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Neue Solidarität
Nr. 15-16, 9. April 2026

Zerbricht die NATO über dem US-Angriffskrieg gegen den Iran?

Ein Interview mit Dr. Mostafa Maleki

In ihrem Live-Dialog sprach die Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, am 18. März mit dem Presseattaché der iranischen Botschaft in Berlin, Dr. Mostafa Maleki. Das Transkript wurde für den Abdruck leicht bearbeitet, Zwischenüberschriften wurden hinzugefügt. Den Videomitschnitt finden Sie auf der Internetseite des Schiller-Instituts.

Helga Zepp-LaRouche: Mein Gesprächspartner heute ist der Presseattaché der Botschaft von Iran, Herr Dr. Mostafa Maleki. Ich freue mich sehr, daß wir uns jetzt unterhalten können, ich denke, es ist wichtig für die Menschen in Deutschland, in dieser extrem zugespitzten Situation auch mal die Ansicht der anderen Seite in diesem unprovozierten Angriffskrieg gegen Ihr Land zu hören. Und deshalb freue ich mich, Sie heute begrüßen zu dürfen. Erstmal schönen guten Tag.

Dr. Mostafa Maleki: Ja, guten Abend. Vielen Dank für die Gelegenheit. Ich freue mich.

Zepp-LaRouche: Die Nachrichten von heute sind, wie in den letzten schon fast drei Wochen jeden Tag, extrem dramatisch. Fangen wir mal mit der besseren Nachricht an, daß der Chef der Terrorabwehr in der amerikanischen Administration zurückgetreten ist, ein Mensch namens Joe Kent. Und er hat seinen Rücktritt damit begründet, daß er das nicht länger mittragen kann, weil der Iran keine Bedrohung für die USA dargestellt hat. Eigentlich ist das doch ein kleiner Lichtblick, daß es also doch Menschen in der amerikanischen Administration gibt, denen ihr Gewissen gebietet, bei diesem Krieg nicht länger mitzumachen. Wie beurteilen Sie das?

Dr. Maleki:Ja, von diesem Fall, von diesem Rücktritt haben wir auch heute Abend erfahren, heute Nachmittag. Und das zeigt einmal mehr: Es geht um einen Angriffskrieg, den viele, viele in der Welt auch unter den politischen Kreisen nicht unterstützen wollen bzw. auch nicht bereit sind, demgegenüber zu schweigen.

Dieses Beispiel aus den USA ist natürlich nochmal ein stärkeres Signal, ein stärkeres Zeichen, das jetzt auch vielen anderen unter den Politikern auch den Mut geben kann, ihre Meinung, ihre Haltung klar zu äußern und zu sagen, wir sind nicht für diesen Angriffskrieg. Und es geht um eine Aggression, einen Angriffskrieg, für den es keinerlei Gründe gab, keinerlei Mandat aus der UNO, und der illegal war.

Lassen Sie mich kurz jetzt erklären, wo wir uns befinden. Heute Abend ist ein besonderer Abend, es ist in normalen Zeiten im Iran ein Abend voller Freude. Wir stehen kurz vor dem iranischen Jahreswechsel, das heißt hier Nowruz. Alle im Iran, egal aus welcher Region, egal aus welcher Religion, egal mit welchen politischen Einstellungen, wir feiern Nowruz ganz, ganz groß.

In diesem Jahr ist natürlich alles anders, weil wir jetzt mitten in einem Krieg sind – ein Krieg, der mitten im Fastenmonat Ramadan stattgefunden hat, diese Aggression gegen unser Land. Und jetzt stehen wir kurz vor dem Ende des Ramadan und kurz vor dem Beginn des neuen Jahres, und die Stimmung wäre natürlich dieses Jahr ganz, ganz anders gewesen in einer normalen Zeit. Sie wissen, das Ende des Ramadan ist etwas zu feiern, und der Beginn des neuen Jahres im Iran noch mal extra. Aber jetzt momentan ist alles anderes.

Trotzdem, wenn man auf die Straßen im Iran sieht, sieht man diesen Zusammenhalt, man sieht diese Einheit, man versucht im kleineren Rahmen unter den Familienmitgliedern diese Zeit irgendwie zu verbringen und irgendwie das Militär zu unterstützen, das jetzt das Land verteidigt bei dieser Selbstverteidigung.

Trumps Kriegsziele wurden verfehlt

Zepp-LaRouche: Präsident Trump hatte ja Kriegsziele: Er wollte einen Blitzkrieg, also eine schnelle Intervention; einen Regimewechsel; er wollte bedingungslose Kapitulation; er wollte, daß das Atomprogramm des Iran quasi eliminiert wird; er wollte das Raketenprogramm eliminieren. Doch man muß jetzt, in der dritten Woche des Krieges, feststellen, daß er keines dieser Kriegsziele erreicht hat – im Gegenteil, die USA stehen eigentlich vor einem Scherbenhaufen.

