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Neue Solidarität
Nr. 1, 4. Januar 2012

Eine politische Initiative für das Überleben der Menschheit

Bei dem Internetforum des Basement-Wissenschaftsteams des LaRouche-Aktionskomitees LPAC am 17. Dezember 2011 hielt Sky Shields den folgenden, einleitenden Vortrag.

Ich möchte hier ein Thema aufgreifen, das Mr. LaRouche jüngst in einer Reihe von Schriften angeschnitten hat. Er steht jetzt kurz vor dem Abschluß dieser Serie, in der er auf einen revolutionären Durchbruch im Verständnis der Grundprinzipien der physischen Ökonomie drängt. Das bedeutet, wie wir sehen werden, etwas viel Umfassenderes als man vielleicht denkt, denn was er in diesen Schriften darstellt, bedeutet eine Revolution nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern, wohl noch bedeutsamer, in der Wissenschaft des menschlichen Denkens.

Er steht kurz vor dem Abschluß dieser Serie. Ich hatte heute die Gelegenheit einen Vorabdruck seiner letzten Schrift zu lesen und ich möchte jetzt in einer Art Fallstudie einige der Ideen daraus veranschaulichen, um Ihnen einen Vorgeschmack darauf zu geben, womit wir uns auseinandersetzen müssen. Als spezifische Fallstudie dient mir dabei die Entwicklung der arktischen Regionen unseres Planeten.

Um den Weg dazu zu bereiten, möchte ich zunächst auf ein Thema eingehen, das sich wie ein roter Faden durch alle jüngsten Papiere von LaRouche zieht: Der Unterschied zwischen Geist und Gehirn. Das ist eine grundlegende Frage, wenn man danach fragt, wo die Identität des menschlichen Individuums liegt.

Das ist aus verschiedenen Gründen wichtig, auch für die Bevölkerung insgesamt. Denn wie [der Moderator] Matt Ogden eben sagte, sind die jüngsten Entscheidungen des US-Kongresses und unserer angeblichen Repräsentanten in der US-Regierung einfach nur Akte des Wahnsinns. Dabei geht es nicht nur um die absolut verrückte Ablehnung der Zusammenarbeit bei einigen Projekten, auf die ich noch eingehen werde, sondern um einen blinden, irrsinnigen Selbstzerstörungstrieb in Form eines thermonuklearen Konflikts, zu dem es zwangsläufig zwischen den USA und Rußland kommen wird, wenn es so weiter geht.

Jedem, der der heutigen Lage in irgendeiner Weise Aufmerksamkeit schenkt, sollte klar sein, daß wir hierbei den Untergang der gesamten menschlichen Gattung riskieren. Und wenn man sich die Reaktionen von einigen Leuten im Kongreß und anderswo ansieht, wird klar, daß sie selbst erkennen, was sie mit ihrer Kapitulation vor Obama angerichtet haben, der in den letzten Tagen Maßnahmen ergriffen hat, um in den USA und im Ausland einen Polizeistaat, eine Diktatur zu festigen. Aus ihren unmittelbaren Reaktionen geht hervor, daß sie darüber beschämt sind. Aber obwohl sie die Zerstörung erkennen können, die sie über sich selbst und über uns bringen, machen sie mit der gleichen Politik weiter!

Hinter diesem Verhalten steckt eine ganz bestimmte Pathologie, doch wenn wir zu deren Kern vordringen, erkennt man angesichts der augenblicklichen Gefahr einige ganz erstaunliche und interessante Prinzipien, die uns sogar den Weg aus der jetzigen Krise weisen könnten, wenn man sie versteht und befolgt.

Was ist das „Ich“?

Die Hauptfrage, die es anzugehen gilt, ist das persönliche Identitätsgefühl. Auch hierbei ist es entscheidend, zwischen Geist und Gehirn zu unterscheiden. Denn auf dem untersten, animalistischen Zustand, auf den ein Mensch absinken kann, wird er sich mit seiner eigenen Körperlichkeit identifizieren. Das nennt man dann sein „Ich“. Die Frage ist, mit was identifiziert man sich in der Welt als „Ich“?

Aufgrund des Verfalls der Kultur in den Vereinigten Staaten und anderswo auf der Welt in den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Menschen unfähig, sich mit profunderen Ich-Zuständen zu identifizieren. In besseren Zeiten der amerikanischen Geschichte haben sich die Leute eher mit Dingen identifiziert, die außerhalb der eigenen physischen Existenz, außerhalb des eigenen Körpers lagen. Das ist auch räumlich zu verstehen, so daß man sich mit der gesamten Menschheit, zumindest aber mit dem eigenen Land identifiziert hat. Man hatte eine Vorstellung davon, daß man nicht nur den eigenen Körper am Leben erhält, sondern es um die Organisation einer Gesellschaft ging.

Auch zeitlich erstreckte sich die eigene Identität über den eigenen Körper hinaus: Man hatte die Vorstellung, daß sich der eigene Selbsterhaltungstrieb nicht nur auf die eigene Lebenszeit bezieht, sondern daß man zum Erhalt der menschlichen Gattung über mehrere Generationen hinweg beiträgt. Man hatte ein Gefühl des eigenen Weiterwirkens, und das konnte verschiedene Formen annehmen, wenn man sich damit zu identifizieren versuchte. Die Menschen wollten etwas weitergeben, sie dachten an ihre Kinder, an ihre Enkel, an die Kinder und Enkel anderer Leute, die Kinder und Enkel der gesamten Gesellschaft.

