Finanzwerte nicht mehr auf dem Nettowachstum der Realwirtschaft pro Kopf und Quadratkilometer beruhte, vermehrte man den Umlauf von Geldkapital für die Wirtschaft hauptsächlich mit zunehmend betrügerischen, spekulativen Methoden sowie in den neunziger Jahren durch die Ausplünderung des Gebiets der ehemaligen Sowjetunion und des Comecon.

Die wichtigsten Säulen, auf denen diese betrügerische Vermehrung von Schuldentiteln ruhte, waren in den USA Alan Greenspans Ausplünderung der nominell bei Fannie Mae und Freddie Mac liegenden Kredite und in Europa die politische Rolle des bewußt ruinösen Maastricht-Abkommens, mit dem die Realwirtschaft der europäischen Nationalstaaten ausgebeutet und ruiniert wurde. Das hatte globale Folgen, wie heute eindeutig sichtbar ist.

Infolge dieser Politik, besonders seit Oktober 1987 in den USA und seit 1991 in ganz Europa, hat sich um Fannie Mae und Freddie Mac eine gewaltige hyperinflationäre Blase fiktiver Kredite gebildet, und parallel dazu kamen in Europa ähnliche Entwicklungen um das von den Maastrichter Vereinbarungen geprägte Kreditsystem. Beides kracht derzeit zusammen, und beide Prozesse stehen in enger Wechselwirkung miteinander. Die Stützpfeiler des Hauses, das Leute wie Alan Greenspan und Margaret Thatcher ursprünglich errichtet hatten, stürzen jetzt in sich zusammen.

Nun platzt Greenspans fiktive Kreditblase und die entsprechenden Elemente des Maastricht-Systems lösen sich auf: Die Fundamente des heutigen Weltwährungs- und Finanzsystems fallen in sich zusammen, und der Ahnungslose schaut verblüfft zu, erstarrt wie das Kaninchen vor der Schlange.

Was war die Ursache?

So kam es unter dem Irrsinn, der die Geschichtsperiode seit dem Amtsantritt von US-Präsident George Bush senior im Januar 1989 kennzeichnet, nicht nur zu weiteren massiven Abwärtsphasen in dem Teil der Weltwirtschaft, den die transatlantische Gemeinschaft ausmacht, sondern auch zu einem Rückgang der realen Pro-Kopf-Produktion auf der Welt als Ganzer.

Die Globalisierung hat - beispielsweise bei der Erzeugung von Roheisen und Rohstahl - durch die bekannten Methoden wie „Produktionsauslagerung“ die reale Produktion auf der Welt pro Kopf und pro Quadratkilometer schrumpfen lassen. Sobald man die Maske der galoppierenden Inflation wegreißt und reale Werte zugrundelegt, wird deutlich, daß diese Produktionsauslagerung, der jüngste Trend in der Weltwirtschaft, weltweit zu einer systematischen Absenkung der realen Produktivität pro Kopf und Quadratkilometer geführt hat. Denn dadurch wurde in Nordamerika und Europa mehr produktives und verwandtes Realkapital zerstört, als in den Ländern mit niedrigem Lebensstandard und verbreiteter arbeitsintensiver Ausbeutung, auf deren billige Arbeitskräfte es die „Heuschrecken“ und ähnliche Anlegerinteressen abgesehen haben, neu aufgebaut wurde.

Wie ich in den folgenden Kapiteln dieses Aufsatzes darstellen werde, zeigt sich die Inkompetenz sämtlicher monetaristischer Lehren im Vergleich mit der erfolgreichen Anwendung des Hamiltonischen Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie am anschaulichsten daran, wie Franklin Roosevelt die US-Wirtschaft erfolgreich wiederbelebte, nachdem seine beiden Vorgänger Coolidge und Hoover sie ruiniert hatten. Der Unterschied kommt darin zum Ausdruck, daß das Amerikanische System die Wirtschaftsleistung nach realen, technologieorientierten, zunehmend kapitalintensiven Formen der Produktivitätssteigerung von Arbeit und Kapital mißt, wohingegen der Monetarist die Wirtschaft nur als eine Frage von Preisen für Produkte und Dienstleistungen betrachtet - selbst wenn der nominelle Gewinn mit Methoden erzielt wird, die real die Produktivität pro Kopf und Quadratkilometer senken.

