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Neue Solidarität
Nr. 26, 24. Juni 2009

WHO erklärt Schweinegrippe zur globalen Pandemie

Nach wochenlangem Zögern hat die WHO sich endlich über den britischen Widerstand hinweggesetzt und eine Pandemie-Warnung der Stufe 6 wegen der Schweinegrippe ausgerufen.

Die Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 11. Juni, die sich weltweit ausbreitende Schweinegrippe zu einer globalen Pandemie der Stufe 6 zu erklären - die höchste Alarmstufe, die die WHO kennt - gibt grünes Licht für die Mobilisierung zum Aufbau der öffentlichen medizinischen Infrastruktur, also der Kapazitäten zur Produktion von Impfstoff und anderem medizinischen Bedarf, Krankenhausbetten, medizinische Stäbe, Einrichtungen und Ausrüstung. Dies ist genau das Gegenteil des britischen Modells, bei dem wie im Dritten Reich im Namen der „Kostendämpfung“ medizinische Versorgung vorenthalten wird und (insbesondere unter Tony Blair) die medizinischen Systeme abgebaut wurden, wie es jetzt auch die Regierung Obama in den Vereinigten Staaten im Eilverfahren durchsetzen will. Tatsächlich versuchte London in den letzten Wochen ganz offen, die WHO an der Ausrufung des Pandemie-Zustands zu hindern, aber zum Glück ohne Erfolg. Ein Brite, der hierüber besondern enttäuscht sein dürfte, ist Prinz Philip, der schon 1988 erklärte, er wolle gerne als tödliches Virus wiedergeboren werden, um zur Lösung des Problems der Überbevölkerung beizutragen (dpa, August 1988).

Die Pandemie-Warnung der Stufe 6 schafft ein neues Hindernis für die britischen Pläne in den USA. Präsident Obama und seine Kontrolleure - sein Wirtschaftsberater Larry Summers, der Direktor des Haushaltsamtes Peter Orszag und andere - haben den Kongreß ultimativ aufgefordert, das Gesetz über die „umfassende Gesundheitsreform“ noch im Sommer zu verabschieden, damit es der Präsident spätestens am 1. Oktober in Kraft setzen kann, wenn nicht nur das neue Haushaltsjahr beginnt, sondern auch die offizielle Grippesaison. Nach diesem Termin wird es weit schwerer werden, so zu tun, als wären die Kürzungen im medizinischen Bereich nicht tödlich, selbst wenn bis dahin noch etwas von Obamas anfänglicher Popularität übrig sein sollte.

Lyndon LaRouche sagte über die Absicht hinter all diesen Machenschaften: „Die Regierung Obama versucht, dieses Problem zu vertuschen. Sie versucht, diese Informationen bis Oktober zu unterdrücken. Die Regierung Obama betreibt diese Vertuschung, weil das ihre Art ist - sie ist eine Regierung von Vertuschern, mehr als jede andere Regierung in neuerer Zeit.“

Nun ist die Realität der Pandemie nicht mehr zu bestreiten. Die Frage ist aufgeworfen, wie man sich gegen die Grippe-Pandemie schützen und die physischen Mittel erzeugen kann, um die Bevölkerung zu versorgen, statt Menschenleben „einzusparen“. Das wiederum bringt die Notwendigkeit auf die Tagesordnung, beim Aufbau der wirtschaftlichen Kapazitäten insgesamt - Industrie, Landwirtschaft und Infrastruktur - zusammenzuarbeiten.

Viele Regierungen, insbesondere die französische, diskutieren nun über Aspekte der Mobilisierung der Realwirtschaft, die notwendig sind, um das nationale Interesse unter den Bedingungen einer Pandemie zu schützen.

