Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken
Folgen Sie uns auf
acebook
Neue Solidarität
Nr. 45-46, 5. November 2026

Global Governance Forum diskutiert
Aufbau einer friedlichen Weltordnung

Von Tobias Faku

Unter dem Motto „Vertrauen und Zusammenarbeit wiederherstellen: Globale Regierungsführung in einer Welt im Wandel reformieren und verbessern“ veranstaltete das Chinesische Institut für Auswärtige Angelegenheiten (Chinese People‘s Institute of Foreign Affairs) am letzten Oktoberwochenende das dreitägige „Xiong‘an Global Governance Forum 2026“.

Welches Gewicht die chinesische Regierung und die Regierungen des Globalen Südens dem Thema der globalen Regierungsführung beimessen, läßt sich schon an der Teilnehmerliste ablesen: Viele aktuelle und ehemalige politische Entscheidungsträger aus über 90 Ländern, darunter über ein Dutzend ehemalige Außenminister und Minister anderer Ressorts, sowie jeweils mehr als hundert führende Vertreter aus Wissenschaft und regierungsberatenden Institutionen aus aller Welt waren vertreten. Selbst vier ehemalige Staats- oder Regierungschefs hatten sich in Xiong‘an eingefunden, darunter die ehemalige Präsidentin Nepals, Bidya Devi Bhandari, und der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder. Zu den Delegierten zählten auch zahlreiche hochrangige UN-Funktionäre und Leiter anderer internationaler Institutionen. Auch Wirtschafts- und Jugenddelegierte aus dutzenden Ländern nahmen an den Beratungen teil. Das Schiller-Institut war durch seine Gründerin Helga Zepp-LaRouche vertreten.

In zahlreichen Plenarsitzungen und Podiumsdiskussionen wurde über multilateral ausgerichtete Regierungsführung und -kooperation sowie über eine grundlegende Reform der Vereinten Nationen mit dem Schwerpunkt Stärkung des Globalen Südens diskutiert. Präsident Xis Ansatz einer „Win-Win-Herangehensweise“ auf internationaler Ebene zog sich als roter Faden durch die Beratungen über nachhaltige Entwicklung ebenso wie über die Analyse und „Revitalisierung“ der internationalen Finanz- und Handelssysteme. Das aufkommende KI-Zeitalter erfordere einen noch stärkeren Fokus auf Globale Regierungsführung unter Einbeziehung aller Nationen und Institutionen, sowie gegenseitiges Lernen und Vertrauensbildung auf Augenhöhe, unabhängig von der Größe oder strategischen Relevanz der jeweiligen Nationen.

Zu Beginn des Forums verlas Außenminister Wang Yi eine Grußbotschaft von Präsident Xi Jinping mit dem folgenden Inhalt: Xi stellte fest, daß die Welt einen beschleunigten, seit hundert Jahren beispiellosen Wandel durchläuft und die Defizite bei Frieden, Entwicklung, Sicherheit und Regierungsführung wachsen statt abnehmen. Er habe die Globale Governance-Initiative (GGI) vorgelegt, um den Aufbau eines gerechteren und faireren globalen Governance-Systems und einer besseren Welt voranzutreiben.

Historische Umbrüche

In seiner eigenen Rede stellte Wang Yi die beiden rivalisierenden Regierungsideologien gegenüber, die er auf der Welt sieht:

Die Verteidigung der UN-Charta sei seit ihrem Entstehen vor 80 Jahren die unverzichtbare Grundlage, um Frieden und Wohlstand der Völker zu schützen. Wang betonte die unabdingbare Notwendigkeit, diese in den gegenwärtig so stürmischen Zeiten zu wahren. China unterstütze eine Reform der UNO, um eine gleichwertige Repräsentanz für die Entwicklungsländer zu sichern. Jedes Land, ob groß oder klein, habe das Recht, ein eigenes Gesellschaftssystem zu wählen, das für die Entwicklung seiner Bürger am zuträglichsten ist, die Gleichheit aller Völker müsse geschützt werden. Er hob den sich abzeichnenden internationalen historischen Phasenwandel hervor:

Zukunftsgemeinschaft statt „regelbasierte Ordnung“

China präsentierte auf dem Xiong'an-Forum ein Konzept für eine Neustrukturierung der Weltordnung, bei der die Idee der einen Menschheit vor allen nationalen oder partikulären Interessen Vorrang haben muß. Diese Idee ist nicht wirklich neu, denn sie ist implizit in der UN-Charta enthalten, vor allem ist sie aber mit dem traditionellen konfuzianischen Ideal der harmonischen Entwicklung der gesamten Menschheit kohärent.

Diese Intervention kommt keinen Augenblick zu früh, denn die sogenannte „regelbasierte Ordnung“ befindet sich in Auflösung und in weiten Teilen der Welt herrscht Chaos. Selbst der kanadische Premierminister Mark Carney mußte inzwischen zugeben, was der Globale Süden seit langem weiß: Die Narrative der internationalen „regelbasierten Ordnung“ waren insofern falsch ausgerichtet, als sie die Stärkeren dazu ermutigten, sich stets selbst davon auszunehmen, wenn es ihnen paßte, und „die Handelsbedingungen wurden asymmetrisch aufgezwungen“.

Die Globale Governance-Initiative schlägt dagegen eine Weltordnung vor, die auf fünf Kernprinzipien basiert: nämlich der Förderung eines gerechteren und gleichberechtigten globalen Regierungssystems sowie der Zusammenarbeit für eine gemeinsame Zukunft der Menschheit auf der Grundlage von souveräner Gleichheit, Völkerrecht, Multilateralismus, Gemeinwohl und konkreten Ergebnissen.

Angesichts der im Westen vorherrschenden Weltanschauung fällt es den meisten Journalisten und Politikern schwer, sich vorzustellen, daß China tatsächlich von altruistischen Idealen motiviert ist; sie tendieren stattdessen dazu, ihre eigenen Motive auf China zu projizieren: China werde nur versuchen, den amerikanischen Imperialismus und europäischen Kolonialismus durch chinesische Machtambitionen zu ersetzen.

In Wirklichkeit ist die chinesische Philosophie eine ganz andere und historisch u.a. sehr stark auf das Konzept tianxia begründet, das auf die westliche Zhou-Dynastie (1046-771 v.Chr.) zurückgeht und soviel bedeutet wie „Alle unter dem Himmel“. Präsident Xi Jinpings Konzept der gemeinsamen Zukunft der Menschheit entspricht dieser Idee. Der „Kanon von Yao“, das erste Kapitel des Buchs der Urkunden, der ersten Sammlung historischer Texte in China, präsentiert die Idee der „Harmonie zwischen den Staaten“, einer Idee, die auch in den verschiedenen Schriften Konfuzius‘ enthalten ist.

In der europäischen Ideengeschichte muß man dazu auf Denker wie Nikolaus von Kues und seine Gedanken zurückgehen, daß Harmonie im Makrokosmus erfordert, daß sich alle Mikrokosmen zu einem harmonischen Ganzen entwickeln, oder auf Gottfried Wilhelm Leibniz‘ Idee einer prästabilierten Harmonie. Ebenfalls ähnlich dachte Alexander von Humboldt, der die Welt als ein Netzwerk von miteinander verbundenen natürlichen und menschlichen Systemen verstand, und natürlich Friedrich Schiller, für den Weltbürger und Patrioten eine Einheit bildeten, sowie Ludwig van Beethoven mit der in der Neunten Symphonie ausgedrückten Hymne an die Menschheit: „Alle Menschen werden Brüder!“

Beiträge von Helga Zepp-LaRouche

Das Forum brachte Menschen zusammen, die ihre Sorge um den gegenwärtigen Zustand der Menschheit und das Ringen um eine bessere Weltordnung vereinte. Bei den vielen Themenkomplexen, die in den 22 Diskussionsrunden diskutiert wurden, nahm auch die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, mehrfach Stellung. Im Panel zur Reform des Finanzsystems warnte sie eindringlich vor einem unkontrollierten Finanzkollaps, ausgelöst durch den Energiepreisschock:

Auch im Panel zum Kulturdialog meldete sich Zepp-LaRouche zu Wort. Sie sprach über die Schlüsselrolle des Nikolaus von Kues bei der Überwindung der scheinbaren Gegensätze der Kulturen:

Eine neue Stadt

Passend zu dem Geist der Erneuerung, der das Forum durchzog, tagte es in der „Stadt der Zukunft“, Xiong‘an, einer neuerrichteten Stadt, die auf Initiative Xi Jinpings in den letzten neun Jahren gebaut wurde. Sie ist Teil der Bemühungen, die Schwerindustrie aus Peking in die Region Hebei-Tianjin-Xiong‘an zu verlagern, um die Hauptstadt zu entlasten. Xiong‘an soll ein Musterbeispiel für die Städteplanung der Zukunft sein: In der „Smart City“ ist die Versorgungsinfrastruktur unterirdisch organisiert, um für die Bürger die Wege für Einkäufe und andere Grundversorgung auf ein Minimum zu reduzieren, gleichzeitig aber durch die in China zur Perfektion gebrachte Einbindung von Gartenbau – bei einem geplanten Anteil von 70 Prozent Grünfläche - ein ästhetisches Leben zu ermöglichen.

Zum Ende des Forums wurde das „Xiong’an Vision Document“ veröffentlicht, das den Geist der Konferenz zusammenfaßt: Dabei handelt es sich um einen Aufruf für eine gemeinsame Verteidigung der UN-Charta und der Multipolarität, und es fordert erweiterte Süd-Süd-Kooperation sowie die Etablierung eines gerechteren Weltfinanzsystems.

Zitat: „Wir sind der Auffassung, daß die derzeitige internationale Finanzarchitektur keine ausreichende Vertretung aufweist und die Realität der Weltwirtschaft nicht vollständig widerspiegeln kann. Das künftige internationale Währungssystem sollte sich in Richtung eines dynamischen Gleichgewichts entwickeln. Die Länder sollten den Dialog verstärken, und insbesondere die Länder des Globalen Südens müssen proaktiv handeln, um den Übergang des internationalen Währungssystems zu fördern.“

Weitere Leitartikel der vergangenen Wochen

Ein Hilferuf an die Freunde der Neuen Solidarität!

Wie andere Zeitungen auch leidet die Neue Solidarität unter steigenden Kosten und sinkenden Abonnentenzahlen. Angesichts dieser Entwicklung ist das Weiterbestehen unserer Zeitung gefährdet. Damit ginge dem deutschsprachigen Raum eine wichtige Stimme der Vernunft verloren.

Aufrufe zur Unterstützung unserer Zeitung in den vergangenen Jahren halfen uns, das Defizit aufzufangen, wofür wir uns bei allen Unterstützern herzlich bedanken. Aber es besteht weiterhin ein strukturelles Defizit.

Um dieses zu überwinden, brauchen wir vor allem eines: mehr Abonnenten für unsere Zeitung, was auch das beste Mittel ist, das geistige Defizit im politischen Diskurs der deutschsprachigen Welt zu bekämpfen.

Nutzen Sie unsere Zeitung als ein Instrument, dies zu erreichen! Helfen Sie uns, neue Leser zu finden, und empfehlen Sie unsere Zeitung weiter.

Man kann Abonnements auch verschenken. Manche unserer Leser haben Mehrfach-Abos, damit Sie die Zeitung an Interes­sierte weitergeben können. Und natürlich können Sie uns auch weiterhin mit Förder­abonne­ments und Förderbeiträgen helfen.

(Für die aktuellen Meldungen empfehlen wir als Ergänzung unsere täglich erscheinen­den E.I.R. Nachrichten, die den Abonnenten per E-Mail zugestellt werden.

Neukunden können sie 10 Tage lang kostenlos und unverbindlich testen, siehe https://www.eir.de/abo/dadabo/).

Bankverbindungen – Empfänger: E.I.R. GmbH, Wiesbaden – Stichwort: Erhaltet die Neue Solidarität

Nassauische Sparkasse Wiesbaden
IBAN: DE79 5105 0015 0114 0044 99 – BIC: NASSDE55
Postbank Frankfurt
IBAN: DE93 5001 0060 0330 0216 07 – BIC: PBNKDEFF