Warum sollten sich die herrschenden Geldinteressen von Nationen wie den USA und Europas so etwas Dümmliches antun? Bei der Beantwortung dieser Frage könnte einem das Bild eines hochneurotischen, abergläubischen Burschen in den Sinn kommen, der seine Schritte auf den Betonplatten des Bürgersteigs streng nach dem Altweiberglauben ausrichtet: „Trittst du auf den Spalt, kommt groß Unglück bald!“ Nicht der „Bursche“ trifft hier also die Entscheidung, sondern sein Herr, die „Burschoisie“, die ihm dieses Verhalten beibrachte.

Warum haben wir denn Verantwortliche wie Alan Greenspan oder auch seinen unglückseligen Nachfolger nicht in eine geeignete psychiatrische Klinik gesteckt, anstatt durch deren Anstellung unsere Wirtschaft zu ruinieren? Aha! Dafür gibt es einen Grund:

Die einschlägigen, finanziell sehr mächtigen, gewöhnlich räuberischen Dienstherren solcher Ökonomen, wie Prinz Philip vom World Wildlife Fund und sein faktischer Lakai, der frühere US-Vizepräsident Al Gore, wollen den Lebensstandard der Weltbevölkerung so weit senken, daß, wie Prinz Philip selbst gesagt hat, von den derzeit etwa sechseinhalb Milliarden Menschen nicht mehr als zwei Milliarden weiterleben könnten.

Wen wundert es dann, daß das Britische Empire mit seinem Gefolgsmann George Soros, der für die Nazis unter Eichmann diente, in so vielen Teilen Afrikas Völkermord betreibt!

Die historische Bedeutung

Läßt man den Sonderfall der Zeit 1492-1648, als das neuzeitliche Europa unter ständigen Religionskriegen litt, einmal außer acht, so läßt sich die weltweite hyperinflationäre Spirale, die jetzt einsetzt, ohne weiteres als die erste wirkliche Zusammenbruchskrise der Neuzeit betrachten. (Unter früheren, ausgedehnten Zivilisationsformen der Antike und des Mittelalters gab es bereits, was man treffend „finstere Zeitalter“ nannte.) Es wäre ein vielleicht fataler Fehler, zu leugnen, daß diese Finanzkrise eine allgemeine, weltweite Zusammenbruchskrise des heutigen Finanz- und Währungssystems des „Freihandels“ ist!

Das jetzige Weltwährungssystem, wie es seit 1971 existierte, wird schlicht verschwinden, daran wird kein Weg vorbeigehen. Die einzige Möglichkeit ist, es beizeiten durch ein neues System zu ersetzen, das die Methoden von Präsident Franklin Roosevelt reflektiert. - Durch die Dummheit unserer politischen Führung wurde bereits ein kostbares Jahr verschwendet, nachdem ich sie bereits 2007 vor den Konsequenzen gewarnt habe. - Sonst wird der ganze Planet wieder in ein dunkles Zeitalter abstürzen. Der Fortbestand der Zivilisation macht es erforderlich, das jetzige Währungssystem mit seinen freien Wechselkursen abzulösen, und dazu müssen die drei Hilfsmittel zur Anwendung kommen, die ich bereits in früheren Veröffentlichungen erläutert habe.4

Diese Maßnahmen für ein Konkursverfahren des Systems sind darauf ausgelegt, daß ein bestimmter Kern der jetzigen Geldmenge erhalten bleibt, um als reguläres Mittel für den Austausch realer Werte zu dienen, die für die Weiterführung eines geordneten Lebens der Menschen in den Städten und Gemeinden wesentlich sind.