Ich denke nur intuitiv, daß man jemanden mit einer solchen Einstellung auch als einen tugendsamen Menschen erkennt, dessen Identitätsgefühl etwas wirklich Achtbarem nahekommt. Das ist keine beliebige Einstellung. Das Wissen darum, daß es eine wünschenswerte Geisteshaltung ist, sich mit etwas außerhalb des eigenen physischen Selbst zu identifizieren, ist keine bloße Meinungsfrage - mögen einige Leute eine solche moralische Eigenschaft und andere nicht? Darin steckt tatsächlich ein wissenschaftliches Prinzip, denn der Teil des menschlichen „Ich“, den man den Geist nennt, beschränkt sich in keiner Weise auf den Körper, in dem dieser zu wohnen scheint. Das Ding, das man Geist nennt, der Teil, den man das „Du“ nennt, läßt sich nicht einfach in Raum oder Zeit lokalisieren.

Wir werden darauf noch weiter eingehen, aber auf diesem wissenschaftlichen Umstand basiert häufig das, was man im religiösen oder theologischen Sprachgebrauch „die Unsterblichkeit der menschlichen Seele“ nennt. Das ist nicht nur eine Empfindung, nichts Magisches oder Versponnenes, das von oben auf einen herabkommt, sondern eine harte Tatsache über die Funktionsweise des Universums: Das menschliche Individuum ist nicht im menschlichen Körper lokalisierbar.

Erst wenn man die wirkliche Eigenschaft des menschlichen Individuums zu begreifen beginnt, sind wir in der Lage, auch die Fragen der physischen Ökonomie in Angriff zu nehmen. Denn bei allen Fragen der menschlichen Gesellschaft und allen Fragen der Realwirtschaft haben wir es mit genau diesem Prozeß zu tun. Das Wesen unserer Überlegungen hierbei liegt im Bereich des menschlichen Geistes; die Schatten von ihm sind hingegen jene Objekte, die für den menschlichen Körper zugängig sind.

Was ist die „Realität“?

Das bedeutet, daß die meisten Meßwerte und Kriterien, die heute in der Wirtschaftswissenschaft gültig sind, nicht im ursächlichen Bereich, d.h. nicht im wirklich geistigen Bereich liegen. Meßwerte, die typische sogenannte Ökonomen, eigentlich nur Buchhalter, erheben, liegen in Wirklichkeit im körperlichen Bereich bloßer Sinneswahrnehmung oder sogar noch darunter im Bereich absoluter Fiktion.

Die monetaristische Politik, wie sie früher von Alan Greenspan vertreten wurde und heute von Bernanke oder von allen anderen sogenannten „Experten“ der Wirtschaftspolitik, der Aktienmärkte usw. vertreten wird, erreicht noch nicht einmal das Niveau wirklicher Überlegungen; sie ist bestenfalls einfach Fiktion oder in ihrer gewöhnlichen Ausdrucksform sogar vorsätzlich mörderische Fiktion. Damit muß Schluß sein.

Eine Annäherung, besser als rein monetäre Werte, sind sicherlich Angaben über den Zustand der Realwirtschaft - dem, was die meisten heute als Kollaps, als Rückgang wirklicher produktiver Beschäftigung, als Kollaps des Bildungswesens, als verrückten Anstieg von Zwangsversteigerungen überall in den USA erleben. Die Menschen verlieren ihre Wohnungen und ihre Jobs, und sie können sich nicht mehr ernähren. Wenn man die Lage weltweit betrachtet, sieht man eine eindeutige Zersetzung bestimmter realwirtschaftlicher Parameter. Das ist sehr real!

Eine bloße Untersuchung dieser realwirtschaftlichen Parameter allein läßt uns noch nicht zu der tatsächlichen wirtschaftlichen Kausalität vordringen, mit der wir es zu tun haben. Um die wirklichen Ursachen des jüngsten Kollapses in den USA und weltweit zu verstehen, muß man etwas betrachten, was die gleiche Beziehung zu jenen realwirtschaftlichen Merkmalen hat wie der menschliche Geist zum menschlichen Gehirn. Das heißt, das eigentliche Wesen einer Ökonomie oder menschlichen Gesellschaft liegt in einem Bereich, der für die Sinne nicht direkt zugänglich ist, obgleich dessen Effekte deutlich sichtbar sind und das Überleben der menschlichen Gattung von diesen Effekten abhängt.

Das ließe sich als sozialer Aspekt des menschlichen Geistes bezeichnen, oder als der Bereich menschlicher Aktivität, den Wernadskij im Gegensatz zur „Biosphäre“ die „Noosphäre“ nannte.

Fallbeispiel Phobos-Grunt-Mission

Werfen wir nun einen Blick auf diese Effekte und was deren Existenz für die heutige Politik bedeutet, wobei wir uns spezifisch mit Rußland als Nation und dem Entwicklungspotential der jüngsten Kooperationsangebote mit den Vereinigten Staaten beschäftigen wollen.

Ein Umstand verdeutlicht die Lage. Viele haben sicherlich den jüngsten Start der Marssonde Phobos-Grunt verfolgt, die von einer russischen Trägerrakete mit Instrumenten aus mehreren Ländern ins All geschossen wurde. Der Plan für diese Mission war sehr beeindruckend: Die Sonde sollte von der Erde bis zum Marsmond Phobos fliegen, dort Bodenproben nehmen und diese zur Erde zurückbringen. Erstmals könnte man dann auf der Erde Proben von einem anderen Planetenkörper als dem Mond untersuchen. Eine Reihe weiterer eindrucksvoller Experimente waren damit verbunden; so sollten einfache Lebewesen mit auf die interplanetare Reise gehen, um die Wirkung der Weltallbedingungen auf die Entwicklung des Lebens zu beobachten, woraus man nicht-reduktionistische Erkenntnisse über die Entwicklung des Lebens auf der Erde gewinnen könnte. Auch könnte sich unser Wissen darüber erweitern, was Leben über die einfache Vorstellung lebender Prozesse hinaus wirklich ist.

