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Neue Solidarität
Nr. 11-12, 12. März 2026

Nach dem US-Angriff auf den Iran:
Hat der Dritte Weltkrieg schon begonnen?

Von Helga Zepp-LaRouche

Die Vorsitzende des Schiller-Instituts eröffnete das Online-Krisenforum am 2. März mit den folgenden Bemerkungen. (Übersetzung aus dem Englischen.)

Sehr geehrte Damen und Herren, Weltbürger aus vielen Ländern, ich heiße Sie herzlich willkommen. Wir treffen uns hier in einem Moment, der wahrscheinlich der schwerwiegendste in der Weltgeschichte ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Dritte Weltkrieg bereits begonnen hat. Mit dem unprovozierten Angriff der Vereinigten Staaten auf die Republik Iran sind wir nun in eine Eskalationsspirale geraten, die innerhalb kurzer Zeit zu einem globalen Atomkrieg eskalieren könnte.

Es ist daher dringend erforderlich, daß alle Bürger guten Willens mobilisieren, um ihre Regierungen und Parlamente in allen Ländern der Welt aufzufordern, alle militärischen Aktionen sofort einzustellen und zur Diplomatie zurückzukehren.

Laut einem Bericht von Reuters teilte das Pentagon dem US-Kongreß kurz vor dem Angriff mit, es gebe keine Anzeichen dafür, daß der Iran die Vereinigten Staaten zuerst angreifen werde. Es handelte sich also um einen Angriffskrieg. Mit dem Angriff auf den Iran und der Ermordung des Obersten Führers Ajatollah Chamenei – der nun zum Märtyrer erklärt wurde – kam diese Tötung der Ermordung des höchsten Führers des Christentums, des Papstes, gleich. Wir befinden uns nun in einer Dynamik, die zu einer Eskalation führen könnte, die, wenn sie nicht gestoppt wird, das Ende der Zivilisation in einem globalen Atomkrieg bedeuten würde, gefolgt von einem nuklearen Winter, in dem alles Leben auf der Erde ausgelöscht würde.

Wir schließen uns daher dem Appell von Papst Leo XIV. an, seinem Aufruf an die Welt, an alle Nationen, sich ihrer moralischen Verantwortung für die Suche nach Frieden zu erinnern. Der Papst sagte nach seinem jüngsten Sonntags-Angelus: „Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegenseitige Drohungen oder durch Waffen erreichen, die Zerstörung, Leid und Tod bringen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog. Angesichts der Möglichkeit einer Tragödie von enormem Ausmaß richte ich einen eindringlichen Appell an die beteiligten Parteien, die moralische Verantwortung zu übernehmen, die Spirale der Gewalt zu stoppen, bevor sie zu einem unüberwindbaren Abgrund wird. Möge die Diplomatie ihre Rolle wiederfinden und das Wohl der Völker gefördert werden, die sich nach einem friedlichen Zusammenleben auf der Grundlage der Gerechtigkeit sehnen. Und beten wir weiterhin für den Frieden“, so der Papst.1

Der Angriff der USA auf den Iran ist eine Wiederholung des Angriffs der USA auf den Irak im Jahr 2003, wo nun durch die Aussagen aktiver Beteiligter zu 100% belegt ist, daß alle verantwortlichen US-Beamten im Voraus wußten, daß Saddam Hussein weder über Massenvernichtungswaffen verfügte noch eine Bedrohung für andere Länder darstellte. Es handelte sich um einen vorsätzlichen, mutwilligen Massenmord. Ebenso basierte der Angriff Israels und der Vereinigten Staaten auf den Iran im Juni 2025 auf Lügen, daß der Iran angeblich innerhalb weniger Tage über Atomwaffen verfügen werde, wobei die Fatwa des obersten religiösen Führers Chamenei ignoriert wurde, daß das Ziel, Atomwaffen zu besitzen, im Widerspruch zum islamischen Recht stehe und daher nicht verfolgt werde.