Entscheidend ist, statt der nominellen finanziellen Werte die Realwirtschaft zu retten. (Ich erläutere die technische Bedeutung dieser Unterscheidung im weiteren Verlauf des Aufsatzes.) Das heutige weltweite Freihandelssystem mit gleitenden Wechselkursen ist nicht nur als System unrettbar verloren - jeder Versuch, es zu retten, wäre für die Zivilisation fatal. Wir dürfen nicht länger leugnen, daß wir mehr erleben als bloß eine „Rezession“ - daß wir uns in einer Zusammenbruchskrise des Systems als System befinden. Wir müssen uns von der trügerischen Illusion verabschieden, man müsse die Existenz dieses jetzt globalen „Freihandels“-Systems weiter rechtfertigen - dieses „Freihandelssystems mit freien Wechselkursen“ hat von 1971 bis heute nicht nur die amerikanische Wirtschaft systematisch ruiniert!

Wenn wir nicht sehr bald bestimmte klar definierte Schutzmaßnahmen ergreifen, läuft die Zeit für die Zivilisation schnell ab.

Die akademische Form der Krankheit

Insbesondere zwei ideologische Einflußfaktoren verursachten den allgemeinen Wandel der amerikanischen und europäischen Politik, weg von den relativ vernünftigen wirtschaftlichen Zielvorstellungen der Zeit von 1945-64, hin zu immer mehr Wahnsinn bei der Entscheidung über die gesellschaftlichen Ziele des Wirtschaftslebens seit dem 1. März 1968.

Erstens: Auf eines der bedeutendsten intellektuellen Hindernisse, die überwunden werden muß, stößt man bei den anerkannten staatlichen und akademischen Autoritäten. Es steckt in dem unsinnigen Glauben an die abwegige Annahme, es gäbe, allgemein gesagt, nur die Wahl zwischen den ideologischen Polen des „freien Marktes“ oder des „marxistischen“ Denkens. Der absurde Glaube an einen „freien Markt“ verhindert jede ernsthafte Erwägung der Prinzipien, auf denen unsere Republik gegründet wurde. Nur diese Prinzipien versetzten Präsident Franklin Roosevelt in die Lage, die scheinbar wundersame Erholung der USA aus dem Tal der Hoover-Depression herbeizuführen, um im Zweiten Weltkrieg als die größte Wirtschaftsmacht hervorzutreten, die die Welt bis dahin gesehen hatte.

Heute haben wir die Wahl zwischen den von Präsident Franklin Roosevelt verwendeten Prinzipien und der weiteren Unterwerfung unter jene Politik, die uns gerade in einen generellen physischen Zusammenbruch der gesamten Weltwirtschaft führt.

Der Welt droht mit der kombinierten Krise der US-Wirtschaft und des gescheiterten europäischen Maastricht-Systems nicht nur eine „Depression“, sondern das, was man als „allgemeine Zusammenbruchskrise“ bezeichnet. Vor 1914 rauften sich deutsche Sozialdemokraten verzweifelt die Haare, wie sich eine „Zusammenbruchskrise“ sinnvoll definieren ließe. Ähnliche Konfusion herrscht auch heute, wo die sogenannten „marxistischen“ („sozialistischen“) und die „Freihandels-“ („kapitalistischen“) Systeme gleichermaßen zu inkompetenten Maßnahmen neigen. Ein Beispiel dafür sind die Maßnahmen, die Präsidentschaft und Kongreß in den USA seit dem 1. August 2007 ergriffen haben, welche, wie wir in den vergangenen Monaten oft sehen konnten, den auf uns zu rasenden allgemeinen Zusammenbruch nur beschleunigen und verschlimmern.

Deshalb müssen wir in unseren Analysen und Vorschlägen erneut, wie schon in meinem früheren Aufsatz „Die Wirtschaftsdebatte um Rußland“,5 das Simplifizierende und Mythische an der Legende „Marx contra Kapitalismus“ aufdecken und zurückweisen. Denn diese Legende hat die Aufmerksamkeit davon abgelenkt, vor welche tatsächlichen inhaltlichen Fragen die gegenwärtige, seit 1971 laufende Weltkrise uns alle stellt. Diesmal müssen wir uns vornehmen, was ich in den folgenden Kapiteln dieses Berichts tun werde: Wir müssen die Diskussion weiter vorantreiben und vor allem den „Mythos Geld“ selbst untersuchen.

