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Neue Solidarität
Nr. 4, 25. Januar 2012

Mit der Entwicklung der Arktis das Eis brechen

Von Michelle Fuchs

Der folgende Text bildet die Grundlage eines halbstündigen Videos über die Aussichten für die Erschließung der Arktis, das Sie (in englischer Sprache) unter http://www.larouchepac.com/node/20614 auf der Internetseite des LaRouche-Wissenschaftsteams finden.

Als vor einigen Wochen eine Sonneneruption durch das Magnetfeld der Erde blies und durch die Reaktion der geladenen Teilchen mit der Erdatmosphäre farbige Streifen am Himmel verursachte, konnten Millionen von Menschen über den nördlichen Regionen unseres Magnetfeldes die wunderschönen Polarlichter beobachten, die durch die Wechselwirkung des Kosmos mit der Erde  ausgelöst wurden. Diese schönen kosmischen Ereignisse erfolgen immer wieder und erinnern uns daran, daß die Erde in der Tat ein galaktischer Körper ist und die Arktis die Verbindung zwischen unserer Erde und dem Weltraum darstellt.

Zwei Entwicklungen in jüngster Zeit haben unsere Aufmerksamkeit auf die strategische Notwendigkeit gerichtet, die Arktis zu entwickeln. Zum einen ein Vorschlag aus Rußland, der Ende Oktober letzten Jahres veröffentlicht wurde und die Absicht zeigt, eine Stadt tief im Norden des unberührten Territoriums der Arktis zu bauen, deren Bewohner in dem auf der Erde angesiedelten Äquivalent der internationalen Raumstation untergebracht werden. Der zweite Vorschlag wurde am 19. November letzten Jahres in einem Internetforum des Basement-Wissenschaftsteams der LaRouche-Bewegung vorgestellt. Eine Gruppe aus Irland, die sich als das irische LaRouche-Wissenschaftsteam vorstellte, beschrieb ihre Absicht, Irland zu einer Schlüsselnation für die kommende eurasische Welt mit der Arktis als ihrem Zentrum zu machen.

Diese beiden aufregenden Entwicklungen sind lediglich die jüngsten Schritte in einer weltweiten strategischen Neuorientierung - weg von dem von der britischen Hochfinanz dominierten und gescheiterten System der transatlantischen Region, hin zu einer um den Pazifik gruppierten, globalen Orientierung, deren Mittelpunkt die Entwicklung der Arktis darstellt. In diesem Beitrag werden wir uns diesen beiden Vorschlägen und ihren Konsequenzen widmen.

Eine „Weltraumstadt“ in der Arktis

Beginnen wir mit dem russischen Vorschlag: Im Oktober verkündete Rußland Pläne, eine sogenannte „Wunderstadt“ weit tief innerhalb des Polarkreises zu bauen. Diese Baupläne für „Umka“ wurden von Wladimir Putin durchgesehen, und sie soll mit den Kosten von bis zu 6,2 Mrd. Dollar auf der abgelegenen Insel Kotelny in der Neusibirischen Inselgruppe verwirklicht werden. Sie wird etwa 1600 km vom Nordpol entfernt liegen und damit die am nördlichsten liegende russische Stadt sein. Die ersten 5000 Einwohner der Stadt werden Wissenschaftler, Ingenieure und Arbeiter der lokalen Bergbaubetriebe und Öl-Plattformen sein. Wegen des völlig unfreundlichen Klimas so weit im Polarkreis soll sie eine komplett in sich abgeschlossene, sich selbst erhaltene Stadt werden.

Bild: Russische Geographische Gesellschaft
Mithilfe neuer Technologien soll auf der Insel Kotelny die Stadt Umka gebaut werden - als Prototyp einer völlig autarken Siedlung, die ebensogut auf dem Mond oder Mars errichtet werden könnte.

In diesen Breiten dominieren starke Winde, und die Temperaturen sinken unter -30° C, sogar im Sommer klettern sie kaum über den Gefrierpunkt. Die gigantische Kuppel, welche die gesamte Stadt umschließt, ist bloß der Anfang bei den Schutzmaßnahmen für die Einwohner gegenüber der feindlichen Umwelt. Da die lokale Umgebung kaum Annehmlichkeiten bietet, muß für Umka - wie bei der Weltraumforschung - alles von zuhause mitgebracht werden, einschließlich aller Lebenserhaltungssysteme.