Die Auswirkungen davon werden wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen und Wochen klar werden, aber schon jetzt ist vollkommen klar: Die USA haben diesen Krieg nicht gewonnen, und der Iran hat zwar, schätze ich mal, enorme Opfer hinnehmen müssen, aber offensichtlich war es eine vollkommene Fehleinschätzung. Und das ist natürlich für die Reputation der USA nicht gerade ein Ruhmesblatt, denn die militärischen Niederlagen waren ja eine lange Reihe: Vietnam, Afghanistan, Irak, Ukraine eigentlich auch, und jetzt eben Iran. Das wird das militärische Ansehen der USA natürlich enorm belasten.

Aber ich glaube, noch viel mehr ist es wirklich eine moralische Niederlage, sich so über das Völkerrecht hinwegzusetzen, wie die USA das vor allem seit Anfang dieses Jahres tun – auch schon vorher, aber vor allem seit Anfang dieses Jahres. Ich glaube, das wird eine bleibende Niederlage sein, ich sehe gar nicht, wie das einfach zu reparieren wäre. Wie beurteilen Sie das?

Dr. Maleki: Also wir – zumindest wir Iraner, kann ich sagen – wollten diesen Krieg nicht. Und wir sind natürlich nicht froh, daß jetzt viele Iraner, viele meiner Mitbürger im Iran, unter massiven Bombardements von verschiedenen Seiten sind.

Zivilisten werden getroffen. Ein sehr bekannter Fall ist die Grundschule Minab, diese Grundschule, die vor zwei Wochen, glaube ich – wir sind jetzt am 17. Tag dieses Angriffskriegs – bombardiert wurde. Dabei sind leider 175 Kinder, meistens Mädchen, gestorben, ermordet worden. Und natürlich wurden auch viele Krankenhäuser, viele Häuser, auch Raffinerien und so weiter, viele Anlagen, zivile Infrastruktur zerstört.

Deswegen kann man natürlich nicht sagen, dieser Krieg ist schön oder gut und so weiter; keiner sagt das. Wir wollten diesen Krieg nicht, und wir haben diesen Krieg auch nicht begonnen.

Diesen Krieg haben die Amerikaner und Israelis begonnen, und wir haben uns dann natürlich verteidigen müssen, gemäß den völkerrechtlichen Prinzipien, die es in der UNO-Charta gibt, und diese Verteidigung wird auch weitergehen.

Ich glaube, das, was Sie eben erwähnt haben in Bezug auf die Illusion oder diese Fehlkalkulationen, die man hatte – das ist deswegen, weil man vielleicht Iran oder Iraner mit anderen Ländern verglichen hat. Aber es ist ein enormer Unterschied zwischen den Kapazitäten und der Stärke, die Iran zeigen kann und zeigt im Vergleich anderen Ländern. Und vor allem auch – das muß ich nochmal betonen – dieser Zusammenhalt und diese Unterstützung, die wir gerade sehen von der iranischen Bevölkerung, die hinter ihrem Militär stehen und diese Selbstverteidigung massiv unterstützen.

Zepp-LaRouche: Der Iran hat ja in einer Weise reagiert, die viele Menschen im Westen überrascht hat. Der Sicherheitsberater Ali Laridschani hatte im Gegenzug erklärt, daß der Iran verlangt, daß die USA aus der ganzen Region abziehen, das heißt auch die Militärbasen in den verschiedenen Golfstaaten abbauen; daß sie Reparationen zahlen für die Kriegsschäden; daß sie auch Reparationen zahlen für die Sanktionen, die seit vielen Jahrzehnten gegen den Iran verhängt worden sind. Und das zeigt ja doch keineswegs einen Geist der Kapitulation. Nun ist Herr Laridschani heute, soweit man das von den Pressemitteilungen hören kann, selbst umgebracht worden. Können Sie dazu etwas sagen?

Dr. Maleki: In den Medien hört man vor allem von amerikanischer Seite immer diese Behauptung „Iran bittet uns um Waffenstillstand“ oder „Iran hat uns angerufen“, „Iran hat uns kontaktiert“. Ich empfehle Ihrem Publikum sehr gerne, auf die offizielle Seite des iranischen Außenministeriums zu gehen, vor allem auch den Twitter-Account unseres Außenministers, da wird alles offiziell dargestellt, was da genau der Fall ist. Unser Außenminister hat – ich glaube gestern – nochmal betont: Wir haben die Amerikaner nicht kontaktiert, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Wir werden die Selbstverteidigung weiterführen, solange es erforderlich und nötig ist, denn wir sehen uns natürlich massiv angegriffen und wir müssen unser Land stärker verteidigen.

Der Iran setzt auf Diplomatie

Aber wir haben auch immer wieder in verschiedenen Fällen gezeigt, daß wir der Diplomatie eine besondere Stelle einräumen. Wir können uns daran erinnern, daß wir im Juni 2025, als die Israelis und Amerikaner uns angegriffen haben – unter diesem Vorwand, der Iran stehe kurz vor der Atombombe und so weiter – mitten in der Verhandlung waren, wir waren bei der Diplomatie und es gab Verhandlungen in Maskat [im Oman, Red.] und auch in Genf. Und dann haben wir gesehen, daß sie den Iran angegriffen haben.