Bei ihrem jüngsten Angriff gaben die Vereinigten Staaten wieder vor, in Genf mit dem Iran zu verhandeln, während sie einen Angriff vorbereiteten, den Trump Quellen zufolge bereits viele Tage zuvor beschlossen hatte. Verschiedenen Berichten zufolge, darunter einem des Analysten John Helmer, hatte der Iran in den Verhandlungen den Bedingungen für die Urananreicherung zugestimmt und wahrscheinlich auch zugestimmt, die Hisbollah, die Iraker und die Huthis nicht mehr zu unterstützen. Offenbar war es für den Iran inakzeptabel, sein Raketenprogramm aufzugeben, das er offensichtlich als entscheidend für seine Selbstverteidigung ansah.

Diesen Quellen zufolge warnte General Daniel Caine, der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Präsident Trump, ein konventioneller Angriff auf den Iran und auf die Nuklearanlagen und Raketenvorräte werde nicht erfolgreich sein, und riet daher zu einem „Balanceakt”.

Unterdessen ist die Meldung eingetroffen, daß die kürzlich vom Pentagon durchgeführte Krisensimulation „2035 Overmatch Brief” Quellen zufolge gezeigt hat, daß chinesische Hyperschallraketen den US-Flugzeugträger USS General Ford versenken könnten. Und das französische Magazin Journal du Dimanche berichtete laut anderen Kontakten, daß die Chinesen diese CM-302-Raketen an den Iran geliefert haben. Die Frage sei, ob die Chinesen auch den Schlüssel zu deren Einsatz lieferten. Andere Quellen berichten, die Iraner hätten elektronische Störgeräte erhalten, um den Start amerikanischer F-35-Kampfflugzeuge vom Flugzeugträger zu verhindern.

Nun berichten auch viele Analysten, die mit den militärischen Aspekten der Ereignisse bestens vertraut sind, daß die Bestände an US-Abfangraketen nur für etwa ein bis zwei Wochen reichen – während Präsident Trump nun angekündigt hat, daß dieser Krieg etwa vier Wochen dauern wird – und daß die amerikanischen Munitionsvorräte wegen der massiven Waffenlieferungen an Israel zur Zerstörung Gazas sowie an die Ukraine auf einen sehr kurzen Zeitraum, vielleicht ein bis zwei Wochen, geschrumpft sind.

Es wird auch berichtet, daß offenbar bei den jüngsten Treffen von Ministerpräsident Netanjahu mit Trump in Miami mitgeteilt wurde, Israel betrachte die iranischen Raketen als existenzielle Bedrohung und habe keine andere Wahl, als anzugreifen und dagegen Atomwaffen einzusetzen, unabhängig davon, ob die USA damit einverstanden sind oder nicht.

Natürlich sind sich Rußland und China all dessen sehr bewußt. Wenn Israel Atomwaffen gegen den Iran einsetzt, werden Rußland und China dann tatenlos zusehen können, wie eines ihrer BRICS-Länder zerstört wird?

Die Vorgeschichte

Machen wir einen Schritt zurück und betrachten, wie es zu dieser Situation gekommen ist.

Ich denke, wir müssen bis ins Jahr 1991 zurückgehen. Nach dem Ende des Kalten Krieges erkannten die Vereinigten Staaten – und das ist erst 35 Jahre her – und alle anderen, daß es eine realistische Möglichkeit für eine Friedensordnung für das 21. Jahrhundert gab. Und viele Menschen – Hans-Friedrich Genscher, Gorbatschow, Jack Matlock und viele andere – haben darüber gesprochen. Sie erkannten, daß es eine Chance für eine neue Friedensordnung gab. Die Menschen sprachen von einem „gemeinsamen europäischen Haus“, einer Sicherheitsordnung von Wladiwostok bis Lissabon. Es war sogar die Rede davon, daß Rußland der NATO beitreten könnte, da es plötzlich keinen Feind mehr gab.

Aber diese historische Chance, eine dauerhafte Friedensordnung für das 21. Jahrhundert zu schaffen, wurde verpaßt, weil die Neokonservativen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien beschlossen, eine unipolare Welt auf der Grundlage der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung zu schaffen, wobei sie das Britische Empire als Vorbild nahmen. Dies ging einher mit Farbrevolutionen, der sechsmalige Osterweiterung der NATO - entgegen dem Versprechen, „keinen Zentimeter“ nach Osten vorzustoßen –, Regimewechsel in vielen Ländern und den berüchtigten Interventionskriegen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien usw.