In Italien sprechen Regierungsvertreter über die Idee einer weltweiten Zusammenarbeit zur Erzeugung von genügend Impfstoff, um in den kommenden ein bis zwei Jahren die gesamte Menschheit zu impfen. Dazu wären mehr als 13 Milliarden Dosen erforderlich. Die Hindernisse für eine solche Massenproduktion von Impfstoffen und antiviralen Medikamenten sind groß, sowohl wegen der begrenzten physischen Produktionseinrichtungen und des Mangels an qualifizierten Mitarbeitern, aber auch wegen der dominierenden Position der privaten Pharmakonzerne. Aber nun werden diese Fragen in vielen Nationen diskutiert.

Aber auch das muß diskutiert werden, was Lyndon LaRouche schon in seinem Internetforum am 25. Juli 2007 angesprochen hat, als er den unmittelbar bevorstehenden Kollaps des Finanzsystems und damit einhergehend der realwirtschaftlichen Lebensprozesse ankündigte: Die Notwendigkeit einer Vier-Mächte-Intitiative (der Vereinigten Staaten, Rußlands, Chinas und Indiens) zur Stabilisierung des Weltwährungssystems, zur Beseitigung der faulen Spekulationsschulden, zur Neuordnung des Weltfinanzsystems und zur Schöpfung von Krediten, um den Wiederaufbau der Weltwirtschaft in Gang zu setzen. Geschehe das nicht, werde es üble Konsequenzen haben. Nun sind diese üblen Konsequenzen eingetreten.

Höchste Stufe der Pandemie-Warnung

Dr. Margaret Chan, die Direktorin der WHO sagte am 11. Juni, als sie die Grippe-Pandemiewarnung der Stufe 6 bekanntgab, dies sei die „erste Pandemie des 21. Jahrhunderts“. Ihre Mitarbeiter seien aufgrund der „unbestreitbaren Hinweise, daß wir uns in den anfänglichen Tagen einer globalen Pandemie befinden, die durch den neuen H1N1-Virus verursacht ist“, zu einer „einstimmigen Entscheidung“ gelangt.

Bis zum Tag dieser Erklärung waren in 74 Ländern insgesamt etwa 28.000 Fälle als H1N1-Infektionen bestätigt worden, mit 141 Todesfällen. Diese Zahlen wachsen schnell. Auf der Südhalbkugel, wo jetzt mit dem Winter die „normale“ Grippe-Saison beginnt, verbreitet sich der H1N1-Virus derzeit in Chile und Australien.

Der Fall Chile ist beispielhaft. Vom 5. auf den 6. Juni hat sich die Zahl der bestätigten Fälle in diesem Land mehr als verdoppelt, von 393 auf 890. Die drei Chilenen, die bis dahin an der Infektion gestorben waren, lebten in der Stadt Puerto Montt im Süden des Landes, wo auch die schwersten Fälle auftraten. Puerto Montt liegt in der regenreichen Region der südlichen Seen, wo die Grippesaison ihren Höhepunkt normalerweise schon einen Monat früher erreicht als in der Hauptstadt Santiago. Mitte Juni war der Anteil der Fälle in dieser südlichen Region doppelt so hoch wie der von Santiago, mit weit schwererem Verlauf. Allgemein wird befürchtet, daß auch der Rest des Landes und der Süden Südamerikas insgesamt schon bald hart von weit mehr und schwereren Fällen betroffen sein wird.

Es gibt dramatische Beispiele verzweifelter Versuche, das Ausbreiten der Seuche zu verhindern. Als die WHO am 11. Juni die Stufe-6-Warnung ausrief, wurden in Hong Kong sämtliche Grundschulen und Kindergärten geschlossen, wovon rund 500.000 Kinder betroffen waren. Diese Maßnahme wurde getroffen, nachdem der erste lokal übertragene Fall festgestellt worden war und innerhalb weniger Tage bei 12 Kindern Infektionen festgestellt wurden. Diese Schließung wird noch mindestens zwei Wochen andauern.

