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Neue Solidarität
Nr. 35, 31. August 2011

Spekulanten produzieren Hyperinflation

Bisher geheimgehaltene Daten der amerikanischen Commodities Futures Trading Commission (CFTC), der staatlichen Aufsicht über Warentermingeschäfte, beweisen noch einmal die Rolle von Banken und anderen Finanzinstituten beim Hochtreiben von Rohstoffpreisen. Auch wenn die Zahlen, die der unabhängige US-Senator Bernie Sanders am 18. August veröffentlichte, aus dem Jahr 2008 stammen, zeigen sie die Dynamik, die sich heute mit all dem Monopolygeld, das die Banken aus den diversen Rettungspaketen erhalten haben, auf gleichem, wenn nicht sogar höherem Niveau abspielt. Die Folge ist eine massive Preisinflation bei Rohstoffen und Nahrungsmitteln, also Hyperinflation. Und das bedeutet, daß Hunger und Hungertod sich rapide ausweiten werden, wenn der Kurs nicht schnellstens geändert wird.

Unter anderem veröffentlichte Sanders eine Tabelle, die offene Rohöl-Terminkontrakte (West Texas Intermediate, WTI) am 30. Juni 2008, also noch vor der Lehmann-Pleite, von großen internationalen Konzernen darstellt. Zum damaligen Zeitpunkt hatte der Ölpreis 150 Dollar pro Barrel erreicht.

Die Liste wurde von Goldman Sachs mit 452.000 auf steigende (long positions) und 419.000 auf fallende Kurse (short positions) setzende Kontrakte angeführt, womit eine einzelne Firma 32,5 % des Marktes von WTI kontrollierte. Tabelle 1 zeigt einige Beispiele:

Tabelle 1: Rohöl-Terminkontrakte verschiedener Finanzhäuser im Jahr 2008
Quelle: CFTC

Finanzhäuser

Long-Positionen

Short-Positionen

Goldman Sachs (USA)

452.000

419.000

Morgan Stanley (USA)

313.000

320.000

Barclays Bank (GB)

277.000

277.000

Deutsche Bank (D)

273.000

232.000

JP MorganChase (USA)

200.000

245.000

Lehman Brothers (USA)

155.000

146.000

Merril Lynch (USA)

115.000

122.000

Es wird ein Vielfaches des tatsächlich vorhandenen Rohöls gehandelt, wobei die Finanzhäuser niemals einen Tropfen realen Öls kaufen, aber allein mit der Masse der Kontrakte die Preisentwicklung manipulieren können. Vergleicht man damit die Terminkontrakte von Fluggesellschaften, die tatsächlich Öl in Form von Kerosin verbrauchen (Tabelle 2), sieht man den ganzen Irrsinn.

Tabelle 2: Rohöl-Terminkontrakte verschiedener Fluggesellschaften im Jahr 2008
Quelle: CFTC

Fluggesellschaft

Long-Positionen

Short-Positionen

Southwest Airlines (USA)

43.000

2000

Lufthansa (D)

2000

6000

British Airways (GB)

1000

3000

Northwest Airlines(USA)

602

5000

Virgin Atlantic Airways (GB)

239

3000

Das ursprüngliche Glass-Steagall-Gesetz beschränkte den Obligationshandel auf unter 2% der Aktiva einer Bank. Mit der Deregulierung wurde diese Grenze immer weiter aufgeweicht, was zu den fatalen Folgen führte, die wir heute sehen: Das System ist am Ende und wird entweder durch ein neues Kreditsystem ersetzt, oder wir erleben den unkontrollierten Kollaps des Weltfinanzsystems mit all seinen wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Deshalb ist die internationale Einführung des Trennbankensystems, der erste Schritt aus der Katastrophe.

kf