All diese Versuche resultierten in einem dramatischen Rückschlag; die Länder des Globalen Südens, die heute eine Globale Mehrheit von 85% der Menschheit repräsentieren, beschlossen, ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung zu behaupten und durchzusetzen. Dies wurde im wesentlichen durch den Aufstieg Chinas und durch Bemühungen wie die Gürtel- und Straßen-Initiative und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ermöglicht, die versuchen, ein neues Wirtschaftssystem zu schaffen.

Die jüngsten Sicherheitsdoktrinen der Vereinigten Staaten, wie die Nationale Sicherheitsstrategie und andere US-Doktrinen, lassen keinen Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten auch in der zweiten Amtszeit der Trump-Regierung beabsichtigen, die dominierende Kraft in der Welt zu sein, und offensichtlich entschlossen sind, diese Bemühungen um die Schaffung eines Systems der gleichberechtigten Partnerschaft für alle zunichte zu machen.

Das Erstaunliche ist, daß die europäische „Koalition der Willigen“ – Großbritannien, Frankreich und Deutschland – nun nicht den Angriff der USA auf den Iran kritisiert, einen unprovozierten Akt der Aggression, der einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt, sondern sie behaupten, man müsse die Vergeltungsmaßnahmen des Iran gegen US-Stützpunkte in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens verurteilen. Sie behaupten sogar, in solchen Situationen könne nicht immer das Völkerrecht anwenden. Damit stehen sie sogar im Widerspruch zu den Demokraten in den USA, die Trumps Angriff scharf verurteilen. Haben diese drei europäischen Regierungen ihren moralischen Kompaß verloren, wenn sie argumentieren, in diesem Fall könne das Völkerrecht außer acht gelassen werden?

Der Kurs muß geändert werden!

Sagen wir es ganz klar: Wir befinden uns möglicherweise bereits mitten im Dritten Weltkrieg und müssen daher dringend den Kurs umkehren und zur Diplomatie zurückkehren. Das ist es, was wir tun müssen! Ich bitte daher die Teilnehmer dieser Konferenz – also Sie alle –, einen dringenden Appell an alle Regierungen, Parlamente, den UN-Sicherheitsrat und die UN-Generalversammlung zu richten, zum Völkerrecht und zur Diplomatie zurückzukehren. Diese Rückkehr zur Diplomatie muß im Geiste des Westfälischen Friedens erfolgen, der zustande kam, weil die Kriegsparteien erkannten, daß niemand mehr einen Sieg genießen könnte, wenn sie den Krieg fortsetzen, weil alle tot wären.

Gilt das nicht auch heute, im Zeitalter der thermonuklearen Waffen, wo niemand mehr am Leben sein wird, wenn es so weitergeht? Wir stehen daher vor einer Bewährungsprobe für die Menschheit. Sind wir moralisch fähig zu überleben? Wir müssen die dringende Notwendigkeit einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch bringen, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf diesem Planeten berücksichtigt.

Ich habe Zehn Prinzipien verfaßt,2 in denen ich darlege, worum es bei solchen Verhandlungen gehen muß. Dazu gehört dringend eine geordnete Neuordnung des völlig bankrotten Weltfinanzsystems, wie mein verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche in dem Videoclip, den Sie zu Beginn gesehen haben, gewarnt hat.

Laßt uns daher das schönste Menschenbild hervorrufen, das jeder von uns in sich trägt und an das er jemals gedacht hat, um mit Mut und Liebe für die Menschheit zu handeln! Fordern wir die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder nachdrücklich auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und verantwortungsbewußt zu handeln, denn unsere Existenz als Menschheit steht auf dem Spiel. Vielen Dank.


Anmerkungen

1. Angelus, Papst Leo XIV., Petersplatz am 01.03.2026, Website des Vatikans.

2. Zehn Prinzipien für eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur
    Helga Zepp-LaRouche, Schiller-Institut.

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