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Neue Solidarität
Nr. 18, 5. Mai 2010

LaRouches Vier Mächte oder Goldmans BRIC?

Rußland. Der Auftritt des russischen Präsidentenberaters Arkadij Dworkowitsch an der Stanford-Universität in Kalifornien zeigt die zentrale Rolle von Lyndon LaRouche im Kampf um die politischen Entscheidungen in Rußland und den USA.

Mitte April besuchte der Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten, Arkadij Dworkowitsch, die Stanford-Universität. Äußerer Anlaß war ein Vortrag Dworkowitschs vor dem USA-Rußland-Forum der Universität, aber der eigentliche Zweck des Besuchs war offenbar der Versuch, dem Einfluß der Ideen von Lyndon LaRouche unmittelbar entgegenzuwirken.

Die Standford-Universität betreibt nicht nur das besagte USA-Rußland-Forum, sie ist auch die Heimat der sog. Stanford-Gruppe, einer Gruppe von Ökonomen, die sich seit dem Amtsantritt der Regierung Obama zunächst gebildet hatte, um die Regierung in Wirtschaftsfragen zu beraten, ihre Arbeit inzwischen aber auch ohne Auftrag der Regierung fortführt. Diese Gruppe setzt sich intensiv mit den Ideen von Lyndon LaRouche auseinander, und Mitglieder dieses Kreises hatten u.a. LaRouches Idee eines „Vier-Mächte-Bündnisses“ - nämlich der USA, Rußlands, Chinas und Indiens - zur Neuordnung des Weltfinanzsystems und zur Zusammenarbeit in der wirtschaftlichen Entwicklung insbesondere durch Infrastrukturgroßprojekte aufgegriffen. Auch in Rußland werden LaRouches Konzepte intensiv diskutiert (siehe LaRouches Internetforen 2009 und 2010).

Nun wurde Dworkowitsch offenbar nach Stanford entsandt, um dem Einfluß von LaRouches Ideen direkt entgegenzuwirken und entsprechende Initiativen aus der Stanford-Gruppe abzuwürgen - nicht notwendigerweise im Auftrag des russischen Präsidenten, aber ganz im Sinne der internationalen Finanzinteressen, die um jeden Preis eine solche Neuordnung des Weltfinanzsystems, wie es LaRouche vertritt, verhindern wollen.

BRIC statt „Vier Mächte“

Diese Kreise warben in den letzten Jahren für das das sog. BRIC-Konzept. Es sieht wie LaRouches Vorschlag ein Vier-Mächte-Bündnis vor, in dem jedoch Brasilien an die Stelle der Vereinigten Staaten tritt, und dieses Bündnis richtet sich nicht gegen das von London dominierte Finanzempire, sondern gerade gegen den Versuch, dieses Finanzempire zu entmachten. Das ist kein Wunder, denn das BRIC-Konzept stammt von niemand anderem als von der Investmentbank Goldman Sachs (siehe Neue Solidarität 17/2010).

Offiziell steht das Akronym BRIC für „Brasilien-Rußland-Indien-China“, aber in Wirklichkeit steht das „B“ in BRIC, wie Lyndon LaRouche hervorhob, für „Britannien“. Denn das brasilianische Bankensystem ist weitgehend beherrscht von der spanischen Banco Santander, einer „Schwester“ der königlich-britischen Royal Bank of Scotland; beide Banken sind Teil der von Lord Rothschild gegründeten Inter-Alpha-Gruppe. Die Aufgabe Brasiliens in der BRIC-Gruppe ist es, Rußland, China und Indien von energischen Maßnahmen zur völligen Umgestaltung des Weltfinanzsystems abzuhalten und sie statt dessen für kosmetische „Reformen“ in einem völlig bankrotten System zu gewinnen.

