Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken
Folgen Sie uns auf
acebook
Neue Solidarität
Nr. 41-42, 8. Oktober 2026

Warum die Bewahrung eines wahrheitsgetreuen
historischen Gedächtnisses für den Frieden unerläßlich ist

Von Harley Schlanger

Den folgenden Vortrag hielt Harley Schlanger am 18. September 2026 im Rahmen einer zweitägigen Konferenz der World Peoples Assembly im Moskauer World Trade Center mit dem Titel „Neue Welt: Werte, die verbinden“. Schlanger wurde als „offizieller Vertreter des Vorstands des Schiller-Instituts“ und „Analyst und Journalist von Executive Intelligence Review, Experte für Geopolitik und internationale Sicherheit“ vorgestellt.

* * *

„Die Wahrheit stirbt nie, aber sie führt ein elendes Leben.“ (jiddisches Sprichwort)

Da die derzeitigen Kriege in der Ukraine und in Südwestasien die Tendenz haben, „permanente Kriege“ zu werden, ist eine neue Gefahr entstanden – eine Gefahr, die eine Bedrohung für das menschliche Leben auf dem Planeten darstellt. Politiker in den Vereinigten Staaten und Europa beziehen in ihre Pläne die Möglichkeit ein, in diesen Konflikten taktische Atomwaffen einzusetzen.

Der Unterstaatssekretär für Politik im US-Kriegsministerium, Elbridge Colby, hat angedeutet, der Einsatz taktischer Atomwaffen sei für Präsident Trump eine „Option“, sie sei „nicht ausgeschlossen“, um die „Pattsituation“ mit dem Iran zu durchbrechen, und parallel dazu haben die Franzosen Deutschland und acht weiteren EU-Ländern einen atomaren Schutzschild angeboten, um einen russischen Angriff abzuschrecken, der, wie westliche Regierungen beharrlich behaupten, innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre praktisch unvermeidlich sei.

In beiden Konflikten wird der gleiche Trick benutzt, daß westliche Regierungen militärische Maßnahmen durch die Verbreitung von Falschdarstellungen rechtfertigen, wonach sie auf unrechtmäßige Handlungen der Gegenseite reagieren. Diese „Narrative“ sind Beispiele für „Soft Power“, und sie werden ohne den historischen Kontext konstruiert, der den Konflikt hervorgebracht hat.

Eine solche Methode der permanenten unehrlichen Darstellung wird im Falle der Ukraine verwendet, indem man die Einleitung der Militärischen Sonderoperation (SMO) Rußlands am 24. Februar 2022 als widerrechtlichen Angriff Präsident Putins auf die ukrainische „Demokratie“ hinstellt. Dieses falsche Narrativ ignoriert Putins sorgfältige Bemühungen, die tatsächlichen historischen Ereignisse detailliert darzulegen, die ihn davon überzeugt haben, daß die SMO zur Verteidigung der Souveränität Rußlands notwendig war. Dazu gehörten der Bruch des Versprechens gegenüber Präsident Jelzin, die NATO würde „keinen Zoll“ nach Osten ausgeweitet; das Eingeständnis, daß nie geplant war, die Versprechen von Merkel, Hollande und Poroschenko bei der Ausarbeitung der Minsker Vereinbarungen zu halten, sondern diese lediglich ein Mittel waren, um Zeit für die Aufrüstung der Ukraine zu gewinnen; sowie die wiederholte Leugnung, daß nationalsozialistische Milizen an den Morden während des von den USA finanzierten Maidan-Aufstands und an den Angriffen auf die russischsprachige Bevölkerung in der Ostukraine beteiligt waren, die mehr als 14.000 Todesopfer forderten.

Verschärft wurde dies durch die Kampagne, Putins Argumente für legitime Sicherheitsgarantien für Rußland zu verspotten, insbesondere in Bezug auf die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine. Jede ehrliche Bewertung der Geschichte des „rechtsextremen Nationalismus“ in der Ukraine würde bestätigen, daß der kollektive Westen die Geschichte der Ukrainer leugnet, die sich in den 1940er Jahren der Nazi-SS anschlossen und am nationalsozialistischen Völkermord an der jüdischen, polnischen und rumänischen Bevölkerung der Ukraine mitwirkten. Die Befürwortung der nationalsozialistischen Rassenideologie, die in öffentlichen Aufmärschen zu Ehren des Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera zum Ausdruck kam, wurde ignoriert, und die Existenz von neonazistischen Milizangehörigen im Asow-Bataillon wurde vertuscht, als diese und ähnliche Einheiten in die Streitkräfte und Sicherheitskräfte der Ukraine eingegliedert wurden.