Und auch dieses Mal waren wir bei der Diplomatie, es gab Verhandlungsrunden mit konkreten Ergebnisvorschlägen. Aber wir haben natürlich sehr gut gelernt aus dem letzten Fall im Juni 2025, daß wir uns auf diese heuchlerische Art und Weise nicht verlassen können, und deswegen waren wir dieses Mal vorbereitet. Und es gab auch viele, viele Anzeichen dafür, daß die Amerikaner und auch die Israelis sich darauf vorbereiten, den Iran anzugreifen.

Trotzdem zeigte der Iran, daß wir immer für Diplomatie sind und daß der Iran nicht für den Krieg ist. In der Geschichte des Iran in den letzten Jahren können Sie keinen einzigen Fall finden, wo er ein anderes Land angegriffen hat. Keinen einzigen. Deswegen haben wir auch dieses Mal – obwohl wir auch irgendwie wußten, daß es vielleicht nur eine Taktik ist oder daß die andere Seite nicht richtig an Diplomatie glaubt in diesem Fall -; trotzdem haben wir, um der Welt zu zeigen, daß wir für die Diplomatie sind, diese Verhandlungsrunden gemacht. Und wir haben gesehen, daß sie uns trotzdem angegriffen haben. Also ein ganz klarer Rechtsbruch, der zurecht auch von vielen verschiedenen Politikern und vielen Ländern und Menschen in der Welt so gesehen wird.

Zepp-LaRouche: Eine Konsequenz dieser Entwicklung ist natürlich, daß der Iran jetzt erfolgreich die Straße von Hormus blockiert. Das hat enorme Wirkungen auf die Weltwirtschaft. Vor allem viele Staaten in Asien sind enorm von den Lieferungen abhängig, die durch diese Straße kommen. Aber auch die gesamte Weltwirtschaft könnte in riesige Mitleidenschaft gezogen werden. Im schlimmsten Fall könnte das sogar einen Krach des gesamten Finanzsystems auslösen, das ja ohnehin extrem fragil ist.

Nun hat Präsident Trump verlangt, daß die Verbündeten den USA zu Hilfe kommen sollen bei der Überwindung der Blockade in der Straße von Hormus. Interessanterweise haben das alle Verbündeten abgelehnt, sogar Japan, sogar Großbritannien, aber zum Glück auch Deutschland.

Als Reaktion darauf wiederum hat Präsident Trump jetzt gedroht, er werde vielleicht sogar mit den USA aus der NATO austreten, und dafür sei der Kongreß nicht notwendig – was wahrscheinlich nicht stimmt. Aber jedenfalls hat er das gesagt, das wurde auch schon unterstützt von [US-Senator] Lindsey Graham.

Das wäre vielleicht nicht die schlechteste Reaktion, denn wenn die NATO sich auflöst, würde das ja vielleicht notwendigerweise dazu führen, daß man stattdessen eine integrierte Sicherheitsordnung auf die Tagesordnung stellt. Was ist Ihr Kommentar dazu?
Dr. Maleki: Was diese Streitigkeiten jetzt zwischen den Verbündeten angeht, in Bezug auf die Straße von Hormus oder auch bei anderen Fällen, die es geben kann, glaube ich, das ist eine Sache, die jetzt uns eigentlich in der jetzigen Zeit nichts angeht als etwas, womit uns jetzt beschäftigen. Auf jeden Fall kann man das als eine Blamage sehen, die die USA erfahren mußten in Bezug auf diese mögliche Unterstützung, die von den Verbündeten erwartet worden ist. Man hat sicherlich spüren können, daß auf die USA kein Verlaß möglich ist.

Ich bin kein Militärexperte, ich kann vielleicht nicht so ganz richtig einschätzen, was da genau läuft und warum und wie. Aber eines kann ich sagen: Wir glauben an die Kraft unserer Streitkräfte. Und die Kalkulationen, die man macht – daß sie jetzt im Rahmen dieser Selbstverteidigung auch Maßnahmen treffen, um das Land zu verteidigen, und alles andere, was da genau diese Streitigkeiten angeht oder andere Sachen – das kann ich nicht so richtig beurteilen oder will ich auch nicht. Denn unsere absolute Sicherheitspriorität momentan ist diese Selbstverteidigung, und deswegen wollen wir uns auf die Art und Weise verlassen, wie unsere Streitkräfte jetzt das Land verteidigen.

Zepp-LaRouche: Ich denke, daß die Lage durchaus noch eskalieren wird. Es gibt einerseits in Amerika viele Proteste, auch dagegen, daß die USA sich sehr stark auch auf religiöse Motive beziehen; zumindest der Verteidigungsminister Hegseth hat sich in der Hinsicht geäußert. Gleichzeitig läuft jetzt der [israelische] Angriff auf den Libanon. Wie sehen Sie die Gefahr, daß diese Krise wirklich zu einem noch größeren Krieg wird?

Dr. Maleki: Die Gefahr ist da, obwohl wir so etwas nicht wollen. Der Iran will keine Eskalation, aber die Gefahr ist natürlich da.

