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Neue Solidarität
Nr. 31, 31. Juli 2013

Düstere Aussichten für deutsche Stahlbranche

Schon kurz nach dem plötzlichen Regierungsbeschluß zum Atomausstieg 2011 warnte die deutsche Stahlindustrie, aus der „Energiewende“ könnten Zusatzbelastungen von bis zu 1,7 Milliarden Euro jährlich entstehen. Für eine Industriebranche, die bereits Preissteigerungen bei importierten Eisenerzen im Umfang von 3 Mrd. Euro verkraften muß und die schon jetzt doppelt so hohe Stromkosten hat wie die Stahlindustrie Frankreichs, bedeutet das eine existentielle Bedrohung.

Voll in die Krise ist die Stahlbranche durch die Auswirkungen der Eurokrise und den drastischen Rückgang in der Automobilfertigung - die allein 25% des in Deutschland erzeugten Stahls abnimmt - geraten. Auch in der Bauwirtschaft, Abnehmer weiterer 25% der Stahlerzeugung, bröckelt es; der Schiffbau ist schon früher eingebrochen. Im zweiten Halbjahr 2012 gingen bei der deutschen Stahlindustrie 12% weniger neue Aufträge ein gegenüber dem Vorjahr, was nach dem Abarbeiten von Aufträgen in diesem Jahr bedeutet, daß 2014 ein ganz schlechtes Jahr wird.

Dem führenden deutschen Schienenproduzenten TSTG droht schon Ende 2013 das Aus, weil dem Haupteigner VoestAlpine (Österreich) die Produktion am Duisburger Standort zu teuer wird - zusätzlich „verteuert“ übrigens durch eine vom Bundeskartellamt verhängte saftige Geldstrafe wegen Absprachen zu deutlich verteuerten Verkäufen von Schienen an die Deutsche Bahn.

Ohnehin liegt die Deutsche Bahn bei den Investitionen ins Schienennetz europaweit am vorletzten Platz: die Pro-Kopf-Ausgaben für das Schienennetz liegen in Deutschland bei nur einem Fünftel dessen, was in der Schweiz ausgegeben wird. Die Deutsche Bahn müßte dringend 6000 Kilometer veraltetes Schienennetz erneuern, ebenso 7500 Eisenbahnbrücken. Insgesamt 40% der 25.000 Brücken der Bahn wurden noch vor dem Ersten Weltkrieg errichtet. Allein 6000 km neue Schienen erfordern knapp 800.000 Tonnen Stahl - das ist mehr als das Doppelte der Jahresproduktion bei TSTG. Der Bau von Stahlbrücken in Modulfertigung, ein weiteres dickes Auftragspaket für die Stahlbranche, hätte den großen Vorteil, daß der Brückenersatz viel schneller vonstatten ginge, weil die Module viel schneller zusammengefügt würden als mit der traditionellen Bauweise. Auch die Betonindustrie würde von 6000 km Gleisneubau profitieren, denn etwa 300.000 Tonnen Beton würden für die Fertigung moderner Bahnschwellen gebraucht.

Was Export von Stahlprodukten betrifft, so würde ein Aufbauprogramm für die südeuropäische Wirtschaft und Infrastruktur, wie es die BüSo fordert, einen absatzstarken Markt schaffen. Hier allerdings ebenso wie im deutschen Bereich ist die Regierung gefordert, die durch langfristige Rahmenabkommen die Auftrags- und Kreditvergabe an die Stahlbetriebe und die Beschäftigung dort über Jahre hinweg absichern muß. Die Krise der deutschen Stahlindustrie ist kein unabänderliches Naturereignis, sondern kann durch gezieltes staatliches Eingreifen ziemlich schnell überwunden werden.

rap