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Neue Solidarität
Nr. 22, 1. Juni 2011

Katastrophen lösen Agrarkrise aus

USA. Nach den Super-Tornados und riesigen Überschwemmungen im Süden der USA macht Obama „business as usual“. Es gibt lediglich exemplarische Katastrophenhilfe und oberflächliche Anteilnahme, obwohl ein großangelegter Notfalleinsatz erforderlich wäre.

Der tödliche Super-Tornado vom 22. Mai, der die Stadt Joplin im US-Staat Missouri dem Erdboden gleich machte, ist das jüngste, dramatische Beispiel der Welle von Naturkatastrophen und extremem Wetter, die auf der Erde durch solare und galaktische Aktivitäten ausgelöst wird. Bei dem Megasturm in Joplin starben mindestens 116 Menschen, doch der Staat Missouri gehört zu einer viel größeren Sturm- und Überschwemmungszone im Landesinnern der USA, wo landwirtschaftlich genutzte Flächen, Agrartransportwege und Nahrungsmittelverarbeitung konzentriert sind.

Zwei Dinge fallen dabei besonders auf. Erstens wurde bewiesen, daß die vorhandenen Einrichtungen für Hochwasserschutz und andere Katastrophenhilfe bei schwerem Wetter tatsächlich entscheidenden Schutz bieten. Zum Beispiel ist das „Projekt für den Mississippi und seine Nebenflüsse“ (MR&T) des Ingenieurskorps der US-Armee zur Hochwasserminderung in vollem Einsatz und funktioniert.

Die Lehre daraus ist, daß man umgehend damit beginnen muß, solchen realen Katastrophenschutz auszubauen und die Konzeption dahinter zu erweitern. Die Politik muß die realwirtschaftliche Entwicklung ankurbeln und landesweit eine Plattform von Produktivität und Schutzmaßnahmen schaffen. Das erfordert die Wiedereinführung eines Kreditsystems durch die Rückkehr zum Glass-Steagall-Standard; Monetarismus, Bankenrettungen und Spekulation müssen aufhören. Das sind Fragen von Leben oder Tod.

Zweitens begreift Präsident Obama nicht wirklich, was geschieht. Seine Regierung zieht die übliche Show von exemplarischer Katastrophenhilfe und oberflächlicher Anteilnahme ab, aber von dem eigentlich notwendigen, großangelegten Notfalleinsatz ist nichts zu sehen.

Obama jettete am 16. Mai nur zu einem symbolischen Besuch ins Überschwemmungsgebiet nach Memphis, um dann möglichst schnell wieder zurück in Washington zu sein, wo er eine Party für das Siegerteam des nationalen Universitätscups im Basketball gab. Kaum eine halbe Stunde verbrachte er bei den Überschwemmungsopfern, Helfern und Behördenvertretern in Memphis. Obamas Botschaft an die Katastrophenopfer lautete anschließend in einer Rede kurz und knapp: Ihr seid auf euch selbst gestellt. Er lobte „die Städte und Gemeinden von Memphis und im ganzen Süden, die sich zusammengeschlossen haben, um mit den Überschwemmungen fertig zu werden und einander in der Zeit nach den schrecklichen Tornados zu helfen“.

Schutzeinrichtungen des Armeekorps funktionieren

Was die Bürger wirklich schützt, sind Wissenschaft, Schutzbauten und andere Maßnahmen, um die Natur zu verstehen und zu beherrschen. MR&T ist dafür ein gutes Beispiel. Am 14. Mai wurden zum ersten Mal überhaupt alle drei großen Hochwasserentlastungskanäle von MR&T gleichzeitig geöffnet und funktionierten wie vorgesehen. Zwar sind die Schäden immer noch verheerend, doch in keiner Weise vergleichbar mit dem, was ohne diese Entlastungskanäle und andere Einrichtungen - wie Dämme, Pumpen, Ausbaggerungen, Staubecken an Nebenflüssen etc. - gewesen wäre.

„Die bisherige Leistungsfähigkeit des MR&T-Systems während des Hochwassers bestätigt, daß unser Land eine sehr kluge Investition gemacht hat, um eine weitere katastrophale Überschwemmung wie das große Desaster von 1927 zu verhindern“, erklärte der Präsident der Mississippi-Abteilung von MR&T, Generalmajor Michael Walsh, in einem Brief am 15. Mai. Er bedauerte die Härten für die Menschen, die die Überlaufgebiete räumen mußten, unterstrich jedoch, daß ein Verzicht auf die Ableitungssysteme von MR&T viel schlimmere Folgen gehabt hätte.

MR&T war mit dem Hochwasserschutzgesetz von 1928 bewilligt, in den 50er Jahren ausgebaut und trotz Unterfinanzierung bis heute in Stand gehalten worden. Die meisten anderen Gebiete in den USA, einschließlich des Einzugsgebiets des Oberen Mississippi, haben keine voll ausgebauten Schutzsysteme gegen Katastrophen - gegen Erdbeben genausowenig wie gegen Überschwemmungen. Diese Aufgabe muß möglichst rasch in Angriff genommen werden. Außerdem müßte ein massiv vergrößertes Armee-Ingenieurkorps maßgeblich am Bau der Nordamerikanischen Wasser- und Stromallianz (NAWAPA) mitwirken, deren Nutzen dem gesamten Kontinent zukäme.