Sie haben schon anfangs erwähnt, daß im Rahmen dieses Angriffskriegs viele Kommandeure und natürlich das Staatsoberhaupt des Iran getötet worden sind, und - das sage ich nochmals – daß jetzt das Völkerrecht total mit Füßen getreten worden ist. Das heißt, das Völkerrecht ist jetzt so geschwächt wie nie.

Wir müssen nochmals erwähnen, daß diese Angriffe von einer Seite kommen, die selbst, auch wegen diesem Gaza-Krieg und auch all den anderen Aggressionen, die es gab, hoch umstritten ist und selbst viele Tausende, Millionen Palästinenser vertrieben hat. Das alles sind schon traurige Völkerrechtsbrüche. Und dann kommt jetzt gerade von dieser Seite noch mal ein Angriffskrieg auf den Iran. Das ist nochmal ein Zeichen, daß das Völkerrecht jetzt am Ende ist.

Wir müssen, die Weltgemeinschaft muß das Völkerrecht retten. Wenn wir jetzt eine Deeskalation wollen oder wenn wir jetzt verhindern wollen, daß das alles in einen großen Krieg eskaliert, dann müssen wir auf das Völkerrecht setzen. Da müssen wir ganz klar die Aggressoren verurteilen und alle Möglichkeiten, die es jetzt beim Völkerrecht gibt, nutzen, um diesen Schaden, die Opfer, die der iranischen Bevölkerung zugefügt worden sind, zu ersetzen, damit es zu einem Waffenstillstand und zu einer besseren, ruhigen Zeit kommt.

Zepp-LaRouche: Ja, ich kann Ihre Einschätzung leider nur teilen, das Völkerrecht liegt am Boden. Präsident Trump hat in einem Interview mit der New York Times am 7. Januar auf die Frage, welche moralischen Richtlinien er berücksichtigt, gesagt: nur seinen eigenen Geist, und er brauche kein Völkerrecht. Und leider ist auch die Diskussion darüber hier in Europa oder auch in Deutschland so, daß viele führende Politiker gesagt haben, ja, Völkerrecht ist eine gute Sache, aber in solchen Fällen wie mit dem Iran, da sehe man ja, daß es nichts nützt.

Also mit anderen Worten, das Völkerrecht wird als ein Gummiparagraph betrachtet, den man so biegen kann, wie man will. Der Premierminister von Kanada hat in Davos auf dem World Economic Forum eine Rede gehalten, in der er sagte: Diese regelbasierte Ordnung, das wissen wir ja schon seit langem, die wird nur von denen benutzt, die die Macht haben, das zu ihren Gunsten auszulegen.

Das Völkerrecht gründet im Naturrecht

Und das ist natürlich genau das Gegenteil von dem, was das Völkerrecht eigentlich soll, wenn man das Völkerrecht richtig versteht. Das steht zwar so explizit nicht in der UN-Charta, aber wenn man die ganze Entwicklung betrachtet, wie es zum Völkerrecht gekommen ist – über den Westfälischen Frieden und über wirklich lange Prozesse –, dann kann man sogar sagen, daß das Völkerrecht einen naturrechtlichen Bezug hat, das heißt, es bezieht sich auf etwas, was eigentlich in der Schöpfungsordnung verankert ist. Und das ist ja ein Gedanke, der in allen Kulturen irgendwie zum Vorschein kommt. In Europa hat man das Naturrecht genannt, in Indien zum Beispiel nennt man das Kosmologie, das ist die Idee, daß die Politiker sich nach einem im Kosmos verankerten Recht richten müssen, in China hat man da von dem Mandat des Himmels gesprochen.

Also, in allen Kulturen findet man eigentlich diese Idee, daß es ein Recht gibt, was da ist, auch wenn die Menschen es mißachten, und das Völkerrecht ist eine Reflektion dieser tieferen Rechtsauffassung. Vielleicht können Sie das mal aus iranischer Sicht kommentieren?

Dr. Maleki: Ja, genau so ist das. Ich meine, dieser selektive Umgang mit dem Völkerrecht, das ist nicht schön. Wir können nicht sagen: Wir halten uns an das Völkerrecht, solange es zu unseren Interessen paßt, und wir verlassen es oder wir ignorieren es oder wir halten es nicht ein, wenn es unseren Interessen nicht entspricht. Damit muß man aufhören.

Wenn man eine nachhaltige Lösung will, einen Frieden, der nachhaltig wirkt, dann müßte man sich auch in einer Ordnung befinden, wo diese selektive, diese Doppelmoral nicht mehr vorhanden ist bei einer Deeskalation, bei einem möglichen Waffenstillstand.

Wie gesagt, wir hoffen alle, daß dieser Krieg bald beendet wird. Aber natürlich kann das iranische Volk mit über 7000 Jahren Geschichte, Zivilisation, diese Hochkultur, nicht akzeptieren, einfach von einem anderen Regime und von den USA, angegriffen zu werden, ohne angemessen darauf zu antworten. Und wie auch unser Außenminister gesagt hat, diese Selbstverteidigung wird sich fortsetzen, bis man zu einer nachhaltigen, also dauerhaften Lösung kommt, in der es keinerlei Gefahr gibt, daß der Aggressor diese Tat wiederholt.

