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Neue Solidarität
Nr. 12-13, 23. März 2017

– Bibliothek –

Alexander Hamiltons Prinzip

Da das bankrotte Weltfinanzsystem dringend wieder in den Dienst des Gemeinwohls gestellt werden muß, statt es unter großen Opfern der Allgemeinheit zum ausschließlichen Vorteil einer kleinen Minderheit aufrechtzuerhalten, sollte man heute an die wirtschafts- und finanzpolitischen Konzepte Alexander Hamiltons erinnern, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten und ihr erster Finanzminister. Hamilton setzte in der jungen Republik die Gründung der ersten Nationalbank der Vereinigten Staaten durch und schuf damit ein Kreditsystem, mit dem nach dem Unabhängigkeitskrieg der Wiederaufbau und Aufbau des Landes vorangetrieben wurde.

Die konzeptionelle Grundlage dafür lieferte Hamilton in seinen drei Berichten an den Kongreß über den öffentlichen Kredit (Januar 1790), über eine Nationalbank (Dezember 1790) und über das Manufakturwesen (Dezember 1791), aus denen wir in dieser Ausgabe wesentliche Passagen abdrucken. Ergänzt wird diese Auswahl durch einen Aufsatz des amerikanischen Ökonomen und Staatsmanns Lyndon LaRouche über die notwendige Rückkehr zum Hamiltonischen Kreditsystem aus dem Jahr 2010.

Dieses amerikanische Kreditsystem - das unter Hamilton ausformuliert wurde und zum Tragen kam, aber schon ein Jahrhundert vorher mit Cotton Mather begonnen hatte und danach von Benjamin Franklin weiterentwickelt worden war - zeichnet sich dadurch aus, daß die Währung, das Geld, nicht als Wert an sich betrachtet wird, sondern daß der Staat, die Regierung, laut Verfassung dafür verantwortlich ist, den Unternehmergeist und die wissenschaftliche Erfindungsgabe im Land zu fördern.

Wie Hamilton sagte: „Eine Nation ohne eine nationale Regierung ist meiner Ansicht nach ein furchtbares Schauspiel.” Aber um effektiv zu sein, braucht eine nationale Regierung ein Kreditsystem. So war die Erkenntnis, daß man ein Kreditsystem brauchte, eines der wesentlichen Motive für die amerikanischen Gründerväter, sich zum Verfassungskonvent zu versammeln.

Indem Hamilton die Umwandlung der Papierwährung und Geldschulden der einzelnen Bundesstaaten in eine Kreditwährung der ganzen Nation betrieb und durchsetzte, knüpfte er die Zukunft des Landes an den Erfolg aller Bundesstaaten. So wurden die Wirtschaftsaktivitäten für die Begleichung der Schulden zum Fundament, auf dem die neue Nation aufgebaut wurde. Die Absicht, die Schulden zu begleichen, definierte die Währung, und die Volkswirtschaft wurde zum Motor für den Aufbau der Nation.

Ironischerweise muß man feststellen, daß heute die Europäische Zentralbank, die ja angeblich nach dem Willen ihrer geistigen Väter die Einigung Europas vorantreiben und festigen sollte, im Gegenteil ein Sprengsatz geworden ist, der die Europäische Union zerstört, eben weil sie mit ihrer Politik den Aufbau der beteiligten Nationen bremst oder ganz verhindert.

Mit dem Kreditsystem konnte Hamilton ein Grundprinzip der Wirtschaft umsetzen: Er schuf ein System realwirtschaftlicher Produktivität, in dem aber nicht materielle Dinge, geschaffenes Kapital und Arbeitskraft das Maß des wirtschaftlichen Wertes darstellen, sondern die Geisteskräfte der Menschen, die diese materiellen Dinge erschaffen und die Produktivkraft von Arbeit und Kapital steigern, werden zum Maßstab allen Handelns in einer Volkswirtschaft und aller Produktivität. Neue Erfindungen steigern den Gewinn des Kreditsystems und erhöhen immer weiter die Produktivität der Wirtschaft.

