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Von Dennis Small und Daniel Platt
EIR-Forum. Teilnehmer eines von EIR und der Internationalen Friedenskoalition veranstalteten Internetforums diskutierten über „eine Alternative zu Krieg und Plünderung“ für Iberoamerika.
Am 4. September veranstalteten EIR und die Internationale Friedenskoalition (IPC) ein Internetforum zum Thema „Eine Alternative zu Krieg und Plünderung in Amerika“ mit mehr als 2500 Online-Teilnehmern aus 38 Ländern, die in fünf Sprachen zuhörten.
Die ganztägigen Beratungen mit namhaften Experten aus Iberoamerika, China, Spanien, Deutschland und den Vereinigten Staaten begannen mit Videoausschnitten aus einer Rede des EIR-Gründers Lyndon LaRouche während eines Besuchs in Brasilien im Juni 2002. Darin stellt er die Zuhörer vor eine Herausforderung:
„Zum Thema Integration: Menschen verschiedener Kulturen und Nationen für ein gemeinsames, ein strategisches Vorhaben zusammenbringen, ist das wichtigste und anspruchsvollste Vorhaben in der Staatskunst überhaupt.“ Mit der üblichen Politik sei das nicht zu erreichen, denn für eine solche echte Integration müsse man Ideen vermitteln.
LaRouche ging dann näher auf die entscheidende Idee ein – das, was alle Nationen, Religionen, Sprachgruppen und Rassen gemeinsam haben:
„Jede Tierart hat eine mehr oder weniger festgelegte potentielle Bevölkerungsdichte. Wie konnte dann der Mensch auf diesem Planeten eine Bevölkerungszahl von mehreren Milliarden erreichen? Indem er sein Verhalten ändert. Andere Gattungen können das nur durch eine evolutionäre Entwicklung ihres genetischen Materials erreichen. Der Mensch kann das – als Ebenbild Gottes – als bewußtes Handeln tun. Wie führt das zum menschlichen Fortschritt? Indem man diese Erkenntnisse von einer Generation zur nächsten weitergibt.“
Auf dieser Grundlage – und nur auf ihr – „können wir uns strategisch darauf einigen, eine Gemeinschaft von Nationen auf diesem Planeten zu schaffen, die für Menschen lebenswert ist“.
Ausgehend von diesem konzeptionellen Leitfaden befaßten sich die Teilnehmer mit den konkreten Herausforderungen der Integration rund um das wichtigste Infrastrukturprojekt Iberoamerikas und der Karibik: den Aufbau eines transkontinentalen „Bi-Ozeanischen Eisenbahnkorridors“ von den brasilianischen Atlantikhäfen bis zum peruanischen Pazifikhafen Chancay, um die gesamte Region mit dem phänomenalen Wachstum auf der anderen Seite des Pazifiks im Zusammenhang mit Chinas Gürtel- und Straßen-Initiative (der Neuen Seidenstraße) zu verbinden.
Die EIR-Chefredakteurin Helga Zepp-LaRouche stellte dies in ihrer Grundsatzrede in den größeren strategischen Zusammenhang:
„Es ist an der Zeit, daß die Länder des Globalen Südens eine Führungsrolle in der heutigen Welt übernehmen und beweisen, daß Kissingers Mantra, ,Geschichte wird nicht im Süden geschrieben‘, völlig falsch ist. Wenn sich die Länder Iberoamerikas um einen gemeinsamen Entwicklungsplan zusammentun, können sie die Souveränität über alles übernehmen und ihre Zukunft selbst gestalten. Statt den südamerikanischen Kontinent zum Schauplatz einer geopolitischen Konfrontation werden zu lassen, kann ein vereintes Iberoamerika den Kurs der Weltpolitik beeinflussen.“
Besonderes Augenmerk richtete sie auf Brasilien, wo am 4. Oktober Präsidentschaftswahlen anstehen, bei denen die „Spekulationsgeier“ der Wall Street und der Londoner City alles tun, um eine Wiederwahl von Präsident Lula da Silva zu verhindern:
„Brasilien ist Gründungsmitglied der BRICS und kann in dieser Eigenschaft die Rolle eines Vermittlers zwischen der globalen Mehrheit und dem globalen Norden spielen, indem es sich auf die Tradition des Geistes der Zusammenarbeit zwischen [dem brasilianischen Präsidenten] Getúlio Vargas und [US-Präsident] Franklin Delano Roosevelt beruft. Wenn Brasilien den Bi-Ozeanischen Eisenbahnkorridor auf die Tagesordnung setzt, kann es sowohl China als auch die Vereinigten Staaten einladen, sich an der Perspektive der gemeinsamen Entwicklung zu beteiligen.“
Ein zentrales Thema zwischen den Rednern war die Frage, ob und wie man die USA, die heute weltweit nach dem Gesetz des Dschungels agieren, zur Vernunft bringen und die Tradition von Franklin Roosevelt und Lyndon LaRouche wiederbeleben kann. Zepp-LaRouche betonte, eine solche Wende in den USA, angetrieben von der „Stimme des Globalen Südens“, die ein neues System mit Gerechtigkeit für alle fordert, sei der einzige Weg, um einen frontalen Zusammenstoß zu vermeiden, der wahrscheinlich in einem thermonuklearen Krieg enden würde.