Eine nachhaltige Lösung in der Region kann nur dann gelten, wenn der Iran dabei ist und der Iran natürlich eine große Rolle spielt, und dabei möglichst wenig US-Präsenz hier in der Region ist. Die Nachbarländer, die Länder in der Region, können selbst eine Sicherheitsarchitektur bauen in der Region. Sie müssen entscheiden. Iran hatte auch in der Vergangenheit Initiativen für solch ein Zusammensein vorgeschlagen. Dazu sind diese Länder selbst in der Lage, wenn sie es wollen, wenn der politische Wille da ist, wenn sie miteinander reden – natürlich im Austausch mit internationalen Akteuren. Eigentlich braucht man keine anderen Kräfte oder Mächte von außen in der Region. Das ist eine Lösung, die man anstreben kann. Und ich hoffe sehr, daß man auch irgendwann zu dieser Lösung kommt.

Den Kampf der Kulturen durch Dialog überwinden

Zepp-LaRouche: Sie haben die 7000 Jahre alte Geschichte Persiens erwähnt. Ich habe mich seit einiger Zeit damit beschäftigt. Vor allem war mir bewußt, daß das Narrativ nach dem Ende des Kalten Krieges bewußt geändert wurde. Es war nicht mehr der Kommunismus, der das Feindbild der NATO und der anglo-amerikanischen Sicht ausgemacht hat, sondern Samuel Huntington hat dieses schreckliche Buch geschrieben über den „Clash of Civilizations“, den Kampf der Kulturen.

Ich habe dieses Buch damals gelesen, es war ein furchtbares Buch. Ich habe gesagt, Samuel Huntington hat von keiner dieser Kulturen eine Ahnung, weder vom Christentum noch vom Hinduismus noch vom Islam noch vom Konfuzianismus. Es triefte nur so von Vorurteilen.

Aber es hat natürlich sehr stark das Bild des Islams geprägt. Das geopolitische Feindbild der Sowjetunion und Kommunismus war weg, darum mußte man ein neues Feindbild aufbauen.

Es ist ja interessant, daß der frühere Präsident des Iran, Chatami – ich glaube, das war 2000 – einen sehr interessanten Vorschlag gemacht hat, nämlich, diesen Kampf der Kulturen zu ersetzen durch den Dialog der Zivilisationen. Und das hat damals viel, viel Resonanz gefunden, Kofi Annan hat das in die UN eingebracht, es gab viele Konferenzen zu dem Thema.

Mir scheint das wirklich eine sehr wichtige Idee, die man gerade jetzt neu beleben müßte, um einfach eine Ebene der Diskussion zu erzeugen, die diese Konflikte nachhaltig überwinden kann. Vielleicht können Sie mal etwas zu dieser Idee des Dialogs der Kulturen sagen.

© Pirusan Mahboob (via Wikipedia, cc-by-sa 4.0)
„In einem Boot“: das Goethe-Hafis-Denkmal in Weimar.

Dr. Maleki: Ja, ein sehr guter Punkt. Wo Sie diesen Dialog, der vom damaligen iranischen Präsidenten angestoßen wurde, erwähnen: Da kann man auch in die Stadt Weimar reisen. Ich weiß nicht, ob Sie das gesehen haben, in Weimar gibt es zwei Stühle als Symbol des Dialogs – einer von Goethe, einer von Hafis, unser Dichter, der im 12., 13. Jahrhundert gelebt hat, und der berühmte Dichter und Philosoph von Deutschland, Goethe, der im 18. Jahrhundert gelebt hat. Sie waren in zwei unterschiedlichen Zeiten, aber sie haben sich zusammengefunden und einen Dialog geführt.

Diese Stühle wurden im Rahmen dieses Dialogprozesses vom damaligen iranischen Präsidenten in Weimar eingeweiht. Und jedes Mal, wenn ich diesen Platz besuche, verstehe ich oder betone ich noch mal, wie wichtig Dialog zwischen Kulturen ist.

Das ist eine sehr, sehr traurige Geschichte in diesem jetzigen Krieg. Iran hat diese Geschichte, diese Zivilisation und das zeigt sich auch in verschiedenen historischen Stätten, die es im Iran gibt, viel Weltkulturerbe, das es im Iran gibt. Und ich muß sagen, einige davon sind jetzt im Rahmen dieses Angriffskrieges stark beschädigt worden, wenn man die Stadt Isfahan sieht, wenn man auch ein paar andere historische Dinge in Teheran sieht. Das ist das Weltkulturerbe, das jetzt massiv beschädigt worden ist.

Das ist ein Kriegsverbrechen. Leider wird es in der medialen Debatte, vor allem auch hier in Europa und hier in Deutschland, so dargestellt, daß nur ganz gezielte Angriffe durchgeführt werden. Aber das ist nicht der Fall. Tatsache ist, daß zivile Infrastrukturen getroffen werden. Jeden Tag sieht man schreckliche Bilder, mal Kultur, mal Bildung, mal zivile Infrastruktur. Ich habe momentan keine genaue Statistik, aber wir haben mehrere hundert zivile Opfer. Und wir haben auch viele Krankenhäuser und auch viel Weltkulturerbe, das beschädigt worden ist.

