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Neue Solidarität
Nr. 15, 9. April 2014

Martin Luther King über die Unsterblichkeit

Am 4. April 1968 wurde Dr. Martin Luther King ermordet. An dem Abend davor hatte er seine historische Rede „Ich war auf dem Gipfel des Berges“ gehalten.

* * *

Auf den Tag genau ein Jahr vor seiner Ermordung hielt Dr. Martin Luther King eine Rede in der Riverside Church in New York City, in der er den Vietnamkrieg moralisch verurteilte. In diesem Augenblick, am 4. April 1967, machte King den Schritt, nicht mehr nur Sprecher und Katalysator der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu sein, sondern moralische Verantwortung für die Außen- und Weltpolitik der amerikanischen Regierung zu übernehmen. Ihm schlug der wütendste Feuersturm an Kritik entgegen, den er jemals erlebt hatte.

Der Kongreßabgeordnete John Lewis, 1967 der Führung der mit King verbundenen Jugendgruppe SNCC angehörend, sprach darüber in einem Interview mit der Journalistin Amy Goodman am 5. Juli 2013. Goodman erläuterte: „Das Time Magazine nannte damals Kings Rede ,eine demagogische Verleumdung, die sich wie ein Manuskript für Radio Hanoi anhört’. Das war Dr. Kings Rede gegen den Krieg in Vietnam 1967. Die Washington Post verkündete, King hätte, so schreibt sie genau, ,seine Nützlichkeit für seine Sache, sein Land, sein Volk herabgemindert’.“

Lewis antwortete: „Ich denke, das ist sehr bedauerlich bei Publikationen wie Time und Washington Post - wenn sie diese Artikel heute umschreiben müßten, klänge die Geschichte ganz anders. Er hatte recht - wie so viele andere Politiker, die sich gegen den Krieg stellten, ob das Eugene McCarthy war oder andere, später dann Bobby Kennedy. Dieser Krieg hat viel dazu beigetragen, die Hoffnungen, Träume und Bestrebungen sehr vieler Menschen zu zerstören.“

Der Gipfel des Berges

Einzigartig in den Annalen der Geschichte Amerikas und der Welt ist Martin Luther Kings Rede vom 3. April 1968. So wie Jesus Christus 24 Stunden, nachdem er den „Kelch“ von Gethsemane annahm, gekreuzigt wurde, so sollte King einen Tag, nachdem er den „Preis der Nachfolge“ bewußt angenommen hatte, am 4. April um 18.01 Uhr sterben. King war von prophetischem Vorherwissen erfüllt, und er handelte danach. Zu einem Treffen im Bishop Charles Mason Temple in Memphis, Tennessee versammelte er seine engsten Mitarbeiter und seine Unterstützer, um sie mit ihrer wahren Unsterblichkeit zu konfrontieren.

Das aufwühlende Ende dieser Rede - „Ich war auf der Spitze des Berges“ - wird oft zitiert, aber die Metapher zu Beginn macht sehr deutlich, daß die ganze Rede eine einzige, durchkomponierte Idee ist. Obwohl er sie frei hielt, ist sie vom ersten bis zum letzten Satz genau durchdacht und nur einem Thema gewidmet: der Unsterblichkeit. Man kann sie mit gutem Recht Martin Luther Kings „Gethsemane-Rede“ nennen.

King führt zuerst den Zuhörern den großen Bogen von Raum und Zeit vor Auge, in dessen Rahmen sich der konkrete Anlaß in Memphis, ein Streik der Müllmänner, und sein eigener letzter Abend auf Erden abspielten:

„Nicht geniest“

Gegen Ende der Rede macht King sich auch Gedanken dazu, daß er nach einer Messerattacke auf ihn in New York City 1958 beinahe tot gewesen wäre:

Dann schildert er, was er alles in Gang gesetzt und erreicht hat - die Bewegung in Birmingham, den Marsch auf Washington, das Bürgerrechtsgesetz, den Friedensnobelpreis, das Wahlrechtsgesetz, den Widerstand gegen den Vietnamkrieg - „weil ich nicht geniest hatte“, um dann zu erklären: „Aber im Grunde ist das jetzt egal, denn ich war auf dem Gipfel des Berges“. Das bezog sich auf Moses, der die Juden 40 Jahre lang durch die Wüste zum Gelobten Land führte und es selbst nicht mehr betreten konnte, aber auf den Berg Nebo stieg und es von dort sehen durfte.

King sprach darüber, daß er die Zukunft gesehen hatte, daß er sich in der Zukunft befand und in diesem Sinne unsterblich war. Er sprach aber nicht aus einer Todesahnung heraus, sondern weil er den „Preis der Nachfolge“ Christi akzeptiert hatte. [Der Verfasser bezieht sich auf Dietrich Bonhoeffers Buch Nachfolge, es trägt in der US-Ausgabe den Titel The Cost of Discipleship, d.h. „Der Preis der Nachfolge“, Red.]. King schloß:

Lawrence Freeman