Tatsächlich beruhen die Stadtbaupläne auf denen der Internationalen Weltraumstation mit ihrem eigenen, speziell regulierten und gemäßigten Klima. Die Energie wird ein schwimmendes Kernkraftwerk liefern. Die Nahrungsmittelversorgung wird völlig unabhängig sein, mit Fischzuchtanlagen und Geflügelhöfen, Treibhäusern, einer Getreidemühle und Bäckereien. Der Abfall wird in speziellen Verbrennungsanlagen zu Asche reduziert. Neben wissenschaftlichen Labors und Gebäuden wird die Stadt Vergnügungsparks haben, einen Badekomplex, Hotels und eine Kathedrale, Schulen, Kindergärten, Erholungszonen, ein Krankenhaus und Sporteinrichtungen.

„Bisher ist es weltweit das einzige Projekt mit einem künstlich geschaffenen Klima und integraler Lebenserhaltung - genauso wie in einer Weltraumstation. Es handelt sich hier nicht nur um eine neue Form der Architektur, sondern auch des menschlichen Lebens. Wir haben auf Luft- und Raumfahrttechnologien zurückgegriffen, als wir sie entwarfen... Dieses Projekt ist so konzipiert, daß es auf jeder Oberfläche funktioniert - wenn nötig, sogar auf dem Mond.“ - Valerie Rschewskij, Architekt.

Rußlands Absicht, diese Herausforderung der Entwicklung der Arktis und des übrigen Sibiriens anzunehmen, einschließlich einer Verbindung zwischen Rußland und den USA an der Beringstrasse, ist sehr wichtig, und sie hat die ganzen Welt erkennen lassen, daß eine rohstoffreiche, strategisch wichtige und wortwörtlich wunderschöne Region unseres Planeten unberührt brachliegt und nur darauf wartet, entwickelt zu werden, während die Aufmerksamkeit großer Teile der Welt durch die Ränke des gescheiterten britischen monetären Systems abgelenkt wurde.

Im Prinzip wissen wir, wie man eine solche von den Russen vorgeschlagene Stadt bauen kann, aber genauso wie bei der Mondmission war das „Wie“ in dem Moment, als Präsident Kennedy seinen Plan verkündete, größtenteils unberührtes Terrain. Wie im Weltraum bedeutet das Menschenleben in einer sehr lebensfeindlichen Umgebung, daß man all die Lebenserhaltungsmaßnahmen, die man gewöhnlich als selbstverständlich voraussetzt, bewußt steuern muß - bis hin zur Vorsorgung mit Atemluft. Welche Baustoffe benutzt man in Permafrostgebieten? Wie reagieren Stahl und Beton auf die ständigen Frostwinde?

Man ist noch ganz am Anfang beim Bau auf Permafrostböden. So hat China kürzlich die King Shang-Eisenbahn auf die Höhen der Tibetanischen Berge gebaut. Wie wir bereits berichteten, verläuft etwa die Hälfte der Strecke über Permafrostböden, deren oberste Schichten im Sommer auftauen, sodaß sie weich werden. Chinesische Ingenieure lösten dieses Problem, indem sie die Gleise erhöht bauten, deren Fundament tief in den Boden gründeten, hohle Betonröhren unter der Fahrbahn verlegten, um diese gefroren zu halten, und Sonnenblenden aus Metall benutzten.

Ähnlich wie beim Trans-Alaska-Pipeline-System werden Teile der Strecke auch passiv gekühlt mit Ammoniak-basierten Wärmeaustauschern.

Licht in die Finsternis

Die vielleicht größte Herausforderung in der Arktis ist, daß es sechs Monate im Jahr dunkel ist - und extrem kalt. Wenn wir ernsthaft diese Herausforderung annehmen, die Arktis bewohnbar zu machen, sollten wir nie zuvor entwickelte Technologien einführen und anwenden. Zum Beispiel solche, wie sie von dem deutschen Raketenwissenschaftler Hermann Oberth erdacht und von einem anderen Weltraum-Pionier, Krafft Ehricke, weiterentwickelt wurden: riesengroße Weltraumspiegel, um das Sonnenlicht umzuleiten, die wahlweise als Lunetta und Soletta bezeichnet wurden. Ein Soletta mit einem Energieäquivalent von einer oder mehrerer Sonnen könnte in extremeren Breitengraden zur Verlängerung der landwirtschaftlichen Anbauzeit, zum Ändern des Wetters, zum Schmelzen des Eises und zur Kraftübertragung genutzt werden. Diese Technologie könnte zum Erwärmen und zur Beleuchtung von Umka angewandt werden. Eine andere Anwendung für insbesondere das Lunetta ist das Schmelzen des Arktiseises, sodaß während des ganzen Jahres schiffbare Wege zum weiten Norden möglich wären.