Die Trägerrakete funktionierte einwandfrei und brachte die Sonde in den Erdorbit, doch die Raketen, die anschließend zünden sollten, um die Sonde aus dem Erdorbit auf eine Flugbahn zum Mars zu bringen, versagten. Es gab zwar einige erfolgreiche Versuche, die Kommunikation mit der Sonde wiederaufzunehmen, doch diese waren nicht eindeutig genug, um das genaue Problem herauszufinden, und nicht rechtzeitig genug, um die Sonde doch noch auf ihren Weg zum Mars zu schicken. Die gesamte Mission ist somit verloren.

Aufschlußreich daran ist, daß wir damit zunächst einmal einen Ansatzpunkt haben, um das physische Maß des Kollapses in der letzten Zeit zu bewerten. Es geht dabei um den Zusammenbruch in Rußland während der Einführung der ruinösen Freihandelspolitik nach dem Fall der Sowjetunion. In den neunziger Jahren fand in Rußland eine „kriminelle Revolution“ statt, wie man sie richtigerweise bezeichnen sollte. Verschiedene westliche Interessen wurden ins Spiel gebracht, die letztlich die britische imperiale Finanzpolitik der Wall Street und Londons repräsentierten, um Rußland auszuplündern. Es ging vor allem um die russischen Rohstoffe; es wurde von den verschiedenen westlichen Interessen praktisch alles verscherbelt, was man als wertvollen Besitz bezeichnen würde, mit dem dieses Land entwickelt werden könnte.

Plünderung der geistigen Ressourcen

Es kam zu einer sehr sichtbaren Ausplünderung, zu einem sehr sichtbaren Kollaps. Was jedoch diesen sichtbaren Kollaps antrieb und weiter verschärfte, dessen Wirkung bis heute anhält, war der kulturelle Gesamtkollaps, die Plünderung geistiger Ressourcen, was etwas anderes ist als die Plünderung auf körperlicher Ebene.

Die erfolgte Plünderung äußerte sich in einem Kollaps des realwirtschaftlichen Potentials. Wie drückt sich dieses Potential aber aus? Werfen wir noch einmal einen Blick auf den Phobos-Grunt-Satelliten: Was steht hinter diesem Vorgang? Äußerlich betrachtet sieht man den mißglückten Start einer Raumkapsel. Schaut man aber ein wenig unter die Oberfläche, sieht man das Ergebnis von 25 Jahren Kollaps. Am heutigen russischen Raumfahrtprogramm fällt auf, daß die große Mehrheit der Beschäftigten entweder über 60 oder unter 30 Jahre alt ist, d.h. eine gesamte Generation ist in der Periode der Plünderung verschwunden.

Wie kam es dazu? Das war nicht nur eine Plünderung der realen Ressourcen, sondern wichtiger noch, es erfolgte eine Zerstörung der geistig-moralischen Fähigkeiten der Bevölkerung.

Dazu kommt es, wenn man Bedingungen schafft, unter denen ein Land Profit im Sinne des Freihandels, d.h. des unmittelbaren materiellen Gewinns definiert. Dadurch entstehen die objektiven Bedingungen, um die Identität eines Menschen auf dessen körperliche Begrenzung zu reduzieren. Der einzelne wird nachdrücklich dafür bestraft, irgendeine langfristige Perspektive zu entwickeln.

Zum Beispiel orientieren sich die Leute in den USA nur noch am augenblicklichen Stand der Finanzmärkte, d.h. was auf dem Derivatemarkt oder dem Immobilienmarkt geschieht. Man investiert nur noch in Aktien, um einen sofortigen Gewinn einzustreichen; man kauft heute und verkauft morgen wieder. Diese Art Wahnsinn war bereits in Filmen der achtziger Jahre sichtbar.

Auch werden die Leute in ihrer Ausbildung immer mehr dazu angehalten, sich nicht mehr mit langfristigen Prozessen zu identifizieren. Es werden die objektiven Bedingungen geschaffen, die den einzelnen dazu zwingen, sich mit zeitlichen Begrenzungen zu identifizieren, die höchstens noch in der eigenen Lebenszeit liegen. Damit wird der Mensch in diesem Sinne auf einen tierischen Zustand reduziert, der nichts mehr mit wirklichem Menschsein zu tun hat, wie wir es oben besprochen haben.

Der Niedergang der russischen Raumfahrt

In Rußland hat das dazu geführt, daß es zu einem unmittelbaren Verlust der Fähigkeit kam, die jeweils neuesten wissenschaftlichen Ressourcen bereitzustellen, wie es für die frühere Sowjetunion typisch gewesen ist. Noch unter der Sowjetunion war Rußland in der Lage, fast alle zwei Jahre ein Sonde zum Mars oder zur Venus zu schicken, was angesichts der möglichen planetaren Positionsbeziehungen von Erde, Venus und Mars praktisch das Optimum ist.

Aufgrund des Kollapses war es dann nicht mehr möglich, die Fachkräfte weiter zu beschäftigen, die für solche Projekte erforderlich sind. Viele der besten wissenschaftlichen Kader sahen sich aufgrund der Umstände gezwungen, das Land zu verlassen; andere, die blieben, wanderten in andere Bereiche ab. Eine Reihe fähiger Raketeningenieure und andere mit dem mathematischen Wissen, um die Absurditäten des Derivatemarkts zu verstehen, wurden abgeworben, um in der Finanzspekulation tätig zu werden. Sie fielen natürlich für wirklich produktive Tätigkeiten aus, die sie bis dahin ausgeübt hatten.