Das kommt leider, wenn überhaupt, zu kurz zur Sprache hier in der medialen Debatte, und das finde ich sehr, sehr schade. Wenn man die Talkshows sieht und so weiter – natürlich sitzen da oft Leute, die einfach bestimmte Narrative verfolgen und manchmal auch nur ein paar rhetorische Floskeln von sich geben und nichts anderes. Und es gibt auch Leute, die in diesen Talkshows sitzen, die nie im Iran waren. Oder das letzte Mal, als sie im Iran waren, war vor 20 oder 25 Jahren.

Das geht nicht. Wenn man über den Iran redet, muß man auch den Iran kennen, man muß die Bevölkerung richtig kennen, man muß dagewesen sein. Und umso wichtiger ist es, daß man jetzt Kanäle findet, Wege findet, wie man mehr im Dialog bleibt, zumal wenn man bedenkt, daß man in einem Land ist, also Deutschland, das das Land der Denker und Philosophen ist.

Ich habe Lessing gelesen, ich habe Goethe gelesen, ich habe Schiller gelesen, natürlich. Ich habe selbst Germanistik studiert und bin auch immer stolz, daß ich Deutsch gelernt habe und auch Germanistik studiert habe. Aber wenn ich gerade manche Haltungen oder manche Diskussionen hier in den Medien oder auch bei manchen Politikern sehe, finde ich es sehr, sehr schade, daß jetzt gerade in diesem Land teilweise so viel Unwissen herrscht in Bezug auf den Iran. Und dieses Unwissen oder diese Narrative bestehen auch teilweise deswegen, weil man nicht genug miteinander im Dialog war, weil man Versäumnisse hatte, was den Dialog angeht. Sie sind nicht immer nur politisch motiviert. Man hätte viele verschiedene Möglichkeiten für den Dialog nutzen müssen, um miteinander mehr zu reden, um mehr Austausch zu haben.

Stimmen der Vernunft im Westen

Zepp-LaRouche: Eine wichtige Entwicklung ist ja, daß sowohl Papst Leo XIV., Kardinal Parolin, die amerikanischen Bischöfe und Kardinäle und auch der Erzbischof von München, Marx, alle diesen Krieg absolut als durch das Kirchenrecht überhaupt nicht gedeckt verurteilt haben, also wirklich sehr, sehr scharf angegriffen haben. Der Papst hat sogar davon gesprochen, daß die Gefahr besteht, daß ein unwiderruflicher Abgrund dadurch aufgerissen wird.

Von der katholischen Kirche kommt also sowohl in Amerika als auch in Deutschland und auch in Italien von Kardinal Zuppa, der ist der Chef der Bischofskonferenz in Italien, eine sehr starke Verurteilung dieses Krieges. Und man würde doch hoffen, daß vielleicht in Deutschland, wo wir ja doch zumindest zwei Parteien haben, die das Wort christlich in ihrem Namen führen, also die CDU und die CSU, daß die mal auf diese Kirchenführer hören würden. Was denken Sie?

Dr. Maleki: Ich bin nicht in der Lage oder in einer Position, jetzt die Positionen von deutschen Politikern oder Parteien usw. zu beurteilen oder zu kommentieren. Aber trotzdem will ich sagen: Wir hören auch hier in Deutschland verschiedene Stimmen. Sie haben Recht, es gibt innerhalb dieser Parteien, unter diesen Politikern auch Stimmen, die sagen, dieser Krieg ist nicht unser Krieg oder dieser Krieg ist völkerrechtwidrig usw. usf.

Und man sieht auch: Trotz des Druckes gibt es diese Stimmen, die zumindest aus unserer Sicht die richtigen Stimmen sind, daß jetzt mit diesem Angriffskrieg ein Völkerrechtsbruch zustande gekommen ist. Das habe ich auch von manchen Politikern gehört, und das begrüßen wir natürlich.

Aber wir kennen auch, wir können auch diese historische Verantwortung verstehen, die Deutschland hat, gegenüber Israel, oder die besonderen Verhältnisse, die es gibt. Trotzdem erwarten wir natürlich, wenn eine Grundschule mit 175 Kindern bombardiert wird, daß man das zumindest verurteilt. Das ist das Mindeste, denke ich. Man braucht nicht diesen Angriffskrieg zu verurteilen, sagen wir mal, wegen dieser Geschichte, all dem, aber daß man diesen Angriff auf diese Grundschule verurteilt, das ist das Mindeste, das man erwarten kann und muß.

Und deswegen überrascht es uns jetzt sehr, daß das – obwohl jetzt auch einige europäische Länder bereit waren oder sich verpflichtet gefühlt haben, zumindest diesen Angriff zu verurteilen – zumindest nach meinem Wissen jetzt hier in Deutschland nicht der Fall hier ist. Und ich hoffe sehr, daß man jetzt zumindest diesen Angriff verurteilt. Denn das waren 175 unschuldige, ich betone es noch mal, 175 Kinder, was für uns Iraner sehr wichtig ist. Man kann nicht einfach schweigen.