In der ersten Sitzung1 sprachen namhafte Redner aus den wichtigsten beteiligten Ländern: Brasilien, Peru und China. Zhang Weiwei, Professor für Internationale Beziehungen an der Fudan-Universität in Shanghai, äußerte Chinas volle Unterstützung für einen solchen entwicklungsorientierten Ansatz zur Lösung globaler Probleme, wofür der Hafen von Chancay, der von Peru und China erbaut und 2024 eingeweiht wurde, ein Vorbild sei. „In diesem historischen Moment, einer Zeit der Unsicherheit und großen Turbulenzen, ist es in der Tat zeitgemäß und sehr weitsichtig, über dieses wegweisende Projekt zu sprechen – den Bi-Ozeanischen Eisenbahnkorridor, der den Hafen von Chancay in Peru mit dem Hafen von Ilhéus in Brasilien verbindet. Dieses wegweisende Projekt ist Gegenstand einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie von Brasilien, Peru und China und ist meiner Meinung nach Ausdruck von echter multilateraler Zusammenarbeit und Solidarität des Globalen Südens.“
Wie im Verlauf des Forums deutlich wurde, würde ein solches erfolgreiches Integrationsprojekt auch beweisen, daß dieser Ansatz zur Integration – „das wichtigste und anspruchsvollste Vorhaben in der Staatskunst überhaupt“ – sich auch auf noch schwierigere, tief verwurzelte Probleme in anderen Teilen der Welt anwenden läßt, wie beispielsweise den Völkermord und die endlosen Kriege in Südwestasien. Zhang drückte das so aus:
„Der Bi-Ozeanische Eisenbahnkorridor ist mehr als ein Verkehrsinfrastrukturprojekt. Er ist ein starkes Symbol für südamerikanische Integration, gegenseitige Hilfe und unabhängige Entwicklung. Er verbindet statt zu spalten, bringt Entwicklung statt Konfrontation und führt zu gemeinsamem Wohlstand und gemeinsamer Entwicklung. Ich denke, wir sollten uns alle intensiv dafür einsetzen, diese Idee und dieses faszinierende Projekt im Interesse des Globalen Südens voranzubringen.“
Roberto Amaral, ehemaliger brasilianischer Minister für Wissenschaft und Technologie (2003) in Lulas erster Regierung, sprach über „Die Zukunft Brasiliens: Wissenschaft, Technologie, Innovation und Souveränität“. Er betonte: „Wissenschaftlicher und technologischer Fortschritt schafft die Mindestvoraussetzungen, um den Traum von Souveränität in einer ausgesprochen asymmetrischen Welt zu erfüllen – inmitten einer Globalisierung, die auf einen neuen Kalten Krieg zusteuert, der, wie wir wissen, nicht den Interessen der Menschheit dient...