Auch im Bildungswesen wurden junge Leute, die normalerweise Interesse hätten, am Raumfahrtprogramm mitzuarbeiten - Leute, die heute zwischen 30 und 60 Jahre alt sind - in andere Studienbereiche umgeleitet, wenn sie überhaupt noch Zugang zu einer Universitätsausbildung bekamen. Viele von ihnen landeten in sogenannten Geschäfts- oder Finanzaktivitäten, die als viel profitabler galten.

Parallel zu dem verheerenden realwirtschaftlichen Kollaps kam es somit unter der Oberfläche zu einem noch viel heimtückischeren Kollaps der psychologischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten eines Landes.

Noch eine Reihe anderer Zahlen drücken dies aus: In der Zeit, als die Freihandelspolitik in Rußland eingeführt wurde, sind der Drogenkonsum, die Zahl der Waisenkinder, die Sterblichkeit und die Zahl der HIV-Infektionen massiv angestiegen. All das war die direkte Folge der wirtschaftlichen Bedingungen, die nach dem Beginn der Globalisierung und der Ausplünderung im Zuge des Untergangs der Sowjetunion entstanden sind. Das soll nicht heißen, daß es zuvor keine schwerwiegenden Probleme gegeben habe, die überhaupt erst den Kollaps der Sowjetunion herbeigeführt hatten. Doch statt dass sich die Dinge zum Besseren wendeten, kam es zu einer entschiedenen Wende zum Allerschlimmsten.

Die geistige Ursache des Verfalls

Doch betrachten wir uns den Kollaps unter der Oberfläche etwas genauer, denn dieser hatte innerhalb von Rußland die genau gleiche Qualität wie der Verfall, der hier in den Vereinigten Staaten und anderswo stattfindet. Auch hier ist die eigentliche Ursache des realwirtschaftlichen Kollapses der unsichtbare Zusammenbruch auf geistiger und grundsätzlicher Ebene.

Die erste Animation (Abbildung 1) soll dies verdeutlichen. Die untere Kurve ist unsere Grundlinie, auf die die obere Kurve draufgesetzt ist. Dies soll nur eine einfache Veranschaulichung sein, ohne dabei genaue Zahlenangaben oder ähnliches zu verwenden.

Abb. 1: Schematische Darstellung einer gesunden Wirtschaft: die Entwicklungsschübe durch neue Technologien sorgen dafür, daß immer eine Restdifferenz zwischen dem Bedarf und der tatsächlichen Produktionskapazität bestehen bleibt.
Abb. 2: Bleibt die technologische Entwicklung hinter dem Bedarf zurück, sinkt das Produktionspotential ab, sodaß an einem bestimmten Punkt die Bevölkerung nicht mehr versorgt werden kann.

Betrachtet man sich die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft ganz allgemein, wie wir es auch in der Entwicklung der gesamten Biosphäre sehen, so gibt es hier einen Grundbedarf wirtschaftlicher Aktivität, auch als Energieflußdichte bekannt - d.h. in einer Realwirtschaft muß es einen produktiven Gesamtdurchsatz geben, der aus verschiedenen objektiven Gründen mit der Zeit stetig anwachsen muß. Der einfachste Fall wäre der reine Verbrauch einer bestehenden Rohstoffbasis. Es gibt also keinen einfachen Stillstand im Vergleich zu einem gegebenen Zustand, weshalb es auch unmöglich ist, hierauf ein Newtonsches Konzept von Raum und Zeit anzuwenden. Es gibt keinen absoluten Hintergrund, vor dem sich physikalische Prozesse entfalten. Es gibt nur einen sogenannten „beweglichen Hintergrund“, und was man untersucht, ist die relative anti-entropische Entwicklung.

Der tatsächliche Durchsatz einer Ökonomie muß letztlich mit einer Rate anwachsen, bei der eine entsprechende Restdifferenz zwischen dem Bedarf und der tatsächlichen Produktionskapazität bestehen bleibt.

Abbildung 2 soll zeigen, womit wir es hier zu tun haben. Es sollen zwei Konzepte dargestellt werden. Das eine ist der Fall eines rückläufigen Potentials. Ich möchte nicht alle Elemente davon ausführlich besprechen, aber einige Konzepte wie die potentielle relative Bevölkerungsdichte sind wichtig, die Lyndon LaRouche in die Wissenschaft der physischen Ökonomie eingeführt hat. Wenn man die Fähigkeit verliert, die Bevölkerung auf einer bestimmten Fläche, in einer bestimmten Dichte, bei einem bestimmten Lebensstandard zu erhalten, d.h. wenn das Potential dafür kollabiert, wird sich dies vielleicht nicht sofort, aber irgendwann in der Zukunft auch im Wert der tatsächlichen relativen Bevölkerungsdichte ausdrücken.

Wenn es bereits zu einem Rückgang unter einen bestimmten Schwellenwert gekommen ist und es nicht gelingt, diese Schwelle wieder zu überschreiten, wird dies verheerende realwirtschaftliche Folgen haben. Das Gleichgewicht wird in irgendeiner Form kippen, wobei der allgemeine Charakter, nicht aber der genaue Verlauf vorhersagbar ist.

