» » » Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche « « «
Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 52/2003

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

Es spricht der Präsident des anderen Amerika

Am 13. Januar 2004 finden in Washington D.C. die ersten Vorwahlen der Demokratischen Partei statt. Lyndon LaRouche, einer der demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftsnominierung für 2004, hielt in der amerikanischen Hauptstadt am 12. Dezember die folgende Rede, die auch live über das Internet übertragen wurde und weiterhin abrufbar ist unter www.larouchein2004.net.


Die Wurzeln der amerikanischen Republik
Die Briten schlagen zurück

Der Wandel der Werte

Amerikas Potential

Wiederaufbau der Wirtschaft

Kein Grund für Krieg

Weltpolitik im Wahlkampf

Meine Aufgabe

Derzeit muß man für die neue europäische Währung in Dollar 50% mehr bezahlen als im Oktober 2000 [als ein Euro 0,82 US-Dollar kostete, heute liegt der Kurs bei 1,24 Dollar, d.Red.] Den größten Teil dieses Wertverlustes erlebte der Dollar unter der Regierung Bush. In der letzten Zeit hat sich der Absturz des Dollars beschleunigt, er brach innerhalb kurzer Zeit um 20% ein - und es ist noch kein Ende in Sicht.

Denken Sie darüber nach: Der Dollar hat auf dem wichtigsten Weltmarkt fast die Hälfte an Wert verloren - und der Sturz geht weiter.

Das Zahlungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten zieht uns in den Bankrott. Die wahnsinnige Politik der gegenwärtigen Regierung, in der Haushaltspolitik, der Steuerpolitik, etc., bringt die Nation an den Rand des Ruins. Noch schlimmer: Wir sind jetzt in einer Krise, die mindestens so ernst ist wie die, vor der Franklin Roosevelt im März 1933 stand.

Dazu kommt der heillose Zustand der Infrastruktur in den Vereinigten Staaten. Wir haben bei der Grundinfrastruktur der Wirtschaft ein Kapitaldefizit von wahrscheinlich vier Billionen Dollar. Wir haben keine Eisenbahnen mehr. Wo haben Sie in letzter Zeit eine Eisenbahn gesehen - außer im Museum? Wir haben keine Stromerzeugung und -verteilung mehr, und wo wir sie noch haben, sind Piraten wie Enron, die sie schlecht verwalten. Wir haben keine Wasserwirtschaft mehr. Wir haben keine Krankenversorgung mehr, das Gesundheitswesen ist zusammengebrochen, wegen der allgemeinen Entwicklung, aber wegen auch der Schließung vieler einzelner Krankenhäuser, wie im Fall des D.C. General Hospital hier in Washington.

Alles, was die Vereinigten Staaten früher, am Ende des Zweiten Weltkriegs und in der Nachkriegszeit, zur führenden produzierenden Nation der Welt machte, ist Vergangenheit.

Wir sollten uns daran erinnern, was aus dem alten Rom wurde, nachdem es im zweiten Punischen Krieg Karthago besiegte und dann Süditalien, Griechenland usw. eroberte. Vorher war Rom ein Land, das produzierte. Im Mittelpunkt standen dabei die Bauern; auch das Militär stützte sich auf die Bauern, es war im wesentlichen ein Heer freiwilliger Reservisten. Alles das endete. Rom veränderte sich. Nach einer Zeit der Bürgerkriege war es unter den Cäsaren ein ganz anderes Land. Es führte Sklaverei im großen Stil ein. Die Bevölkerung Italiens wurde mit "Brot und Spielen" abgespeist - so wie die Mehrheit der Amerikaner heute.

Wir sind in einer nachindustriellen Gesellschaft, die immer weiter verfällt. Die Lage der 80% Familien mit geringeren Einkommen hat sich seit 1977 immer weiter verschlechtert. Es gibt keinen Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft! Der jüngste Bericht über 7 oder 8% Wachstum ist eine Lüge! Die Regierung lügt - wie gewöhnlich! So wie Cheney und seine Mitstreiter logen, um uns in einen unnötigen Krieg im Irak hineinzuziehen, von dem wir nun nicht wissen, wie wir wieder herauskommen sollen.

Bald wird der Wirtschaftszusammenbruch uns mit voller Wucht treffen. Wir werden bald Dinge erleben, die die Presse an das erinnern werden, was 1929-32 geschah. Wir schlittern in etwas Schlimmeres als eine Depression: eine weltweite wirtschaftliche Zusammenbruchskrise.

In Kontinentaleuropa ist die Lage nicht so schlecht wie in den Vereinigten Staaten. Wir sind eine parasitäre Nation. Japan druckt Geld für uns, damit unsere Börse nicht zusammenbricht! Europa investiert sein Kapital hier, damit unsere Finanzmärkte nicht einstürzen! Wir sind eine parasitäre Nation! Und die Völker, die wir aussaugen, können uns nun nicht länger versorgen, weil ihnen die Mittel dazu ausgehen. Die ganze Welt, das ganze Weltwährungs- und Finanzsystem befindet sich in der Phase des endgültigen Zusammenbruchs.

Es gibt Lösungen. Das Vorbild für diese Lösungen ist im allgemeinen Franklin Roosevelts Politik ab 1933 - die gleiche Geisteshaltung, die gleiche Politik, die gleiche Weltsicht. Die Lösungen im einzelnen sind etwas anders. Und die Herausforderung ist viel größer. Die Bedrohung ist viel ernster.

Es ist völlig ausgeschlossen, daß die Vereinigten Staaten bei der Wahl im November 2004 noch so sind, wie sie heute in den Augen einfältiger Menschen erscheinen. Wir werden nicht mehr Monate darauf warten müssen: Wir sind jetzt schon am Rande des völligen Zusammenbruchs, er könnte jeden Augenblick kommen. Vielleicht wird er unser Weihnachtsgeschenk. Vielleicht kommt er auch später, denn man kann ja unbegrenzt Geld drucken bzw. elektronisch schaffen, damit die Regierung den Kollaps aufschieben kann. Aber mit solchen Methoden macht man alles noch schlimmer. Auf jeden Fall wird das Ganze innerhalb ziemlich kurzer Zeit zusammenbrechen.

Ich spreche darüber mit führenden Leuten in Europa - mit Bankiers und anderen - , und sie sehen die Vereinigten Staaten viel offener und richtiger als die Amerikaner selbst: Das System wird zusammenbrechen, und zwar bald.

Das wird natürlich auch Washington treffen, wo jetzt der Vorwahlkampf stattfindet. Bis zum Wahltag am 13. Januar wird die Welt etwas anders sein als heute, nicht nur wegen dieser Vorwahl.

Betrachten wir die Weltlage und dann die Lösungen einmal bezogen auf Washington, wo wir hier sind. Betrachten wir die Lage in zweierlei Hinsicht: sowohl bezogen auf die Regierung, die hier sitzt, ebenso wie das Rechtswesen mit dem Obersten Gerichtshof (zumindest physisch ist er hier, wo sich die Richter geistig befinden, weiß ich nicht), als auch bezogen auf die Masse der Armen, die hier in Washington leben.

Die Armen, das sind die Menschen, denen man im Frühjahr 2001 sagte: "Haut ab und sterbt!", als das D.C. General Hospital geschlossen wurde. "Verschwindet hier! Geht nach Maryland, nach Anacostia. Raus hier! Wir brauchen das Flußufer für unseren großen Bebauungsplan zur Immobilienspekulation. Wir brauchen das Gelände des Krankenhauses für irgendwas ganz Großes." Die reichen Leute in Washington, die wie eine Art privater Verein die Washington Post leiten und die Regierung lenken, wollen an Spekulationsvorhaben, wie sie am Flußufer geplant sind, einen Haufen Geld verdienen. "Und dazu werden wir die armen Leute vertreiben. Irgendwohin, wo man sie nicht mehr sieht."