Die erste, eher simple Tatsache, die man in dieser Angelegenheit bedenken muß, ist etwas, was ich schon in der eben erwähnten Schrift betont habe: Karl Marx war, wie er selbst wiederholt betonte, ein Anhänger des Plagiators und Betrügers Adam Smith,6 und deshalb in Fragen der Wirtschaftslehre ideologisch betrachtet ein „Kapitalist“ in der Tradition von Lord Shelburnes imperialer britischer Haileybury-Schule. Das Amerikanische System der politischen Ökonomie, wie es von Alexander Hamilton, Mathew Carey und den amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt vorbildlich vertreten wurde, ist historisch das einzige wirklich sinnvolle wirtschaftliche Modell moderner Staatskunst, das derzeit existiert.

Dies war der Grund dafür, daß Nikita Chruschtschows Beziehungen zur Gruppe „Weltparlamentarier für eine Weltregierung“ des giftigen Bertrand Russell sich im nachhinein als die Richtungsentscheidung erwiesen, die zum selbstverschuldeten wirtschaftlichen und strategischen Untergang der Sowjetunion führte. Russells anhaltender Einfluß auf das wirtschaftsstrategische Denken lockte die Sowjets noch einmal in die Falle - nämlich in das radikal-reduktionistische Nest der Cambridger Systemanalyse in Laxenburg/Österreich -, aus der sich das heutige Rußland intellektuell immer noch nicht ganz befreit hat. Die heutige Welt muß diese Lektion unbedingt lernen, solange noch eine geringe Chance besteht, zur Alternative des Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie als Grundlage einer ökumenischen Weltordnung souveräner Nationalstaaten zurückzukehren.

Zweitens: Die Änderung der kulturellen Zielsetzungen der Politik nach 1945 brachte in der zwischen 1945 und 1958 geborenen Nachkriegsgeneration aus der Angestelltenschicht („Babyboomer“) einen harten Kern hervor, der im Grunde synarchistisch war. Es wurde ein massives Programm von „Gegenkultur“ in Gang gesetzt, das den offen faschistischen, neomalthusianischen Charakter eines großen Teils der auf den Straßen herumtobenden „68er“ prägte.

Der heutige Betrug der „globalen Erwärmung“ ist Ausdruck davon, wie weit sich inzwischen pseudowissenschaftlicher Aberglauben übelster Art verbreitet hat, und das selbst in den Reihen derer, die sich selbst zweifelhafterweise für anerkannte Wissenschaftler halten, und unter unseren maßgeblichen Politikern.

Die Argumente, die für die Theorie der „globalen Erwärmung“ vorgebracht werden, sind nach keinem glaubwürdigen historischen Maßstab wissenschaftlich, sie haben eher den Charakter eines religiösen Dogmas, wenn auch sicherlich keines christlichen oder jüdischen, wenn man den Maßstab der biblischen Schöpfungsgeschichte anlegt. In Fragen des religiösen Glaubens müssen wir tolerant sein, sofern seine Vertreter nicht moralisch kriminell sind, aber einen solchen Wahnsinn wie die „Globalisierung“ kann nichts in der Rechtspraxis führender Nationen rechtfertigen. Die Befürworter von radikalem Malthusianismus und/oder Drogenmißbrauch fallen in die gleiche Kategorie: Das Naturrecht verlangt dringend, daß ihr politischer Einfluß eingedämmt werden muß.

Diese Fragen sind jedoch alles andere als theoretisch. Es geht um das Wohl der ganzen Menschheit. Die politische Absicht hinter dem heutigen Massenkult des sogenannten „Umweltschutzes“ ist am klarsten aus dem Munde des derzeitigen Prinzgemahls des Britischen Empires, Prinz Philip, formuliert worden. Prinz Philip fordert eine schnelle Verringerung der Weltbevölkerung von jetzt mehr als sechseinhalb Milliarden Menschen auf zwei Milliarden oder weniger. Zu diesem Zweck schlagen er und sein Komplize, der frühere US-Vizepräsident Al Gore, Maßnahmen vor, die, wenn man sie zuließe, tatsächlich zu dieser schnellen Verringerung der menschlichen Gattung führen würde, die der Prinz mit seinem World Wildlife Fund wiederholt als sein Ziel bezeichnet hat. Ein solcher Völkermord würde ähnliche Verbrechen des Nazi-Regimes und seiner Komplizen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 noch weit in den Schatten stellen.