Derzeit beobachten wir zum Beispiel den Kollaps des gesamten transatlantischen Finanzsystems. Wenn wir uns nicht mittendrin befänden, ergäbe sich daraus eine sehr interessante Studie, denn es ist unklar, welcher Teil des Systems zuerst auseinanderfallen wird. Das ist wie bei einem Staudamm mit Tausenden von Löchern darin; jeder einzelne Teil kann zuerst brechen. Nur eines ist klar: Die ganze Sache muß irgendwann brechen, und jeder, der versucht, die Sache zusammenzuhalten, muß ein Abschlußszenario im Auge haben - weswegen wir derzeit den Drang zu einem Nuklearkrieg erleben.

Der genaue Verlauf der weiteren Entwicklung ist offen; er verengt sich, aber er ist offen. Sicher ist nur, daß es zu einem Ende kommt, wenn nicht bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um uns wieder über die Schwelle zu erheben.

Was ist hierfür erforderlich? Im Prinzip wird dies deutlich, wenn man die jüngsten Maßnahmen untersucht, die Rußland ergriffen hat.

Das Arktis-Projekt

Im Grunde sind dies wunderbare Aussichten. Abbildung 3 der NASA zeigt einen jahreszeitlichen Blick auf die Entwicklung des arktischen Meereises. In den letzten Jahren ist es zu einer ständigen Abnahme des Meereises um den Nordpol gekommen. Im nächsten Sommer könnte die Arktis sogar erstmals völlig eisfrei sein. Das ist wunderbar!

Abb. 3: Aufgrund der Abnahme des Meereises um den Nordpol eröffnen sich neue Schiffahrtswege - z.B. entlang der Nordküste Rußlands -, die die Transportzeiten stark verkürzen.


Abb. 4: Die Bevölkerungsdichte der Arktis liegt heute annähernd bei Null. Die Markierung weist auf die Insel Kotelny, auf der die Stadt Umka gebaut werden soll.

Man hört allerdings jetzt schon das Geschrei durchgedrehter Umweltschützer, die meinen, das sei ganz schrecklich: „Was wird dann aus den Eisbären?“ Ich denke, die Eisbären werden sich wohl fühlen - es bleibt kalt.

Nur kurz nebenbei, es wird auch versucht, die Eisschmelze mit der globalen Erwärmung in Zusammenhang zu bringen. Jenen von uns, die es noch nicht wissen, sei gesagt, daß sich in bezug auf das Schmelzen des Meereises ein seltsames Paradox abspielt. Es gibt ja zahlreiche Vorhersagen, wie stark sich der Planet erwärmen wird und wieviel Eis dadurch schmelzen wird. Der IPCC hat darüber ausgefeilte Modelle präsentiert, die in aller Munde sind. Doch wenn man sich all diese Modelle ansieht und dann beobachtet, was sich tatsächlich abspielt, dann stellt man fest, daß die Temperatur weit weniger angestiegen ist als vorhergesagt - selbst wenn man die „globale Durchschnittstemperatur“ bemüht, die im Grunde ein völlig bedeutungsloser Wert ist. Und was das Schmelzen des arktischen Eises angeht, so hat dies weit mehr zugenommen, als irgend jemand vorausgesagt hat!

Im Augenblick sind alle eiligst dabei, ihre Modelle wieder auf Vordermann zu bringen, so daß das Eis wieder mit der Erwärmung in Einklang kommt; wahrscheinlich werden sie sich eine neue Geschichte ausdenken, denn sie erfinden ja immer neue Geschichten, um Dinge miteinander in Verbindung zu bringen.

Entscheidend hierbei ist aber, daß schon immer andere, viel komplexere Faktoren im Spiel waren, die zur Verminderung des arktischen Meereises geführt haben. Das sollte an anderer Stelle diskutiert und untersucht werden.

Was uns hier interessiert, ist die absolut begeisternde Aussicht, daß sich hier eine ganz neue Weltregion auftut! Die Erschließung dieser Gegend wird uns den Spielraum verschaffen, den wir brauchen, um den Kollaps der letzten Zeit wieder gut zu machen. Insbesondere Rußlands Vorgehen dort ist genau das, was das Land braucht, um den Kollaps wettzumachen, der die Probleme beim Start des Phobos-Grunt-Satelliten verursacht hatte.

Betrachten wir uns die arktische Region (Abbildung 4). Nach heutigem Maßstab ist die potentielle relative Bevölkerungsdichte dieser Region praktisch null. Mit den heutigen Möglichkeiten ist die Bevölkerungszahl, die sich in diesem Gebiet aufrechterhalten läßt, offensichtlich sehr gering. Die Bedingungen dort ganz im Norden am Polarkreis sind extrem. Nur als Beispiel diene eine Insel an der russischen Küste, die mit dem Pfeil markiert ist: Das ist die Kotelny-Insel, wo über weite Strecken des Jahres Temperaturen unter -30°C herrschen. Solche Bedingungen sind nicht gerade lebensförderlich; selbst in wärmeren Perioden steigen die Temperaturen nicht über den Nullpunkt.

Auf den ersten Blick sind diese Bedingungen für das menschliche Leben oder für Leben überhaupt nicht sehr zuträglich. Doch das trifft nicht vollkommen zu, denn beim genaueren Hinschauen gibt es dort sehr interessante Lebensformen, über die wir noch später sprechen können. Doch die Schwierigkeiten, in dieser Region zu leben und zu überleben, bringt uns ein sehr wichtiges Prinzip menschlicher Entwicklung in Erinnerung, das ich hier nur streifen will: Wir Menschen sind die einzige willentlich kognitive Gattung auf diesem Planeten und sehr wahrscheinlich auch in unserer Galaxis oder dem Universum.