So ist es hier in Washington. Da ist auf der einen Seite die Regierung, der es egal ist, wie die Wirklichkeit für die Menschen hier aussieht. Und auf der anderen die Menschen, die keine Hoffnung mehr in ihre Regierung setzen. "Wir leben hier. Wir wissen nicht, wo wir hin sollen. Was wird aus uns? Niemand schert sich darum."

Und die Regierung ist verantwortlich, denn sie hat die Stadt unter Konkursverwaltung gestellt. Die Bundesregierung übernahm über den Kongreß die Verwaltung der Stadt, nahm ihr jeden Rest von Selbstverwaltung. Dann sah sie zu, wie die Einrichtungen der Stadt zusammenbrachen: Sicherheitsdienste, Feuerwehr, Polizei, Krankenhäuser usw. Alles bricht zusammen. Und die Regierung hatte die Aufsicht darüber. Sie ist verantwortlich für dieses Durcheinander in der Hauptstadt. Und man wird sie verantwortlich machen.

Dieser Vorwahlkampf ist eine Gelegenheit, den Kongreß mit seiner Verantwortung oder genauer seiner Verantwortungslosigkeit zu konfrontieren. Man denke, was für einen Eindruck es auf Ausländer macht, die unsere Hauptstadt besuchen, wenn sie sehen, wie man hier mit den Menschen umgeht. Dies ist das Bild der Vereinigten Staaten in der Welt. Die Meinung der Welt über die Vereinigten Staaten von Amerika ist seit Januar 2002, als der Präsident in der Rede zur Lage der Nation das magische Fluchwort von der "Achse des Bösen" aussprach, auf dem tiefsten Stand seit Menschengedenken! Die letzten beiden Jahre waren für das Ansehen der USA in der ganzen Welt die Hölle, und es wird täglich noch schlimmer.

Die Wurzeln der amerikanischen Republik

Wie kam es zu all dem? Um Menschen zu verstehen, muß man über das übliche Gerede in der Politik hinausgehen. Man muß ernsthafter herangehen. Man muß sich die Geschichte anschauen. Die Vereinigten Staaten sind ein wesentlicher Teil der langen europäischen Geschichte. Diese Geschichte geht zurück in die Zeit des alten Ägypten, das mit seiner Kultur die Völker beeinflußte, die man später die Griechen nannte. Mit der klassischen griechischen Zivilisation - der Zeit des Thales, Pythagoras, Solon - begann vor über 2500 Jahren die europäische Zivilisation. Wir Amerikaner sind Teil der Kontinuität dieser europäischen Zivilisation, die ganz bestimmte Merkmale hat.

Wir Amerikaner, auch die, die nicht aus Europa, sondern anderen Teilen der Welt eingewandert sind, sind Bestandteil der Überlieferung und Wirkung der Geschichte der 2500 Jahre alten europäischen Zivilisation. Wir leben als europäische Zivilisation im Schatten der großen Pyramiden Ägyptens. Deshalb müssen wir so weit in der Geschichte zurückgehen, um zu verstehen, wer wir sind, was unser Potential ist, was unsere Schwächen sind und was für Fehler wir machen.

Die Vereinigten Staaten entstanden vor allem dank Unterstützung aus Europa. Amerika wurde von den Menschen geschaffen, die sich in der Kolonie an der Bucht von Massachusetts ansiedelten, wie den Winthrops und den Mathers. Eine Generation nach den Mathers gründete Benjamin Franklin die USA.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts besiegte die britische Monarchie Frankreich im Krieg. Dieser Krieg brachte den Briten imperiale Macht, eine See- und Geldherrschaft über die Welt. Zur selben Zeit und im selben Zusammenhang eroberten sie auch den größten Teil Indiens.

Die Briten hatten damals nur einen ernsthaften Konkurrenten in Europa: Frankreich, das aber 1763 von den Briten geschlagen wurde. An dem Punkt übernahm die Britische Ostindiengesellschaft die Herrschaft in Großbritannien. Diese Gesellschaft hatte als privates Unternehmen Indien erobert und unterworfen! Die Armee gehörte nicht der Nation, sondern dem Unternehmen - ähnlich wie man das heute im Irak versucht.

Diese Gesellschaft, deren politischer Kopf ein gewisser Lord Shelburne war, kam 1763 zu dem folgenden Entschluß: Erstens mußte die Entwicklung der englischsprachigen Kolonien in Nordamerika unbedingt verhindert werden. Zweitens mußte man längerfristig Englands Hauptrivalen Frankreich ausschalten.

In diesen Zeiten und Umständen sammelten sich führende Köpfe Europas - auch aus England - um einen genialen Mann in unserem Land, Benjamin Franklin. Sie gaben ihm die notwendige Unterstützung, um den Kampf für spätere Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten vorzubereiten. Die besten Köpfe Europas schufen über Leute wie Franklin die USA. Die Führung der Nation war eine Jugendbewegung, Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren - wie meine Jugendbewegung heute - , die sich um Franklin sammelte. Typisch waren der junge Lafayette aus Frankreich oder Alexander Hamilton oder Jefferson u.a., die man aus den Geschichtsbüchern über das 18. Jahrhundert kennt. Sie alle waren Teil von Benjamin Franklins Jugendbewegung. Und George Washington war irgendwo mittendrin.

Die Europäer setzten alles daran, in Nordamerika eine echte Republik zu gründen, in der Hoffnung, daß dies auf Europa zurückwirken und helfen würde, Europa von der anglo-holländischen und habsburgischen Tyrannei zu befreien.

Unsere Nation hatte also eine besondere Berufung, dazu wurde sie gegründet. Wir erhielten eine Verfassung. Es ist die einzige Verfassung auf der Welt, die so lange bis heute überlebt hat. Keine andere Nation konnte sich eine so dauerhafte Verfassung geben. Und diese Verfassung verkörpert unsere Geschichte. Sie wurde in Erinnerung an Solon und Platon verfaßt. Sie entstand unter dem Einfluß des größten Wissenschaftlers des 17. und 18. Jahrhunderts, des damals schon verstorbenen Gottfried Leibniz. Sein Buch Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand bildete für die Gruppe um Franklin die Grundlage, auf der sie die Grundsätze unserer Verfassung entwickelte.

Die Briten schlagen zurück

Aber dann begann die zweite Phase der Operation des britischen Empire unter Shelburne: die Französische Revolution. Die Französische Revolution, wie man sie aus heutigen Geschichtsbüchern kennt, hat in dieser Form nie stattgefunden. Es begann in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts. Die Britische Ostindiengesellschaft unter Shelburne gründete in Lyon den sogenannten Rat der Zehn, eine Freimaurerloge, die man auch die Martinisten nennt. Diese Gruppe wurde aus London gesteuert, und diese Gruppe "machte" die Französische Revolution. Philippe Égalité und Jacques Necker, die den 14. Juli 1789 organisierten, waren Agenten Shelburnes. Danton und Marat waren britische Agenten; sie wurden in London ausgebildet und von dort nach Paris geschickt, wo sie Reden hielten, die Jeremy Bentham in London für sie schrieb. Darauf folgte der Terror der Jakobiner, auch das ein Werk der Martinisten. Und darauf folgte Napoleon Bonaparte, und auch er war wiederum ein Produkt der Martinisten.

