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Neue Solidarität
Nr. 45-46, 5. November 2026

Warum wir einen Amerikanischen Friedenskongreß gründen müssen

Von Dr. Martin Schotz

Beitrag von Dr. E. Martin Schotz am 2. Oktober 2026 auf der 174. wöchentlichen Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC). Schotz ist Koordinator des JFK Peace Speech Comitee, prominentes Mitglied der Friedensgruppe Massachusetts Peace Action (MAPA) und Autor eines Buches über den Mord an Präsident Kennedy und die Folgen („History Will Not Absolve Us: Orwellian Control, Public Denial, and the Murder of President Kennedy“). Der Text wurde leicht bearbeitet. Das Video ist hier verfügbar.

Ich bin der Koordinator des JFK Peace Speech Committee. Wie viele wissen, vollzog Präsident John F. Kennedy im letzten Jahr seiner Amtszeit eine radikale und dramatische Kehrtwende, gegen den Krieg im allgemeinen und gegen den Kalten Krieg. Am 10. Juni 1963 hielt er eine Abschlußrede an der American University, in der er seine Vorstellungen vom Weltfrieden darlegte. Er fragte zu Beginn dieser Rede: „Welche Art von Frieden streben wir an? Welche Art von Frieden meine ich?“ Er antwortet ausdrücklich: „Keine ‚Pax Americana‘, die der Welt mit Kriegswaffen aufgezwungen wird“, sondern einen Frieden, der das Leben für alle lebenswert und besser macht, und keinen Frieden nur für Amerikaner, sondern „Frieden für alle Menschen und für alle Zeiten“.1

Wir engagieren uns als Komitee dafür, diese Rede zu verbreiten, weil sie in unserem Land nur sehr, sehr wenig bekannt ist, aber wesentliche, absolut zeitlose Prinzipien des Friedens verkörpert, die die Menschen verstehen müssen, um zu wissen, wofür sie sich einsetzen sollen, und um zu erkennen, wann von wahrer Sicherheit die Rede ist und wann von der falschen Sicherheit des Militarismus.

In meinem Buch History Will Not Absolve Us („Die Nachwelt wird uns nicht freisprechen“) erwähne ich, daß Präsident Kennedy aus meiner Sicht „ein de Klerk ohne ANC war“. Damit meinte ich, daß Präsident de Klerk in Südafrika die Abschaffung der Apartheid herbeiführen konnte, weil er sich an die Befürworter der Apartheid wenden und sagen konnte: „Seht mal, wollt ihr es auf meine Art machen oder auf die Art des ANC (Afrikanischen Nationalkongresses). Der ANC wird die Apartheid so oder so abschaffen.“

Kennedy hingegen war bei seiner Hinwendung zum Frieden isoliert. Er hatte nichts, was dem ANC auch nur annähernd gleichkam, um sein Vorgehen zu unterstützen, und so konnte er aus dem Weg geräumt werden, und die Vereinigten Staaten konnten auf den militaristischen Kurs zurückschwenken, den sie nun schon seit Jahrzehnten weiter verfolgen.

Eine der Fragen, die sich daher stellte, war: Was würde es für uns bedeuten, wenn wir heute in den Vereinigten Staaten ein Pendant zum ANC hätten? Und die Idee war, daß wir einen Amerikanischen Friedenskongreß brauchen – einen Zusammenschluß aller verschiedenen Friedensorganisationen, Menschenrechtsorganisationen, Organisationen für soziale Gerechtigkeit und Gewerkschaften in einem Amerikanischen Friedenskongreß –, und daß aus diesem Kongreß etwas entstehen könnte, wie es der ANC entwickelt hat. Der ANC entwickelte die „Freiheitscharta“, in der die Prinzipien dargelegt wurden, für die er kämpfte, gegen die Apartheid. Und was aus einem amerikanischen Friedenskongreß hervorgehen könnte, ist eine „Freiheit von Krieg-Charta“.

Einige von uns haben dazu die Freiheitscharta des ANC und Präsident Kennedys Rede herangezogen und sie zu einem Dokument zusammengefaßt, eine Freiheit von Krieg-Charta. Das Dokument soll natürlich nur dazu dienen, den Menschen vor Augen zu führen, was möglich wäre. Die eigentliche „Charta der Freiheit von Krieg“ müßte aus dem Amerikanischen Friedenskongreß selbst hervorgehen. Daher bin ich daran interessiert, mit allen zusammenzuarbeiten, die das gerne verwirklichen möchten und die sich auch für unsere Arbeit im Zusammenhang mit Präsident Kennedys Rede an der American University interessieren. Ich werde meine E-Mail-Adresse im Chat hinterlassen, damit wir mit allen Interessierten in Kontakt treten können. Vielen Dank.

Abschließende Bemerkungen von Dr. Schotz

Es gab noch ein paar Dinge, die ich über die Kennedy-Rede nicht gesagt habe, die ich aber für sehr, sehr wichtig halte: Frieden ist kein Zustand; er ist ein Prozeß, eine Art, Probleme zu lösen. Und er sagt, Weltfrieden sei wie Frieden in einer Gemeinschaft. Er erfordert nicht, daß sich alle lieben, sondern daß sie sich darauf einigen, zusammenzuleben und ihre Streitigkeiten einer gerechten Autorität zu unterwerfen. Und ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig es ist, diese Rede unserer Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit sie wirklich versteht, was ein echter Friedensprozeß ist. Vielen Dank.


Anmerkung

1. Rede von Präsident John Kennedy vor der American University, Washington, D.C., 10. Juni 1963.

Weitere Beiträge der Internationalen Friedenskoalition (IPC)

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