Bild: Russische Weltraumbehörde
Der 1992 getestete Weltraumspiegel Snamja-2

In den neunziger Jahren führten die Russen mit dem Snamja- oder Weltraumspiegel-Projekt ein erfolgreiches Experiment mit dieser Technologie durch. Der Weltraumspiegel Snamja 2 mit einem Durchmesser von 20 Metern wurde am 27. Oktober 1992 am Bord des Progress M-15 von Baikonur aus gestartet. Nachdem es die EO-12-Crew an Bord der Weltraumstation Mir besucht hatte, dockte Progress M-15 ab und setzte den Reflektor am 4. Februar 1993 vom Ende des russischen Raumfahrzeugs neben der Raumstation ab. Der Spiegel wurde erfolgreich eingesetzt, und wenn er von der Sonne angestrahlt wurde, entstand ein 5 km breiter Lichtfleck auf der Erde, der mit einer Geschwindigkeit von 8 km/sec. vom südlichen Frankreich bis zum Westen Rußlands über Europa strich. Dieser Lichtfleck hatte eine Helligkeit, die fast der des Mondes gleichkam. Obwohl es ein eher wolkiger Morgen war, berichteten einige Beobachter auf der Erde, einen Lichtblitz gesehen zu haben, als der Strahl vorbeistrich. Der Spiegel wurde nach einigen Stunden aus der Umlaufbahn genommen und verbrannte beim Wiedereintritt in die Atmosphäre über Kanada.

Irlands Rolle in der Arktis

Dies bringt uns nun zu unserer zweiten Entwicklung. Im Oktober 2011 veröffentlichte eine Gruppe, die sich als das LaRouche-Wissenschaftsteam Irlands bezeichnet, einen Vorschlag für einen Wirtschaftsaufschwung für Irland, in dem sie den Schwerpunkt auf die Rolle Irlands als Schlüsselnation in einer kommenden neuen, Arktis-zentrierten Welt legen. In einer Erklärung zur Mission sagte das Team:

„Genauso wie andere Nationen wie die USA und Rußland die Erforschung des Weltraums als nationalen Antrieb für technologischen Fortschritt nutzten, muß Irland seinen einzigartigen Zugang zu einem weiteren, praktisch unerschlossenen Bereich - dem Ozean - als Katalysator nutzen, um seinen einzigartigen Beitrag für die Zukunft der menschlichen Wirtschaft und des wissenschaftlichen Fortschritts zu leisten.“

Neben dem, wonach sich jeder echte Irländer sehnt und wofür Irland buchstäblich Jahrhunderte lang kämpfte - die Freiheit vom Britischen System des Finanzimperialismus, das sich jetzt im sterbenden Euro-System als Teil des völlig zusammenbrechendem transatlantischen Finanzsystems zeigt - verlangt der Bericht die Nutzbarmachung von Irlands größter Ressource: seiner Meere. Dies soll als Mittel dienen, die Nation nicht nur aus dem wirtschaftlichen Verfall der letzten Jahrzehnte zu erheben, sondern auch aus der wirtschaftlichen Knechtung der letzten Jahrhunderte.

Die folgenden Zeilen unter der Überschrift „Die wirtschaftliche Unterdrückung Irlands“ stammen von Arthur Griffith, dem Gründer der Sinn-Fein-Bewegung, und geben einen kurze Einblick in die Geschichte und den - bisherigen - Niedergang der irischen Handelsmarine.

„Die Geschichte von Irlands Gewerbe, Handel und Industrie muß noch geschrieben werden. Das antike Irland hatte einen weitreichenden Handel mit dem Römischen Reich, Gallien, Spanien und Griechenland. Im Mittelalter trieb Irland umfangreiche Geschäfte mit Frankreich, Flandern, Italien, Spanien, Portugal, Deutschland und dem unabhängigen Wales, Schottland und England. Den Händlerzünften der großen Handelszentren auf dem Kontinent gehörten meist auch Iren an. In Bordeaux, Rouen, Brügge und anderen Städten stehen Denkmäler irischer Händler. Der irische Schiffshandel war zahlreich und mächtig.