Brasilien könnte aufgrund seiner Größe, Bevölkerungszahl und seines Entwicklungsstands sowie seiner riesigen Reserven an strategischen Metallen – wie den sogenannten Seltenen Erden – als Bastion des Widerstands dienen. Schon jetzt sieht man es als Störfaktor, der beseitigt werden muß.“
Zur Verteidigung Brasiliens müßten Außen-, Wissenschafts- und Verteidigungspolitik zusammenlaufen. Amaral plädierte er für gemeinsame Integrationsprojekte mit Brasiliens Nachbarn und anderen Ländern: „Für unsere Projekte ist es unerläßlich, die Beziehungen zu den anderen Ländern Südamerikas zu stärken und tiefe Kooperationsbindungen aufzubauen. Das Gleiche gilt für unsere langjährige Zusammenarbeit mit China, Südafrika, Indien und Rußland – Ländern, die mit uns zusammen den Kern der BRICS bilden und mit denen wir wissenschaftliche Kooperationsprogramme vereinbart haben.“
Der peruanische General a.D. Edwin Patterson Monsalve, Wissenschaftler und Professor für Geopolitik und Geostrategie, sprach zum Thema „Der peruanische Hafen Chancay und die Entwicklungs- und Integrationsnetzwerke Südamerikas“. In seinem Land herrsche seit langem die Überzeugung, daß es „keine Entwicklung ohne Sicherheit und keine Sicherheit ohne Entwicklung“ geben kann. Aus der bipolaren Welt des Kalten Krieges sei eine von den USA dominierte, unipolare Welt geworden, aber die müsse jetzt ihrerseits einer multipolaren Welt mit Bündnissen wie den BRICS weichen.
Der Hafen von Chancay sei „ein strategisches Ziel des peruanischen Staates“, das Perus Beziehungen zum übrigen Südamerika und zur gesamten Welt grundlegend verändern werde. Er lobte Chinas Rolle bei der Konzeption und der Unterstützung Perus beim Aufbau des Projekts. Der Hafen werde Perus Handelsbeziehungen China stärken und sich gleichzeitig zu einem Knotenpunkt für andere südamerikanische Länder entwickeln, die ihre Wirtschaftsbeziehungen zu China ausbauen möchten.
Bis zur Eröffnung von Chancay Ende 2024 lief Perus gesamter Chinahandel über nordamerikanische Häfen wie Long Beach. Nun fürchteten die USA, ihre Position als Vermittler im Handel zwischen Südamerika und Asien zu verlieren. Es sei aber Perus langjährige Politik, gute Wirtschaftsbeziehungen zu allen Ländern und die Integration Südamerikas anzustreben.
Der brasilianische Ökonom Paulo Nogueira Batista jun., der von 2007-15 beim IWF in Washington Exekutivdirektor für Brasilien und zehn weitere Länder war und Mitbegründer und Vizepräsident der Neuen Entwicklungsbank (NDB) der BRICS war, sprach über „Die neue Monroe-Doktrin und die Ansprüche der USA auf unangefochtene Hegemonie in der westlichen Hemisphäre“.
Die USA „handeln nach ihren neuen Grundsätzen“, das sehe man an der Invasion Venezuelas und der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro, der Blockade Kubas sowie den zunehmenden Konflikten mit Kanada und anderen Ländern. Doch die USA begingen auch „enorme strategische Fehler“, indem sie gleichzeitig Konflikte mit Rußland, dem Iran und China heraufbeschwören und sie damit zwingen, sich zu verbünden. Der Iran habe bewiesen, daß „die Fähigkeit, Aggressionen zu widerstehen“, nicht von nuklearer Abschreckung abhänge. Brasilien und andere Nationen sollten ihre Verteidigungsfähigkeiten ausbauen, um sich davor zu schützen, Opfer von Aktionen der USA wie der gegen Venezuela zu werden.
„Das bedeutet, so schnell wie möglich eine nationale Verteidigungsstrategie zu entwickeln und sich auf das Schlimmste vorzubereiten: auf das Beste hoffen, sich auf das Schlimmste vorbereiten.“ Dazu gehöre auch militärische Zusammenarbeit.