Dieses Leugnen der Unterstützung für nationalsozialistische Völkermörder wurde kürzlich wieder entlarvt, als Selenskyj Mitglieder der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) ehrte; besonders deutlich wurde dies durch die diesjährige Umbettung des nationalsozialistischen Ideologen Andriy Melnyk am 25. Mai mit allen Ehren. Melnyk war während des Krieges für den Massenmord an Polen und Juden in Wolhynien verantwortlich, und seine Umbettung in die Ukraine wurde von Spitzenvertretern der polnischen Regierung angeprangert, aber von den Selenskyj unterstützenden westlichen Medienapologeten weitgehend ignoriert.

Besonders wichtig bei der Betrachtung der Förderung von Geschichtsfälschung durch den Westen ist die Rolle der Briten. Die von der Londoner City gelenkten imperialen Kräfte haben eine lange Geschichte darin, in Rußland ihren Hauptfeind auszumachen. Rußland war im 19. Jahrhundert das Ziel im „Great Game“, dem Kampf um die Vorherrschaft in Eurasien, sowie im Krimkrieg; diese strategische Einschätzung wurde durch Halford Mackinders geopolitische Doktrin formalisiert und am Ende des Zweiten Weltkriegs noch verstärkt, als Rußland im Kalten Krieg als die größte Bedrohung für die „westliche Demokratie“ identifiziert wurde.

Keine zwei Wochen nach der deutschen Kapitulation beauftragte Winston Churchill seinen obersten Militärberater während des Krieges, Lord Hastings Ismay, mit der Ausarbeitung eines Plans für eine Invasion der Sowjetunion, der „Operation Unthinkable“ (Operation Undenkbar) genannt wurde. Truman lehnte den Plan ab, aber Churchill ernannte Lord Ismay später zum ersten Generalsekretär der NATO. Es war Ismay, der den Auftrag der NATO wie folgt definierte: „Die Amerikaner drinnen halten, die Sowjetunion draußen halten und die Deutschen unten halten.“

Churchills Feindseligkeit gegenüber der Sowjetunion wurde von Präsident Franklin Roosevelt nicht geteilt, er bestand darauf, die Sowjets in die Nachkriegsplanung einzubeziehen. Dies folgte einer Tradition seit der Zeit der Amerikanischen Revolution, ein auf gemeinsame Prinzipien gestütztes Bündnis mit Rußland aufrechtzuerhalten, das im Unabhängigkeitskrieg ein Verbündeter gewesen war. Im amerikanischen Bürgerkrieg entsandte Zar Alexander II. russische Schiffe in die USA, um eine Blockade der nördlichen und westlichen Häfen durch die Briten zu verhindern, deren Außenminister Lord Palmerston an Königin Victoria schrieb, die Unterstützung der Konföderation liege im Interesse Londons, um die Union zu spalten.

Nach der friedlichen Auflösung der UdSSR 1991, als die Finanzhaie der Londoner City und Wall Street darauf bestanden, daß die USA eine harte wirtschaftliche „Schocktherapie“ gegen Moskau durchsetzten, um Rußland zu zerschlagen – ganz im Sinne der London/Wall-Street-Netzwerke, die mit dem Betrüger Bill Browder in Verbindung standen –, reiste der amerikanische Staatsmann und Ökonom Lyndon LaRouche nach Moskau, um für ein Vier-Mächte-Bündnis aus den USA, Rußland, China und Indien zu werben, mit dem eine neue strategische und entwicklungspolitische Architektur geschaffen werden sollte, deren Merkmale später in den Aufbau der BRICS, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und anderer Institutionen des Globalen Südens einflossen. Diese neue Architektur basiert auf souveränen Nationen, die sich zum gegenseitigen Nutzen verbünden. Anstatt einem unipolaren Hegemon unterworfen zu sein, der mit militärischer Macht ein willkürliches Regelwerk (die „regelbasierte Ordnung“) auferlegt, entsteht nun eine multipolare oder multinodale harmonische Ordnung.