So wurden Frankreich und Kontinentaleuropa zwischen 1789 und 1815 zerrissen, und der Wiener Kongreß 1815 schuf dann ein schlimmes Herrschaftssystem.

Wir waren damals isoliert, deshalb riet George Washington, wir sollten uns nicht in Kriege oder andere Auseinandersetzungen im Ausland verwickeln lassen. Nicht, weil wir grundsätzlich dagegen waren, sondern weil - wie alle führenden Amerikaner damals wußten - die Lage in Europa so schlimm war, daß man besser daran tat, sich davon fernzuhalten. Es war eine Kloake.

Das war keine leichte Zeit. Die Sklaverei breitete sich in den USA wieder mehr aus, nachdem wir sie schon beinahe abgeschafft hatten. Es gab Präsidenten, die sich als Verräter entpuppten. Martin van Buren war ein Verräter, und Andrew Jackson war ein Dummkopf, der für ihn die Arbeit tat. Die Land Bank, eine Idee van Burens, die Jackson umsetzte, ruinierte die USA. Polk war ein Verräter. Präsident Pierce war ein Verräter. Buchanan war ein Verräter.

Ein paar Leute, die mit West Point und anderen militärischen Stellen verbunden waren, schafften es trotzdem, das Land zusammenzuhalten. Im Mittelpunkt stand dabei der große Diplomat und Staatsmann John Quincy Adams. Und unter Adams' Schützlingen war ein junger Mann, der eine entscheidende Rolle im Widerstand gegen den Krieg gegen Mexiko spielte: Abraham Lincoln aus Illinois. Und Lincoln ließ sich nicht unterkriegen. Er kam wieder als Präsident der Vereinigten Staaten. Und er rettete die Vereinigten Staaten.

Wir gingen aus dem Bürgerkrieg als mächtige Nation hervor, obwohl Großbritannien mehrere Kriege gegen uns führte und versuchte, uns direkt oder indirekt zu zerstören. Die Habsburger-Interessen in Europa, die Spanier usw., hatten versucht, uns zu vernichten. Die Spanier waren Anfang des 19. Jahrhunderts die größten Sklavenhändler der Welt und hielten an dieser Praxis bis gegen Ende des Jahrhunderts fest. Die spanische Monarchie unterstützte die Konföderierten (Südstaaten), sie überfiel zusammen mit den Briten und den Franzosen Mexiko, das einen Bürgerkrieg erlebte, und setzte dort den Diktator Maximilian ein. Sie zwangen Mexiko eine faschistische Tyrannei auf.

Trotzdem waren die USA 1865 eine Großmacht. Unter Lincoln wurden die großen Eisenbahnstrecken gebaut. Wir erschlossen den Westen, um ihn zu entwickeln. Wir stärkten unsere Wirtschaftsmacht und die Einheit der Nation vom Atlantik zum Pazifik in einem Maße, daß seither keine Macht der Erde es gewagt hat, die USA anzugreifen.

An dem Punkt verlegten sich die Feinde darauf, das Land von innen zu korrumpieren. Lincoln wurde ermordet. Der Mord wurde niemals ganz aufgeklärt, weil britische und amerikanische Stellen darin verwickelt waren.

Später wurde McKinley erschossen. Das war ähnlich: Man wollte diesen Präsidenten loswerden. Durch den Mord an Präsident McKinley wurde ein Mann Präsident, der ein Produkt der Konföderierten war: Teddy Roosevelt. Taft war Taft. Aber nach ihm kam ein Mann, der ein Erbe des Ku-Klux-Klans war: Woodrow Wilson. Er kam mit Teddy Roosevelts Hilfe an die Macht. Er führte die Federal Reserve ein. Und Woodrow Wilson, dieser "große Demokrat", organisierte mit einem Aufruf aus dem Weißen Haus die Neugründung des Ku-Klux-Klans. Und durch diese Politik, und durch die Politik von Coolidge, Hoover, Mellon, DuPont und Morgan, steuerten die Vereinigten Staaten zusammen mit Europa in die Große Depression.

Dann kam ein großer Patriot, Franklin Roosevelt. Er war ganz anders als sein Vetter Teddy. Franklin Roosevelt führte seine Familie auf Isaac Roosevelt zurück, einen New Yorker Bankier, der mit Alexander Hamilton gegen Aaron Burr verbündet gewesen war. Roosevelt war seit seiner Kindheit ein Anhänger der hamiltonischen Tradition in der Wirtschaftspolitik. Ein Aufsatz, den er für das Examen an der Universität vorlegte, behandelte dieses Thema.

Dann erkrankte er an so etwas wie Kinderlähmung. Und während er sich von der Krankheit erholte und mit Hilfe seiner Frau wieder hochkämpfte, frischte er seine Kenntnisse über seine Tradition, die amerikanische Tradition auf. Er wurde Gouverneur von New York und bereitete sich darauf vor, Präsident zu werden. Er warf sich in die Bresche und erweckte die Vereinigten Staaten wie Lazarus aus dem Grab, das uns Coolidge und Hoover gegraben hatten. Er machte uns wieder zu einer großen Nation, und wir waren stolz auf diese Nation bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Bei dem Sieg über Japan waren wir schon nicht mehr so stolz, weil zwei Atombomben unnötigerweise auf die Zivilbevölkerung von Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden. Unter Truman kam ein politischer Rechtsruck. Truman wollte den Atomkrieg. Wir hatten die ersten einsatzfähigen Kernwaffen entwickelt. Wir hatten aber nicht sehr viele, die letzten beiden Prototypen hatten wir gerade auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen.

Wir bereiteten uns darauf vor, Atomwaffen in Serie zu bauen, und die Absicht war, damit die Sowjetunion zu bombardieren. Aber wir hatten dazu gar nicht die nötigen Mittel und zuwenig Bomben - trotzdem spielte Truman sich auf und bluffte. Das löste eine große Krise in den Vereinigten Staaten aus, eine allgemeine Wende nach rechts, die viele von uns moralisch kaputt machte. Diese Verrücktheiten zogen uns 1946-47 in eine unnötige Depression und dann in einen Krieg. Die Regierung Truman hatte gedacht, weil die USA irgendwann in der Zukunft ein Kernwaffenarsenal haben und damit die Sowjetunion angreifen würden, um eine anglo-amerikanisch geführte Weltregierung zu gründen, würden alle anderen klein beigeben. Aber die Chinesen und die Sowjetunion taten das nicht.

Eines Tages marschierte die nordkoreanische Armee in Südkorea ein, und die Amerikaner saßen fast ohne Verbündete in Pusan an der Südspitze Koreas. Und da säßen wir wohl immer noch, hätte McArthur, ein Gegner dieser Politik, damals nicht gegen die Einwände vieler seiner Gegner die Landung in Inchon gemacht.

Wenig später hatte die Sowjetunion die ersten einsatzfähigen thermonuklearen Waffen entwickelt, und damit war Trumans Plan des präventiven Atomkriegs gegen die Sowjetunion aus dem Fenster.

Nun wurde Truman abserviert. Wir holten Eisenhower, was gut war. Eisenhower war gegen dieses militärische Abenteurertum. Er war - was immer sonst seine Schwächen gewesen sein mögen - ein militärischer Traditionalist, er vertrat die amerikanische Variante der klassischen strategischen Verteidigung eines Carnot und Scharnhorst. Deshalb war er gegen die Verrückten, die auf Krieg aus waren. Er war ein Traditionalist. Unter Eisenhower hatten wir acht relativ sichere und friedliche Jahre und erholten uns von dem Wahn des Trumanismus und McCarthyismus.