Die Frage, die Lyndon LaRouche im Video stellte: „Können wir überleben?“, sei heute noch relevanter. „Wir leben in einer Welt des Hyperimperialismus… Angesichts der durch den Hyperimperialismus geschaffenen neuen Umstände stehen wir vor einer existentiellen Bedrohung.“
Dennis Small, EIR-Redakteur für Iberoamerika und selbst US-Amerikaner, antwortete: „Es ist für uns alle wichtig, sich daran zu erinnern, daß die Vereinigten Staaten nicht die Wall Street, George Bush, Barack Obama und Donald Trump sind. Es gibt einen roten Faden, der sich durch die Geschichte unseres Landes zieht und den Lyndon LaRouche am besten zum Ausdruck bringt.“ Das sei der Schlüssel zur Lösung der aktuellen Zusammenbruchskrise.
Es gebe auch die USA von Franklin Roosevelt, der sich mit Präsident Vargas verbündete, um bei der Entwicklung Brasiliens zu helfen, und der den mexikanischen Präsidenten Lázaro Cárdenas bei der Verstaatlichung des Öls unterstützte. Die USA stünden auch für die Politik von John Quincy Adams, der die Monroe-Doktrin verfaßte – das genaue Gegenteil von dem, was Teddy Roosevelt daraus machte und was Trump nachahmt – und für die Politik von Lincoln und LaRouche. Dieser rote Faden könne und müsse die USA wieder zur Politik einer Interessengemeinschaft mit allen Ländern zurückführen.
Nogueira Batista stimmte zu, daß die Regierungen von F.D. Roosevelt, Lincoln und John F. Kennedy ein anderes Modell boten. Die jüngste Geschichte sei aber weit weniger ermutigend, und Trump sei da keine Ausnahme. Es gebe wenig Hoffnung, daß die USA zu ihrer besseren Politik zurückkehren.
Zepp-LaRouche erinnerte alle an die akute Gefahr eines Atomkriegs: „Deshalb ist Scheitern keine Option!“ Dazu sei es strategisch entscheidend, daß die Stimmen des Globalen Südens – so wie in dieser Veranstaltung - in den USA und Europa laut und deutlich gehört werden. Sie dankte allen Teilnehmern für ihren Beitrag dazu. Die Diskussion habe die entscheidende Frage deutlich herausgearbeitet: „Kann sich die Menschheit selbst regieren oder nicht?“
Letzter Redner des ersten Teils war Oberst a.D. Pedro Baños aus Spanien, ein geopolitischer Analyst und Dozent an verschiedenen militärischen Einrichtungen im In- und Ausland. Er sprach zum Thema „Warum Spanien sich nicht am Krieg der NATO gegen Rußland und den Iran beteiligen darf“. Baños, der in spanischsprachigen Ländern fast eine Million Abonnenten auf YouTube hat, gab einen Überblick über die Geschichte der NATO seit ihrer Gründung 1949 und über Spaniens Mitgliedschaft, die 1982 unter der Bedingung begann, daß es weder Atomwaffen noch US-Militärstützpunkte beherbergt. Die Bedingung wurde in den 90er Jahren geändert. Als sich der Warschauer Pakt auflöste, sei die Annahme gewesen, daß sich auch die NATO schrittweise auflösen würde – stattdessen habe sie sich verdoppelt. Würde Spanien, wie von Trump gefordert, 5% des BIP für Verteidigung ausgeben, wäre das eine Verfünffachung und kaum durchführbar. Spanien habe durch die Beteiligung an einem Krieg gegen Rußland nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren.