Das korrupte globale Finanz- und Konzernestablishment fürchtet den Übergang zu dieser neuen Ordnung, der bereits im Gange ist und voranschreitet, wie auf der SCO-Konferenz in Bischkek zu beobachten ist. Das wichtigste Instrument der im Niedergang begriffenen unipolaren Ordnung ist – neben der Kontrolle über das Petrodollar-System, die sie gerade verliert, und dem Krieg – ihre Fähigkeit, falsche Narrative zu verbreiten, um ein wahrheitsgetreues historisches Gedächtnis auszulöschen, das denjenigen als Vorbild dienen könnte, die eine Zukunft frei von der Tyrannei der Wirtschafts-Killer des Imperiums anstreben.

Und genau deshalb verunglimpft und unterdrückt die globale Oligarchie Ereignisse, die symbolisch für frühere Phasen der Zusammenarbeit stehen, wie beispielsweise die jährliche Gedenkfeier am 25. April zum Handschlag an der Elbe und die Parade zum Tag des Sieges in Europa am 9. Mai in Moskau.

Ihre Angst ist nicht nur, daß eine korrekte Berichterstattung über solche Ereignisse die Lügen entlarvt, die sie verbreiten, sondern auch, daß das Nachstellen solcher Momente eine starke emotionale Kraft in sich trägt, einschließlich der Verpflichtung, nach der Wahrheit zu suchen. Die Fotos von amerikanischen und russischen Soldaten, die einander bei Torgau umarmen und die Hände reichen, und vom Marsch des „Unsterblichen Regiments“ durch Moskau rühren tiefe Saiten der Erinnerung an, erinnern uns an die Opfer von Familienangehörigen und Mitbürgern und wecken die Liebe zu jenen, die diese Opfer gebracht haben, damit wir in Frieden leben können. Und solche Momente entfachen in uns erneut eine Leidenschaft für Wahrheit und Liebe, die imperiale Raubtiere durch Umschreiben der Geschichte nicht auslöschen können. Das erhält die Wahrheit am Leben. In einer von der „Epstein-Klasse“ beherrschten Zeit ist das Engagement dafür, die Wahrheit aus ihrem „elenden Dasein“ zu befreien, eine mächtige Kraft. Vielen Dank.

Weitere Beiträge von Harley Schlanger

Ein Hilferuf an die Freunde der Neuen Solidarität!

Wie andere Zeitungen auch leidet die Neue Solidarität unter steigenden Kosten und sinkenden Abonnentenzahlen. Angesichts dieser Entwicklung ist das Weiterbestehen unserer Zeitung gefährdet. Damit ginge dem deutschsprachigen Raum eine wichtige Stimme der Vernunft verloren.

Aufrufe zur Unterstützung unserer Zeitung in den vergangenen Jahren halfen uns, das Defizit aufzufangen, wofür wir uns bei allen Unterstützern herzlich bedanken. Aber es besteht weiterhin ein strukturelles Defizit.

Um dieses zu überwinden, brauchen wir vor allem eines: mehr Abonnenten für unsere Zeitung, was auch das beste Mittel ist, das geistige Defizit im politischen Diskurs der deutschsprachigen Welt zu bekämpfen.

Nutzen Sie unsere Zeitung als ein Instrument, dies zu erreichen! Helfen Sie uns, neue Leser zu finden, und empfehlen Sie unsere Zeitung weiter.

Man kann Abonnements auch verschenken. Manche unserer Leser haben Mehrfach-Abos, damit Sie die Zeitung an Interes­sierte weitergeben können. Und natürlich können Sie uns auch weiterhin mit Förder­abonne­ments und Förderbeiträgen helfen.

(Für die aktuellen Meldungen empfehlen wir als Ergänzung unsere täglich erscheinen­den E.I.R. Nachrichten, die den Abonnenten per E-Mail zugestellt werden.

Neukunden können sie 10 Tage lang kostenlos und unverbindlich testen, siehe https://www.eir.de/abo/dadabo/).

Bankverbindungen – Empfänger: E.I.R. GmbH, Wiesbaden – Stichwort: Erhaltet die Neue Solidarität

Nassauische Sparkasse Wiesbaden
IBAN: DE79 5105 0015 0114 0044 99 – BIC: NASSDE55
Postbank Frankfurt
IBAN: DE93 5001 0060 0330 0216 07 – BIC: PBNKDEFF