Dann trat Eisenhower in den Ruhestand, und es kam Kennedy. Ein guter Mann. Er hatte großes Potential, aber er kannte die Fallstricke noch nicht. Es kam die Sache mit der Schweinebucht, was ihn sehr überraschte und verwirrte, und was eine strategische Gefahr bedeutete. Dann wurde er 1962 von der Kubakrise überrascht. Er wußte nicht wirklich, was los war. Er versuchte nach und nach die Schliche zu lernen. Dann besuchte er McArthur am Krankenbett und der erklärte ihm, was gespielt wurde. Nach diesen Gesprächen mit McArthur und anderen kam er zurück, ließ den irren McNamara ins Weiße Haus rufen und sagte ihm, wir führen keinen Krieg in Indochina, wir ziehen ab. McNamara mußte eine Pressekonferenz auf den Stufen des Weißen Hauses abhalten und bekanntgeben, daß wir diesen Krieg nicht führen würden.

Nicht lange danach war Kennedy tot. Und Johnson hatte Todesangst, und so zogen wir in diesen Krieg - und seitdem hat das nicht aufgehört. Wir stecken immer noch drin. Wir haben damit unseren Verstand verloren.

Der Wandel der Werte

Was war die Folge dieser Erfahrungen der Amerikaner meiner Generation und der Generation danach - den Leuten, die jetzt ungefähr in ihren Fünfzigern sind - , die jetzt im Land das Sagen haben? Fast alle meine Gegenkandidaten sind in dem Alter. Kucinich ist jünger. Aber die meisten sind Babyboomer, die 68er Generation. Die entscheiden in Amerika, und da liegt das Problem. Wir hatten auch vorher, bis ca. 1963-64, viele Probleme. Aber wir waren trotz allem die größte produzierende Nation auf dem Planeten. Wir waren das Vorbild für den Wiederaufbau in Europa und anderen Teilen der Welt. Wir hatten trotz vieler Mängel immer noch unsere Tradition.

Doch dann ging das durch den sog. kulturellen Wertewandel verloren. Aus einer produktiven Gesellschaft wurde eine nachindustrielle Gesellschaft.

Dies brachte uns den "Nixonismus", nachdem Nixon sich (als Präsidentschaftsanwärter) in Biloxi in Mississippi mit dem Ku-Klux-Klan traf und die Republikanische Partei mit der "Südstaatenstrategie" - eine freundliche Umschreibung für ein Bündnis mit den Klanleuten - umgebaut wurde. Als Nixons Sicherheitsberater Henry Kissinger der eigentliche Präsident war und anschließend Carters Sicherheitsberater Brzezinski der eigentliche Präsident war, folgten die logischen nächsten Schritte: Es begann der finanzielle Zusammenbruch infolge des Wechsels vom System fester Wechselkurse, das uns seit 1944 sehr gut gedient hatte, zum System der "freien Wechselkurse" ab 1971-72.

Unter diesem System diktierten die USA und Großbritannien der übrigen Welt über ihre Bankinstitutionen den Wert der Währungen. Wir trieben den Kurs der Währungen hinab. Wir suchten uns ein Land als Opfer aus und organisierten auf dem Londoner Markt einen Run auf seine Währung. Dann sagten wir dem Land: "Ihr wollt Schutz vor diesem Run? Ruft den IWF und die Weltbank, die beraten euch."

Dann sagten IWF und Weltbank dem Land: "Wertet eure Währung ab, dann lassen wir euch in Ruhe."

"Okay, fein. Wir zahlen. Wir akzeptieren das."

"Nein, so einfach ist das nicht! Wenn ihr eure Währung abwertet, wie wir es euch sagen, dann bekommen eure Gläubiger weniger Geld. Das darf nicht sein. Ihr werdet über uns neue Schulden aufnehmen, die nichts damit zu tun haben, was ihr bezahlt habt, sondern weil wir euch befehlen, euch selbst den Hals abzuschneiden."

Dann nutzten wir die Hebelwirkung dieser neuen Schulden, um die anderen Länder nach und nach in Sklaven zu verwandeln, die für uns arbeiten. Wir schlossen unsere eigenen Fabriken eine nach der anderen. Wir legten einen Großteil unserer Farmen still. Wir ließen unsere Infrastruktur verfallen. Wir zerstörten unsere Stromerzeugung und -verteilung, unsere Massenverkehrsmittel, unsere städtische Gesellschaft. Wir wurden wie die Römer und lebten auf dem Rücken der Länder und Völker, die wir uns unterworfen hatten. Wir plünderten sie aus.

Wir ließen unsere eigene Produktion immer weiter sinken. Wir wollten unsere Arbeitskräfte nicht mehr erhalten. Wir schlossen unsere Fabriken. Wir boten keine qualifizierte, produktive Beschäftigung mehr. Wir brauchten keine echte Bildung mehr, weil unser Volk nicht mehr produktiv sein, sondern nur noch "unterhalten" werden sollte.

Wer weiß heute noch, was Industrie ist? Ihre Stadt ist bankrott? Keine Arbeitsplätze mehr? Laßt ein Spielkasino bauen! Die Kasinoleute - meistens Gangster - kommen, knöpfen allen das Geld ab und ziehen weiter in die nächste Stadt. Gegenwärtig sind sie darauf spezialisiert, die Indianer auszurauben.

Die Generation, die seit etwa 1963-64 im Rahmen des kulturellen Paradigmawandels in die einflußreichen Positionen aufgestiegen ist, hat sich verändert. Und die ältere Generation paßte sich an, vor allem je älter und ängstlicher sie wurde. Sie dachte: "Man muß sich eben mit den Verhältnissen abfinden."

So veränderte sich der ganze Charakter unserer Nation. Unsere Politiker änderten sich, je mehr die jüngeren Politiker die älteren ablösten. Sie vertraten die Politik des nachindustriellen Amerika. Die Politik von "Brot und Spielen". Wir investierten nichts mehr in all die Dinge, die uns früher stark gemacht hatten.

Statt dessen investierten wir in die Börse! Wir steckten das Geld in Schwindelgeschäfte. Ein Beispiel ist die Umgebung Washingtons in Maryland oder Nordvirginia. Wir werden bald die größte Konkurswelle aller Zeit erleben, wenn demnächst die Hypothekenblase platzt. Schon eine Zinsänderung um ein Prozent auf den Weltmärkten könnte sie zum Platzen bringen. Viele Menschen hier in der Washingtoner Region leben in besseren Papphäusern mit einer hübschen Plastikfassade, auf denen Hypotheken von oft 400 000 oder 600 000 Dollar lasten! Es ist untragbar, was für einen hohen Anteil ihres Einkommens die Menschen hier für eine Wohnung bezahlen müssen.

Woher kommt die Obdachlosigkeit in Amerika? Was kostet ein Platz zum Leben? Die Immobilienspekulation entscheidet darüber, wieviel so ein Platz zum Leben in Ihrer Stadt oder Gemeinde kostet! Die meisten Menschen haben dafür heute kein ausreichendes Einkommen - vor allem, wenn sie bei so etwas wie Wal-Mart arbeiten! Kein Wunder, daß die Gemeinden verfallen.

Diese Paläste aus Pappe hier auf den ehemaligen Kuhweiden von Maryland und Virginia kosten oft eine halbe, ja eine ganze Million Dollar, was sie natürlich nicht wert sind. Es ist eine rein spekulative Blase wie die Aktienblase. Wenn nun die Zinsen steigen, kehrt sich die Hebelwirkung um, und die Bude, die vorher 600 000 Dollar wert sein sollte, wird bald für 150 000 zu haben sein. Und derjenige, der darin lebt, ist bankrott, doch man wird ihn nicht rauswerfen, weil man Angst hat, wenn das Haus unbewohnt ist, könnte es jeder, der gerade vorbeikommt, ausrauben.