Die zweite Sitzung2 begann mit einem Videoausschnitt aus einer Rede von Lyndon LaRouche auf einer Konferenz 1997 in Washington, wo er sagte: „Die Beziehungen der USA zu China können zum entscheidenden Dreh- und Angelpunkt für einen globalen Wandel werden.“ LaRouche erläuterte dann sein Konzept der Weltlandbrücke:
„Es geht um den Aufbau eines globalen Infrastrukturnetzes, das seinen Ursprung in der Arbeit der Lincoln-Regierung in den Vereinigten Staaten ab 1861 hat – das heißt, unter dem Einfluß des damals weltweit führenden Ökonomen, des US-Ökonomen Henry C. Carey. Die Vereinigten Staaten starteten ein landesweites Entwicklungsprogramm, die sogenannte Transkontinentale Eisenbahn. Wir schufen ein Netz transkontinentaler Eisenbahnstrecken, die die Vereinigten Staaten vom Atlantik bis zum Pazifik durchqueren. Das waren nicht nur Transportwege, sondern sie waren als Entwicklungskorridore konzipiert, indem auf einer Breite von 50 bis 75 Kilometern zu beiden Seiten der Bahnstrecke landwirtschaftliche und andere Entwicklungsprojekte stattfinden.“
Das Ziel sei nun, „die ganze Welt in einem groß angelegten Wirtschaftsentwicklungsprogramm zusammenzubringen, das die Grundlage für Aufschwung und Wohlstand der Weltwirtschaft im kommenden Jahrhundert bilden kann.“
Anschließend sprach Dennis Small zum Thema „Südamerikas Bi-Ozeanischer Eisenbahnkorridor: eine planetarische Transformation im Jahrhundertmaßstab“. Er berichtete von einer Reise nach Brasilien 1982, bei der er Carajás besuchte, den Standort der größten Eisenerzvorkommen der Welt. Brasilien stand damals vor der Entscheidung, ob es nur Erz exportiert, um Devisen für den Schuldendienst zu beschaffen, oder ob es das Eisen für Infrastrukturprojekte und Industrie im eigenen Land nutzt. Das sei noch heute die klassische Entscheidung für Nationen, die souveräne Staaten statt Kolonien werden wollen, und der Schlüssel zur Zukunft Südamerikas mit dem Bi-Ozeanischen Eisenbahnkorridor.
Small kam dann auf LaRouches Beispiel der Transkontinentalen Eisenbahn aus dem 19. Jahrhundert zurück und zitierte Lincolns Berater Henry Carey zu den Vorteilen einer solchen Infrastruktur. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe dann Rußland unter Finanzminister Graf Witte – einem Anhänger des Amerikanischen Systems von Carey und Friedrich List – die Transsibirische Eisenbahn gebaut. Im 21. Jahrhundert stehe derselbe realwirtschaftliche Ansatz hinter Chinas beeindruckendem, 50.000 Kilometer langem Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz, eine „Übernahme des Amerikanischen Systems von Lincoln und Carey mit chinesischen Merkmalen“.
Der Bi-Ozeanische Eisenbahnkorridor sei aber erst der Anfang, betonte Small. Die Südamerikaner müßten nun wie die ganze Welt ihren Blick auf die Sterne richten und sich der Weltraumforschung und später der Kolonisierung jenseits der Erde widmen. Das Hubble-Teleskop habe über zwei Billionen Galaxien im beobachtbaren Universum entdeckt, jede mit Hunderten von Milliarden Sternen. Das Erstaunlichste sei aber nicht, daß das Universum so unvorstellbar groß ist, sondern, daß der menschliche Verstand fähig ist, dieses Konzept zu begreifen und unser wissenschaftliches Verständnis dieses fortwährenden Schöpfungsprozesses, den wir „Universum“ nennen, kontinuierlich zu verbessern.
Donald Ramotar, ehemaliger Staatspräsident von Guyana (2011-15), sprach über „Eine Politik der guten Nachbarschaft unter den Nationen Südamerikas“. Westliche Regierungen, die die Kriege in der Ukraine und Israels unterstützten, seien Marionetten des berüchtigten Militärisch-Industriellen Komplexes und anderer korrupter privater Interessen. Er verurteilte die offene Einmischung der Vereinigten Staaten in Wahlen in Südamerika und die Militarisierung der Karibik mit der sinnlosen mörderischen Bombardierung von Fischerbooten. Er beklagte, viele karibische Staaten hätten dem gegenüber kapituliert.
„Aber was wir in den Vereinigten Staaten beobachten, ist nicht nur Stärke, sondern Verzweiflung“, argumentierte Ramotar. „Sie haben Todesangst vor den BRICS.“ Der unerschütterliche Widerstand der Iraner habe gezeigt, daß der Macht der USA Grenzen gesetzt sind. Präsident Lula in Brasilien sei ein Beispiel eines Staatschefs im Globalen Süden, der die Notwendigkeit der Integration und des Aufbaus einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur versteht.