Aber nach der endgültigen Durchsetzung der Macht Englands in Irland durch Königin Elisabeth (I.) wurde es zum Verrat erklärt, irische Güter in irischen Fahrzeugen zu exportieren. Irlands Schiffe wurden zerstört oder von England beschlagnahmt, und es wurde den Iren verboten, ein Schiff zu besitzen. Später wurde es Irland verboten, irgend etwas nach Amerika zu exportieren - außer Lebensmittel, Pferde, Salz und Menschen.“

Wenn Irland sein Recht auf sein eigenes Finanzsystem und wirtschaftliche Entwicklung wieder geltend macht, kann es aufgrund seiner geographischen Lage eine bedeutsame Rolle in der kommenden eurasischen Welt einnehmen, durch den Bau eines arktischen Großhafens, um die Schiffahrt nach Europa, sowohl aus der transatlantischen Region als auch, noch wichtiger, von dem sich entwickelnden nördlichen Seeweg, zu erleichtern.

Karte: Shannon Foynes Port Company
Das Mündungsgebiet des Shannon mit Einrichtungen der Shannon Foynes Port Company

Im Jahre 2004 kündigte die staatliche Shannon Foynes Port Company Pläne für Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro an, um die Mündung des Flusses Shannon in einen Großhafen zu transformieren - und ihn zu einem der größten Frachtumschlagsplätze Europas zu machen.

Wie die irische Ingenieursakademie in ihrem Bericht „Vision für den Transport in Irland für 2050“ aus dem Jahre 2004 zeigt, wurde die Shannon-Mündung schon lange als idealer Ort für den Bau eines Tiefwasserhafens mit hoher Kapazität für den Container-Verkehr erkannt. Er wäre auch für die neue Generation von Containerschiffen geeignet, was ein geologischer Vorteil Irlands gegenüber den meisten anderen Nationen ist, die sich in den nächsten Jahrzehnten schwertun werden, ihre Häfen zu erweitern, um den unaufhaltsamen Trend zu immer größeren Containerschiffen gerecht zu werden. Bei der jüngsten Generation sind die Schiffe nun in der Lage, bis zu 20.000 TEU (1 TEU entspricht einem 20-Fuß-Container) zu transportieren.

Mit den Möglichkeiten dieser größeren Containerschiffe würde sich die Shannon-Mündung den anderen beiden und einzigen Häfen der Welt anschließen, die solche Schiffe handhaben können, und das sind zur Zeit Rotterdam und Shanghai. Dieser neue Shannon-Großhafen würde dann durch eine Hochgeschwindigkeits-Magnetbahn quer durch Irland, den Tuskar-Unterseetunnel und das Vereinigte Königreich sowie den Kanal-Tunnel mit dem Schienennetz der kontinentalen Hochgeschwindigkeitsbahnen verbunden, sodaß doppelstöckige Container-Züge die Fracht effizient bis mitten ins Herz Europas bringen können.

Für den seit langem diskutierten nördlichen Seeweg wird Irlands zukünftiger Arktis-Großhafen ein Eckpfeiler sein. Da eine allgemeine Temperaturerwärmung in der Arktis bereits zu einem bedeutendem Schmelzen des Eises an den Rändern des Arktischen Meers führte, wächst das Potential für die Nutzbarmachung des nördlichen Seewegs, der bisher mit Hilfe von Eisbrechern für sieben Monate des Jahres befahrbar ist. Neben dem Gebrauch von Riesenspiegeln, um mit Hilfe des Sonnenlichts einen Weg durch das Eis zu schmelzen, sehen andere Vorschläge den Einsatz einer ganzen Flotte schwimmender Kernkraftwerke vor, um das ganze Jahr über eine eisfreie Durchfahrt zu erhalten.

Aber auch schon für den Einsatz solcher Technologien stellt der nördliche Seeweg eine aufregende Aussicht dar. Welche Auswirkungen wird das Öffnen dieses Kanals mit sich bringen? Wie wird dies die Beziehungen unter den Nationen verändern, wenn einst weit voneinander entfernte Städte näher gerückt werden? Die Geometrie des Planeten wird sich buchstäblich verändern.