Dabei dienen die enormen Scheingewinne durch die riesigen Carry-Trade-Geschäfte, die über Brasilien abgewickelt werden, als Lockvogel, um die Phantasien insbesondere russischer Regierungsvertreter zu verstärken, wonach riesige Mengen ausländischen Kapitals nur darauf warten, in Rußland (insbesondere am russischen Aktienmarkt) investiert zu werden. Damit sollen sie dazu verleitet werden, dem brasilianischen Vorbild zu folgen.

Tatsächlich droht Brasilien (wie jedem anderen Land, das seinem Vorbild folgt) das finanzielle Schicksal Islands - nur in erheblich größerem Maßstab. Und mit dem damit implizit verbundenen Verzicht auf eine Ablösung des jetzigen bankrotten Finanzsystems droht dem gesamten Planeten, wie Lyndon LaRouche immer wieder betont, ein Zusammenbruch der realen Produktion und somit ein globales finsteres Zeitalter.

Virtuelle Realität statt Realwirtschaft

Die Funktionäre der Finanzoligarchie - wie Jim O’Neill von der Investmentbank Goldman Sachs, der als Erfinder des BRIC-Konzepts auftritt - lieben es, sich selbst als Visionäre einer Ära zu präsentieren, die von den sog. „aufstrebenden Märkten“ beherrscht ist. Man beachte: Sie reden nicht von „aufstrebenden Ländern“, sondern ausdrücklich von Märkten. Es ist ein alter venezianischer Trick, den Leuten zu suggerieren, daß sie etwas „mutiges“ und „neues“ tun, wenn sie in Wirklichkeit etwas tun, was ihrem ureigenen Interesse diametral widerspricht.

So auch in diesem Fall. Während LaRouches Vorschlag für ein Vier-Mächte-Bündnis der Vereinigten Staaten, Rußlands, Chinas und Indiens auf den realen Stärken der betreffenden Länder aufbaut, beruht die Rolle Brasiliens im BRIC-Konzept auf finanziellen Illusionen, die mit Hilfe von Carry-Trade-Geschäften erzeugt werden. Goldman Sachs schrieb im Dezember 2006 in seiner Studie „Das ,B’ in BRICs: Brasiliens Wachstumspotentiale erschließen“: „[Brasilien] wird ein wichtiger Zielort für fixe Einkommens- und Anlageströme sein, angesichts des großen Carry Trade, der den Finanzanlagen innewohnenden Wachstumsoption und der Sicherheit stabiler Makropolitik und solider Grundlagen für Auslandskredite.“

Auch Dworkowitsch, ein Absolvent der amerikanischen Duke University, gehört zu diesen „Visionären“. Für ihn ist es die oberste Priorität, ausländisches Risikokapital und Beteiligungsfonds nach Rußland zu holen, um Firmenneugründungen im IT-Bereich und verwandten Sektoren zu finanzieren. Wie die Zeitung The Stanford Daily berichtete, sagte Dworkowitsch in seinem Vortrag an der Stanford-Universität: „Die Krise kam zum richtigen Zeitpunkt. Der Abstand zwischen Rußland und der übrigen Welt wird wachsen, wenn wir jetzt keinen Erfolg haben.“ Rußland müsse die „Korruption bekämpfen“ und sich weiter „öffnen“: „Wir werden keine abgeschlossene Gesellschaft schaffen. Meine Hoffnung ist, daß jeder Russe ins Ausland gehen kann, wenn er ins Ausland gehen will.“

Dworkowitsch ist ein enger Verbündeter von Anatoli Tschubais, der seit mehr als zwei Jahrzehnten darauf hinarbeitet, Rußland in eine „nachindustrielle“ Wirtschaft auf der Grundlage von Informations- und Nanotechnik zu verwandeln (vgl. das Dossier in der Neuen Solidarität 13/2010). Er steht damit gegen die Politik für Infrastrukturaufbau und Grundlagenforschung, die vernünftige russische Regierungsmitglieder und Wissenschaftler ebenso wie LaRouche fordern. Tschubais hat für den 25.-27. Mai eine Gruppe von 20 Direktoren großer Risikokapitalfonds sowie Vertreter des State Department aus den USA nach Rußland eingeladen. Diese „Delegierten sollen Gelegenheit erhalten, mehr über Rußland und sein wachsendes Investitionspotential im Hochtechnologie- und Nanotechnikbereich zu erfahren“, heißt es dazu in einer Presseerklärung des staatlichen Nanotechnikkonzerns Rosnano, den Tschubais leitet.