In so einer Wirklichkeit leben wir!

Die Wohnungslage hier in Washington ist ganz ähnlich. Unsere Städte sind nicht so angelegt, daß hier Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen können und es sich leisten können, hier zu leben. Sehen Sie sich im Land um. In Detroit beispielsweise ist die Einwohnerzahl fast auf die Hälfte gesunken, weil es keine Industrie mehr gibt. Wir bauen keine Autos mehr. Wir montieren höchstens noch Bauteile, die aus der ganzen Welt kommen, und wissen manchmal gar nicht genau, was alles darin ist.

Früher konnte man in einen Ersatzteilladen gehen und ein bestimmtes Teil kaufen, um ein Fahrzeug zu reparieren. Wenn man es nicht selbst konnte, ging man zu einem Mechaniker, z.B. an der nächsten Tankstelle. Das geht heute nicht mehr. Der Mechaniker weiß gar nicht, was für Teile drin sind. Wenn man ein Ersatzteil braucht, muß man das ganze Bauteil kaufen.

Wir sind also keine produktive Nation mehr.

Amerikas Potential

Nun sind wir am Ende dieses Weges angekommen. Wir müssen wieder eine produktive Nation werden. Es ist unmöglich, die ausstehenden Schulden der Welt zu bezahlen. Wer versucht, die ausstehenden Schulden im Weltfinanzsystem einzutreiben, muß Massenmord begehen, weil das Geld einfach nicht da nicht. Es ist zuviel, und es geht schon zu lange so. Es ist einfach keine Kraft mehr da, genug zu produzieren.

Wir werden also alle diese Schulden streichen müssen. Wir werden die Welt einem Konkursverfahren unterziehen, ähnlich wie Franklin Roosevelt es tat, aber diesmal wird es härter sein. Roosevelt erneuerte die Wirtschaft durch ein Programm für den Infrastrukturaufbau. Unsere Probleme mit der Infrastruktur sind viel größer. 1932 hatten wir, was die Produktion angeht, verglichen mit heute ein Paradies an Wohlstand.

Der Vorteil unseres Regierungssystems liegt in unserer Geschichte und in unserer Verfassung, in die unsere Geschichte eingegangen ist. Wir haben die einzige Verfassungstradition auf der Erde, die mit einem solchen Problem fertig werden kann. Denn wir haben ein Präsidialsystem. Die Europäer dagegen haben das anglo-holländische, liberale Parlamentssystem, in dem die Bankiers das Sagen haben. Die Europäer haben einige gute Ideen, was jetzt zu tun wäre. Aber sie kennen im allgemeinen nicht die Regierungsform, die man braucht, um ein solches Problem zu lösen. Wir in den Vereinigten Staaten haben diese Regierungsform, aber nur, wenn wir uns auf unsere Tradition besinnen.

Nun sind wir bankrott. Der größte Teil der Welt haßt die Vereinigten Staaten - eine der großen Errungenschaften der Regierung Bush. Wir haben keine Freunde mehr. "Sehr gut! Endlich sind wir sie los! Keine Freunde mehr!", das hat der Präsident für den Fall des Iraks erst gestern bestätigt. "Wir haben keine Freunde mehr in Europa! Wir sagen: Haut ab! Wir allein plündern den Irak. Es gehört alles uns, wir haben es rechtmäßig gestohlen!" Der Präsident hat zwar nicht viel Hirn, aber hat er ist ziemlich bösartig. Für einen großen Teil des Unglücks ist er nicht wirklich verantwortlich - er ist geistig und auch sonst nicht immer ganz zurechnungsfähig.

Aber er ist immer noch der Präsident, und darauf müssen wir uns einstellen. Cheney ist eine andere Frage.

Das ist die Lage. Wir Amerikaner haben in der Welt einen Vorteil. Das kann ich nach meinen Reisen und nach allem, was ich über die Welt weiß, sagen: Wir haben den großen Vorteil, daß wir dank unserer Geschichte und unserer Verfassung anderen Nationen vorangehen und sie führen können, damit wir zusammenkommen, um mit dieser großen, weltweiten Finanzkrise fertigzuwerden. Wäre ich heute Präsident der USA, dann könnte es sofort geschehen.

Wäre ich - mit den Leuten, die ich in Europa und anderswo kenne - heute Präsident der Vereinigten Staaten und beriefe eine Notkonferenz der Staats- und Regierungschefs über eine Währungsreform ein, dann kämen sie alle mit dem nächsten Flugzeug. Und wir hätten innerhalb von 48 bis 72 Stunden Notmaßnahmen ausgearbeitet, um die Krise unter Kontrolle zu bringen.

Darin liegt die Macht der Vereinigten Staaten. Nicht in der Macht, andere einzuschüchtern, sondern darin, wofür wir gegründet wurden. Wir wurden dazu gegründet, eine wahre Republik auf nordamerikanischem Boden zu sein. Wie Lafayette sagte, "ein Tempel der Freiheit und ein Leuchtfeuer der Hoffnung für die ganze Menschheit". Das ist in unsere Tradition und Verfassung eingebettet. Wenn wir uns aufraffen und für die Absichten unserer Gründerväter kämpfen, und wenn wir dabei die Welt und ihre Probleme zu verstehen suchen, dann kann ein Präsident die Vereinigten Staaten aus dieser Misere herausholen, wie es Roosevelt zu seiner Zeit getan hat.

Zum Glück gibt es heute keinen Hitler. Als Roosevelt sein Amt antrat, war Hitler nicht nur schon im Amt, sondern war im Zuge des Reichstagsbrands auch schon Diktator geworden. So weit ist es heute noch nicht. Damals mußten wir in den Krieg ziehen, weil Westeuropa vom Faschismus befallen war, wie man damals sagte - heute würden wir es Synarchismus nennen. Roosevelts inländische Feinde wie die Familien Mellon, DuPont und Morgan hatten geholfen, diese Gruppe in Deutschland an die Macht zu bringen. Und der einzige Grund, warum diese Leute Roosevelt im Kampf gegen Hitler halfen - der gleiche Grund, warum Churchill Roosevelt um Hilfe gegen Hitler bat - , war der, daß sie als Englischsprachige nicht von einem deutschen Tyrannen beherrscht werden wollten. Das System gefiel ihnen, aber für den Kerl wollten sie nicht arbeiten.

Heute gibt es keinen gefährlichen Tyrannen im Ausland. Wir haben keine ernsthaften Feinde außerhalb der Vereinigten Staaten. Unser größter Feind ist zum Glück nur hier bei uns zuhause! Nur wir selbst sind der Feind! Wenn wir unser eigenes Haus in Ordnung halten, haben wir auf diesem Planeten keinen bedeutenden Feind.

In Rußland zum Beispiel haben gerade Wahlen zur Duma (Parlament) stattgefunden, und einige meiner Freunde waren dort sehr erfolgreich. Wir sprechen schon seit einiger Zeit mit Leuten in Frankreich, Deutschland, Italien, Rußland, China, Indien usw. Die Gespräche sind eindeutig. Wir verstehen uns! Wäre ich heute Präsident der Vereinigten Staaten, dann würden diese Gespräche und Beziehungen sofort ins Spiel kommen, um uns aus der Misere herauszubringen.