Auch die Lage in Ägypten gibt Anlaß zu großer Sorge. Dort ist, wie in Teilen Asiens, ein „Schmelztiegel-Effekt“ zu befürchten, nämlich, daß es dort zu einem Austausch von Genmaterial zwischen der „Schweinegrippe“ H1N1 und der „Vogelgrippe“ H5N1 kommen und so ein neuer, leichter übertragbarer und noch tödlicherer Virus entstehen könnte. Anfang Juni gab die Regierung zwei weitere Infektionsfälle bekannt. Nach Angaben der WHO starben 28 der 78 Personen, die in Ägypten mit dem H5N1-Virus infiziert waren.

Frankreich fordert Maßnahmen

In Frankreich fordern die Zentralregierung und medizinische Experten im Privatsektor energische Maßnahmen zur Sicherung der öffentlichen Gesundheit.

Bei einer Pressekonferenz der Vereinigung französischsprachiger Reanimationsärzte (SRLF) mit Vertretern aus Frankreich, Belgien, der Schweiz und anderen Nationen am 9. Juni sagte Prof. Bernard Regnier, ein führender Vertreter des französischen Gesundheitsdienstes, der 2006 eine führende Rolle bei der Koordination der Maßnahmen gegen die Vogelgrippe spielte, er sei nun von der französischen Regierung beauftragt, einen Notplan zu entwickeln, mit dem die Zahl der Krankenhausbetten von 250.00 auf mindestens 500.000 verdoppelt werden könne, falls die Grippe-Pandemie im Verlauf des Jahres Frankreich erfaßt. Das wäre eine Vergrößerung der Bettenzahl von 3,2 Betten pro 1000 Einwohner auf mehr als 7.

Bei der Pressekonferenz sprach auch Prof. Bertrand Guidet, der Vorsitzende der SRLF. Er zeigte detaillierte Pläne, wie die Krankenhäuser in zwei Gruppen - in den stark infektiösen (roten) und in den weniger stark infektiösen (gelben) Regionen - eingeteilt werden, um die medizinischen Ressourcen maximal zu nutzen.

Tabelle 1: Anzahl von Krankenhausbetten und Ärzten pro 1000 Einwohner für verschiedene Länder (Daten aus dem jeweils letzten verfügbaren Jahr, 2001-2005).

Region/Land

Akutkrankenhausbetten

Ärzte

Nordamerika

Mexiko

1,0

1,9

Vereinigten Staaten

2,7

2,4

Europa

Frankreich

3,7

3,4

Deutschland

6,2

3,5

Italien

3,3

3,7

Großbritannien

2,2

2,5

Australien

3,5

2,8

Asien

Japan

8,2

2,1

Quelle: „Health Care Reform in the United States“, OECD Economics Department (Working Paper No. 665), February 2009.

Tabelle 1 zeigt die Zahl von Krankenhausbetten und Ärzten je 1000 Einwohner für verschiedene Länder, nach Angaben eines Berichts der OECD. Mexiko - scheinbar der Ausgangsort dieser Pandemie, hat bloß 1,0 Krankenhausbetten und 1,0 Ärzte pro 1000 Einwohner. In Afrika sind die Zahlen so klein, daß sie praktisch bedeutungslos sind. Das zeigt das erforderliche Ausmaß der Notmaßnahmen und der internationalen Zusammenarbeit.

Aber in den Vereinigten Staaten ist es unter dem Druck der Kampagne für die „Gesundheitsreform“ fast ein Tabu, über die Zahl der Krankenhäuser und die Infrastruktur zu sprechen. Derzeit gibt es dort 2,7 Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner, aber diese Zahl fällt weiter und liegt in vielen Städten und Landkreisen noch niedriger. Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius sagte jedoch am 28. Mai: „Ich weiß nichts von Krankenhäusern“ als sie bei einer Pressekonferenz, in der sie sich für Armenkliniken einsetzen, von einem EIR-Vertreter gebeten wurde, etwas über den gefährlichen Trend der Krankenhausschließungen zu sagen.