Zepp-LaRouche: Es muß jetzt eine Untersuchung geben, ob das Absicht war oder ein Fehler. Aber selbst wenn es nur ein Fehler war, gibt es jetzt in Amerika Untersuchungen. Die Einrichtungen, die eigentlich vorher überprüfen müßten, ob es sich um das Ziel handelt, das anvisiert ist, die wurden alle abgebaut. Mit anderen Worten, es ist eine Grauzone, ob das jetzt Absicht war oder nicht. Jedenfalls hat [US-Kriegsminister] Hegseth gefordert, daß die amerikanischen Soldaten gegenüber den Iranern keine Gnade zeigen sollen, was ja auch eine barbarische Forderung ist. Es gibt Artikel und Stimmen in Amerika, die sagen, daß das eine Anstiftung zu Kriegsverbrechen ist.

Das ist doch eine Entwicklung, wo man sich eigentlich nicht beim Iran Sorgen um das Völkerrecht und überhaupt das Recht machen muß, sondern vielleicht auf der Gegenseite.

Wir brauchen den kulturellen Austausch

Aber ich möchte noch mal darauf zurückkommen: Ich denke, wir müssen aus dieser Situation wirklich einen Dialog der Kulturen initiieren, bei dem das Wissen über den Iran bei den Menschen in Europa, in Amerika – ich glaube im Globalen Süden ist das Interesse viel größer –, aber vor allen Dingen in Europa wieder hergestellt wird. Sie haben auf die jahrtausendlange Geschichte von Persien verwiesen. Es gab Zeiten, da war diese Region weltführend, zum Beispiel in der Zeit von Baktrien, in der Zeit der Tausend Städte – das war die Region von Persien bis wo heute Afghanistan ist, Usbekistan. Das war damals die entwickeltste Region der Welt.

Ich sehe die Entwicklung der Universalgeschichte so, daß viele Kulturen und Zivilisationen jeweils etwas zur Entwicklung der Menschheit beigetragen haben, und die Fackel des Fortschritts ging von der einen Hand zu der anderen. Das ist eigentlich unsere gemeinsame Geschichte, auf die wir stolz sein müßten. Wenn man so einen Blick hat, dann ergibt sich von ganz allein die Notwendigkeit, daß man die positiven Beiträge jeder Kultur würdigt.

Dr. Maleki: Das stimmt. In den letzten Monaten haben wir in unserer Botschaft hier in Berlin verschiedene Kulturveranstaltungen gehabt. Wir haben sehr schöne Dichtungsabende veranstaltet, wo immer zwei große iranische und deutsche Dichter, Philosophen gegenüberstanden, die in einem Dialog waren. Zum Beispiel haben wir Dichtungsabende von Adam Olearius und Sadi veranstaltet, von Hafis und Goethe, und und und. Ich denke auch, es ist so wichtig, daß man in der Kultur viel, viel mehr macht. Und was Sie auch erwähnt haben: Religion ist auf jeden Fall ein großartiger Anlaß, um genau diesen Dialog zu fordern.

Aber ich muß auch sagen, während wir heute Abend noch miteinander reden: Dies ist der 17. Tag dieses Angriffskriegs. Wir sind momentan noch nicht in einer Situation, wir sind weit davon entfernt, jetzt über einen Dialog oder Kultur zu reden. Wir sind mitten in einem Angriffskrieg, und absolute Sicherheitspriorität des Iran ist natürlich, sich zu verteidigen, um zu verhindern, daß noch mehr Opfer unter der iranischen Bevölkerung hinzukommen. Ich weiß nicht, ob nicht gerade jetzt, während wir hier sprechen, im Iran Teheran und andere Städte bombardiert werden, wo sich Familienkreise versammelt haben, um dieses Ende des Ramadan oder diese Stimmung des Neujahrs irgendwie zu feiern oder zusammen zu sein. Ob sie jetzt nicht einfach fürchten müssen, daß beim Nachbar oder bei ihnen selbst eine Bombe einschlägt.

Ich bin immer für die Kultur, ich habe auch Erfahrung in dem Bereich, zumindest seit 15 Jahren bin ich dabei, genau diesen wissenschaftlichen Kulturaustausch zu fordern. Das wollen wir machen, das müssen wir auch machen, sobald wieder eine ruhige Zeit zurückkommt. Da müssen wir natürlich auf Dialog setzen. Aber momentan bin ich wirklich mental nicht darauf vorbereitet, über den Dialog oder über die Kultur zu reden, heute Abend. Denn wir machen uns natürlich auch Sorgen wegen unserer Verwandten, unserer Bevölkerung im Lande. Aber grundsätzlich bin ich natürlich persönlich sehr, sehr dafür und finde ich auch, der beste Weg zu einer nachhaltigen Lösung ist: mehr sprechen, mehr Dialog und mehr Kulturaustausch.