Allerdings ist eine Bevölkerungspolitik, wie sie Prinz Philip und das Hitler-Regime verfolgten, in der jahrtausendelangen Praxis der schwarzen Kunst durchaus nichts neues. In der Tradition der europäischen Zivilisation etwa läßt sich eine solche Politik in ihren praktischen Folgen auf die fiktive Figur des olympischen Zeus im Gefesselten Prometheus des klassischen Dramatikers Aischylos zurückverfolgen. Tatsächlich ist das, was wir „Malthusianismus“ oder „Neomalthusianismus“ nennen, ein Kennzeichen aller bekannten Imperien seit den Großreichen im antiken Südwestasien und den Reichen von Rom und Byzanz, so wie im Mittelalter bei der imperialen Allianz der venezianischen Finanzoligarchie mit dem Haus Anjou und unter dem offenen Malthusianismus der britisch-imperialen Haileybury-Schule Jeremy Benthams.

Es ist ein charakteristischer Aspekt aller Imperien in der Geschichte, einschließlich des Britischen Empire, einen großen Teil der Bevölkerung bewußt zu verdummen und durch eine Kombination von Gesetzen und Gebräuchen daran zu hindern, das „Feuer“ wissenschaftlicher Kreativität kennenzulernen. Man will die Masse der Bevölkerung mit verschiedenen Methoden des „Keulens“ intellektuell „barfüßig und dumm“ halten, wenn die Masse des gewöhnlichen Volks nach Ansicht von Neomalthusianern wie Prinz Philip oder Al Gore unerfreulich groß geworden ist.

In dieser Tradition des olympischen Zeus, wie ihn Aischylos in Der Gefesselte Prometheus darstellt, soll die Wissenschaft ausgeschaltet werden, indem man sie entweder unterdrückt oder durch Betrug in ein Prokrustesbett zwängt - so wie noch heute die Entdeckungen des eigentlichen Begründers der modernen Wissenschaft, Johannes Kepler, unterdrückt werden. Man muß erkennen, daß hinter diesem noch heute andauernden britischen Wissenschaftsbetrug - wonach Isaac Newton, dieser Spezialist für Schwarze Magie, etwas entdeckt haben soll, was er und seine Hintermänner in Wirklichkeit in betrügerischer Absicht furchtbar schlecht aus Keplers Werken abgeschrieben haben - nach wie vor diese Absicht des legendären Zeus steckt: die Kenntnis des „Feuers“ zu unterdrücken.7

Um die Weltbevölkerung auch nur in ihrer gegenwärtigen Größe zu erhalten, ganz zu schweigen davon, sie zu vergrößern, ist naturwissenschaftlicher Fortschritt unbedingt erforderlich, um die drohende Erschöpfung der verfügbaren Rohstoffe, die zur Erhaltung des gegenwärtigen Lebensstandards gebraucht werden, zu überwinden. Wer solchen wissenschaftlichen Fortschritt verhindert, etwa durch die Unterdrückung der Entwicklung der Kernkraft, begeht praktisch bereits Völkermord.

Religiöse Dogmen, besonders so verrückte wie die „globale Erwärmung“, muß man aus der Politik heraushalten. Neben dem Atomkrieg ist der „Umweltschutz“, wie ihn Prinz Philips Anhänger vertreten, heute die größte aller faschistischen Gefahren für die Menschheit.

Soviel sei gesagt, um die Bedeutung der physischen Ökonomie selbst einzuordnen. Wenden wir uns nun diesem Gegenstand selbst zu.

            wird fortgesetzt


Anmerkungen

1. D.h. die britisch-saudischen Verflechtungen in British Aerospace (BAE).

2. Seit der Krise des britischen Pfund Sterling unter Premierminister Harold Wilson im Herbst 1967 und der anschließenden Dollarkrise im Vorfeld der katastrophalen „Tet-Offensive“ im Februar/März 1968. Dies zeigen Animations-Studien realwirtschaftlicher Trends pro Kopf und Quadratkilometer während des letzten halben Jahrhunderts - in ausgewählten Fällen auch länger -, die ich und meine Mitarbeiter 2005 angestellt haben. Wesentlich ist dabei, in sich unschlüssige finanzielle und verwandte Statistiken mit realwirtschaftlichen „Lebenszyklen“ abzugleichen, um die falschen Projektionen auszuschließen, die sonst aufgrund von  Wunschvorstellungen und irreführenden Finanzprojektionen in staatlichen und betrieblichen Bilanzen häufig zustande kommen.