Diese Stimmung in Irland wurde bereits von Angus Robertson aufgegriffen, einem bekannten Mitglied des britischen Parlaments und führendem Mitglied der Scottish National Party, die für die Unabhängigkeit Schottlands eintritt. Robertson machte deutlich, daß Schottland durch seine Verbindung mit England seit 1707 daran gehindert wurde, seine nördlichen Gebiete zu entwickeln, und behauptete, daß die Mißachtung des Potentials im Norden Schottlands durch England sogar heute noch Schottlands wirtschaftliche Aussichten schädigt. Ein von Großbritannien befreites, unabhängiges Schottland könnte den arktischen Ozeanverkehr zur absoluten Priorität machen.

Der britische Widerstand und die Schritte Schottlands und Irlands zwingen auch Kanada, sich endlich nach dem Norden auszurichten, trotz der britischen Tricks, etwa, daß die britische Königin Land für unentwickelbar erklärt hat. Die List der englischen Königin und des Prinzen Philip, eingeborene Völker mit erdichteten „Umwelt“-Bedenken einzuspannen, um die Entwicklung des Planeten zu behindern, hinderte Kanada in den letzten Jahrzehnten, die weiten Regionen im Norden zu entwickeln, wie es unter Patrioten wie dem ehemaligen Premierminister John Diefenbaker beabsichtigt war. Er versprach, den Norden Kanadas zu öffnen, um die Ressourcen zu erschließen und ihn für die Besiedelung zu öffnen. Er sagte:

„Das ist die Vision: ein Kanada. Ein Kanada, in dem Kanadier die Kontrolle über ihr eigenes wirtschaftliches und politisches Schicksal ausüben werden. Sir John A. Macdonald sah ein Kanada vom Osten bis zum Westen und öffnete den Westen. Ich sehe ein neues Kanada - ein Kanada des Nordens. Das ist die Vision.“

Diefenbakers anti-britische Politik ist nun wieder auf der Tagesordnung, und Kanadas neuer Eisbrecher wird auf den Namen „Diefenbaker“ getauft werden.

Nach der Jahrhunderte währenden Herrschaft, die das Empire durch seine Kontrolle über die Verkehrswege über die Nationen ausgeübt hat - erst durch die Beherrschung der Schiffahrtswege, dann durch die Verhinderung und Zerstörung kontinentaler Entwicklungsachsen wie Eisenbahnen, Kanälen usw. - wird die Eröffnung des nördlichen Seeweges, die einen Gütertransport von Beijing nach Irland über den Nordpol schneller machen wird als durch den politisch instabilen Suezkanal, die geopolitische Weltkarte verändern.

Letzten August ist ein Durchbruch erfolgt, als die Dänen zum zweiten Mal ein Handelsschiff durch die Arktis schickten: das weltweit größte im Eismeer einsetzbare Schiff, die Sanko Odyssey. Begleitet von einer russischen Eskorte von Eisbrechern dauerte die Fahrt von Murmansk in Rußland nach Jingtang in China 23 Tage, was nur etwas mehr als die Hälfte der Zeit ist, die man für dieselbe Reise durch den Suezkanal benötigt. Das Potential wird noch wachsen, wenn die russische Eisbrecher-Flotte bald um sechs neue Schiffe, von denen drei nuklear betrieben sein werden, vergrößert wird.

Alle zukunftsorientierten Nationen haben bereits dieses geopolitische Potential erkannt. Obwohl China mit seinem Territorium nicht an die Arktis grenzt, hat es bereits seinen ersten Eisbrecher, die Xuelong (den „Schneedrachen“), im Einsatz. Der Schneedrachen ist gut ausgerüstet, mit allen fortschrittlichen Systemen für die selbständige Navigation und Wetterbeobachtung, einem Datenverarbeitungszentrum, sieben Labors mit einer Gesamtfläche von 200 m² sowie grundlegendem Betriebszubehör an Bord des Fahrzeugs. Es wird außerdem unterstützt durch drei Betriebsbeiboote und einen Hubschrauber für Transport- und Forschungszwecke in den Gebieten der Arktis und Antarktis.

Karte: AMSA
Aufgrund der Abnahme des Meereises um den Nordpol eröffnen sich neue Schiffahrtswege - z.B. entlang der Nordküste Rußlands -, die die Transportzeiten stark verkürzen

Die Arktis: Das Fenster zum Weltraum

Neben dem wirtschaftlichen und geopolitischen Potential hält die Entwicklung der Arktis noch reichere Schätze bereit, denn sie ist die Verbindungsstelle der Erde zum Sonnensystem und zum Universum. Wie bei allen anderen uns bekannten Planeten bilden die Pole der Erde den Ursprung unseres Magnetfeldes. Und der Partner der Astrobiologie außerhalb unseres Planeten in der Absicht, die Domäne des menschlichen Wirkens auszuweiten, ist der andere Grenzbereich der Wissenschaft: die Entwicklung der Ozeane.

Die Arktis ist das Fenster zum Weltraum. Von der Erdachse aus kann man jedes Himmelsobjekt über lange Zeitspannen beobachten, weil es in derselben Höhe bleibt. Astronomen am Südpol haben lange und kontinuierliche Sonnenbeobachtungen gemacht, wobei manche sogar mehr als 100 Stunden dauerten.

Bei der Beobachtung der Arktis wurden anomale Aktivitäten observiert, wie zum Beispiel der plötzliche Verlust des arktischen Ozons im letzten Winter. Obwohl dieser Rückgang dem ungewöhnlich kalten Wetter zugeschrieben wurde, weiß man nicht warum es geschah - was die Erde damit bezweckte. Da Ozon ein Strahlungsschutz für die Erde ist, bedeutet es vielleicht, daß die Erde es benutzt, um die Strahlung zu regulieren, wie eine Art Strahlungsventil?

In den Polargebieten bildet sich außerdem eine besondere Art von schönen Wolkenformationen aus, bis hin zur „Grenze des Weltraums“ in der Mesosphäre. Man weiß nicht, warum dies geschieht. Diese Wolken bewegten sich im letzten Jahrzehnt von den Polargegenden bis in immer niedrigere Breitengrade hinab.

Hinzu kommt eine Menge bisher unbekannter Lebensformen, die unter dem Eis entdeckt wurden. 2005 wurde an einem aktiven Unterwasservulkan unter dem Larsen-B-Eisschelf eine solche Entdeckung gemacht, wo Videomaterial weiße Bakterienansammlungen am Grund des Ozeans zeigt, die aus Tausenden golfballgroßen Beulen zusammengesetzt sind, und auch eine Konzentration sehr großer Muscheln, die an einem Luftloch am Meeresboden angehäuft sind. Proben aus Eisbohrungen am Gletschersee Wostok der russischen Forschungsstation Wostok in der Antarktis zeigen, daß Mikroben unter dem Eis existierten und wahrscheinlich immer noch in dem See gedeihen. Ein Bericht der Nationalen Akademie der Wissenschaften vom Jahre 2003 mit dem Titel: „Polarbiologie in dem genomischen Zeitalter“ fordert die Nationale Wissenschaftsstiftung auf, eine neue große Initiative in der polaren Genom-Wissenschaft zu starten, und stellt folgende Fragen:

Der andere Weg, mit dem das irische LaRouche-Team beabsichtigt, Irland zu einer globalen Größe zu machen, ist, in dem anderen, noch unbekannteren Grenzgebiet der Wissenschaft - der Unterwasserforschung - eine Führungsrolle zu übernehmen bei. Irland will die Führung in der Entwicklung der Meere übernehmen, durch Tiefseebergbau und die Ausweitung der Astrobiologie unter dem Ozean. Im Jahre 2003 nahm Irland sein erstes Fahrzeug für die Tiefseeforschung in Dienst, die RV Celtic Explorer. Das mit 31 Seeleuten und Wissenschaftlern besetzte Schiff kann bis zu 45 Tage auf See verbringen und hat modernste Labors und Datenverarbeitungssysteme an Bord, die das Sammeln und Verarbeiten von Daten auf See ermöglichen und diese direkt an Forschungseinrichtungen an Land weitergibt.

In der Projektbeschreibung heißt es:

„Das Meer und der Meeresboden im Tiefseebereich bilden ein umfangreiches und komplexes System der Bio-Geosphäre. Es beeinflußt das globale Klima und die Meeresströmungen, enthält viele der heutigen und zukünftigen Meeresressourcen und stellt einen teils unbekannten, aber bedeutenden Teil der Erdbiosphäre dar.“

Bild: NOAA
Rauchfahnen einer hydrothermalen Spalte am Marianen-Graben

Im Juli des vergangenen Jahres untersuchte die Celtic Explorer in einer bahnbrechenden Mission die hydrothermalen Spalten am Mittelatlantischen Rücken, um die „außerirdisch“ anmutenden chemosynthetischen Lebensformen zu erforschen und zu katalogisieren, die dort in der Tiefsee ohne Sonnenlicht existieren und sich allein durch die Wärme und die chemischen Verbindungen, die durch diese Unterwasser-Schlote ins Meerwasser gelangen, am Leben erhalten.