Zepp-LaRouche: Es ist ja durchaus eine große Gefahr, daß es weiter eskaliert, was natürlich kein Mensch hoffen kann. Es gab in Amerika einen Artikel von einem gewissen Herrn Ullmann, der ist ein Berater des Atlantic Council, also in einer offiziellen Position. Und der hat gesagt, das ganze strategische Bombardieren hätte nie funktioniert, weder in Vietnam noch in Afghanistan noch im Irak; es habe nur ein einziges Mal eine solche strategische Bombardierung gegeben, die im Sinne der USA Erfolg gehabt hätte – und das sei die Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki gewesen. Das ist ein Artikel, der in der Zeitschrift The Hill erschien, die wird gratis an alle Kongreßabgeordneten und Senatoren verteilt.

Allein schon, daß so etwas geschrieben werden kann, ist ja eigentlich schon ein Zeichen für die Barbarei, in die wir da schon reingestürzt sind. Aber ich denke mal, egal was jetzt nach diesem Krieg, der hoffentlich bald zu Ende ist, passiert oder wie er gestoppt wird, es wird auf jeden Fall die Notwendigkeit bestehen, daß man sich wirklich überlegt: Wie können wir uns eine Sicherheitsarchitektur geben, die so etwas verhindert?

Die UN hat ja offensichtlich nicht funktioniert, um das zu verhindern, das Völkerrecht ist tot, wie wir beide festgestellt haben. Aber wir brauchen eine Herangehensweise, wie wir eine Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf die Tagesordnung stellen, die die Interessen aller Nationen – und zwar jedes einzelnen Landes auf dieser Welt – berücksichtigt.

Denn das war die Lehre des Westfälischen Friedens. Der Westfälische Frieden hat 150 Jahre Religionskrieg in Europa beendet, und die Kriegsparteien sind an den Verhandlungstisch gekommen, weil ihnen klar war: Wenn der Krieg weitergeht, wird niemand mehr da sein, der sich über den Sieg freuen kann, weil alle tot sind.

Damals war schon ein Drittel der Bevölkerung umgekommen, und im Zeitalter von Atomwaffen besteht ja doch die Notwendigkeit, daß man sagt: Es gibt keine Gewinner in so einem Krieg. Diese Erkenntnis müßte sich doch endlich mal in einer neuen Architektur niederschlagen.

Dr. Maleki: Ja, und ich hoffe auch sehr, daß es jetzt genau zu einer solchen Sicherheitsarchitektur kommt, die unserer Region Nachhaltigkeit gibt. Wenn wir über Nachhaltigkeit einer Sicherheitsarchitektur sprechen: Das bedeutet zumindest für den Iran eine Architektur, in der die Länder in dieser Region – die Nachbarstaaten des Iran, der Iran und natürlich die Staaten, die am Persischen Golf sind – alle zusammen so eine Architektur, so eine Ordnung haben, und daß natürlich in dieser Ordnung fest verankert wird oder garantiert wird, daß andere Länder nicht so einfach völkerrechtswidrig den Iran angreifen können. Das muß jetzt irgendwie garantiert werden, glaube ich, daß man nicht einfach – sogar mitten in Verhandlungen, während man sich für Diplomatie einsetzt – mit diesen Angriffskriegen konfrontiert ist. So etwas muß verhindert werden.

Und wie man das jetzt macht – das braucht natürlich noch viel Gespräche, das braucht natürlich viel Lernen aus der Lektion, die man aus der Vergangenheit hat. Und wirklich auf Frieden und auf einen nachhaltigen Frieden hinzuwirken erfordert auch, daß auch der politische Wille da sein muß.

Zepp-LaRouche: Dann kann ich heute Ihnen und Ihrem Land nur alles Gute wünschen und hoffen, daß nicht weitere unschuldige Menschen dabei umkommen und daß die Menschheit generell etwas aus dieser schrecklichen Erfahrung lernt. Ich kann Ihnen nur mit meinen guten Wünschen heute auf Wiedersehen sagen und Ihnen ganz herzlich für das Gespräch danken.

Dr. Maleki: Vielen Dank für diese Möglichkeit. Ich freue mich immer, wenn es auch andere Fragen gibt, daß wir jetzt im Dialog bleiben, daß wir diesen Austausch miteinander fortsetzen, damit wir jetzt noch mal versuchen, jetzt auch andere Stimmen vor allem hier in Deutschland zu hören.

Denn aus meiner Sicht gibt es nicht nur einen Krieg auf dem Feld, sondern auch es gibt einen starken medialen Krieg. Es gibt auch klare Beispiele dafür – wenn zum Beispiel plötzlich irgendwo in der Zeitung steht, das Staatsüberhaupt des Iran sei nach Moskau geflohen. Oder daß man jetzt hier in den Medien so stark auf nur einen bestimmten Aspekt von Geschehnissen im Iran fokussiert und alles andere ausgeblendet.

Das finde ich nicht ausgewogen und ich hoffe sehr, daß wir durch diesen Dialog und durch mehr miteinander sprechen eine ausgewogene Berichterstattung, ausgewogene Situation erlangen können. Vielen Dank.

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