Wiederaufbau der Wirtschaft

Wir müssen ein neues Währungssystem schaffen - weitgehend auf der Grundlage des annehmbarsten Vorbilds, des ursprünglichen Bretton-Woods-Systems von 1944-45. Wir müssen ein riesiges Infrastrukturbauprogramm in den Vereinigten Staaten beginnen. Die amerikanische Wirtschaft wird auf ungefähr 11 Billionen Dollar jährlich geschätzt, und wir müssen in der kommenden Zeit 5-6 Billionen Dollar für den Wiederaufbau der Infrastruktur einsetzen: Stromversorgung, Wassermanagement, Wiederaufbau des Bahnnetzes, andere Massenverkehrsmittel, usw.

Erinnern wir uns daran, wie es früher in den Vereinigten Staaten war, bevor es zu dem katastrophalen Wertewandel der 60er Jahre kam.

Wir hatten noch richtige Städte. Stadtplanung bedeutete, daß man eine Stadt als Gemeinschaft betrachtete und entsprechend organisierte. Man baute die dazu nötige Infrastruktur. Man bedachte, daß Wirtschaftsbetriebe in der Stadt sein sollten, damit die Menschen von einem Arbeitsplatz zum anderen laufen konnten. Die Familie konnte zusammensein, sie aß gemeinsam Abendbrot. Man mußte nicht ewig auf einem Parkplatz namens Autobahn herumstehen und warten, bis man endlich zu Hause oder bei seinem zweiten oder dritten Arbeitsplatz ankommt. Es reichte ein Arbeitsplatz je Familie, einer verdiente den Großteil des Familieneinkommens. Ein normales Leben. Eine normale Beziehung zur Schule. Eine normale Ausbildung. Eine Nachbarschaft, in der sich die Kinder sicher fühlen, weil auch die Nachbarn sich um ihre Kinder und die der anderen Leute kümmern. Eine solche gute Stadt ist schon von Natur aus ein sicherer Ort.

Wir haben das alles kaputtgemacht. Wir wollten lieber mit Immobilien spekulieren...

Wir müssen unsere Gesellschaft als produzierende Gesellschaft wieder aufbauen. Wir müssen neue Industriezweige gründen. Wir müssen die Raumfahrtindustrie anders nutzen als heute, als einen Motor der Wissenschaft zur Entwicklung neuer Technologien - z.B. die Nanotechnik und andere wichtige Technologien, die kommen werden.

Wir müssen also, wie Roosevelt es tat, sehr viele Arbeitsplätze in öffentlichen Bauvorhaben schaffen - entweder von staatlichen Versorgungsunternehmen von Bund, Ländern oder Gemeinden oder von privaten Versorgungsunternehmen unter staatlicher Aufsicht...

Mit solchen öffentlichen Vorhaben schafft man den Markt, der private Investitionen anregt. Ein typischer Aspekt der zerstörerischen Entwicklung der letzten 40 Jahre ist das Schicksal der Industrie. Unser technischer Fortschritt kommt eigentlich nicht von der Großindustrie. Die Großindustrie folgt eher der Wall Street. Sie denkt an den Profit.

Der echte technische Fortschritt kommt von Leuten in kleineren Industriebetrieben mit vielleicht zehn, 20, 50 oder 200 Beschäftigten, von Ingenieuren, Wissenschaftlern u.ä. Sie widmen ihr Leben dieser Aufgabe. Sie bauen gerne als Inhaber oder als Arbeitnehmer Unternehmen auf, um das Erbe dieser Leistungen an ihre Nachkommen weiterzugeben. Sie sind es, die die Erfindungen machen.

In Norditalien beispielsweise gibt es eine ganze Schicht mittelständischer Industrieunternehmen, die nur sehr wenig mit großen Banken zu tun hat. Sie werden meist vor Ort finanziert. Sie arbeiten recht erfolgreich im Export. Wenn sie in ein Land gehen, wollen sie dort nicht bloß ihre Produkte auf den Markt werfen, sondern sie suchen sich dort zukünftige Partner, mit denen sie ihre Technologien nutzen, um ein gemeinsames Produkt herzustellen, das die Möglichkeiten dieser Länder mit ihren eigenen Möglichkeiten verbindet. Und sie entwerfen die Produkte so, daß sie diesen Möglichkeiten gerecht werden. Das ist echtes Unternehmertum.

Früher hatte jedes Großunternehmen, das ein gutes Produkt herstellte, eine ganze Litanei von Zulieferfirmen, die ihm moderne Technik lieferten. Davon hing die Qualität der Produkte der Großunternehmen ab, von dort kamen die Verbesserungen. In den Vereinigten Staaten haben wir das zerstört. Ähnlich ist es in Europa.

Man sieht, was in Deutschland in den letzten 12-15 Jahren geschehen ist. Im Zuge meiner Beteiligung an der Strategischen Verteidigungsinitiative hatte ich z.B. um 1987-88 in Deutschland viel mit dem Luft- und Raumfahrtsektor zu tun. Viele der Unternehmen und ihrer mittelständischen Zulieferer von damals sind inzwischen verschwunden. Das war eine bewußte Politik. Ein Unternehmen wie Daimler-Benz, früher einmal ein sehr gutes Unternehmen, schluckte andere Unternehmen und zerstörte sie, und begann dann auch sich selbst mit dieser neuen Politik zu zerstören. Der Mittelstand verschwindet in Deutschland, Frankreich Italien, Amerika.

Die wesentliche Aufgabe der Regierung ist es, durch große Infrastrukturmaßnahmen, über Kreditmechanismen und anderes den Anstoß zu geben, damit solche unabhängigen Firmen, die sich um Aufträge im Zusammenhang mit den Infrastrukturbauten bewerben, gedeihen können.

Wir müssen Amerika wieder aufbauen, wie es einmal war, als es noch ein besseres Land war, aber mit der neuen Technik von heute. Wenn wir in die Richtung gehen, können wir überleben.

Kein Grund für Krieg

In der heutigen Lage ist kein einziger Krieg auf diesem Planeten gerechtfertigt. Das heißt nicht, daß wir keine strategische Verteidigung haben sollten. Wie viele wissen, bin ich entschlossen, in Amerika die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen. [Der Kongreßabgeordnete] Charles Rangel sagt völlig richtig, wenn die Streitkräfte nicht überzeugt sind, daß sie ein Teil des Volkes sind, und wenn das Volk das Militär als Fremdkörper betrachtet, dann ist eigentlich nicht wirklich zu einer strategischen Verteidigung fähig.

Im Zweiten Weltkrieg bestand unser Vorzug gegenüber den deutschen Soldaten nicht in der Kampfkraft - die Deutschen waren viel bessere Kämpfer als unsere Leute. Wir improvisierten. Wir holten die Leute von der Straße und von den Farmen, und innerhalb von 16 Wochen oder etwas mehr machten wir daraus Soldaten und schickten sie los. Unsere Leistung, unsere Macht lag in der Logistik. Unsere Stärke liegt im Pionierwesen. Darauf stützt sich jede gute Armee.

Wir müssen einen großen Teil unserer jungen Leute, die heute für keine ernsthafte Arbeit qualifiziert sind, aus- und weiterbilden, damit sie sich verbessern können. Dazu brauchen wir Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme, die diese jungen Menschen in diese neue Welle der Produktion hineinbringen. Wir müssen für rund zehn Millionen Menschen Arbeit schaffen. Der beste Ausweg aus einer Depression ist, mehr Leute mit höherer Produktivität zu beschäftigen. Wenn man in einem Bundesstaat oder einer Stadt mehr Wohlstand pro Kopf schafft, kann man auch die Rechnungen bezahlen. Wenn man aber die Produktion senkt, die Löhne kürzt und viele Leute ohne Arbeit läßt, wird man feststellen, daß die Menschen so wenig verdienen, daß das Bundesland und die Stadt die Rechnungen nicht mehr zahlen können.