Die erklärte Absicht des Forschungsteams an Bord ist es, wertvolle Einsichten darüber zu erhalten, wie möglicherweise Leben auf anderen Planeten entstehen könnte, sowie ein größeres Verständnis der biochemischen Prozesse mit verwertbaren Anwendungen für die Medizin und Industrie. Der Chef des Teams, Patrick Collins, sagte dazu:

„Wir hoffen, eine ganze Gemeinschaft bisher unbekannter Arten zu finden und unser Verständnis der Tiefsee-Biogeographie zu erweitern. Hier liegt ein Potential, um Irland als ernsthaften Partner in der Tiefsee-Wissenschaft auf die Weltkarte zu setzen. Dies ist um so mehr an der Zeit, da jetzt die Nutzung der Vorkommen von Edelmetallen und seltenen Erden in der Tiefsee und den hydrothermalen Spalten Realität wird.“

Als wirtschaftspolitische Maßnahme bedeutet diese Umorientierung zum Norden nicht nur ein Vordringen in vorhandene, unentwickelte Territorien mit wichtigen Rohstoffen, sondern, noch wichtiger, sie bedeutet einen notwendigen Schritt der Menschheit in Regionen auf und außerhalb des Planeten, die noch größere Herausforderungen darstellen für die Lebenserhaltung des Menschen. Und sie erweitern die Grenzen der Wissenschaft. Wir müssen uns den eindrucksvollsten Regionen des Planeten widmen, um die grundlegendsten prinzipiellen Durchbrüche in der Wissenschaft zu machen.

Die Vereinigten Staaten spielen in diesem ganzen Prozeß eine Schlüsselrolle. Durch den amerikanischen Beitrag zum Projekt des Beringstraßentunnels und die Entwicklung Kanadas und Alaskas durch das NAWAPA-Projekt rücken die USA mitten ins Zentrum dieses Prozesses.

Die Arktisentwicklung ist das perfekte Sprungbrett, um unseren Planeten zu verlassen und auch andere Planeten zu entwickeln. Die Pole sind der Ursprung aller Wettersysteme auf dem Planeten, einschließlich des Wechsels der Jahreszeiten. Und da wir uns in Zeiten großer Veränderungen mit potentiell gefährlichen Wetterphänomenen befinden, sollten wir beginnen, die Wetterprozesse zu beeinflussen, und damit muß man in der Arktis anfangen. Neben den dort reichlich vorhandenen Rohstoffen, die nur darauf warten, genutzt zu werden, haben wir diese beiden Vorschläge - den irischen Großhafen und das russische Stadt-Projekt -, die nur darauf warten, durchgeführt zu werden.

Aber wir sollten auch noch weiter voranschreiten zu Projekten, zu denen wir noch keine Antwort haben. Menschen ein Leben unter lebensfeindlichsten Bedingungen zu ermöglichen, ist nun ein strategischer Imperativ. Alles, was mit der Erhaltung des Lebens zu tun hat, was wir gewöhnlich für so selbstverständlich halten wie die Luft zum Atmen, wird bewußt geregelt werden müssen, und das macht dieses Projekt zu einem perfekten Sprungbrett für die menschliche Erschließung des Weltraums.

Nochmals: Damit ist haben wir keine Wahl. Nach Jahrzehnten wirtschaftlicher Schrumpfung, die nun in den derzeitigen Kollaps des Wirtschaftssystems mündet, gibt es nur einen Weg, den Langzeitfolgen des Stillstandes bei unseren Technologien entgegenzutreten, der stattfand, während das Universum sich weiterentwickelte, und das ist es, große Sprünge in den Technologien zu machen und die Energieflußdichte unseres Systems massiv zu erhöhen. Wir dürfen nicht rückwärts gehen. Im Kontext der internationalen Politik sollten wir, anstatt Obama seine Kalten Kriege oder gar heißen thermonuklearen Kriege führen zu lassen, lieber mit Rußland, China und sogar Irland eine Zusammenarbeit in Projekten solcher Art anstreben. Das wäre der bessere Weg, mit unseren politischen Nachbarn das Eis zu brechen.

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