Wir befinden uns damit in einer sehr interessanten Lage, denn wir werden mit bestimmten Fähigkeiten geboren, bei denen wir kein direktes Mitspracherecht hatten. Dafür, daß wir zwei Arme, zwei Beine, einen Kopf, eine bestimmte Physiologie usw. haben, können wir nicht viel; auch dafür, daß wir in der Biosphäre leben, die uns umgibt, können wir nicht viel. D.h. die Ausgangslage für unser Leben in der Biosphäre unterlag nicht unserer bewußten Entscheidung.

Als Gattung sind wir in dieser Weise sogar bemerkenswert ähnlich wie ein Baby im Mutterleib. Was sich da im Mutterleib entwickelt, hat anfangs nicht viel dabei mitzureden, wie es am Leben erhalten wird. Das Baby ist an die Nabelschnur angeschlossen und erhält darüber bestimmte Nährstoffe, die es braucht, um sich zu entwickeln. Doch ist das kein Zustand, in dem das Baby im Mutterleib unendlich lange verbleiben kann. Nach etwa neun Monaten wird es für das Baby wie für die Besitzerin des Mutterleibes ungemütlich. Bliebe man drei oder vier Jahre darin, hätte dies schlimme Folgen.

Deshalb muß man sich an einem bestimmten Punkt gezwungenermaßen entscheiden, zu gehen und sich auf andere Weise zu ernähren. Anfangs werden einem diese Dinge über die Nabelschnur und die Gebärmutter bereitgestellt, doch plötzlich muß man dann mit den eigenen Händen und dem eigenen Mund für sich sorgen - jenen Werkzeugen, die man im Mutterleib entwickelt, dort aber nicht unbedingt gebraucht hat. Im Mutterleib konnte man mit Händen, Füßen und Mund außer zum Küssen und Sich-Bemerkbar-Machen nichts anfangen.

Die Menschheit befindet sich in genau der gleichen Position, d.h. uns ist die mutterleibähnliche Umwelt auf der Erde vorgegeben, wo das Essen auf den Bäumen wächst und wir uns fragen: „Warum meinst du, wächst das Essen auf den Bäumen?“ Bei uns ist das so, solange wir uns hier im Mutterleib auf der Erde befinden. In der zukünftigen Bestimmung der Menschheit ist das nicht unbedingt mehr der Fall. Das Überleben der Menschheit und selbst das Verstehen vieler Phänomene hier auf der Erde wie das Wettergeschehen und all die Dinge, denen wir hier gewöhnlich ausgesetzt sind, macht es erforderlich, daß wir die Grenzen unseres Planeten verlassen. Man kann zum Beispiel das Entstehen von Erdbeben, von Wirbelstürmen und verschiedenen anderen Naturkatastrophen nicht verstehen, ohne die Beziehung zwischen Sonne und Erde zu verstehen. Wir müssen die Grenzen des Planeten verlassen, um nach den wirklichen Ursachen dieser Dinge zu suchen.

Um die Menschheit etwa vor einem Asteroideneinschlag zu schützen, der uns vollständig oder fast vollständig auslöschen könnte, müssen wir uns nach außen orientieren. Wir befinden uns in dieser Hinsicht sehr weitgehend in der Lage wie das Baby, das mit dem Kopf zuerst aus dem Mutterleib ausgetrieben wird. Wenn man länger darin bleiben wollte, würde man sterben - die Nabelschnur und die warme Höhle sind weg. Wenn man will, kann man bleiben und ertrinken, aber irgendwann muß man sich heraus und nach vorne bewegen, wenn man selbst und die gesamte Menschheit überleben soll.

Hierzu ist es jedoch erforderlich, bestimmte Technologien zu entwickeln. Wir haben zwar erste Schritte in den Weltraum unternommen, doch das war nur der allererste Anfang. Wir müssen beispielsweise noch bessere Biosphärensysteme nachbauen, wie sie sich hier auf der Erde entwickelt haben.

Abb. 5: Mithilfe neuer Technologien soll auf der Insel Kotelny die Stadt Umka gebaut werden - als Prototyp einer völlig autarken Siedlung, die ebensogut auf dem Mond oder Mars errichtet werden könnte.


Abb. 6: Während große Teile des Westens der Vereinigten Staaten sehr trocken sind, gibt es in Alaska und Westkanada große Niederschläge, die bisher weitgehend ungenutzt ins Arktische Meer und in den Pazifik abfließen.


Abb. 7: Im Rahmen des NAWAPA-Projektes sollen 20% des bisher ungenutzt abfließenden Wassers durch eine Reihe von Staudämmen aufgefangen und nach Süden umgeleitet werden.


Abb. 8: Für das NAWAPA-Projekt müssen Tausende von Kilometern Eisenbahnstrecken und etliche neue Städte gebaut werden.


Abb. 9: An der Beringstraße kommen sich Amerika und Eurasien am nächsten, sodaß hier eine Verbindung zwischen den beiden Kontinenten hergestellt werden kann.


Abb. 10a: In der traditionellen Darstellung der Weltkarte liegen Alaska, Nordkanada und Sibirien scheinbar ganz am Rand der Welt...


Abb. 10b: ... aber in einer Projektion, die den Nordpol als Mittelpunkt wählt, sieht man, daß der kürzeste Weg von Europa nach Nordamerika durch die Arktis führt.


Abb. 11: Die Welt aus der Sicht einer weltraumfahrenden Gattung: Baumaßnahmen, die der Menschheit eine Zukunft sichern.