Wir stehen in der ganzen Welt vor sehr interessanten Herausforderungen. Betrachten wir Eurasien, von Westeuropa, besonders Frankreich, Deutschland, Italien usw. über Rußland in der Mitte bis zu Südasien, Südostasien und Ostasien. Süd-, Südost- und Ostasien sind die bevölkerungsreichsten Regionen der Erde. In der Mitte liegen die Weiten Zentral- und Nordasiens, die sehr dünn besiedelt sind, aber äußerst wichtige Bodenschätze bergen. Ost-, Südost- und Südasien mit ihre wachsenden Bevölkerung brauchen diese Rohstoffe.

China fördert jetzt systematisch die Infrastrukturentwicklung des Binnenlandes. China hat heute von allen Ländern die ehrgeizigsten langfristigen Infrastrukturpläne, angefangen mit dem Drei-Schluchten-Damm. Es baut ein landesweites Eisenbahnnetz, im wesentlichen nach den fast hundert Jahre alten Plänen Sun Yat-sens. Es hat viele solche Großprojekte.

Wir brauchen solche großen Infrastrukturbauten in Zusammenarbeit mit Nordasien, Ostasien, Südostasien, Indien und anderen Regionen. Vom Atlantik quer über den eurasischen Kontinent bis zum Pazifik kann Westeuropa China, Rußland und anderen Regionen Technologie liefern. Ein wiedererstarktes Rußland kann sein Wissen mit Mittel- und Nordasien teilen und die nach dem Untergang der Sowjetunion brachliegende Technik wieder einsetzen - in Zusammenarbeit mit Westeuropa und Asien.

Es gibt ein großes Potential für Wachstum auf dem ganzen eurasischen Kontinent. Wir sollten ein Partner dabei sein.

Wir müssen uns auch um die Regionen südlich von uns kümmern: Mexiko sowie Mittel- und Südamerika. Wir haben diesen Teil der Welt in den vergangenen 20-25 Jahren in den Ruin getrieben. Wir ruinierten unsere Nachbarn durch unsere "Politik der schlechten Nachbarschaft". Wir haben Mexiko ausgesaugt und ausgeplündert, und jetzt beklagen wir uns darüber, daß billige Arbeitskräfte aus Mexiko in unser Land kommen und die Drecksarbeit für uns machen. Wir müssen das ändern. Wir brauchen wieder die Politik gegenüber dem amerikanischen Kontinent, die John Quincy Adams in seiner Rede für Präsident Monroe über die "Monroe-Doktrin" beschrieben hat. Wir müssen die Sicherheit und Entwicklung unabhängiger Republiken auf dem amerikanischen Kontinent als Partner fördern.

Wir müssen dem Völkermord an den Afrikanern entschlossen ein Ende setzen. Sie können es nicht selbst tun, weil sie bis auf die Knochen ausgeplündert wurden. Da sind Kinder von 10 oder 12 Jahren, die automatische Waffen tragen und als Söldner Krieg führen. Es ist ein Alptraum. Die Idee, daß diese Länder selbst ihre Schulden bezahlen und ihre Wirtschaft aufbauen können, ist lächerlich. Wir, Amerika und Eurasien, müssen das tun. Wir müssen Entwicklungskapital für großangelegte Infrastrukturvorhaben zur Verfügung stellen, damit diese Länder wieder vorankommen - so wie Franklin D. Roosevelt es 1942 in Casablanca vorschlug. Wir können und müssen das tun. Wir müssen ihnen Starthilfe geben und die Hintermänner des Völkermordes unschädlich machen.

Wer bräuchte unter solchen Bedingungen einen Krieg? Niemand. Wir wollen nicht erobern - nur den Weltraum. Wir brauchen nur einen Krieg gegen unsere eigenen Schwächen. Trotzdem müssen wir in der Lage sein, uns zu verteidigen. Ganz so weit ist die Welt leider noch nicht.

Wir brauchen eine Politik zur Kriegsvermeidung. Unsere Waffen dafür sind Fortschritt, wirtschaftliche Gerechtigkeit und Hoffnung als Mittel der Diplomatie, um eine Zusammenarbeit selbst in den schlimmsten Regionen zu ermöglichen.

So ist das z.B. mit Nordkorea. Eine Lösung ist hier gar nicht so schwierig, wenn wir vernünftig sind. Ein vernünftige amerikanische Regierung könnte zusammen mit anderen asiatischen Ländern an einer Lösung arbeiten. Das ist kein großes Problem. Es gibt keinen Grund, hier Krieg zu führen.

Ein anderes Beispiel ist Israel. Es gibt keinen Grund, nicht sofort einen israelisch-palästinensischen Frieden zu schließen. Für manche Leute ist Israel eine Art nukleare Handgranate, die sie auf die Nachbarländer abwerfen wollen. Aber was bleibt von einer Handgranate, die geworfen wurde, hinterher übrig? Selbst die Rechten in Israel wissen, daß die Pläne der jetzigen Regierung Israels Untergang bedeuten. Rabin hatte das verstanden und öffentlich erklärt, bevor er ermordet wurde.

Mit einer vernünftigen amerikanischen Politik in Zusammenarbeit mit den Nationen der Region und mit Europa und Asien könnte ein Frieden im Nahen Osten zustandekommen.

Ich kenne keinen Krisenherd auf der Welt, wo das nicht amerikanische Regierungspolitik sein sollte. Aber leider sind wir in den USA heute in einer ähnlichen Lage wie Deutschland in den 30er Jahren. Diesmal gibt es ein paar Hitlers bei uns.

Woher kommt das?

Die Vereinigten Staaten sind nur noch ein großer Spekulant und Parasit. Aber das Weltfinanz- und Währungssystem ist bankrott. Nun stellt sich die Frage - wie wenn ein Unternehmen pleite macht - : Wer bezahlt? Heute wie damals sagen einige Leute: "Die Bevölkerung soll zahlen. Entweder wir rauben ein anderes Land aus, das die offenen Rechnungen bezahlt, oder wir rauben unsere eigene Bevölkerung aus."

Der entscheidende Konflikt ist also der zwischen dem Interesse der Nation und dem Interesse der Finanzwelt. Hinter Hitler standen nicht bloß irgendwelche Spinner in braunen Uniformen. Entscheidend war, daß hinter Hitler die Bankiers standen: der Chef der Bank von England Montagu Norman, die Bankhäuser du Pont, Mellon und Morgan aus den USA, das Bankhaus Schröder in Deutschland u.a. Diese Privatbankiers haben Hitler aufgebaut, weil es eine schwere Finanzkrise gab und weil in einer Finanzkrise immer die Banken dran glauben und zahlen müssen, solange eine Regierung da ist, die dem Volk verpflichtet ist. So sagten die Bankiers: "Diese Regierung muß weg und das Volk muß dran glauben."

Daher kommt das Phänomen Cheney. Cheney ist ein Putschist. Geistig hat er nicht viel auf dem Kasten, aber er ist Putschspezialist. Und die Leute um ihn herum sind eine faschistische Meute. Richard Perle etwa war früher der Laufbursche für den "Senator von Boeing". Diese Leute sind entschlossen, in den USA eine Art Faschismus zu errichten. Mit dem 11. September wäre es ihnen beinahe gelungen. Aber es ging nicht ganz auf.

[LaRouche spricht im folgenden über die Geschichte und heutige Lage des amerikanischen Gesundheitswesens, wobei er sich insbesondere auf die Situation in Washington mit der Schließung des D.C. General Hospital auseinandersetzt. Diesen sehr spezifisch auf amerikanische Verhältnisse bezogenen Teil lassen wir aus, die Redaktion.]