LaRouches Replik

Lyndon LaRouche reagierte am 24. April mit einer Internet-Sondersendung (siehe www.larouchepac.com) auf Dworkowitschs Intervention, aus welcher „der völlige Bankrott der gegenwärtigen russischen Wirtschaftspolitik hervorging“. Diese Politik sei so inkompetent, daß sie Rußlands Wirtschaft ruinieren werde, wenn man sie weiterhin zulasse, so LaRouche.

Dworkowitschs Stanford-Besuch, so LaRouche, stehe für eine Politik, die nicht nur für Rußland, sondern international gefährlich sei, weil damit LaRouches Lösung für weltweiten Infrastrukturaufbau sabotiert werde. Dworkowitschs Fraktion betreibe eine Politik im Interesse der „bösartigen Zentren in der Karibik, auf den Antillen, wo russische Konzerne, die nichts produzieren, ihren Sitz haben“.

Bestimmte Kräfte in Rußland seien „eine Fortsetzung des britischen Einflusses, der Rußland ruiniert“. Dieser Einfluß lasse sich bis zu den sowjetischen Staatschefs Gorbatschow, Andropow und Chruschtschow zurückverfolgen, die anders als zuvor Stalin alle eine Schwäche für die Briten gehabt hatten. Diese Fraktion verkörpere „einen pro-britischen kulturellen Verfall, der sehr anschaulich an dem Streit zwischen Oparin und Wernadskij in der Frage des Lebens zum Ausdruck kommt“. Die Leute um Tschubais und Dworkowitsch spiegelten die Demoralisierung der russischen Intellektuellen nach dem Ende der Sowjetunion wider.

LaRouche sagte weiter, Dworkowitschs Stanford-Besuch „war ein Versuch, die Arbeit, auf die wir uns mit der Stanford-Gruppe bezogen haben, zunichte zu machen... Dieser Herr, der wichtigste Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Medwedjew, fuhr nach Kalifornien in dem offensichtlichen, unverhüllten Versuch, unsere wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten zu ruinieren.“

Es gebe Hinweise darauf, daß Rußlands Ministerpräsident Wladimir Putin über die politische Ausrichtung von Medwedjews Beratern nicht glücklich sei, doch Putin sei nicht in einer Position, den Apparat, der seit den Zeiten Andropows und Gorbatschows die russische Währungs- und Wirtschaftspolitik steuere, aus dem Sattel zu heben.

LaRouche betonte erneut, Rußlands eigentliches Interesse liege darin, die Tundra Sibiriens wirtschaftlich zu erschließen, um eine der weltgrößten Konzentrationen wertvoller Rohstoffe zum Nutzen Rußlands und der Welt einzusetzen. Kulturell seien allein die Vertreter der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau in der Lage, diese Aufgabe zu bewältigen.

alh/sas

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Rußland: Was kommt als nächstes?
- Neue Solidarität 13/2010
„Londons Leute“ vergiften die russische Politik - damals und heute
- Neue Solidarität 13/2010
„Die ,Iden des März’ sind gekommen - für Obama und die Inter-Alpha-Gruppe!“
- Neue Solidarität 12/2010
Was Lyndon LaRouche wirklich sagt
- Internetseite der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (
BüSo)
Ältere Schriften von Lyndon H. LaRouche aus den Jahren 1981-2006
- Internetseite des Schiller-Instituts
Internetseite des LaRouche-Aktionskomitees
- in englischer Sprache