Landwirtschaft mit großen Schäden

Das Fehlen solcher Schutzsysteme zeigt sich an den großen landwirtschaftlichen Schäden im Sturm- und Überschwemmungskorridor von Mississippi und Ohio. Gleichzeitig erleiden größere Teile von Texas, Oklahoma und Kansas durch Trockenheit Verluste bei Feldfrüchten und Viehbeständen, und dazu kommen noch Probleme wegen feuchtkühler Witterung in den nördlichen Teilen der USA sowie die Tornadoschäden im Süden. Insgesamt sind die Folgen für Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung gefährlich.

Die am meisten betroffene Feldfrucht ist der Reis. 80% der jährlichen US-Reisernte entfallen auf die vier Bundesstaaten des unteren Mississippi-Beckens: Arkansas (45%), Louisiana (13%), Mississippi (16%) und Missouri (6%), die jetzt durch Stürme und Überschwemmungen verwüstet sind. Millionen Hektar bereits bepflanzten Reislandes sind ruiniert, ähnlich bei Mais, Soja, Baumwolle, Winterweizen und anderen Feldfrüchten.

Die Verluste bei der Reisernte in den USA schlagen automatisch auf die weltweite Versorgung durch, da die USA im Rahmen des von Kartellen gelenkten Handels zum drittgrößten Reisexporteur der Welt geworden sind.

Schätzungen für die betroffenen Anbaustaaten, die Mitte Mai vom Bauernverband American Farm Bureau Federation herausgegeben wurden, beziffern die von Überschwemmungen betroffenen Anbauflächen (für alle Arten von Feldfrüchten) auf jeweils etwa eine halbe Million Hektar in Arkansas, Mississippi und Tennessee. In Louisiana werden sich die Schäden noch erhöhen.

In Missouri schätzte die Farm Service Agency vor den jüngsten Tornados die stark geschädigte Anbaufläche auf ungefähr 230.000 Hektar. In den Gebieten um Joplin kommen jetzt noch einmal Tausende Hektar hinzu.

Wenn man die Fläche an überschwemmten Feldern in diesen und nördlicher gelegenen Staaten zusammenzählt, kommt man auf mehr als 2% der gesamten Anbaufläche der USA (über 140 Mio. Hektar). Die Reisanbauflächen sind dabei am stärksten betroffen. Die landwirtschaftlichen Verluste, die sich in diesen Bundesstaaten am Unterlauf des Mississippi konzentrieren, wirken verheerend.

In Arkansas werden wahrscheinlich 22% des Winterweizens auf einer Fläche von nahezu 50.000 Hektar verloren gehen, da der Boden für die Ernte zu naß ist. Das mögen nur 0,2% der Weizenanbaufläche der USA sein, doch die produktive Existenz der gesamten Region steht auf dem Spiel. Nur Arkansas war bisher in der Lage, eine vorläufige Schätzung der Schäden zusammenzustellen. Nach Angaben des Farm Bureau des Bundesstaates wird es einen Verlust der Reisernte auf über 120.000 Hektar Anbaufläche geben. Reisanbau war für 2011 auf über 500 000 Hektar geplant gewesen.

Greg Gibson vom Farm Bureau von Mississippi erklärte dazu: „Es ist sehr gut möglich, daß viele Farmer in diesem Jahr nicht die Zeit für eine zweite Aussaat haben werden, weil viele Felder bis Mitte oder Ende Juni naß sein dürften. Ungefähr 95% des Mais, der Sojabohnen und der Baumwolle waren im unteren Delta bei Vicksburg bereits ausgebracht gewesen.“

Viele Farmer hatten ihre erwartete Ernte bereits im voraus verkauft - eine durch die Globalisierung erzwungene Praxis -, und versuchen jetzt verzweifelt, zum zweiten Mal zu pflanzen, weil sie keine finanziellen Mittel haben, anderswo Getreide zu kaufen, um ihre Verträge zu erfüllen. Sie stehen vor dem völligen Ruin.

Das Landwirtschaftsministerium, die Notstandsbehörde FEMA u.a. gewähren die übliche, begrenzte Katastrophenhilfe: kleine Zuschüsse für die unmittelbare Notfallverwendung (Nahrung, vorübergehende Unterbringung), bis zu 75% Zuschüsse für genehmigte Instandsetzung sowie Rechtsbeistand gegenüber der Versicherung - wenn der Betroffene denn eine hat. Im übrigen heißt es: Helft euch selbst, viel Glück dabei!

Statt dessen müßte man die Methode für einen umfassenden Wiederaufbau anwenden, die sich unter Präsident Franklin Roosevelt bewährt hat. Das bedeutet: Säuberung der Felder, Anpflanzung schnell wachsender Feldfrüchte, wo dies möglich ist, Anbau an anderen Orten zur Kompensation und ansonsten die völlige Wiederherstellung der Anbauflächen für die nächste Saison. Eine solche am Gemeinwohl orientierte Politik erfordert Mittel zur Unterstützung der bäuerlichen Betriebe und ländlichen Gemeinden, Preiskontrollen und ein Verbot der Spekulation mit Nahrungsmitteln.

Marcia Merry Baker