Weltpolitik im Wahlkampf

Wir stehen heute vor dem größten Finanzkrach der bekannten Geschichte; er wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Leider ist keiner meiner Gegenkandidaten gewillt, das Thema überhaupt zur Sprache zu bringen. Sie haben es bei keiner ihrer sogenannten öffentlichen Diskussionen erörtert. Es waren eigentlich überhaupt keine Diskussionen, eher Clownauftritte.

Wir müssen etwas gegen diese Krise tun. Es gibt einen Präzedenzfall. (Die einzige Andeutung darauf neben dem, was ich darüber gesagt habe, machte Senator Kerry bei einer Diskussion in New Hampshire, als er sich beiläufig auf den Mount Washington und das Bretton Woods-Hotel bezog, in dem damals die berühmte Bretton-Woods-Konferenz stattfand.) Wir befinden uns heute an einem Punkt, an dem wir über eine Weltwährungsreform ähnlich wie in Bretton Woods nachdenken müssen. Jeder Mann und jede Frau, der oder die sich um das Amt des Präsidenten bewirbt, muß sich mit dem auseinandersetzen, was für die Sicherheit und Zukunft unserer Nation am wichtigsten ist, statt sich mit kleinen regionalen oder lokalen Streitfragen abzugeben.

Aber niemand will sich den wirklichen Problemen stellen.

Nehmen wir den Krieg. Jeder weiß heute, daß Cheney und seine Mannschaft die Wahrheit verdreht haben, um diesen Krieg durchzusetzen. Dieser Krieg gegen den Irak begann nicht am 11. September 2001. Er begann eigentlich 1991, als Cheney eine Politik nuklearer Präventivkriege forderte. Jeder weiß das. Wir alle wissen, wie sie gelogen haben, um uns in diesen Krieg hineinzuziehen, für den es keinen Grund gab [...] Und heute stecken wir mitten in dem Schlamassel, vor dem das Militär und andere gewarnt haben.

Der Hintergrund ist der: Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gibt es nicht nur den Atomkrieg mit allem, was damit verbunden ist, sondern auch die sogenannte asymmetrische Kriegführung. Wie reagiert ein Land, das von einem anderen Land besetzt wird, das Kernwaffen hat - wie es im Koreakrieg, im Vietnamkrieg oder jetzt im Irak war? Wenn das Land fähige militärische Planer hat, geht es folgendermaßen vor: Es stellt sich der Invasion nicht entgegen. "Laßt sie kommen." Denn nun steht es den Angreifern unmittelbar gegenüber. Sie sind auf der nächsten Straße, nur ein paar Meter entfernt. Auf die Entfernung sind ihre "Superwaffen" sinnlos. Oder würden Sie eine Atombombe auf jemanden werfen, der direkt neben Ihnen steht?

So war es in Indochina. Die USA gingen dorthin, obwohl MacArthur davor warnte. Aber der Angriff auf Nordvietnam scheiterte, weil die Sowjetunion Nordvietnam beraten hatte, wie es den Krieg führen solle. Und obwohl auch die Sowjets Superwaffen hatten, lautete dieser Rat: asymmetrischer Krieg.

Einige sagen, diese Strategie stamme aus China. In gewissem Sinn trifft das zu, aber die Sowjets haben das betreffende Buch von Sun Tsu übersetzt. Und die sowjetische Militärpolitik gründete sich aufgrund der Erfahrungen aus russischer und sowjetischer Zeit im Ersten und Zweiten Weltkrieg auf asymmetrische Kriegführung.

Um einen solchen asymmetrischen Krieg handelt es sich heute im Irak... Die Truppen werden zur Zielscheibe. Man sitzt da. Man ist nirgends sicher. Man hat keine Rückendeckung. Der Feind ist überall. Hinter dir, vor dir, über dir. Er kann überall auf dich schießen.

Nehmen wir nun einmal an, die USA bereiten einen nuklearen Präventivkrieg vor, d.h. einen Krieg mit der Begründung, jemand könne vielleicht in der Zukunft ein Feind werden und deshalb müsse man ihn schon jetzt vernichten. Was wird die Antwort sein? Dann kommt nicht nur asymmetrische Kriegführung an sich ins Spiel, sondern asymmetrischer Krieg mit modernsten Waffen, einschließlich Kernwaffen. Der ins Visier genommene Gegner wehrt sich mit Kernwaffen oder mit kleinen tieftauchenden Unterseebooten - statt der herkömmlichen Riesen-U-Boote, die leicht angreifbar sind. Die Raketen können versagen, wenn z.B. jemand während des Starts das satellitengestützte Navigationssystem (GPS) ausschaltet.

Das ist die große Gefahr, in der wir uns befinden: sinnloser Krieg, der einzig und allein den Interessen dieser Verrückten dient. Und niemand in verantwortlicher Position - auch nicht meine demokratischen Mitbewerber - ist bereit, die Dinge beim Namen zu nennen und zu erklären: "Das machen wir nicht mit!" Einer muß jetzt mit aller Deutlichkeit erklären: "Schluß jetzt. Wir ziehen ab."

Meine Aufgabe

Hier liegt meine Aufgabe. Mein Alter ist dabei kein großes Hindernis. Ich kann immer noch viel mehr leisten als meine Mitbewerber. Mein Geist arbeitet wenigstens noch!

Meine Berufung ist das, was ein amerikanischer Präsidenten in dieser Notlage tun muß. Dazu bin ich besonders befähigt, weil ich die nötige Erfahrung mitbringe - ich habe schon manche Feuerprobe überstanden. Ich bin bereit, anzupacken, was andere nicht wagen. Ich bin bereit, Risiken einzugehen, die andere nicht eingehen.

Senator Kerry z.B. verhält sich wie Hamlet. Er war sicherlich ein mutiger Soldat und würde auch als Senator oder in einer ähnlichen Position mutig handeln. Aber bei einer so großen Herausforderung, wenn man der Ewigkeit ins Auge blicken muß, verliert er die Nerven wie Hamlet, das hat man schon gesehen.

Wenn man älter ist, macht man sich darüber keine Gedanken. Deshalb brauchen wir solche Leute. Man muß sich entschlossen seiner Aufgabe widmen. Es wird unwichtig, ob man dabei stirbt oder nicht. Und wer - wie beispielsweise Jeanne d'Arc - bei der Erfüllung seiner Aufgabe stirbt, kann mit seinem Leben zufrieden sein. Ein solcher Mensch ist praktisch unsterblich.

Unserer heutigen Politiker sind nicht in der Lage, die Verantwortung für so schwere Aufgaben zu übernehmen. Wir brauchen im Weißen Haus eine politische Führung, die sich dazu berufen fühlt und entschlossen sagt: Was ist das Problem? Was ist die Lösung? Wie bewegen wir unsere Nation und andere Nationen, diese Lösungen durchzusetzen?

Dabei folgen wir dem Erbe des hl. Paulus, einem der Grundgedanken der europäischen, westlichen Zivilisation: agape, die Menschen- und Nächstenliebe, die Platon und mehr noch der erste Korintherbrief (Vers 13) ausdrückt. Wichtig sind nicht die Gesetze, die Regeln, nicht einzelne Errungenschaften. Wichtig ist die Antwort auf die Frage, ob man in seinem Leben die Liebe zur Menschheit ausdrückt, die unserem Leben einen tiefen Sinn gibt.

Das fehlt den anderen Kandidaten. Einige von ihnen können Nützliches beitragen, aber Präsident sollten sie nicht werden. Und weil sonst kein anderer mehr da ist, habe ich mich entschlossen, darum zu kämpfen, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum