|
|
Von Jason Ross und Alexander Hartmann
US-Außenminister Marco Rubio beschrieb in seiner Rede vor der Münchner Sicherheitskonferenz am 13. Februar offen die Weltanschauung, die immer mehr die Regierung von Donald Trump prägt – eine erschreckende Weltsicht, die auf der jahrhundertealten Behauptung britischer Philosophen beruht, der Mensch sei ein Wesen, das nur rohe Gewalt versteht. So sagte Rubio:
„In einer perfekten Welt würden alle diese Probleme und noch mehr durch Diplomaten und scharf formulierte Resolutionen gelöst. Aber wir leben in keiner perfekten Welt, und wir können nicht weiter zulassen, daß diejenigen, die unsere Bürger offen und unverhohlen bedrohen und unsere globale Stabilität gefährden, sich hinter Abstraktionen des Völkerrechts verstecken, gegen das sie selbst regelmäßig verstoßen.”
Rubios Äußerungen mit der Verächtlichmachung des Völkerrechts waren auch eine Drohung gegenüber Europa, obwohl er den Europäern sagte: „Amerika ebnet den Weg für ein neues Jahrhundert des Wohlstands, und ... wir wollen dies gemeinsam mit Ihnen tun.“ Aber anstatt Rubios Behauptung, der westliche Hegemonialismus müsse wieder die Welt beherrschen, zu verurteilen, ehrten ihn seine europäischen Kollegen mit Ovationen!
Rubio würdigte fünf Jahrhunderte Ausbreitung des Westens auf der Welt, „seine Missionare, seine Pilger, seine Soldaten, seine Entdecker“. Aber dabei machte er keinerlei Unterschied zwischen der antiimperialistischen Weltsicht der Amerikanischen Revolution und den imperialen Übergriffen des „Westens“, wie dem Sklavenhandel, den Opiumkriegen und der Plünderung ganzer Kontinente. Den Rückzug der Kolonialreiche nach 1945 beschrieb er als eine Tragödie durch „gottlose kommunistische Revolutionen und antikoloniale Aufstände“.
Vor diesem Hintergrund wirkte die Passage seiner Rede, die wohl als ein begeistertes Plädoyer für die westliche Zivilisation gedacht war, wie der Gipfel des Zynismus. Der europäische Kontinent habe „die Genies Mozart und Beethoven, Dante und Shakespeare, Michelangelo und Da Vinci, Beatles und Rolling Stones hervorgebracht“. Einmal abgesehen von der Peinlichkeit, eine Rockband mit Beethoven zu vergleichen – die grundsätzlichere Frage, die Rubios Rede ungewollt aufwirft, lautet: Was ist der tatsächliche Zustand der Zivilisation, für die er sich angeblich einsetzt?
Wenn Rubio ehrlich wäre, müßte er zugeben, daß das imperiale System, dem er nachtrauert, schon immer auf einer Zerstörung der Moral beruht hat, wie sie jetzt in den Epstein-Akten für alle sichtbar zum Vorschein kommt: eine herrschende Klasse, der antrainiert wurde, Machtausübung von jeglicher menschlicher Empathie zu trennen. Das britische System teurer Eliteschulen (Public Schools) hat das über Jahrhunderte hinweg perfektioniert. Die Ähnlichkeiten zu Epsteins Operationen in den USA sind dabei nicht zu übersehen.
Die jüngsten Epstein-Enthüllungen Mitte Februar brachten ans Licht,
In Großbritannien durchsuchte die Polizei die Wohnung eines ehemaligen Botschafters wegen des Verdachts, daß er Staatsgeheimnisse an Epstein weitergab, und Stabschef und Kommunikationschef von Premierminister Starmer mußten zurücktreten.
Das ist kein Skandal um ein paar schwarze Schafe. Es ist die Lebens- und Arbeitsweise der transatlantischen Elite – derselben Elite, die dem Rest der Welt Vorträge über Demokratie, Menschenrechte und eine regelbasierte Ordnung hält. Die Epstein-Akten belasten nicht nur die Personen, die bisher entlarvt wurden – ein kleiner Teil der tatsächlich Beteiligten –, sie sind eine Anklage gegen die gesamte imperiale Ordnung, die ein solches Denken und Handeln toleriert hat, so wie es Rubios barbarische Weltanschauung zeigt.
Aber das Naturrecht ist in diesem Punkt unerbittlich. Man kann so viele Gesetze beschließen, wie man will, alle Armeen einsetzen, die man befehligt, aber eine Zivilisation, die eine Führungsschicht toleriert, die nur auf eiskalte Herrschaft anstatt auf Entwicklung ausgerichtet ist, ist eine Zivilisation im tödlichen Niedergang. Sie geht unter, nicht wegen eines äußeren Feindes, sondern weil sie sich innerlich ausgehöhlt hat.
Das Problem war nicht Epstein als Person, das Problem ist das gesamte System, von dem er nur ein Symptom war. Die gleiche arrogante Mißachtung jeglicher Menschenwürde, die man in Epsteins Kreisen findet, macht es möglich,
Der frühere Vorsitzende der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat den entscheidenden Punkt in einem Kommentar am 13. Februar eindringlich zum Ausdruck gebracht. Ausgehend von scharfer Kritik an der „beschämenden, entsetzlichen“ Entscheidung von Premier Starmer, den Epstein-Freund Peter Mandelson zum Botschafter zu ernennen, hob Corbyn den Skandal auf eine viel höhere Ebene. Alle Kandidaten für Starmers Nachfolge würden „das erbärmliche politische Erbe, das er hinterläßt, wahrscheinlich weiterführen. Dazu gehören das Versäumnis, die obszöne Ungleichheit in unserer Gesellschaft zu beseitigen, die schändlichen Angriffe auf Behinderte, der widerwärtige Haß auf Migranten... und die fortgesetzte militärische Zusammenarbeit mit Israel, das den Scheinwaffenstillstand verletzt und seinen Völkermord an den Palästinensern fortsetzt“.
Was würde in Amerika ein Präsident George Washington, der sich für die Förderung des Gemeinwohls einsetzte und betonte, die Legitimität der Regierung leite sich aus der Zustimmung der Regierten ab, von einer Justizministerin halten, die Abgeordnete ausspioniert, während sie Beweise für Verbrechen untersuchen? Was würde Benjamin Franklin, der brillante Publizist, Wissenschaftler und Diplomat, zu einem Außenminister sagen, der Zivilisation als das Recht definiert, über andere zu herrschen, statt als Verpflichtung, andere Länder zu entwickeln?
Die amerikanische Republik wurde nicht gegründet, um ein Imperium zu verwalten, sondern das genaue Gegenteil. Sie wurde auf der Grundlage der These gegründet, daß alle Menschen unveräußerliche Rechte, angeborene Würde und kreatives Potential besitzen, und daß es die Aufgabe der Regierung ist, beides zu fördern.
2026 jährt sich die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung zum 250. Mal. Wenn das mehr sein soll als Feiern mit leerem Pomp, muß es zum Ausgangspunkt für eine Abrechnung werden – nicht nur mit den in den Epstein-Akten dokumentierten Verbrechen, sondern auch mit der Kultur, die sie hervorgebracht und zugelassen hat. Eine Zivilisation, die diesen Namen verdient, mißt sich nicht an der Macht, die sie ausübt, sondern an der Schönheit, die sie schafft, und an der Kreativität, die sie entfaltet – in der Wissenschaft, in der Infrastruktur, in der Bildung, in den Künsten.
Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, konstatierte in einer Diskussion mit Mitarbeitern am 16. Februar, der Epstein-Skandal sei „der Todesstoß für das westliche liberale System, weil er die extreme Unmoral hinter dem Kolonialismus und hinter interventionistischen Kriegen – imperialistischen Kriegen aller Art - offenbart hat. Und ich glaube, das wird nicht verschwinden. Es ist ein Symptom eines sterbenden Imperiums, und wie qualvoll es auch sein mag, wie lange es auch dauern mag, ich glaube nicht, daß dieser Prozeß umgekehrt werden kann.“
Daher sei der Kampf für ein neues außenpolitisches Paradigma und für eine kulturelle Renaissance heute wichtiger denn je. „Denn der wahre Krieg ist der Krieg der Kultur und des Menschenbildes. Ist der Mensch ein Tier? ... Oder ist es die edle Vorstellung, daß die Menschheit die einzige Gattung ist, die mit kreativer Vernunft begabt ist und fähig, wunderschöne Kompositionen in der klassischen Musik zu schaffen, Kathedralen zu bauen und Gedichte zu schreiben? Das ist der eigentliche Kampf bei alledem... Das ist die wichtigste Antwort, die wir geben müssen, denn sonst versinken die Menschen nur in Ekel und Verzweiflung, und dann gibt es keine Hoffnung mehr für die Menschheit.“
Die Frage ist nicht, ob der Westen einmal einen Beethoven hervorgebracht hat. Die Frage ist, ob wir heute etwas von vergleichbarem moralischem Wert hervorbringen können – oder ob wir in einer degradierten Kultur diesen Anspruch aufgegeben haben, und damit das edle Menschenbild, auf der jede Zivilisation beruhen muß, die zu verteidigen würdig ist.
In dieser Hinsicht wird das kommende EIR-Internetforum am 2. März von entscheidender Bedeutung sein. Das Thema lautet „Epstein und die grenzenlose Verkommenheit der Eliten – Wir brauchen dringend eine kulturelle Renaissance!“ Melden Sie sich noch heute an und werben Sie dafür! (Die Einladung zu diesem Forum finden Sie in dieser Ausgabe der Neuen Solidarität.)
Weitere Leitartikel der vergangenen Wochen
Liebe Leserinnen und Leser, dank Ihrer freundlichen Resonanz auf unseren Aufruf zur finanziellen Unterstützung ist es uns gelungen, das Jahr finanziell zu überstehen, auch wenn wir leider im vergangenen Sommer dazu gezwungen waren, die Erscheinungsweise der Neuen Solidarität von bisher acht Seiten wöchentlich auf zwölf Seiten alle zwei Wochen umzustellen.
Ihre Hilfe zeigt uns, daß Sie unsere einzigartige Fähigkeit schätzen, strategisch zu denken und sozusagen „im Voraus“ die entscheidenden Dynamiken des Weltgeschehens zu erkennen. Freuen wir uns über die Fortschritte, die unsere Ideen gemacht haben, und freuen wir uns auf weitere Fortschritte in den kommenden Monaten!
Nutzen Sie unsere Zeitung als ein Instrument, dies zu erreichen! Helfen Sie uns, neue Leser zu finden, und empfehlen Sie unsere Zeitung weiter. Für die aktuellen Meldungen empfehlen wir als Ergänzung unsere täglich erscheinenden E.I.R. Nachrichten, die den Abonnenten per E-Mail zugestellt werden. Neukunden können sie 10 Tage lang kostenlos und unverbindlich testen, siehe https://www.eir.de/abo/dadabo/.
Man kann Abonnements auch verschenken. Manche unserer Leser haben Mehrfach-Abonnements, damit Sie die Zeitung an Interessierte weitergeben können. Und natürlich können Sie uns auch weiterhin mit Förderabonnements und Förderbeiträgen helfen.
Kontaktieren Sie uns direkt,
um eine Rechnung anzufordern (Telefon: ++49 +61173650),
oder senden Sie Ihren Beitrag per Banküberweisung an:
E.I.R. GmbH, Verwendungszweck: Unterstützung für die Neue Solidarität
Postbank Frankfurt IBAN: DE93 5001 0060 0330 0216 07
Paypal: buchhaltung@eir.de