Eine Wirkung dieses Hamiltonischen Kreditsystems war und ist, daß die Funktionsweise der Wirtschaft zunehmend dem Zeitmaßstab der Produktivität folgt. Immer weniger Mittel werden dazu verwendet, vergangene oder gegenwärtige Schulden zu begleichen, und es werden immer weniger Aktivitäten (wie Finanzspekulation) zugelassen, die übermäßige Nachfrage nach Zahlungen in der Gegenwart schaffen. Dafür steigt der Anteil zukünftiger Zahlungen in Verbindung mit der Aussicht auf zukünftiges Wachstum und neue produktive Investitionen - Aussicht auf höhere Produktivität, Schuldscheine, Vertrauen und Kredit eines immer größeren Anteils der an der Produktivität beteiligten Bevölkerung.

Unter Hamilton, John Quincy Adams und Nicholas Biddle (dem Präsidenten der Zweiten Nationalbank) wurde demonstriert, daß durch dieses System die Währung im wesentlichen diesem Prozeß dient: Es vereinigt die Mittel und das Wachstum der Wirtschaft in der Einrichtung und dem Umlauf der Währung.

Die Währung und das Finanzsystem waren nichts Separates. Sie wurden zum „Schatten“ der steigenden Menge und Effizienz der Binnenproduktion, der zunehmenden Produktionsfähigkeit und der weiteren Konsolidierung des Kredits. Und dies war das Grundprinzip des Kreditsystems: daß die Währung mit den Mitteln und dem Wachstum der Volkswirtschaft eine Einheit bildet.

Dazu brauchte man eine zentrale Regierung, und dies gab den Anstoß zur Formulierung der Verfassung. Man hat nicht erst eine Verfassung beschlossen und dann gesagt: „Ach, wir können ja auch eine Wirtschaft aufbauen, die sich an der Zukunft ausrichtet.“ Gerade die Absicht und Notwendigkeit, eine auf die Zukunft ausgerichtete Wirtschaft zu schaffen, war die Triebfeder für die gemeinsame Verfassung. Denn ohne das wäre es unmöglich gewesen, die Unabhängigkeitserklärung - den Vorrang der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht auf privaten Besitz - aufrechtzuerhalten. Die amerikanische Verfassung wurde nicht geschaffen, um Besitz zu schützen, sondern um das Recht zu schützen, insbesondere das Recht des einzelnen, produktiv zu sein und seinen Geist nicht dem Empire zu opfern.

Denn mit dem Recht, produktiv zu sein, wird der Unternehmergeist durch immer mehr Kreditvereinbarungen angeregt, und die Moral des Eigentums verbessert sich. Und es ist und sollte das Recht aller Menschen sein, produktiv zu werden und danach zu streben - streben nach Glückseligkeit, nach Industrie, nach Wissenschaft. Das ist die Bedeutung von Franklins Idee des „Strebens nach Glückseligkeit“ mit Hilfe von geborgtem Kapital mit niedrigen Zinsen, damit Menschen produktiv wirken und sich an die Zukunft binden zu können. Der Staat soll nicht wahllos Geld ausgeben oder sämtlichen vorhandenen Reichtum gleichmäßig verteilen, sondern er soll die Menschen befähigen, produktiv zu werden.

Viele Leute wollen wissen, wie die Gründung einer Nationalbank konkret aussehen soll und wie man sicherstellt, daß sie anders ist als die Federal Reserve, die wie die EZB eine Katastrophe ist. Dazu muß man wiederum dem Vorbild Hamiltons und Biddles folgen. Sie sorgten dafür, daß die Nationalbank ihrem beabsichtigten Zweck diente, und das ist nichts Mechanisches. Die Interessen der Bank wurden an das Interesse des Landes gekoppelt, entsprechend wurde sie organisiert.

Das Ziel war, eine Nation zu gründen und aufzubauen. Zusammen mit Franklin und vielen anderen entschieden sich diese Gründer des Kreditsystems dafür, diese Verantwortung zu übernehmen. Das war das Entscheidende. Und das ist die wichtigste Voraussetzung, die vorhanden sein muß, damit das Kreditsystem funktionieren kann.

Die Nationalbank ist ein Prinzip. Man schafft ein System, wo ein immer größerer Teil der Volkswirtschaft für zukünftige Zahlungen und für die Zukunft arbeitet. Sie ist keine separate Institution, sondern sie gibt der Wirtschaft die Richtung und sorgt dafür, daß die gesamte Volkswirtschaft nach diesem Zeitmaßstab der Produktivität und des Geistes arbeitet.

Dieses Prinzip ist es, was heute wieder zur Anwendung kommen muß, in Amerika und weltweit.

alh/mk