Nun, was bedeutet dies im Fall der Arktis? Es gab jüngst einen Vorschlag, den ich hier als ein Fallbeispiel verwenden will - nicht unbedingt, weil man ihm zustimmen müßte, aber er wurde Premierminister Putin bei einer Konferenz im September, dem 2. Internationalen Arktischen Forum mit dem Titel „Die Arktis, Territorium des Dialogs“, vorgestellt. Das ist der Plan, auf dieser Insel hier, Kotelny, vor der Küste Rußlands eine überkuppelte Stadt zu bauen (Abbildung 5). Nun, diese überkuppelte Stadt wird auf dem Modell der ISS, der Internationalen Weltraumstation beruhen, und die Idee ist, hier diese Stadt zu bauen, die völlig gegen die arktische Umgebung abgeschirmt ist, so daß man gar nicht merkt, daß draußen Frosttemperaturen sind, und innen eine temperierte Umgebung herrscht - was schon an sich begeisternd ist.

Aber worin besteht die Beziehung zwischen einer solchen Stadt und der Internationalen Weltraumstation? Sie besteht darin, daß man die wichtigsten Zyklen zur Erhaltung der Biosphäre hier auf der Erde meistern muß, um diese Stadt bewohnbar zu erhalten. Und das bedeutet, daß das System des Gasaustauschs fast völlig in sich geschlossen sein muß. Sie wird keine Öffnungen haben zu der kalten Luft in ihrer Umgebung. Das bedeutet, daß man die wichtigsten Zyklen des Austauschs zwischen der menschlichen Aktivität, der tierischen Aktivität, dem pflanzlichen Leben etc. gründlich verstehen muß, denn man wird nur in bestimmten Jahreszeiten in der Lage sein, etwas dorthin zu liefern, und im Idealfall würde man gar keine Lebensmittel etc. dorthin liefern wollen. Die Idee ist, diese Umgebung landwirtschaftlich völlig selbstversorgend zu machen. Man will die Bedingungen schaffen, unter denen alles pflanzliche und tierische Leben dort wächst, dort entwickelt wird; daß die Abfälle dort verwertet werden. Es gibt keine Abfälle oder nur so wenig Abfälle wie möglich. Ihr Ziel ist, keinerlei Abfälle zu hinterlassen. All dies sind Bedingungen von der Art - was die Energiedichte angeht, die Konzentration biosphärischer Aktivität - die auch notwendig sind, um im interplanetaren Raum zu überleben. Tatsächlich hat der Planer dieser Stadt vorgeschlagen, daß sie als Modell für die künftige Kolonisierung des Mondes und des Mars dienen sollte.

Und im Allgemeinen, wenn man einen Blick für diesen Bogen hat: Es ist das Schicksal des Menschen, die Führung im gesamten Sonnensystem und darüber hinaus zu übernehmen. Und wenn man das im Auge hat, dann haben wir die Fähigkeit, die Ressourcen zu konzentrieren und die technologischen Kapazitäten und Spillover-Effekte zu erzeugen, hier in der Arktis, die dann auch anderswo Verwendung finden. Und wenn wir uns wieder die Karte anschauen, auf der diese Insel verzeichnet ist (Abbildung 4): derselbe Entwurf wurde für die gesamte arktische Region vorgeschlagen.

Nun, Rußland schreitet voran und treibt das vorwärts. Sie weiten die Entwicklung ihres Fernen Ostens in den Norden aus, bauen Eisenbahnverbindungen und schlagen Eisenbahnverbindungen vor, die bis hin zur russischen Seite der Beringstraße reichen.

Wenn wir das mit dem kombinieren, was in letzter Zeit auf dieser Internetseite [www.larouchepac.com] diskutiert wurde und was man unter der Bezeichnung Nordamerikanische Wasser- und Stromallianz, NAWAPA, kennt - wir können uns das mal kurz anschauen.

Einige der wichtigsten Aspekte von NAWAPA liegen in der gleichen Region der Arktis, in der auch diese anderen Entwicklungen stattfinden. Wenn man das NAWAPA-Programm anschaut, dann sieht man hier den Abfluß verschiedener Flüsse (Abbildung 6). Sehen Sie hier diese gewaltigen Wassermengen, die sich in Alaska und Nordkanada niederschlagen und einfach wieder zurück zum Ozean fließen. Die Breite der Pfeile hier zeigt an, wieviel Wasser abfließt. Die Idee von NAWAPA ist 20% dieses Wassers in Alaska und Nordkanada aufzufangen, das ansonsten verloren wäre, und es statt dessen durch Alaska, durch Nordkanada und durch Nordamerika herunter zu leiten, um es zur Bewässerung der Großen Amerikanischen Wüste zu verwenden, die sich die Vereinigten Staaten und Mexiko teilen, und es entlang dieses Weges für verschiedene Formen der wirtschaftlichen Entwicklung, wie z.B. Wasserkraft oder Reservoirs, zu nutzen.

Betrachten wir zunächst etwas genauer, was dies in Alaska bedeutet (Abbildung 7). Das ist es, worum es hier geht, dieses Gebiet an der Grenze zwischen Alaska und Kanada. Sie sehen hier dieses System von Reservoirs. Nun, das wird einiges an Bauten erfordern, die es bisher im Bundesstaat Alaska und Nordkanada nicht gibt. Insgesamt müssen sechs Staudäme errichtet werden, drei davon mehr als 330 m hoch. Um die Arbeiter und das Baumaterial dorthin zu schaffen, müssen allein in Alaska ca. 5000 km an Eisenbahnstrecken gebaut werden, und etwa 11.000 km in Nordkanada, außerdem vier weitere Staudämme in Nordkanada. Das sind gewaltige Baumaßnahmen, für die die Entwicklung mehrerer wichtiger Städte notwendig ist, um die Arbeitskräfte, die an diesen Bauten beteiligt sind, unterzubringen.