3. Der Zusammenbruch der britischen Wirtschaft war das Werk der ersten Labour-Regierung von Premier Harold Wilson. In gewisser Weise setzten die Briten unter Wilson ihr eigenes wirtschaftliches Haus in Brand, um die ruinöse Feuersbrunst in die USA zu tragen.

4. Die drei Punkte: 1. Das Gesetz zum Schutz der Hauseigentümer und Banken (HBPA), 2. ein zweigleisiges Kreditsystem, 3. der Vorschlag, daß die USA, Rußland, China und Indien die Initiative ergreifen, um ein neues internationales Kreditsystem mit festen Wechselkursen zu schaffen, um das jetzt bankrotte Weltwährungssystem abzulösen.

5. Siehe EIR, 4. Juli 2008.

6. Nach dem imperialistischen Sieg von Lord Shelburnes privater Britischer Ostindiengesellschaft im Pariser Frieden vom Februar 1763 traf sich Shelburne persönlich mit Adam Smith, um diesen für ein Spionageprojekt anzuheuern, das sich gegen zwei Ziele richtete: die Fraktion Benjamin Franklins in Nordamerika und Frankreich, das durch wirtschaftliche und ähnliche Sabotage sabotiert werden sollte. Smith verbrachte den größten Teil seiner Zeit in Frankreich, bis 1776 sein antiamerikanisches Traktat erschien, das heute unter der Bezeichnung Der Reichtum der Nationen bekannt ist. Inhaltlich ist es weitgehend ein Plagiat des damals noch unveröffentlichten Werks des liberalen französischen Ökonomen A.R.J. Turgot, Betrachtungen über die Bildung und Verteilung des Reichtums. Turgot trug in seiner doppelten Eigenschaft als liberaler Ideologe und als mehrmaliger französischer Minister zusammen mit Lord Shelburnes Laufburschen Jacques Necker entscheidend dazu bei, die Voraussetzungen für den Sturz König Ludwigs XVI. zu schaffen. Der Prozeß, der zum Sturz der Monarchie führte, begann schon 1782, als derselbe Lord Shelburne die Friedensverhandlungen leitete, die das damalige faktische Britische Empire nach der Devise „Teile und Herrsche“ separat mit den Vereinigten Staaten, Frankreich und Spanien führte. Der Liberalismus von Turgot und Smith war das Produkt eines Dogmas, das der Anführer der Neuen Venezianischen Partei, Paolo Sarpi, zwei Jahrhunderte zuvor geschaffen hatte; Sarpis bekanntester Lakai war der Betrüger Galileo Galilei. Siehe Smiths Theorie der moralischen Gefühle von 1759, worin Smith sich ausdrücklich auf Sarpis Theorien beruft.

7. Mehr als 200 Jahre lang folgte man der Behauptung Newtons, er habe den Kalkulus heimlich schon entdeckt, bevor diese Entdeckung durch Gottfried Leibniz 1676 in Paris veröffentlicht wurde. Der angebliche Beweis für diese Behauptung, so wurde lange Zeit behauptet, befinde sich in einer Truhe mit Newtons Geheimpapieren. Als diese Truhe schließlich geöffnet wurden, wurde ihr Inhalt - vor allem Rezepte für Schwarze Magie - von einem Ausschuß unter der Leitung von John Maynard Keynes untersucht, und dieser erklärte anschließend, man habe lediglich ein Haufen Unfug gefunden, und die Truhe sollte künftig lieber verschlossen bleiben. Ähnlich verhält es sich mit dem 1687 veröffentlichten dürftigen Plagiat des sogenannten „Dritten Keplerschen Gesetzes“, das Anfang des 17. Jahrhunderts aufgestellt worden war.

Lesen Sie hierzu bitte auch:
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