In Frankreich werden die Notfall-Maßnahmen ganz offen diskutiert, etwa, wie man damit umgehen kann, wenn Krankenhauspersonal und andere Mitarbeiter der Notfallstäbe selbst infiziert werden oder nicht arbeiten können, weil Familienmitglieder oder andere - z.B. Beschäftigte im Verkehrssektor - infiziert sind. Deshalb ist geplant, bestimmten Gruppen bei der Grippe-Impfung und der Versorgung mit antiviralen Medikamenten Priorität einzuräumen. Bei der SRLF-Pressekonferenz am 9. Juni berichtete Dr. Regnier im Detail, was man tun könne, und wies darauf hin, wie sensitiv diese Frage ist, angesichts der Tatsache, daß derzeit vor allem jüngere Menschen besonders anfällig sind für die Seuche. Karel Vereycken von der Nouvelle Solidarité wies darauf hin: „Eine biologische Triage wäre eine Wiederbelebung von Hitlers Medizin-Programmen von 1939. Die Risikogruppen sind zwar ein Thema, aber man sollte vor allem darüber nachdenken, wie man die vitalen Funktionen der Staaten aufrecht erhält.“

Obstruktion der britischen Globalisierer

Genau solche Diskussionen und Initiativen versuchen die britischen Globalisierer zu verhindern. Bei der Jahreskonferenz der WHO am 18.-19. Mai verlangte der britische Gesundheitsminister Alan Johnson, die WHO solle nicht die Stufe 6 der Pandemie-Warnung ausrufen, und es gelang ihm immerhin, diese Entscheidung aufzuschieben. U.a. argumentierte er, eine Warnung würde den globalen Freihandel und den Tourismus schädigen. Die dreiwöchige Verzögerung bedeuten mit Sicherheit zahlreiche zusätzliche Todesfälle. Für seine Dienste wurde Johnson inzwischen zum Innenminister befördert.

Dann meldete die britische Regierung eine geringere Zahl von H1N1-Infektionen als tatsächlich festgestellt worden waren - bis zum 10. Juni gab sie 675 Fälle an. AP meldete an diesem Tag: „Einige ausländische Gesundheitsbeamte glauben, daß das Land in den letzten Wochen nicht sehr intensiv nach dem Grippevirus gesucht hat. Großbritanniens Amt für Gesundheitsschutz bestreitet, daß die Schweinegrippe sich inzwischen im Land eingenistet hat, aber einige Gesundheitsbeamte haben Berichte veröffentlicht, wonach der Virus so weit verbeitet ist, daß er bereits in andere Länder exportiert wird.“ Am 10. Juni begann die französische Innenministerin Michele Alliot-Marie eine Pressekonferenz mit der Erklärung, angesichts der „Entwicklungen“ in Großbritannien werde Frankreich jetzt gegenüber Reisenden die aus Großbritannien kommen, die gleichen Hygiene-Maßnahmen ergreifen, wie für Reisende, die aus Mexiko oder den Vereinigten Staaten kommen.

Am 11. Juni antwortete Dr. Chan auf die Frage eines AP-Reporters, ob Großbritannien seine H1N1-Fälle unzutreffend gemeldet habe, mit der Feststellung, die Phase-6-Warnung der WHO „wäre möglicherweise früher erfolgt, wenn die WHO richtigere Informationen über die wachsende Welle der Schweinegrippe durch Europa gehabt hätte“.

Dr. Chan von der WHO betonte gegenüber allen Nationen, angesichts der Stufe-6-Warnung sollten die Regierungen von einer Eindämmungs-Strategie zu einer Schadensbegrenzungs-Strategie übergehen, da es inzwischen zu so vielen Übertragungen komme. Trotzdem bremst das britische Amt für Gesundheitsschutz weiter, und behauptet, es gebe auf den Inseln keine „anhaltenden“ Übertragungen.

Dem widersprach die schottische Gesundheitsministerin Nicola Sturgeon. Sie erklärte am 11. Juni, die Londoner Grippe-Eindämmungsstrategie sei ein erbärmlicher Fehlschlag. Schottland werde daher eine eigene Strategie verfolgen, um die Ausbreitung des Virus abzumildern.

Marcia Merry Baker

Lesen Sie hierzu bitte auch:
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