Nächstes Bild (Abbildung 8). Wir werden das natürlich nicht alles wieder verlassen, wenn die Eisenbahnen erst einmal gebaut sind. Dies hier sind Städte in Alaska und Kanada, die durch die Eisenbahnen miteinander verbunden werden. Hier oben links sehen Sie, daß wir, wenn diese Eisenbahnen gebaut sind, bestens aufgestellt sind, um die natürliche Fortsetzung dieser Eisenbahnentwicklung über die Beringstraße nach Rußland zu bauen.

Nun, sie erkennen, was wir vorhin schon gesagt haben: Dies wird zusammenkommen mit den Baumaßnahmen, die derzeit in Rußland, im Fernen Osten und im Norden, verrichtet werden. Und das ergibt dann eine ganz andere Sicht der Welt. Hier im nächsten Bild (Abbildung 9) sehen Sie eine Darstellung der Entwicklung der Beringstraße, eine Ansicht der Region, über die wir hier reden und in der einige der wesentlichen Städte gebaut werden, von oben. Hier rechts ist Alaska, Nordsibirien ist auf der linken Seite. Hier sehen sie die Diomeden-Inseln - die große Diomeden-Insel und die kleine Diomeden-Insel.

Die nächste Animation gibt uns eine ganz andere Ansicht der Welt. Wir sehen die Veränderung unserer „atlantischen“ Sicht der Welt - unsere Sicht des Atlantischen Ozeans. Eine interessante Art, das zu betrachten, wenn wir den Raum und die Zeit aus der Sicht der physischen Ökonomie diskutieren - was ist dann „weit weg“? Diese Weltkarte (Abbildung 10a) stimmt so ziemlich überein mit dem Eindruck, den man davon hat, wie die Welt derzeit verbunden ist. Orte wie Alaska sind sehr weit weg, es liegt am Rand der Welt - ganz am Rand. Nordkanada liegt am Rand der Welt, es ist ganz weit weg, ganz am Rande dessen, was wir sehen.

Nun, spielen wir die Animation weiter. Die Verbindung, über die wir hier reden, gibt uns einen anderen Eindruck von „nah“ und „fern“. Tatsächlich, wie Sie hier bemerken werden, verläuft der kürzeste Weg von Europa nach Nordamerika durch diese Region hier, über die Polarregion. Nun, mit dieser Eisenbahnverbindung und dem, was auf dieser Karte noch nicht verzeichnet ist, was man sich aber vorstellen kann, gibt es drei wichtige Handelsrouten durch diese Polarregion, die sich jetzt aufgrund des Abschmelzens des Eises im Arktischen Meer eröffnen. Die eine, die Nordmeerroute, verläuft entlang der russischen Küsten von Europa und den Häfen im russischen Nordwesten um Rußland herum und folgt im wesentlichen der gleichen Route, die wir für die Eurasische Landbrücke vorgesehen haben, zur Beringstraße und dann, möglicherweise, durch die Beringstraße hindurch zur Pazifikküste der Vereinigten Staaten oder über die Nordwestpassage durch Nordkanada hinüber zum Atlantik.

Nun, die Entfernung für die Schiffahrt ist hier nur etwa halb so weit wie beispielsweise die durch den Suezkanal. Aber noch wichtiger als die Einsparungen beim Treibstoff und die viel schnellere Nutzung dieser Polarregionen - das ist zweitrangig gegenüber der Tatsache, daß wir jetzt die Fähigkeit sehen, eine Region des Universums, die bisher für den Menschen unbewohnbar war, bewohnbar zu machen.

Und das wird uns in die Lage versetzen - nächstes Bild bitte (Abbildung 11) - auf eine ganz andere Sicht der menschlichen Gattung hinzuarbeiten. Dies hier ist die Welt aus der Sicht einer weltraumfahrenden Gattung, und das ist die einzige Art von Baumaßnahmen, die es uns erlauben wird, uns aus dem derzeitigen Kollaps herauszuarbeiten, d.h., nicht bloß unsere Fähigkeit, im Weltraum zu arbeiten, zurückzugewinnen und den Verfall des russischen Weltraumprogramms rückgängig zu machen, sondern uns noch weiter zu bringen, als wir jemals zuvor gelangt sind, und zu einer weltraumfahrenden Gattung zu werden, die in der Lage ist, die Arktis zu bewohnen und in der gleichen Weise auch den Mond, den Mars, etc.

Tatsache ist, daß uns dies alle miteinander verbinden wird - von der Südspitze Afrikas durch Europa, Asien, Nordamerika bis hinunter zur Südspitze Südamerikas. Es wird uns von Pol zu Pol miteinander verbinden, zum ersten Mal überhaupt...

Aber im allgemeinen ist dies das, was zu einer fundamentalen kulturellen Renaissance notwendig ist. Um das zu erreichen, werden wir uns mit dem befassen müssen, was in Codys Vortrag und in der nachfolgenden Diskussion noch angesprochen werden wird - nicht bloß innerhalb des Körpers des einzelnen Menschen, sondern auch im Kontext der Gesellschaft und des physischen Universums insgesamt. Wir müssen die physische Bedeutung, die ontologische Bedeutung des menschlichen Geistes meistern, und dies als die Grundlage für politische Entscheidungen für die kommenden Jahrzehnte und darüber hinaus nutzen.