Sara Madueño de Vásquez, EIR-Büroleiterin in Lima in Peru, referierte über das Thema „Der ‚Chancay-Effekt‘ am Vorabend des Papstbesuchs in Peru“. Sie verwies auf das Engagement des Papstes für wirtschaftliche Entwicklung und bezog sich besonders auf den Ausbau des Hafens von Chancay und des südamerikanischen Kontinents insgesamt. Ein historischer Präzedenzfall sei das Straßennetz im Reich der Inkas ab dem 15. Jahrhundert. Madueño stellte den ausbeuterischen Ansatz der USA gegenüber Südamerika dem kooperativen Ansatz Chinas gegenüber.
Infrastruktur allein reiche jedoch nicht aus, man brauche auch Bildung und Armutsbekämpfung. Madueño beschrieb die historische Bedeutung des peruanischen Präsidenten Manuel Pardo aus dem 19. Jahrhundert, der sagte, daß große Bauwerke Optimismus wecken – so wie der Hafen von Chancay in Peru heute. Später fügte sie hinzu: „Wir müssen aufwachen, so wie es die Chinesen getan haben… Um Entwicklung zu erreichen, brauchen wir Bildung.“
Die Diskussionsrunde endete mit zwei Videos von Mitgliedern der internationalen Jugendbewegung des Schiller-Instituts.
Das erste stammte von Estevão Damacena aus Brasilien und trug den Titel „Brasiliens Schwachstellen in der Realwirtschaft und wie man sie überwinden kann“. Er berichtete, wie er und andere junge Brasilianer – wie sein Kollege Felipe Bombardelli, der später an der Diskussionsrunde teilnahm – an einer Untersuchung der brasilianischen Realwirtschaft arbeiten und dabei LaRouches konzeptionellen Rahmen nutzen. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am BIP Brasiliens sei auf 15,3% gesunken, halb so viel wie in den 1980er Jahren. Schuld an diesem Rückgang sei hauptsächlich die katastrophale Banken- und Finanzpolitik – der Leitzins in Brasilien liegt heute bei über 14%, einer der höchsten weltweit – sowie die massive Umleitung von Mitteln in den Schuldendienst, der mittlerweile etwa 36% des Staatshaushalts ausmacht.
Auf Damacena folgte Timothy Ninsiima, Mitglied der Jugendbewegung des Schiller-Instituts aus Uganda, mit einer begeisterten, optimistischen Lesung eines neuen Dokuments mit dem Titel „Gemeinsame Erklärung zur Gründung der globalen Jugendbewegung für eine gerechte Weltordnung und ein neues Paradigma“.3
Die Sitzung endete mit Smalls Zusammenfassung von Lyndon LaRouches Eingangsthema: daß die Integration das tiefgreifendste und anspruchsvollste Thema der gesamten Staatskunst ist, weil sie von allen Beteiligten verlangt, sich über ideologische Differenzen hinwegzusetzen und ihre Einheit auf das zu gründen, was die Menschheit wirklich ausmacht: unsere charakteristische Eigenschaft der Kreativität, die es ermöglicht, für die „Eine Menschheit“ zu kämpfen. Man könne jetzt sehen, wie dieser Ansatz erste Erfolge zeigt – in den Bemühungen Brasiliens, Perus und Chinas, den Bi-Ozeanischen Eisenbahnkorridor aufzubauen. Dessen Erfolg werde ein Prinzip beweisen, das weltweit Anwendung finden wird.
Anmerkungen
1. Siehe „An Alternative to War and Looting in the Americas” – Panel 1, Youtube-Kanal der EIR News, 4. September 2026.
2. Siehe „An Alternative to War and Looting in the Americas” – Panel 2, Youtube-Kanal der EIR News, 4. September 2026.
3. Siehe „Die größte Ressource sind die Menschen und ihre Kreativität”, „Gemeinsame Erklärung zur Gründung der globalen Jugendbewegung für eine gerechte Weltordnung und ein neues Paradigma”, Neue Solidarität Nr. 35-36, 27.08.2026.
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